Zitat:
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Arcimboldo
Sicherlich entsprang z.B der Unsummen verschlingende Bau von Versailles keiner privaten Bauwut Ludwig XIV. Sondern für ihn mußte es politische Notwendigkeit sein ,den absoluten Anspruch des Königtums für alle Untertanen und hier besonders des Hochadels zu demonstrieren. Der Bau hatte also wie alle zeremoniellen Handlungen eine politische Aussage die sich aber seit den 1690-er Jahren veränderte.
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In Versailles konnte Ludwig XIV. den Adel noch besser kontrollieren, als in Paris - der Louvre war auch nach dem Umbau durch Le Vau für eine dauerhafte Anwesenheit vieler Höflinge nicht geeignet. Dazu ein längeres Zitat von Bernier:
„Anders als bei den Schlössern der Vorfahren Ludwigs XIV. war Versailles nicht aus der Freude des Königs am Bauen heraus entstanden, sondern war in Wirklichkeit sowohl der gestaltgewordene Ausdruck eines politischen Konzepts als auch das Mittel selbst, mit dessen Hilfe dieses Konzept umgesetzt werden konnte; weit davon entfernt, maßlos oder verantwortungslos zu sein, ist dieses Bauprojekt nichts anderes als ein Produkt der Staatsräson. ... Denn in erster Linie ist der Palast eine goldene Falle für die Prinzen und für die Vertreter des Hochadels.
Dem König schwebte vor, die einst gefährlichen Granden nicht nur für ein paar Wochen oder Monate pro Jahr an den Hof zu binden, sondern für immer. Allein dadurch würden sie von ihren Machtzentren in den Provinzen abgeschnitten, und sie wären dort festgehalten, wo sie unter Kontrolle waren – die Post unterlag der Überwachung durch die Regierung, und alle verdächtigen Briefe wurden geöffnet, gelesen und kommentiert.
Hinzu kam, dass die Kosten, die das verschwenderische Leben am Hof mit sich brachte, die Adligen mit aller Wahrscheinlichkeit in immer größere Abhängigkeit vom König brachte: Reichte ihr Einkommen erst einmal nicht mehr aus, so waren sie auf zusätzliche Pensionen und Gehälter angewiesen; und das setzte voraus, dass sie sich dort aufhielten, wo der König sie sah und sich ihrer erinnerte. Natürlich achtete Ludwig XIV. darauf, die Notwendigkeit einer tatsächlichen Anwesenheit am Hof zu betonen, indem er von jedem, den er eine Zeitlang nicht gesehen hatte, mit eisigen Worten sagte: ’Ich kenne ihn nicht’.
Es musste aber dafür gesorgt werden, dass diese permanente Anwesenheit erträglich war, und folglich waren eine grandiose Szenerie und ein erstklassiges Unterhaltungsangebot erforderlich; und, was am wichtigsten war, der König musste einen Palast besitzen, der in der Lage war, diesen nun so viel größer gewordenen Hof unterzubringen. Eine weitere Folge dieses vermehrten Umfanges und der ständigen Anwesenheit der Hofmitglieder war es, dass der Etikette größerer Raum zugestanden werden musste und sie immer komplizierter wurde. Indem er die Zahl der Ämter in seiner eigenen Umgebung ... erheblich vergrößerte, konnte Ludwig XIV. eine weitaus größerer Zahl von Adligen an sich binden,; indem er die Vertreter der verschiedenen Ämter und die einzelnen Ränge der Aristokratie eifersüchtig aufeinander machte, konnte er des weiteren sichergehen, dass die Energien, die einst Bürgerkriege angestiftet hatten, sich nun im Streit darum verzehren würden, wer das Recht auf einen Schemel und auf den Zugang zum königlichen Schlafzimmer habe.
Und als sei es damit noch nicht genug, sorgte allein die Existenz des Palastes noch für eine weitere neue Beschäftigung des Hofes. Zum ersten Mal standen nun Räumlichkeiten genug zur Verfügung, zwar nicht jeden, aber doch die meisten Höflinge unterzubringen; folglich gab es erbitterte Auseinandersetzungen um die Quartiere, und mancher Herzog musste sich mit einer kleinen, dunklen Einzimmerwohnung begnügen. Nicht in Versailles untergebracht zu sein galt als Katastrophe: So waren plötzlich auch die reichsten Granden glücklich, wenn sie ihre eigenen weitläufigen Schlösser und ihre luxuriösen Stadtwohnungen gegen eine Dachkammer tauschen konnten."
(Olivier Bernier, Ludwig XIV., Zürich Düsseldorf 1989, S.178f.)