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Scorpio
Wie Gneisenau schreibt, ist es sehr wünschenswert, dass neue Quellen zur deutschen Kolonialgeschichte zugänglich gemacht werden, denn leider ist das Thema ziemlich ideologiebehaftet. |
Auf dieses Problem haben besonders französische und britische Historiker bereits vor vielen Jahren hingewiesen. Tatsächlich basieren sowohl das öffentliche Meinungsbild als auch die historische Forschung in der Bundesrepublik weitgehend auf den Arbeiten von DDR-Historikern wie Helmut Stoecker oder Horst Drechsler. Diese Historiker waren jedoch der politisch-ideologischen Geschichtsphilosophie des SED-Staates verpflichtet und haben bei ihren Arbeiten u. a. Quellen durch Auslassungen tendenziös manipuliert. Dass sich Autoren wie Gerwaldt, Kuss oder Zimmerer dieser Arbeiten bedienen, statt eigene Archivforschungen zu betreiben und neue Quellen auszuwerten, ist schlichtweg eine Bankrotterklärung.
Diese bedenkliche Art einer Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte findet ihre Fortsetzung in den Medien und gipfelt oftmals in geradezu absurden Darstellungen. So behauptete beispielsweise der „Spiegel“ im Zusammenhang mit dem Hererokrieg, dass „die Deutschen den Herero Millionen von Rindern gestohlen haben.“ Wo ausreichend Wasser und Weide für diese „Millionen von Rindern“ in Namibia vorhanden gewesen sein soll, wurde vom Spiegel allerdings nicht berichtet.
Scorpios angedeuteter Vergleich mit den britischen Kolonialbestrebungen ist ebenfalls hilfreich. Schließlich war der deutsche Kolonialismus eingebettet in den Imperialismus seiner Zeit. Es ist daher erforderlich, die Kolonialbestrebungen (auch die Kolonialkriegsführung) der europäischen Mächte vergleichend zu analysieren. Diese an sich selbstverständliche Vorgehensweise wurde bereits 1960 von dem französischen Wissenschaftler Henri Brunschwig mit Blick auf die sich abzeichnende tendenziöse Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit durch die DDR-Historiker gefordert.
Gneisenau