Louis , „le Grand Dauphin“ ( Monseigneur )
Der älteste Sohn (*1661) und einzig überlebendes Kind König Louis XIV. und der Königin Marie-Thérese trug seinen Beinamen Grand Dauphin zurecht, denn er hatte die überdurchschnittliche Körpergröße seines Vaters geerbt. Von der Mutter die zur Fülle neigende Figur und wohl auch etwas von dem trägen Geist. Für seinen Sohn schrieb der König ab 1670 seine politischen Memoiren und ließ ihn von den besten Lehrern unterweisen, insbesondere natürlich in der Politik. Alles unterrichten nützte aber nichts, dem Kronprinzen war kein Interesse für das regieren beizubringen. So sehr Louis XIV. seinen Sohn auch lieben mochte, es graute ihm vor dem Gedanken, dass dieser ihm auf den Thron folgen würde. Er konnte nur die Hoffnung hegen, dass das Vergnügen an der Politik sich mit der Zeit entwickeln würde. Der Dauphin war ein treuer und eher unterwürfiger Sohn, niemals wäre es ihm in den Sinn gekommen seinem Vater Widerstand zu leisten oder auch nur zu Widersprechen. Als er alt genug war an den Sitzungen des königlichen Staatsrats teilzunehmen, war er immer anwesend, doch nur zweimal in seinem Leben ergriff er dort das Wort. Dennoch war der Dauphin Louis ein gutmütiger und hilfsbereiter Mensch, der zu jedem freundlich war und allgemein von Hof und Volk geliebt wurde. Mit seinem Vater teilte er die Leidenschaften für gutes Essen und die Jagd. Seinen legitimierten Halbschwestern brachte er große Zuneigung entgegen, um nicht zu sagen, er und die „Bastarde“ waren unzertrennlich.1680 heiratete er Marie-Anne-Christine von Bayern. Von der etwas eigenwilligen und recht schüchternen neuen Dauphine war er sehr angetan und begierig darauf, nach der Heirat endlich einen eigenen Haushalt zu bekommen und mehr Unabhängigkeit von seinem übermächtigen Vater zu erringen. Als seine Gemahlin schon 1690 verschied, tat er es ganz dem Vater gleich und heiratete heimlich seine neue Geliebte Mademoiselle de Choin morganatisch. Sein Vater konnte wohl kaum dagegen argumentieren und war ohnehin nie in der Lage seinem Ältesten sonderlich böse zu sein. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges stellte sich heraus, dass der Sohn ein schlechter Politiker sein mag, dafür aber ein tapferer und geschickter Kommandant im Krieg war. Wenigstens ein Lichtblick mochte sich der König gedacht haben. Der Dauphin starb aber 1711 recht plötzlich an den Pocken, was den Vater sehr tief traf und im Volk mit großer Trauer registriert wurde. Ob er nun einen guten oder schlechten König abgegeben hätte, lässt sich nur schwer sagen. Aber sein gutes und aufrechtes Gemüt scheint einen passablen Monarchen abgegeben zu haben, auch wenn er kein genialer Staatsmann geworden wäre.
Dieses Gemälde von 1687 zeigt den Dauphin mit seiner Frau Marie-Anne-Christine und seinen drei kleinen Söhnen: Louis Herzog von Burgund, Philippe Herzog von Anjou (später Philipp V. von Spanien) und der jüngste, Charles Herzog von Berry:
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Louis Herzog von Burgund
Der älteste Sohn des Grand Dauphin (*1682) gehörte zu den Lieblingen Louis XIV., denn Burgund war nicht nur äußerlich ein Ebenbild seines Großvaters. Sein Betragen soll anmutig gewesen sein, er war bescheiden, freundlich, liebenswürdig und streng gegen sich selbst, darüber hinaus hoch intelligent und arbeitsam. Überaus interessiert an Naturwissenschaften und Geschichte, ein perfekter Grundstock für die große Politik. Einmal verschenkte er während einer Hungersnot fast all seinen Besitz, damit sich die Armen davon zu Essen kaufen konnten. Überhaupt war der Schüler Fénelons überaus fromm, gepaart mit einem großem Pflichtbewusstsein. Mit Interesse besuchte er den Unterricht über Medizin und Chirurgie an der Pariser Universität. In der Armee taugte er aber nicht sehr viel. Er heiratete die junge
Adélaide von Savoyen – eine Großnichte Louis XIV. – und verliebte sich unsterblich in sie. Der König, sein Großvater, wiederum liebte das Paar abgöttisch. Sein Vater, der Dauphin, hingegen verschmähte seinen Ältesten etwas, denn er fühlte sich angesichts der Intelligenz seines Sohnes unterlegen und war ein wenig neidisch darauf, wie sehr sich der König für seinen Enkel begeistern konnte. Der Hof munkelte, dass dem Herzog von Burgund keine rosigen Zeiten beschienen sein, wenn der Dauphin erst einmal König wäre. Solche Mutmaßungen waren 1711 mit dem Tod des Grand Dauphin erledigt. Der Herzog wurde neuer Dauphin und sein Großvater Louis XIV. sah beruhigt der Thronfolge entgegen. Die ganze Hoffnung des Königs lag nun auf dem neuen Thronfolgerpaar, doch das Schicksal meinte es anders. Bereits 1712 starben der neue Dauphin und seine Gemahlin überraschend an den Masern und nahmen auch noch ihren ältesten Sohn – den Urenkel Louis XIV. – mit ins
Grab. König Louis war am Boden zerstört. Tagelang zog er sich von Versailles in seine Privatresidenz Marly-le-Roy zurück und niemand bekam ihn zu Gesicht. Nur ein einziger Urenkel blieb dem alten König aus der Verbindung Louis von Burgunds mit Adelaide von Savoyen und erst dieser neue Dauphin Louis sollte seinem Urgroßvater als Louis XV. auf den Thron folgen. Mit dem Tod des Herzogs von Burgund allerdings, wurde Frankreich wahrscheinlich einem seiner vielversprechendsten Thronanwärter beraubt.
Dieses Bild von 1711 zeigt Louis XIV. umgeben von seinen männlichen Erben, also seinem Sohn dem Grand Dauphin, dessen ältesten Sohn dem Herzog von Burgund und wiederum dessen Ältesten dem kleinen Herzog der Bretagne. Die Frau ist Mme. de Ventadour, die Gouvernante des jungen Prinzen. Ironischer Weise sollte keiner von diesen, die Nachfolge des großen Louis antreten. Der König überlebte sie leider alle:
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