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Alt 20.10.2004, 16:55   #7
Louis le Grand
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Louis XV. (der Vielgeliebte)

Stammbaum:
http://www.heraldique-europeenne.org..._XV_France.htm

Der 1710 geborene Louis XV. war das einzig überlebende Kind des Dauphin Louis von Burgund. Seine Eltern und sein älterer Bruder starben 1712 an den Masern. Er selbst entkam diesem Schicksal nur, weil ihn seine Amme aus der Umgebung der sterbenden entfernte und erst wieder herausgab, als die Gefahr ihrer Meinung nach vorüber war. Damit war er der neue Dauphin und sein Urgroßvater Louis XIV. fürchtete ständig um das Leben des kleinen Prinzen. Der alte König starb voller Sorge um die Zukunft eines erneuten Kindkönigs, hatte er doch selbst die Nachteile der Minderjährigkeit kennen gelernt. Da der junge König ein Waisenkind war, übernahm Philippe II. Herzog von Orléans als Regent die Macht.

Mit einer Regierungslänge von 59 Jahren, von 1715 bis 1774, hatte Louis XV. ebenfalls eine Regierungszeit, die man als Epoche bezeichnen darf. Vieles veränderte sich, allem voran der Hof. Regent Philippe entfernte die ihm unliebsamen Personen, unzählige fielen in Ungnade. Besonders diejenigen, die die Gunst seines Onkels Louis XIV. genossen hatten. Der Regent nutzte die Allmacht der Krone, die ihm überantwortet wurde, um persönliche Rache zu nehmen an denen, die einst höhere Gunst besaßen als er. Besonders der Lieblingssohn des „Sonnenkönigs“ der Duc du Maine, wurde entfernt. Es sollte einige Zeit dauern, bis sich die Wogen glätteten und die „Verbanten“ wieder zurückkamen. In der Außenpolitik kam es zu einem ungewöhnlichen Problem. Philipp V. von Spanien bekam einst von seinem Großvater Louis XIV. den Rat, dass er niemals seine frz. Wurzeln vergessen sollte und das Bündnis Spanien-Frankreich pflegen müsse. Das hätte er auch gern getan, wäre da nicht die unüberbrückbare Feindschaft zwischen Philipp V. und dem Regenten gewesen. Solange der Herzog von Orléans regierte, herrschten angespannte Beziehungen zwischen den beiden Bourbonenstaaten. Immerhin wurde aber während der Regentschaft 1718 die Quadrupelallianz zwischen Kaiser, Reichsständen, England und Frankreich geschaffen, der 1720 auch Spanien beitrat. 1723 wurde König Louis für Großjährig erklärt und die Regentschaft endete.

Dem ‚Grand Siècle’ Louis XIV. folgte nun das ‘Siècle des Lumières’ Louis XV., das ‘Zeitalter des Lichts’, also die Aufklärung, ein erneuter Höhepunkt der französischen Kultur. Die Bevölkerung stieg auf über 23 Millionen Menschen an. Louis XV. erntete im besonderem Maße die späten Früchte seines Vorgängers. Einst geschaffen durch die letzten Friedensverträge, sollte der neue König besonders außen- und sicherheitspolitisch davon profitieren. Im Jahr 1725 löste Louis die Verlobung mit der spanischen Infantin Marie-Anne-Victoire, die der Regent noch eingefädelt hatte. Stattdessen heiratet er noch im selben Jahr Marie Leszczynska , die Tochter des Ex-Königs Stanislaus von Polen. Erneut war Philipp V. von Spanien brüskiert und die Quadrupelallianz zerbrach. Darauf bildeten Spanien, Österreich und Russland die sogenannte Wiener Allianz, die sich offensiv gegen Frankreich richtete. Als Gegengewicht bildeten Frankreich und England 1726 die sogenannte Hannoveraner Alliance. Die Spannungen zwischen den beiden Bündnissen waren sehr stark. Es ging dem 16jährigen König auf, dass er wohl bessere Berater in der Politik nötig hatte. So kam es, dass einer der Vertrauten des Königs, Kardinal Fleury , zum „Leitenden Minister“ ernannt wurde und der Herzog von Bourbon von seinen leitenden Pflichten entbunden wurde. Der Kardinal war faktisch Premierminister ohne je diesen Titel zu bekleiden. Seine Aufgabe war es, den noch sehr unerfahrenen König zu unterweisen und er band diesen Schritt für Schritt in die Politik ein. Fleury war besonders in der Außenpolitik kompetent und es gelang ihm die Allianzen zu sprengen und so den Krieg zu verhindern. 1733 wird der erste bourbonische Familienvertrag geschlossen und damit ein permanentes Bündnis zwischen Frankreich und Spanien etabliert, dass sich bis in die Revolutionszeit erhält.

Persönlich war Louis XV. ein Mann, der seine Schwierigkeiten mit der Königswürde hatte. Er war zwar hoch intelligent, aber eine schüchterne Natur und es war ihm äußerst unangenehm wenn er in der Öffentlichkeit erscheinen musste, um von Tausenden angestarrt zu werden. Nun lebten die Könige von Frankreich aber ständig in der Öffentlichkeit und mussten sich und den Staat permanent repräsentieren. Der König vermied es sich ständig den Höflingen zu zeigen und bevorzugte die etwas intimere Atmosphäre seiner Privatgemächer. Mit seiner Gemahlin hatte er zahlreiche Kinder, von denen seine Töchter besonders bekannt sind. Dennoch hatte auch er Mätressen. Am berühmtesten ist sicherlich die Marquise de Pompadour . Sie war von 1745 bis zu ihrem Tod 1764 die Favoritin des Königs. Als Kardinal Fleury 1743 stirbt, war der König schon seit einigen Jahren stark an den Regierungsgeschäften beteiligt und beschließt, keinen Ersatz für den Kardinalminister zu suchen. Doch da König Louis immer etwas unentschlossen war, bekam die Pompadour immer mehr Einfluss in der Politik. Seit 1746 war sie praktisch ein dominierendes Mitglied der Regierung, sie empfing Diplomaten und führte Verhandlungen. Diese Einmischung war nicht immer gut für Frankreich, da die Mätresse auch massiv Günstlingswirtschaft betrieb. Auf der anderen Seite neigt man aber auch dazu, ihren Einfluss über zu bewerten. Zu behaupten, dass sie der wahre König gewesen wäre, ist doch sehr fragwürdig. Zumal die Minister auch noch einigen Einfluss auf den König hatten und dieser alles andere als Willenlos war. Mit dem Tod der übermächtigen Mätresse änderte sich wiedereinmal einiges am Hof. Die Comtesse du Barry wurde die neue Favoritin, doch diese zeigte kaum Interesse an der Politik. In Sachen unehelicher Nachwuchs, tat der König es seinen Ahnen gleich und zeugte 13 illegitime Kinder.

Die erste Hälfte der Herrschaft Louis XV. war eine recht friedliche Periode, in der der Wohlstand wuchs. Doch wurde die Konkurrenz zwischen England und Frankreich in den Kolonien immer größer. Während der zweiten Hälfte, der Schlesischen Kriege, trat Frankreich zunächst an die Seite Preußens, dann verbündete man sich doch wieder mit Österreich, um so auch gegen England kämpfen zu können. In den Jahren 1758-1770 wurde der Herzog von Choiseul-Amboise der wichtigste Minister des Königs und leitete die Außenpolitik. In der Übereinstimmung mit der Politik Fleurys verband Choiseul 1761 während der großen Kämpfe gegen England und Preußen die Bourbonen in Frankreich, Spanien, Neapel und Parma durch das bourbonische Familienübereinkommen (Lateinische Union). Die Kriege verliefen wenig günstig für Frankreich, auch wenn es die größte Militärmacht Europas war. Die französischen Kräfte waren auf dem europäischen Festland gebunden. Der Kolonialkrieg entwickelte sich zur Niederlage, denn England konnte sich auf den Kolonialkrieg konzentrieren und hatte kaum Truppen auf dem europäischen Schlachtfeldern eingesetzt. Im Frieden von Paris 1763 muss Frankreich seine nordamerikanischen Kolonien in Canada und östlich des Missouri an England übergeben. Die karibischen Kolonien und Stützpunkte bleiben jedoch unangetastet. In Nordindien fällt die Oberhoheit über das Land von Frankreich an England, die südindischen Besitzungen können behauptet werden.

Dieser Frieden wird als außenpolitische Schmach ohne gleichen empfunden. Dazu noch ruinierten die Kriege die frz. Staatsfinanzen, der Finanzkrise versuchte man mit Steuererhöhungen entgegenzutreten. Ab diesem Zeitpunkt begann Frankreich eine konspirative Politik in Nordamerika zu betreiben und separatistische Tendenzen zu fördern. Ganz nach dem Motto: Was mir nicht mehr gehören darf, soll auch dir nicht gehören. Einen auswärtigen Erfolg konnte man erst wieder mit dem Erwerb Korsikas von Genua 1768 erreichen. Dennoch waren seit dem Frieden von Paris dringend Reformen im Staat nötig, aber der König zeigte sich reformunwillig. Im Laufe der Zeit ergab sich ein offener Widerspruch zwischen dem Absolutismus der Krone und der Aufklärung. Eine Antwort auf diese neuen Fragen blieb Louis XV., wie die anderen Könige Europas, schuldig. Doch waren die gesellschaftlichen Entwicklungen in Frankreich stark fortgeschritten, mehr als anderswo, so dass die Ideale der Aufklärung auf den Nägeln brannten. Stattdessen aber schob der König die Reformen auf die lange Bank.

Als Louis XV. seine Finger nicht von einer jungen Magd lassen konnte, steckte er sich bei dieser mit den Pocken an. Am 10. Mai 1774 starb er an diesen in Versailles und eine Epoche ging zuende. Bei seinem Tod herrschte Unzufriedenheit in der Bevölkerung, besonders das Bürgertum forderte Erneuerung. Die absolutistische Staatsform begann sich zu überleben. Die Nachfolge Louis XV. trat sein Enkel Louis-Charles an, als Louis XVI. . Der neue König sollte großen Reformwillen zeigen, aber die eigene Krone noch mehr hassen als der Großvater. Wo er den politischen und kulturellen Führungsanspruch Frankreichs durchsetzen sollte, war er unsicher. Louis XVI. scheiterte an dem enormen Widerstand des Hochadels und besonders der Parlamente, denen er unkluger weise, größeres Mitsprachrecht einräumte. Letztlich zerbrach er an seiner Überforderung und sollte seine Frustration mit dem Kopf bezahlen. Auch das dogmatische Festhalten an überkommenen Strukturen sollte sein übriges tun, die Folgen sind bekannt.

Hier habe ich noch mal ein anderes Bild von Louis XV., dass ihn in der typischen Hoftracht um 1750 zeigt, wie man es zu hohen Anlässen getragen hat:
http://alain.lubin.free.fr/louis%20XV.jpg

Buchtipps über Louis XV.:
Levron, Jacques; Ludwig XV. Der verkannte König Frankreichs
Bernier, Olivier; Ludwig XV. Eine Biographie

Zeitgleiche Dynastien:
Die spanischen Habsburger von Konradin
Die englischen Stuarts von Philipp August


ENDE
Ich hoffe dieser Beitrag wird euch in Zukunft helfen und auch Freude bereiten.
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