Zitat:
Vitruv
’Ein Kabinettsbeschluss der britischen Regierung, der am 11.05.1940 unmittelbar nach Einsetzen der deutschen Westoffensive gefasst wurde, markiert dann den Anfang des systematischen strategischen Luftkrieges gegen Deutschland: Bereits wenige Tage später wurden Angriffe gegen Aachen Köln, Mönchengladbach, Neuss sowie Düsseldorf und die Städte des westlichen Ruhrgebietes geflogen (…)’ (Landesumweltamt NRW, Materialien zur Altlastsanierung u. z. Bodenschutz, Band 18, S.38) |
Die Aussage halte ich für nicht haltbar, sie verwischt geradezu typisch für die Literatur mE die tatsächlichen Abläufe. Welcher Beschluß soll das sein, in der fraglichen Zeit gab es die War Cabinett-Beschlüsse 117 bis 123? Letzter datiert vom 15.5., ist auch nach Deinen richtigen Darstellungen der Einschnitt und markiert erst die Freigabe zur strategischen Bombardierung. Darstellung bei Boog, DRZW 6, S. 452-455.
Die französischen Bedenken - Frankreich war in dieser Frage wohl eher Randfigur mangels verfügbarer Bombenstreitkräfte - resultierten aus der Befürchtung von Vergeltungsangriffen der Luftwaffe.
Taktische Schläge, die im Rahmen der Operationen angeordnet werden, konnten sehr wohl subjektiv (für die Wertung der Entscheidungen!) bei Nacht erfolgen. Hier ist zunächst vom geringen Erfahrungswert auszugehen. Anweisungen ergingen, sich an "night-illuminated targets" zu orientieren. Sodann darf man sich den Raum Mönchengladbach-Aachen-Köln zu dieser Zeit ein riesiges Aufmarschgebiet und Heerlager mit entsprechendem Eisenbahn- und Kolonnenverkehr vorstellen. Schließlich hatten die Bomber Anweisungen, auch mit "Ladung" bei fehlenden Zielen zurückzufliegen. Verfolgt man einzelne Einsätze, trifft dieses auf rund ein Drittel der eingesetzten Flugzeuge zu.
Zum Ziel Mönchengladbach (was auf den ersten Blick vielleicht überraschend wirkt) einige Überlegungen: diese berücksichtigen die allierte Funkaufklärung. Zunächst war in Mönchengladbach das Oberkommando der 6. Armee und wahrscheinlich ein Armeekorps angesiedelt. Dann ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die dort am 9.5.1940 liegende Panzerdivison (3.) erkannt worden ist (gleiches trifft zB auf den "Raum Köln" schon im Oktober 1939 zu, als belgische Aufklärung dort die Versammlung von Panzerverbänden berichtete). Durch die "exits von München-Gladbach" als Nadelöhr bewegten sich anschließend Teile von 6 vorrückenden Infanteriedivisionen (Lageatlas OKH 10.-13.5.1940). Auch dieses wird seit dem 10.5. von den Allierten erkannt worden sein. Schließlich wurde in dem Raum die Hauptstoßrichtung des deutschen Aufmarsches vermutet, wie in "Plan D" ersichtlich.
Es bleibt, die einzelnen Beschlüsse auf alliierter Seite darauf zu untersuchen, wann und aus welchen konkreten Gründen der Schwenk von operativen zu (begrenzten) strategischen Lufteinsätzen erfolgt ist. Dazu, nämlich zu den Hintergründen, liefert Boog nur Hinweise, Neumann berücksichtigt das nur am randläufig.