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Alt 10.03.2006, 13:07   #2
Ashigaru
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@ Cato: die Fehldatierung des Lagers bei Hedemünden hat schon etwas tragisches an sich.

Den Schlüssen, die du daraus ziehst, kann ich aber nur bedingt folgen, weil vieles davon meines Erachtens bereits Realität ist.

Zitat:
Warum greift man aber nicht vermehrt auf ehrenamtliche Sucher zurück?
Ich kann natürlich hauptsächlich nur für meine Region sprechen. In Hessen wurden, gerade im zurückliegenden Jahrzehnt, einige höchst bedeutsame Grabungen organisiert (z.B. Waldgirmes + Glauberg, um einige Highlights zu nennen). Ansonsten ist es eher ein Negativbeispiel für eine "Grundausstattung" an archäologischer Forschung: Von 21 Landkreisen verfügen nur sieben über hauptamtliche Kreisarchäologen und nur vier über ehrenamtliche (wobei z.B. einer der letzteren von fachlicher Seite häufig heftig kritisiert wird). Sehr "ergiebige" Landkreise wie der Schwalm-Eder-Kreis (m. bedeutenden jungsteinzeitlichen und frühmittelalterlichen Fundstätten), der Hochtaunus-Kreis (mit seinen allerdings gut erforschten Kastellen sowie zahlreichen Ringwällen) oder Bergstraße verfügen über keine dauerhaften Betreuer.
Von daher ist der Beitrag ehrenamtlicher Helfer als Feldbegeher oder auch Grabungshelfer sehr bedeutend. Wobei ich den Eindruck habe, dass auch dies besser organisiert werden kann, wenn für die Ehrenamtlichen ein Kreisarchäologe oder das Landesdenkmalamt als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Ich glaube auch nicht, dass der Anteil Ehrenamtlicher in anderen Bundesländern an der archäologischen Arbeit unbedeutender ist.

Wo du Tony Clunn nennst: das ist natürlich ein Paradebeispiel für gute Zusammenarbeit, soweit ich weiß, hat er den Kreisarchäologen von Anfang über seine Sondengänge in Kenntnis gesetzt.

Allerdings sind den Ehrenamtlichen Helfern eben auch Grenzen gesetzt. Nach wie vor werden viele bedeutende Objekte durch Luftbildprojektion entdeckt, zudem spielt die geomagnetische Untersuchung von Bodenstrukturen eine immer größere Rolle. Da sind wieder Fachleute gefragt, ebenso bei der Aufnahme von Grabungsergebnissen (deren mancherorts unzureichende Aufarbeitung gerade bei Grabungen des 19./frühen 20. Jahrhunderts vielfach Probleme bereitet).

Zitat:
Natürlich hört man dann, dass Laien mehr zerstören, als sie der Wissenschaft Nutzen bringen. Diese Sicht der Dinge ist allerdings realitätsfremd, da ohnehin in großem Ausmaß gesondelt wird.
Häufig ein Argument aller möglichen, "guten" aber auch "schlechten" Sondengänger. Grundsätzlich sollte m.E. das Prinzip gelten: ein Laie soll das sammeln und melden, was sich an der Oberfläche befindet (ob mit oder ohne Sonde); alles was darunter liegt, sollte in der Zuständigkeit der Archäologen bleiben. Dass viele Objekte auf der Suche nach verwertbarem (sprich Edelmetallfunden) zerstört werden, ist leider Tatsache und oft auch im Gelände an z.T. sehr großen Raubmulden festzustellen.

Zitat:
Und siehe da: man hat auch schon zwei Objekte (bei Peters noch als „Hünenburgen“ bezeichnet) ausgemacht, die nach näherer Betrachtung als heiße Kandidaten römischer Lager angesehen und bereits der genaueren Erforschung unterzogen werden.
Würde mich mal interessieren, welche Objekte. Wenn du es hier nicht verraten willst, gerne auch per PN.

Zitat:
Also, liebe Freunde vom Denkmalschutzamt: Gummistiefel anziehen und die Metallsonde auspacken, anstatt aus den vergilbten Seiten von Oppermann-Schuchardt zu zitieren!
Na ja, Schuchardt zählt gewiss nicht mehr zur Standardlektüre vieler Archäologen. Eines der Hauptprobleme ist m.E. strukturell bedingt: viele Archäologen sind gezwungen, sich von Bergungsgrabung zu Bergungsgrabung zu hangeln (wg. anstehender Bauprojekte). Die Untersuchung bekannter Objekte bleibt dann oft für lange Zeit aus, weil diese nicht gefährdet sind und man abwartet, bis sich da etwas neues interessantes tut.
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