Louis XIII. (Der Gerechte)
Stammbaum:
http://www.heraldique-europeenne.org...III_France.htm
Der 1601 geborene Louis XIII. regierte von 1610 bis 1643 und kam folglich schon
mit 9 Jahren nach der Ermordung seines Vaters auf den Thron. Freilich war er zu jung um zu regieren und so erhielt seine Mutter Marie de Medici die Regentschaft. Ihr fehlten aber Kraft und Begabung, um das Erbe Henri IV. zu übernehmen, und so glitt die Macht in die Hände ihrer Günstlinge. Die Schwäche Maries de Medici zeigte sich auch in ihrer Außenpolitik, die von der Henris IV. völlig verschieden war. Sie versuchte sich Spanien zu nähern und brachte
Heiraten zwischen ihrem Sohn Louis XIII. und Anne von Österreich , Infantin von Spanien, einer Tochter Philipps III., sowie zwischen ihrer ältesten Tochter Elisabeth (Königin Isabella) und dem spanischen Kronprinzen (Philipp IV.) zustande. Die Politik der Regentin verursachte Unzufriedenheit in breiten Schichten der Gesellschaft. Wie einst zu den Zeiten der Catherine de Medici entstanden rivalisierende Parteien am Hof, die begannen sich zu bekämpfen. Der Hochadel tat gleich gar nicht was Sie wollte, sondern nutzte ihre mangelnde Kontrolle zu seinen Nutzen aus. Im Jahr 1614 wird der junge König für Großjährig erklärt und begann seiner Mutter die Macht zu entreißen. Von ihrer bedrohlichen Günstlingswirtschaft war er wenig angetan und als sie ihren Favoriten Concini zum Marquis d’Ancre und Marschall von Frankreich erhob, war das Maß voll. Concini wurde 1617 „versehentlich“ im Hof des Louvre erschossen. Schritt um Schritt wurde die Königinmutter von der Macht ausgeschlossen und der König fing an, sich auf seinen Staatsrat zu stützen und ohne seine Mutter zu regieren, was der etwas chaotischen Zeit ein Ende machte. Marie de Medici wurde sogar für eine Zeitlang vom Hof verbannt.
Louis XIII. besaß eine gesunde Urteilskraft und zeigte sich fromm, aufrichtig und pflichtbewusst. Aber er sah ein, dass ihn die Regierungsgeschäfte manchmal über den Kopf wuchsen und er auf den Rat seiner Vertrauten angewiesen war. Einer tat sich als besonders fähiger Ratgeber hervor, Armand-Jean du Plessis Herzog von Richelieu, der Bischof von Lucon, seit 1614 Mitglied des Staatsrats. Im Jahr 1620 gelang ihm die Aussöhnung des Königs mit seiner Mutter, was ihm endgültig das Vertrauen Louis XIII. und Maries eintrug sowie mit dem Kardinalshut belohnt wurde. Fortan nannte man ihn nur noch
Kardinal Richelieu . Er bewies so große Fähigkeiten, dass der König ihn 1624 zum Ersten Minister ernannte. Es ist durchaus nicht so, dass König Louis XIII. nichts tat und Richelieu völlig allein herrschte. Im Gegenteil, beide waren ein perfektes Team, denn auch der Kardinal war darauf angewiesen, dass ihm ein Herrscher gegenüber saß, der seine Vorstellungen verstand und unterstützte. Dennoch war sicherlich Richelieu der kreativste Part dieser Regierung und seine Kontrolle über das Land war allumfassend. Solange König Louis hinter ihm stand, gab es nichts und niemanden vor dem er Rücksicht hätte nehmen müssen. Noch eine andere Person sollte eine große Rolle spielen im Leben des Königs, nämlich sein einziger
Bruder Gaston d'Orléans , die Plage seines Lebens. Gaston stellte sich an die Spitze einer Verschwörung nach der anderen, eigentlich immer gegen den Ersten Minister gerichtet. Sein Bruder zeichnete sich als Verschwörer besonders dadurch aus, dass er die Verräter immer verriet. Was neue Verschwörer nicht davon abhielt, ihn dennoch zu umwerben und doch wieder von ihm verraten zu werden. Seine kleinen Rebellionen waren derart naiv, unentschlossen, inkonsequent und unvorbereitet, dass sein Bruder ihm jedes Mal leicht vergab. Die Ehe mit
Anne von Österreich war wenig glücklich, beide hatten kaum etwas füreinander übrig. Was zur Folge hatte, dass die Ehe jahrzehntelang kinderlos blieb. Kein Wunder, dass sich sein Bruder Gaston als Thronfolger, unablässig als der nächste König sah. Erst 1638 wurde der ersehnte Dauphin Louis (XIV.) geboren und die Träume seines Bruders waren dahin. Als dann auch noch 1640 Philippe d’Anjou geboren wurde, konnte er die Königswürde entgültig vergessen. Eines der größten Probleme des Staates war so gelöst, denn eine Thronfolge des völlig unfähigen Herzogs von Orléans war für König wie Kardinal eine der schlimmsten Vorstelllungen überhaupt.
Um nach außen die alte Politik Henri IV. wiederaufnehmen zu können, mussten die Verhältnisse im Inneren neu geordnet werden. Richelieu setzte rigoros die Zentralisierung durch und betrieb die Entmachtung des Hochadels weiter. Das Hauptproblem sollten jedoch die Hugenotten sein. 1620 hatten sie gemeinsame Sache mit der adeligen Opposition gemacht und wurden so zum Staatsfeind Nummer eins. Sie hatten ihre Städte und Sicherheitsplätze, ihre eigenen Ständeversammlungen und ihre eigenen Gesandten in Paris und an den ausländischen Höfen. Die Hugenotten bildeten einen Staat im Staate und waren besonders gefährlich, weil sie selbst Heer und Flotte besaßen und sich nicht scheuten, sich mit Spanien, dem Feind Frankreich, zu verbünden, um ihre eigenen Interessen zu fördern. 1625 begannen erneut Unruhen unter ihnen, sie bemächtigten sich eines Teils der königlichen Kriegsschiffe und nahmen ein paar Inseln vor La Rochelle ein. Dies stand im Gegensatz zur Zentralisierungspolitik der Krone und hieß unweigerlich, dass ihre Macht vollständig gebrochen werden musste. Man tolerierte ihre Übergriffe nicht, sondern ging zum Angriff über. La Rochelle wurde belagert und auch vom Meer abgeschnitten. Die Einwohner leisteten lange heftigen Widerstand. Mussten aber dennoch im Herbst 1628 kapitulieren. Die Macht der Hugenotten war gebrochen und sie verloren alle militärischen und politischen Privilegien.
Die äußere Politik war schon schwieriger, denn 1618 brach der 30jährige Krieg aus. Als erstes verbündete man sich mit den kämpfenden Holländern, dann verheiratete Louis seine Schwester Henriette-Marie mit dem zukünftigen Charles I. von England, was eine weitere Annäherung bedeutete. Den Krieg Gustav II. Adolf von Schweden gegen den Kaiser, unterstützte Frankreich zunächst nur großzügig mit Geld und bereits 1629 begannen die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Spanien in Italien. Als der Kaiser nach der Schlacht bei Nördlingen im Jahr 1634 die Übermacht im Reich zu bekommen schien, handelte man in Paris. Die Politik die 1610 mit der Ermordung König Henris so abrupt beendet wurde, fand nun ihre Fortsetzung. Frankreich erklärte 1635 offiziell Spanien und dem Kaiser den Krieg, verbündete sich mit Schweden und den protestantischen Reichständen in einer Offensivallianz. Französische Armeen kämpften nun in der Spanischen Niederlande, dem Reich, in Italien und in Spanien. In den ersten Jahren verlief der Krieg wenig günstig, doch Jahr um Jahr gewannen zunehmend französische Generäle die Oberhand. 1641 unterstützte Frankreich die Unabhängigkeit Portugals von Spanien mit allen Kräften. Das Jahr 1643 brachte den glänzenden Sieg des
Prinzen von Condé in Rocroi über die spanische Armee. Diese hatten versucht in die Champagne einzudringen, stattdessen wurden die spanischen Karrees vollständig aufgerieben. In dieser Zeit hielt Frankreich 150.000 Mann im Krieg, eine für damalige Zeit enorme Zahl.
Louis XIII. und sein Erster Minister Richelieu starben beide während des Krieges, letzterer im Jahr 1642. König Louis’ Regierungszeit muss als Erfolg gewertet werden, der allerdings auch Schattenseiten hatte. Durch den Krieg wurden die Finanzen über das Maß beansprucht, von einem ausgeglichenen Haushalt kann nicht die Rede sein. Die Steuern mussten erhöht werden, was sich ein weniger wohlhabender Staat wohl kaum hätte leisten können. Aber, dies sei vorweggenommen, die Investitionen sollten sich voll und ganz auszahlen. Sein intriganter Bruder Gaston von Orléans sollte ihn überleben und Louis XIII. machte sich durchaus Sorgen. Zwar hinterließ er zwei Söhne, doch beide waren noch Kleinkinder. Louis XIII. starb am 14. Mai 1643 in Saint-Germain-en-Laye an Tuberkulose, kurz zuvor war sein ältester Sohn getauft worden und er fragte den kleinen Dauphin noch, wie er nun heißen würde. Der kleine Prinz antworte: „Ich nenne mich Louis XIV.“, der todkranke König antwortete: „Noch nicht mein Sohn, aber schon sehr bald“. Und so sollte wiedereinmal ein Kindkönig dem Vater auf dem Thron folgen und eine Königinwitwe die Regentschaft führen.
Lesetipps über Louis XIII.:
Es gibt leider kein vernünftiges deutsches Buch über L. XIII., aber in jeder guten Biografie Richelieus erfährt man genug über ihn, seine Zeit und natürlich seine Politik, etwa in:
Hillard T. Goldfarb; Richelieu: Kunst, Macht und Politik
Erlanger, Philippe; Richelieu