Zitat:
Pope
... Die Verbindung zum 30-jährigen Krieg sehe ich in der Tatsache, dass damals Deutschland zur Spielwiese sämtlicher europäischen Mächte und Ambitionen wurde. Im Westfälischen Frieden wurde erstmals die Souveränität der Staaten vertraglich festgesetzt, was aber die Kleinstaaten des HRRDN miteinschloss. Deutschland war mehr denn je ein Staatenbund, dessen Einzelteile nach Belieben schalten, walten und intrigieren konnten. ...
Der Mythos eines starken, unabhängigen Deutschlands war in die Tat umgesetzt. Mit der Katastrophe des Ersten Weltkriegs fiel man wieder in die Zustände des 30-jährigen Krieges. Fremde Mächte nahmen sich, was sie wollten und zerrissen Deutschland sowohl geographisch, als auch gesellschaftlich. Hitlers Propaganda ...
Zu 2) Der 30-jährige Krieg war einer der Gründe, warum Deutschland die Nationenbildung bis ins späte 19.Jh. nicht vollzog. ...
Haarig, ich weiss. Aber ich hab's zumindest versucht ..  |
Hallo,
ich vermute mal, das ist ein Volltreffer, jedenfalls ist das Hitlers Sichtweise gewesen.
Hitler-Memorandum vom 9.10.1939 (Denkschrift über die Fortführung des Krieges im Westen):
"Die im Frieden von Münster besiegelte Auflösung des Ersten Deutschen Reiches führte in der Folgezeit zu jener europäischen Staatenordnung, die als sogenanntes Gleichgewicht der Kräftedie Bildung des französischen, als aber besonders des britischen Weltreiches ermöglichte. Das Entscheidende dieses auch von England gewünschten Zustandes war die Aufsplitterung der deutschen Volksmasse bzw. die vertragliche Verhinderung einer späteren Wiederzusammenfassung in einem einheitlichen Staat. Jeder Versuch einer solchen neuen staatlichen Auswertung des Deutschen Volkes in Europa wurde daher auch als Störung des europäischen Gleichgewichts empfunden und bekämpft.
Auch die britische Freundschaft gegenüber Preußen wurde - soweit überhaupt vorhanden - in dem Augenblick abgekühlt, als sich dieser Staat auf seine deutsche Mission besann, ..."
Abgedruckt in IMT, XXXVII, S. 467 oder Jacobsen, Dokumente zur Vorgeschichte des Westfeldzuges sowie interpretiert in Jacobsen, Fall Gelb.
Die Hitlerische Bogentheorie vom Westfälischen Frieden zur politischen Lage 1939 findet sich auch in Gesprächen wieder. Vielleicht hatte der Geschichtslehrer dieses gemeint.
Die Denkschrift diente im übrigen dazu, der renitenten Generalität die Notwendigkeit der Westoffensive klarzumachen, für die am 27.9.39 der früheste Angriffstermin 12.11.1939 von Hitler festgesetzt worden ist, ohne dabei auf große Begeisterung zu treffen. Die Generalität erwartete vielmehr nach dem schnellen Abschluss des Polenfeldzuges nunmehr die politische Lösung.
Grüße
Thomas