Ich hatte erst heute abend Zeit mir alles genau durchzulesen. Ist eine sehr schöne Sache geworden.

Ein paar Sachen würde ich aber gern noch ansprechen.
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Dann geschah etwas, womit schon seit Jahren gerechnet wurde: der letzte spanische Habsburger Carlos II. starb 1700 kinderlos, der Thron war vakant. Carlos ignorierte die Teilungsverträge zwischen Versailles und Wien und bestätigte in seinem Testament die Erbansprüche der Bourbonen. Als die Nachricht in Frankreich eintraf, war dies der persönliche Höhepunkt in der Regierung Louis’ XIV., ab sofort sollte der spanische Erzrivale bourbonisch regiert werden. Der zweite Enkel des Königs Philippe Herzog von Anjou wurde als Philipp V. durch seinen Großvater zum spanischen König proklamiert. Louis blieb nicht anderes übrig als so zu handeln, durch das Testament war jede Teilung ausgeschlossen und eine Absage hätte den deutschen Habsburgern alle Vorteile gesichert. Es dauerte auch gar nicht lange, dass der Spanische Erbfolgekrieg (1702-1713) zwischen Frankreich-Spanien und einer habsburgischen Allianz ausbrach. Die Spanier bevorzugten den Bourbonen, der als rechtmäßig galt, während ihnen ein habsburgischer Erzherzog als Usurpator vorkam. Dieser Krieg war der heftigste seit dem 30jährigen Krieg, er zerrte in unglaublichen Maße an den Kräften aller beteiligten und ruinierte deren Finanzen. Das Kriegsglück ging hin und her. Am Anfang gut für Frankreich, dann besser für die Alliierten, welche die niederländischen Grenzposten überrannten und sogar in Nordfrankreich einfielen. Zum Ende schlug das Glück wieder Richtung Frankreich aus. Die feindlichen Truppen wurden aus Frankreich verdrängt, beide Seiten waren zunehmend in defensiven Positionen. Die Engländer misstrauten zunehmend ihrem kaiserlichen Alliierten und nahmen mehr und mehr eine profranzösische Position ein. 1711 machten sie Frieden mit Louis XIV. und die antifranzösische Allianz zerbröckelte zusehends. Alle Parteien waren entkräftet und einigten ab 1713 auf den Frieden von Utrecht und Rastatt. Dem Kaiser wurden die spärliche Reste der Niederlande und die süditalienischen Besitzungen Spaniens übergeben, Philipp V. behielt den Rest des spanischen Reiches. Frankreich konnte sein Ziel der territorialen Erweiterung nicht erreichen, dafür aber sein Hauptziel – einen spanischen Bourbonen – durchsetzen. Englands Unterstützung wurde mit dem Sklavenmonopol in Westindien belohnt. Durch diesen Frieden sah Louis die Hauptaufgabe seiner Regierung erreicht: nie wieder würden die Habsburger Frankreich umklammern können oder sonst irgendwie zu einer Sicherheitsbedrohung werden. Konsequenter Weise bot Louis XIV. Wien nun ein Bündnis an, um den erreichten Frieden weiter zu untermauern, doch der Kaiser sollte zu diesem frühen Augenblick noch nicht so weitsichtig sein und dies vorerst noch ablehnen.
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Diese Zusammenfassung des Spanischen Erbfolgekrieges erscheint mir etwas zu sehr Frankreich-lastig - kann man bei deinem Nick ja auch verstehen.
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"Louis blieb nicht anderes übrig als so zu handeln..."
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Ganz so erzwungen war der Krieg vielleicht doch nicht. Eine Verhandlungslösung mit den Habsburgern wäre vielleicht möglich gewesen aber da Ludwig für seinen Enkel
alle spanischen Besitzungen forderte war Krieg vorprogrammiert.
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"Die Spanier bevorzugten den Bourbonen..."
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Es war eher so, das die Kastilier auf Seite der Bourbonen waren und die Aragonesen auf Seite der Habsburger.
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Die Engländer misstrauten zunehmend ihrem kaiserlichen Alliierten und nahmen mehr und mehr eine profranzösische Position ein. 1711 machten sie Frieden mit Louis XIV. und die antifranzösische Allianz zerbröckelte zusehends.
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Die Engländer wendeten sich deshalb von ihren österreichischen Verbündeten ab, weil Kaiser Joseph I. 1711 unerwartet früh an den Pocken starb (war wohl die selbe Epidemie, die auch Ludwigs Erben hinwegraffte). Da er keine männlichen Erben hatte, wurde nun sein Bruder Karl VI. Kaiser. Dieser Karl war jedoch auch der habsburgische Aspirant auf den spanischen Thron. Die englische Politik war aber streng auf ein politisches Gleichgewicht auf dem europäischen Kontinent bedacht. Spanien und das Reich erneut in Personalunion unter einem Habsburger widersprach diesem Gleichgewicht in krasser Weise. Man wendete sich deshalb ab von den Habsburgern. Der Tod von Joseph I. ermöglichte also erst das verbleiben von Phillip V. auf dem spanischen Thron, ansonsten wäre der Spanische Erbfolgekrieg eine Niederlage für Ludwig XIV. geworden - aber so kommts in der Geschichte eben manchmal.
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Alle Parteien waren entkräftet und einigten ab 1713 auf den Frieden von Utrecht und Rastatt.
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Es gab zwei Friedensschlüsse, einmal den zwischen Frankreich und den Alliierten außer Österreich in Utrecht im Juli 1713. Der Kaiser und ein paar wenige Verbündeten setzten den Kampf zunächst fort und schlossen sich erst im März 1714 im Frieden von Rastatt den Bedingungen von Utrecht an.
Und ganz so kümmerlich waren die Reste dann auch nicht, die die Habsburger abbekamen, immerhin fast alle spanischen Nebenländer. :thx:
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Es fanden nun auch keine großen Empfänge mehr statt, eine der letzten größeren Auftritte war beim Empfang des sächsischen Kurfürsten , August des Starken, in Fontainebleau 1714.
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Hierzu ein paar Ergänzungen:
August der Starke hat viel Energie darauf verwandt sich einen Königstitel zuzulegen, seinen "Augustus Rex" sollte man ihm darum nicht nehmen. :king:
Dazu ein paar Anekdoten. Als der polnische Königsthron 1696 vakant wurde, hat Ludwig XIV. viel darum gegeben diesen mit einem seiner Vetter, dem Prinzen von Conti, zu besetzen. August suchte darum die Unterstützung von Kaiser Leopold, wohl wissend, dass dieser alles daran setzen würde Ludwig XIV. eine Niederlage zu bereiten. Bei der Wahlversammlung geschickt taktierend wurde August dann 1697 tatsächlich zum Polnischen König gewählt - er war vorher extra noch zum Katholizismus übergetreten, er der der Kurfürst des Kernlandes der Reformation war!
Während des Nordischen Krieges zwischen Schweden und Russland, bei dem August auf Seiten von Zar Peter dem Großen kämpfte, verlor er seinen Titel zwischenzeitlich an Stanislaus Leszczynski (1704-1709) den Kandidaten von Schwedens Seite.
Eben jenem Stanislaus Leszczynski, der später Schwiegervater von Ludwig XV. werden sollte.
August der Starke war jedoch, trotz seiner zeitweisen Gegnerschaft zu Ludwig XIV., ein großer Bewunderer des französischen Königs.
Und dazu noch etwas:
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Die erste Hälfte der Herrschaft Louis XV. war eine recht friedliche Periode, in der der Wohlstand wuchs.
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Das ist nur bedingt richtig, denn in die Jahre 1733-36 fällt der Polnische Thronfolgekrieg. Nach dem Tode von August dem Starken gab es wieder zwei Lager. Die bourbonischen Länder Frankreich und Spanien unterstützten die erneute Wahl von Ludwigs XV. Schwiegervater Stanislaus Leszczynski; Rußland und das Deutsche Reich unterstützten die Wahl des Sohnes von August II. dem Starken, August den III.
Frankreich drohte darum die Grenze ins Reich zu überschreiten und rief damit gar den greisen Prinz Eugen von Savoyen noch einmal als Oberbefehlshaber auf den Plan.
Am Ende wurde August III. König von Polen, Stanislaus Leszczynski bekam als Ausgleich das Herzogtum Lothringen, welches damit endgültig an Frankreich kam und der bisherige Herzog von Lothringen heiratete dafür Maria-Theresia, wurde Großherzog der Toskana und später Kaiser Franz I.:king:
Ich hoffe ich konnte etwas Erkenntnisgewinn bereiten.