Louis XIV. (der Große, der Sonnenkönig, das Gottesgeschenk)
Stammbaum:
http://www.heraldique-europeenne.org...XIV_France.htm „Erst ein wenig spät wird er in Gang kommen, aber er wird weiterkommen als irgendein anderer. In ihm steckt das Zeug zu vier Königen.“
So charakterisierte der Erste Minister Kardinal Mazarin seinen königlichen Zögling und er sollte recht behalten. Eine der letzten Handlungen des sterbenden Louis XIII. war es, den verstorbenen Richelieu durch dessen Vertrauten
Kardinal Jules Mazarin zu ersetzen. Mit dem Tod des alten Königs übernahm Königin Anne die Regentschaft und bestätigte als erstes Mazarin im Amt des Ersten Ministers. Der vierjährige Louis XIV. sollte von 1643 bis 1715 herrschen und mit 72 Regierungsjahren die längste Herrschaft in der Geschichte Europas absolvieren. Die neue Regentin entpuppte sich als völlig anders im Vergleich zu ihren Amtsvorgängerinnen. Sie war weder schwach noch politisch unbegabt, sondern wurde im Interesse ihres Sohnes zur fanatischen Französin. Die geborene Spanierin verfolgte Gnadenlos die Kriegspolitik ihres verstorbenen Gemahls weiter. Man fürchtete sie würde sich ihren Bruder Philipp IV. von Spanien annähern, doch stattdessen wies sie die Marschälle an in Spanien einzumarschieren und dem Kaiser alles entgegenzuwerfen was in deren Macht stand. Die einstmals verschmähte Habsburgerin am französischen Hof wurde zur Verteidigerin französischer Interessen. Doch
der junge König sollte keine ruhige Kindheit haben. Das Parlament von Paris – der oberste Gerichtshof Frankreichs, keine Volksvertretung – wurde durch die Hinrichtung Charles I. von England angestachelt, ähnliche Kompetenzen wie ihr englischer Namensvetter einzufordern. Sie fingen an sich einzubilden, dass die Regentin schwach wäre, Mazarin ein übler Teufel und sie selbst das Volk vertreten würden. Die Prinzen von Geblüt – also Vettern des Königs – waren von der Politik Richelieus und Mazarin brüskiert, die sie von jeder politischen Verantwortung ausschlossen und so ebenso aufrührerisch wurden.
Im Jahr 1648 wurde der Westfälische Friede geschlossen, aus dem Frankreich als Hauptsieger des Dreißigjährigen Kriegs hervorging. Die Armeen schwappten zurück in die Heimat und wurden sogleich von den Prinzen okkupiert. Bürgerkrieg lag in der Luft und die Gerichtshöfe (parlements) begannen offen gegen die Krone zu opponieren. Die Fronde (1648-1654) brach aus. Zunächst die ‚Parlamentsfronde’ genannte Version. Der Hof floh aus Paris, das im Chaos versank. Der Adel (Amtsadel und Hochadel) hasste Mazarin, das Ebenbild eines Emporkömmlings und Symbol der Adelsunterdrückung. Königin und Erster Minister brauchten die von den Prinzen kontrollierten Armeen um den Höhenflug des Pariser parlement zu beenden. Diese boten sich an, gegen Geld natürlich. Paris wurde wieder eingenommen und die Führer der Parlamente inhaftiert. Dann stieg den Prinzen der Sieg zu Kopfe. Sie begannen politische Forderungen an die Krone zu stellen, was Anne natürlich ablehnte. Die Prinzen erhoben die Waffen unter der Führung des Prinzen von Condé, dem Sieger von Rocroi und Erstem Prinzen von Geblüt. Die weitaus schwierigere ‚Prinzenfronde’ brach aus. Erneut floh die Königsfamilie aus Paris und es dauerte bis 1652 damit die Ruhe im Reich wieder hergestellt war und bis 1654 dass auch der letzte Rest Widerstand gebrochen war. Condé lief zum spanischen Feind über. Die Fronde sollte die letzte Abwehrreaktion gegen den königlichen Absolutismus sein und sich tief in das Gedächtnis des jungen Königs eingraben.
Nachdem die Opposition des Adels ausgeschaltet war, konnte der Krieg gegen Spanien unvermindert weitergehen. 1652 war Louis für Grojährig erklärt worden, was die erfolgreiche Regentschaft seiner Mutter beendete. 1654 erfolgte die Salbung und Krönung des Königs in Reims. Nun konnte Mazarin unangefochten als Erster Minister über Frankreich gebieten. Der König war noch zu jung und unerfahren um die Regierung zu leiten und so war es nun die Hauptaufgabe des Kardinals – der als bester Staatsmann seiner Zeit galt – seinen Herrn in die Kunst der Politik und die Geheimnisse des Staates einzuführen. Nach Außen gab sich König Louis als an Politik desinteressiert und vergnügte sich so gut er konnte an seinem Hof. Nach Innen unterwies ihn Mazarin in allen Fragen seines Reiches und seiner Untertanen, zog ihn in allen Belangen der Regierung mit ein. Louis lernte mit großem Interesse und sehr schnell, erhielt er doch eine politische Ausbildung wie kaum einer unter seinen Vorgängern, von einem Experten der Staatsführung. Sollten doch Höflinge und Gesandte denken, dass der König ein ‚roi des plaisirs’ werden würden, immer angewiesen auf einen Leitenden Minister. Mazarin wusste es besser, hatte er doch selbst aufgezeigt wie vorteilhaft eine Herrschaft ohne Premierminister wäre und stieß dabei auf offene Ohren, schließlich erzog er seinen Schüler zur Selbstständigkeit. Mit der Zeit teilten sich König und Kardinal die Regierung und Louis XIV. beließ dem alten Mazarin sein Amt, seine Zeit würde schon kommen. In dieser Zeit streckte das völlig entkräftete Spanien die Friedensfühler aus und 1659 wurde der Pyrenäenfrieden unterzeichnet, wodurch Spanien endgültig als aktive Großmacht ausschied. Gleichzeitig erhielt Frankreich Teile der spanischen Besitzungen und die Heirat zwischen der spanischen Infantin
Marie-Thérese und Louis XIV. wurde vereinbart. Die Ehe wurde 1660 vollzogen und bereits 1661 der Thronfolger geboren.
Am 10. März 1661 starb Kardinal Mazarin und Louis XIV. begann seine „persönliche Herrschaft“. Augenblicklich erschien er im Staatsrat mit den Worten: „Das Gesicht des Theaters wandelt sich“ und tat kund, dass es nie wieder einen Premierminister neben ihm geben würde und er fortan allein herrsche. Aus dem Rat wurden viele Personen entfernt, etwa der Prinz von Conti und die Königinmutter. Nur der Kriegsminister, Finanzminister und der Außenminister blieben übrig. Während der Herrschaft der großen Kardinäle geriet viel in Unordnung, Frankreichs Infrastruktur wurde vernachlässigt, Handel und Wirtschaft stagnierten, das Heer war auf 30.000 Mann geschrumpft, die Kriegsflotte existierte praktisch nicht mehr und die Finanzen war undurchsichtig, sogar chaotisch. Als ersten Beweis, dass er alles andere als ein schwacher Monarch war und keine Schwächen in der Regierung mehr tolerierte, ließ er den Oberfinanzintendanten Fouquet inhaftieren. Dieser hatte sich offen der Korruption schuldig gemacht und sein Amt wurde vollständig abgeschafft und vom König wahrgenommen.
Colbert zum neuen Generalkontrolleur der Finanzen ernannt. So begann eine der größte Reformphasen in der frz. Geschichte. Besonders Wirtschaft und Militär wurden von Grund auf reformiert. Manufakturen gegründet, der Handel gefördert. Schnell fand Frankreich wieder Anschluss als Wirtschaftsmacht. Ein stehendes Heer wurde formiert, dass beständig wuchs und die Flotte gedieh. Louis XIV. konnte durch große Überschüsse im Etat von sich behauptet, der reichste Monarch der Welt geworden zu sein.
Im ‚Londoner Kutschenstreit’ mit Spanien 1662 zeigte Louis XIV. offen, dass er sich als der hochrangigste Souverän unter den Fürsten Europas ansah. Kurz gesagt, fortan hatten die Franzosen Vorrang vor allen anderen Nationen. Nur dem Papst wurde ein höherer Rang zuerkannt. 1665 starb König Philipp IV. von Spanien, Louis forderte den Erbteil seiner Frau ein, doch Spanien verweigerte dies. So begann er 1667 den Devolutionskrieg, in dem er 60.000 Mann in die Spanische Niederlande einmarschieren ließ. Spanien stand vor vollendeten Tatsachen und musste 1668 die südlichen Teile der Niederlande an Frankreich übergeben. Ganz freiwillig Schloss König Louis den Frieden nicht, denn seine eigenen Alliierten Holland vielen ihn in den Rücken und formierten die Tripelallianz, um die Friedensverhandlungen zu beschleunigen. Dies vergab er ihnen niemals, hatte er doch ihnen zuliebe sogar 1666 seinem Cousin Charles II. von England den Krieg erklärt, obwohl sich Frankreich und England als natürliche Verbündete betrachteten.
Im Jahr 1670 ließ er erneut Lothringen annektieren, dass er als Bestandteil Frankreichs betrachtete. Derweil war das Heer auf 125.000 Mann angewachsen und die Kriegsflotte war zur schlagkräftigsten ihrer Zeit geworden. Gegen Holland betrieb man eine Isolierungspolitik. 1672 erfolgte der Angriff gegen die Holländer und der Holländische Krieg (1672-1678/79) brach aus. Das Hauptziel war es Spanien zu provozieren und die Holländer für ihren Verrat zu bestrafen. Die Okkupation von Teilen Hollands war nie das Ziel der frz. Politik. Spanien und Kaiser fühlten sich bedroht und traten in den Krieg ein, die Dinge entwickelten sich nach Frankreichs Plänen. Erneut wurde die Spanische Niederlande besetzt und die Freigrafschaft Burgund annektiert. Der Krieg verlief sehr günstig für Frankreich, dass die mit Abstand stärkste und am bestem ausgebildete Armee der Zeit besaß. Im Frieden von Nimwegen 1678/79 wurde die frz. Machposition durchgesetzt und Frankreich erhielt im Groben die Grenzen von heute sowie zahlreiche Positionen im Reich.
Das stehende Heer wurde bei einer Größe von 280.000 Soldaten belassen und für die nun beginnende Reunionspolitik eingesetzt. Reunionskammern suchten Gebiete die früher einmal zur frz. Krone gehört hatten und ließen sie „friedlich“ annektieren. Dieses erfolgte auch in Straßburg 1681, dass Kaiserliche trotz Neutralität mehr als einmal zum Angriff auf Frankreich missbraucht hatten. 1683 fühlte sich Spanien erneut provoziert und erklärte Louis den Krieg in der Hoffnung die anderen Staaten würden dem folgen. Doch niemand war bereit mit Frankreich die Waffen zu kreuzen und so musste Spanien resigniert 1684 ein Neutralitätsabkommen akzeptieren. 1685 wurde das Edikt von Nantes endgültig annulliert und die Protestanten sollten zum Katholizismus übertreten, gegen die Befreiung von Steuern und Abgaben sowie der Gewährung von Sonderechten und der Befreiung vom Dienst in der Miliz. Von den 900.000 Hugenotten (21 Millionen Franzosen insgesamt) konvertierte die weitaus größte Zahl, bedrängt durch lokale Einquartierungen. 110.000 flohen trotz Verbot aus Frankreich, ein harter Kern von 20.000 trat nie über. Die alte Behauptung, dass die Aufhebung des Edikts, der Wirtschaft geschadet hätten, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Die einstmals hugenottischen Großhändler und Finanziers blieben in Frankreich, um mit den neuen Privilegien ihren Aufstieg zu fördern.
Die 80er Jahre seiner Herrschaft waren aber eine eher ruhige Periode seiner Herrschaft. 1682 zieht der König endgültig mit seinen 30.000 Höflingen nach
Versailles . Im Jahr 1683 stirbt seine Gemahlin und er ehelicht morganatisch die Marquise de Maintenon, mit der er den Rest seines Lebens glücklich zusammenleben sollte, ohne je wieder eine andere Geliebte zu erwählen. Im Streit für den Erbteil seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz, der Herzogin von Orléans, bricht 1688 der Pfälzische Erbfolgekrieg aus. Gleich zu beginn ließ der Kriegsminister Louvois eigenmächtig die Pfalz verwüsten, damit man von dort keine Operationen auf frz. Terrain unternehmen konnte. Louvois’ unautorisiertes Handeln in der Pfalz kosteten ihm fast den Kopf, solche sinnlosen Zerstörungen widersprachen der politischen Auffassung des Königs. Allerdings muss man Louis XIV. hier den Vorwurf machen, dass seinen Kriegsminister nicht genug kontrolliert hatte, was er sich auch in der Tat vorwarf. So befahl er seinen Truppen unverzüglich die Pfalz zu räumen und bot den geschädigten Bauern als Ersatz, Boden im frz. Elsass an. Das Hauptopfer dieses Krieges sollten aber wie so oft Spanien und Kaiser sein. Beide Seiten hatten dennoch wenig zu gewinnen. Frankreich behielt die militärische Oberhand, errang aber einen nutzlosen Sieg nach dem anderen. So kam es 1697 zum Frieden von Rijswijk, Frankreich verzichtete auf Ansprüche in der Pfalz und setzte als Ausgleich seinen Reunionsbesitz durch. Eigentlich ein Frieden der jedem gerecht vorkam und daher als stabil galt.
Dann geschah etwas, womit schon seit Jahren gerechnet wurde: der letzte spanische Habsburger Carlos II. starb 1700 kinderlos, der Thron war vakant. Carlos ignorierte die Teilungsverträge zwischen Versailles und Wien und bestätigte in seinem Testament die Erbansprüche der Bourbonen. Als die Nachricht in Frankreich eintraf, war dies der persönliche Höhepunkt in der Regierung Louis’ XIV., ab sofort sollte der spanische Erzrivale bourbonisch regiert werden. Der zweite Enkel des Königs Philippe Herzog von Anjou wurde als
Philipp V. durch seinen Großvater zum spanischen König proklamiert. Louis blieb nicht anderes übrig als so zu handeln, durch das Testament war jede Teilung ausgeschlossen und eine Absage hätte den deutschen Habsburgern alle Vorteile gesichert. Es dauerte auch gar nicht lange, dass der Spanische Erbfolgekrieg (1702-1713) zwischen Frankreich-Spanien und einer habsburgischen Allianz ausbrach. Die Spanier bevorzugten den Bourbonen, der als rechtmäßig galt, während ihnen ein habsburgischer Erzherzog als Usurpator vorkam. Dieser Krieg war der heftigste seit dem 30jährigen Krieg, er zerrte in unglaublichen Maße an den Kräften aller beteiligten und ruinierte deren Finanzen. Das Kriegsglück ging hin und her. Am Anfang gut für Frankreich, dann besser für die Alliierten, welche die niederländischen Grenzposten überrannten und sogar in Nordfrankreich einfielen. Zum Ende schlug das Glück wieder Richtung Frankreich aus. Die feindlichen Truppen wurden aus Frankreich verdrängt, beide Seiten waren zunehmend in defensiven Positionen. Die Engländer misstrauten zunehmend ihrem kaiserlichen Alliierten und nahmen mehr und mehr eine profranzösische Position ein. 1711 machten sie Frieden mit Louis XIV. und die antifranzösische Allianz zerbröckelte zusehends. Alle Parteien waren entkräftet und einigten ab 1713 auf den Frieden von Utrecht und Rastatt. Dem Kaiser wurden die spärliche Reste der Niederlande und die süditalienischen Besitzungen Spaniens übergeben, Philipp V. behielt den Rest des spanischen Reiches. Frankreich konnte sein Ziel der territorialen Erweiterung nicht erreichen, dafür aber sein Hauptziel – einen spanischen Bourbonen – durchsetzen. Englands Unterstützung wurde mit dem Sklavenmonopol in Westindien belohnt. Durch diesen Frieden sah Louis die Hauptaufgabe seiner Regierung erreicht: nie wieder würden die Habsburger Frankreich umklammern können oder sonst irgendwie zu einer Sicherheitsbedrohung werden. Konsequenter Weise bot Louis XIV. Wien nun ein Bündnis an, um den erreichten Frieden weiter zu untermauern, doch der Kaiser sollte zu diesem frühen Augenblick noch nicht so weitsichtig sein und dies vorerst noch ablehnen.
Die letzten Jahre waren von innerer Konsolidierung geprägt. In den letzten 20 Jahren seiner Herrschaft musste er ein stehendes Heer von 680.000 Mann unterhalten, der Spanische Erbfolgekrieg riss dann noch ein tiefes Loch in seine sonst so geordneten Finanzen. Die Staatsschuld war 1713 auf 3,5 Milliarden Livres angestiegen, daher beschloss er eine Finanzreform und Einsparungen, das Heer wurde auf 160.000 Mann zurückgeschraubt. Sein Nachfolger setzte seine Finanzpolitik konsequent fort und bereits 1725 war der Haushalt wieder ausgeglichen. Auch sollte er noch die ersten Anfänge des enormen Wirtschaftwachstum miterleben, das er durch die späten Reformen auslöste.
Die Zeit von 1713 bis zu seinem Tod könnte man auch als „Rentenjahre eines Sonnenkönigs“ bezeichnen. Er wurde sehr viel ruhiger und machte Abstriche in Fragen der Repräsentation. Seine Kräfte reichten nicht mehr aus für die ständige öffentliche Darstellung der Person des Königs. Sein Geist war stark bis zum letzten Tag und er behielt die Zügel des Staates mit fester Hand und Hingabe bis zuletzt. Gleichzeitig musste er seit 1700 auch noch das spanische Reich regieren, denn König Philipp war zwar ein fähiger Feldherr, verstand aber nichts vom Regieren. Philipp übergab die Briefe mit den „Ratschlägen“ seines Großvaters einfach seinem Staatsrat und diese mussten sie umsetzen. So musste der alte König von Versailles aus, sich gleich über zwei Staaten den Kopf zerbrechen. Es fanden nun auch keine großen Empfänge mehr statt, eine der letzten größeren Auftritte war beim
Empfang des sächsischen Kurfürsten , August des Starken, in Fontainebleau 1714. Im Sommer 1715 wurde die sonst so eiserne Gesundheit des Königs immer schwächer, bis er sogar das Bett nicht mehr verlassen konnte. Als den Höflingen und Dienern klar wurde, dass der große König im sterben lag, verloren sie die Fassung. Der König bemerkte ihre Trauer, wies auf sein enormes Alter hin und erwiderte: „Monsieurs warum weinen Sie, dachtet ihr denn ich sei unsterblich ? Ich für meine Person habe das nie geglaubt !“. Er ließ seinen Urenkel und Erben auf dem Thron (Louis XV.) zu sich rufen und gab ihm den Rat: „Ich habe den Krieg zu sehr geliebt, armen sie mich darin nicht nach“ und instruierte ihn, ebenfalls keinen Ersten Minister zu haben und seine ganze Kraft dem Staat zu widmen. Louis XIV. schloss am 1. September 1715 in Versailles für immer die Augen und starb an einer schweren Entzündung im rechtem Bein. Auch Louis XV. sollte nun mit fünf Jahren als Kindkönig die Krone erben.
Persönlichkeit:
„Louis war von angenehmer, gewinnender Gestalt und verfügte über einen enormen natürlichen Charme. Im Umgang mit Höflingen, Ministern, Diplomaten und weniger hochgestellten Untertanen wirkte er stets sehr beherrscht und legte eine bemerkenswerte Höflichkeit an den Tag, die je nach Rang, Alter und Verdiensten seines Gegenüber zahlreiche Nuancen kannte. Er war sicher im Ausdruck, besaß die Fähigkeit, sich frei und dabei klar, nuanciert und wohlabgewogen auszudrücken. Außerdem verfügte er über ein ausgezeichnetes Gedächtnis, das ihm etwa in den Sitzungen des Staatsrat sowie in den zahlreichen Besprechungen mit seinen Ministern sehr zustatten kam. Sein Verhalten in der Öffentlichkeit war von Vorsicht, Takt und einem hohen Sinn für das Maß geprägt. Louis XIV. regierte mit einer ungewöhnlichen Professionalität, die ihm scheinbar keine Mühe bereite. Diese Professionalität beruht auf einer natürlichen Begabung, aber auch auf praktischen Erfahrungen, die ihm Mazarin durch eine gezielte Beteiligung an den Sitzungen und Beratungen des Königlichen Rates sowie durch zahlreiche Reisen in die Provinzen des Landes vermittelt hatte. Louis’ vielzitiertes Sprichwort: ‚Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige’ trifft auf Louis XIV. in besonderem Maße zu. Er war stets pünktlich, hörte jedem aufmerksam zu und ermüdete fast als einziger auch in den längsten Sitzungen nicht. Hinzu kam ein besonders stark ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. Ein hohes Arbeitsethos gehörte ebenfalls zu seinen besonders positiven Charaktereigenschaften. Neben seinem anstrengenden Hofleben widmete er acht bis zehn Stunden, später oft mehr, der täglichen intensiven Arbeit am Schreibtisch und in den Konferenzen und übertraf damit die meisten Monarchen der Geschichte bei weitem. Bei seiner Arbeit achtete er auf kontinuierliche Regelmäßigkeit. Er interessierte sich für die Details der jeweiligen Vorgänge, verlor sich jedoch nicht in ihnen, sondern war durchaus in der Lage, das Wesentliche und die großen Linien von Entwicklungen zu erfassen. Dabei kamen ihm sein guter politischer Instinkt und eine leichte Auffassungsgabe zustatten.
[...]
Allgemein herrscht in der Forschung Einigkeit darüber, dass sich der König von einem stark ausgeprägten Bedürfnis nach Ruhm und Reputation leiten ließ. Wie ein Leitmotiv ziehen sich die Begriffe ‚meine Würde’, ‚mein Ruhm’, ‚meine Größe’, ‚meine Reputation’ durch seine ‚Memoiren’ und durch zahlreiche andere Dokumente. Persönlicher Ruhm und persönliches Ansehen waren für Louis XIV. mit der Macht und dem Wohl des Staates auf das engste verknüpft. Aber das Interesse des Staates hatte stets vor dem des Königs zu rangieren. In diesem Sinne ist seine Feststellung zu interpretieren: ‚Den Interessen des Staates gebührt der Vorrang ... Wenn man den Staat im Auge hat, arbeitet man für sich selbst. Das Wohl des einen dient dem Ruhm des anderen’. Trotz aller bei Louis XIV. nicht zu leugnenden Tendenzen, seine Reputation und seine Interessen mit denen des Staates gleichzusetzen, war er – wie das Zitat belegt – durchaus fähig, zwischen seiner Person und dem Staat zu differenzieren. Diesen Unterschied betonte er zuletzt auf dem Sterbebett, indem er noch einmal feststellte: ‚Ich gehe fort, doch der Staat bleibt zurück’.“ Louis XIV. betrachtete sich selbst als Ersten Diener des Staates, auch wenn er es so, noch nicht selbst formuliert hat.
(Soweit Klaus Malettke)
Eine besondere Stellung in seinem Leben nahm, gleich nach den Pflichten des Staates und der Politik, seine Familie ein. Louis war ein ausgesprochener Familienmensch, was außergewöhnlich war in einem Fürstenhaus der damaligen Zeit. Die Wurzeln dafür liegen bei seiner Mutter. Sie hatte immer eine sehr enge Bindung zu ihren Kindern und ertrug es nicht von ihnen getrennt zu werden, so erfuhr er, was eine enge Familienbindung bedeutete. Seine Fraueneskapaden sind bis heute allgemein bekannt. In seinen Zwanzigern ließ er auch in der Tat nichts anbrennen, denn die Damen des Hofes stellten dem jungen König geradezu nach. Immer in der Hoffnung die einflussreiche Stellung der Mätresse zu erreichen. Nur vier jedoch vermochten den begehrten Titel der ‚maîtresse en titre’, der offiziellen Favoritin des Königs zu bekommen:
La Valliere ,
Montespan ,
Fontanges ,
Maintenon . Da blieb es natürlich nicht aus, dass illegitime Kinder des Königs die Welt erblickten. König Louis XIV. liebte Kinder über alles und daher legitimierte er jedes seiner
unehelichen Kinder und erhob sie in den Prinzenrang und machte sie zu Mitgliedern der Königsfamilie.
Seine Töchter waren berühmt für ihre Schönheit und bekannt dafür, dass sie als einzige in seinem Leben, die Fähigkeit hatten, ihren Vater nur mit einem traurigen Blick um den Finger zu wickeln. Auch wäre da noch sein Lieblingssohn der
Duc du Maine . Im ganzem brachte er es auf 18 Kinder. Seine Gemahlin Königin Marie-Therese war nur in der Lage ihm einen überlebenden Sohn ( Louis, ‚le Grand Dauphin’ ) zu schenken. Er respektierte sie und brachte ihr alle Freundschaft und Ehre entgegen die ihr als Königin zustanden, aber Liebe empfand er nie für sie. Das weniger wegen ihres Äußeren, als vielmehr wegen ihres trägen Intellekts und der mangelnden Bildung. Die Frau, die das Herz des Königs zu gewinnen suchte, musste über einen scharfen Geist, große Bildung und Selbstbewusstsein verfügen. Nichts störte ihn an Frauen mehr als Dummheit und mangelndes Temperament. Ja, eine Favoritin musste den König zu unterhalten verstehen und ein kluges Gespräch führen können. Allgemein war seine Achtung vor Frauen ungewöhnlich groß, das ging sogar so weit, dass er das Hofzeremoniell derart veränderte, dass jedem Mann eine gleichrangige Frau im Protokoll gegenüberstehen musste.
Im Hofleben war er ein perfekter Schauspieler. Sehr schön wird berichtet, wie er einmal sehr gelassen mit seinen Kindern scherzte, bis zu dem Augenblick, als sich die Türen öffneten und er zu den Höflingen hinaustrat. Sogleich erstarte sein Gesicht zu königlicher Würde und man meinte er wäre eine andere Person. Man sagt ihm nach, er hätte viel von seine Ahnen an sich. Die majestätische Würde der Habsburger, die Freundlichkeit und überschwängliche Lebensfreude von den Bourbonen und die Kunstbesessenheit von den Medici. Er gab sich fromm und soll bis auf ein einziges mal, die tägliche Messe nie versäumt haben, doch verstand er von Theologie eher wenig und es interessierte ihn auch kaum. An was Menschen nun glaubten, war ihm persönlich wenig wichtig, was sie leisteten schon sehr viel mehr. Es ist kein Geheimnis, dass er dem Hochadel zutiefst misstraute und jeden Bauer einem Herzog vorgezogen hätte. Daher war er auch der erste, der den Adel direkt besteuern ließ, indem er die Kopfsteuer einführte. Sie belastete die unteren Schichten kaum, schröpfte den Adel aber bis zum dorthinaus.
Geschickt machte er sich zum
Protektor der Künste , förderte diese in besonderem Maß. Sie war Mittel zur Verherrlichung des Königs und seiner Politik. Mit vielen Künstlern verband ihn eine enge Freundschaft. Besonders der Komponist
Jean-Baptiste Lully lag ihm am Herzen. Louis war ein Musikfanatiker, dies war seine heimliche Leidenschaft. So wundert es nicht, dass Lully, der wahrscheinlich begabstete Komponist des 17. Jahr., schnell zum ‚Oberhofmeister der Musik des Königs’ wurde und bald genauso unumschränkt über die Musik Frankreichs herrschte wie sein König über die Politik. Den spöttischen Moliere mochte er sehr. Dieser kritisierte hemmungslos die Gesellschaft und traf beim König ins Schwarze. Große Begeisterung und die wahrscheinlich intimste Freundschaft verband ihn jedoch mit
André Le Nôtre , dem berühmten Gartenarchitekten, der den ‚Garten im französischen Stil’ erfand, was wir heute als barocken Garten schlechthin definieren würden. Oft spazierte König Louis mit Le Nôtre ganz allein, für Stunden durch seine gewaltigen Kompositionen von kilometerlangen Sichtachsen, Kanälen, Seen, Brunnen und Bosketten. Daneben gab es auch noch so berühmte Namen wie Descartes, Racine, Boileau, La Fontaine, Charpentier, Le Brun, Le Vau, Mansart und Rigaud. Sie alle machten das ‚Grand Siècle’ aus, das Große Jahrhundert Frankreichs.
Mehr über Louis XIV. unter:
http://www.louis-xiv.de/
Buchtipps über Louis XIV.:
Olivier, Bernier; Ludwig XIV. Die Biografie Malettke, Klaus; Ludwig XIV. Leben, Politik, Leistung Burke, Peter; Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs