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Alt 04.08.2011, 17:00   #34
El Quijote
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Bei allen Mängeln dieser Schiffe - sie haben einen Motor und müssen nur eine relativ kurze Strecke zurücklegen. Eine Ladung Flüchtlinge kann man in wenigen Stunden nach Spanien bringen, also innerhalb einer Nacht. Und wenn sie drüben sind, war die Mission erfolgreich - es reicht den Flüchtlingen ja europäischen Boden zu erreichen.
Du verkennst die Situation: Die Boote sind kaum seetauglich und völlig überladen. In den letzten Jahren hat sich die Situation an der Straße von Gibraltar etwas entspannt, weil die Marokkaner mit aufpassen und die Grenzen geschlossen haben. Daher läuft die Überfahrt jetzt meist von Mauretanien zu den Kanaren bzw. von Tunesien nach Lampedusa. Nichtsdestotrotz haben schon einige Tausend Afrikaner in der Meerenge von Gibraltar ihr Leben verloren.

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Das moderne Beispiel ist m. E. völlig ungeeignet, um die antiken Verhältnisse und Möglichkeiten zu beurteilen. Denn da ging es um eine längere Reise längs der Meerenge.
Jedoch sind die Möglichkeiten der undokumentierten Einwanderer gegenüber denen der spanischen Küstenwache asymmetrisch gegenüber denen der Karthager und ihrer Konkurrenten, die auf demselben technischen Stand waren, weder über Ferngläser noch über Radar oder Nachtsichtgeräte, Scheinwerfer Schnellboote oder Hubschrauber verfügten.


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Die Städte müssen nicht miteinander kommunizieren. Es reicht, daß den Griechen der Unterschlupf an Land weitgehend verwehrt war. Ein grundlegender Unterschied zu Schmugglern, deren Erfolg ja wesentlich darauf beruht, daß sie eben aus der Küstenregion selber kommen.
Im 16. Jahrhundert hat man zum Schutz gegen berberische Piraten die spanische Küste mit Wachtürmen versehen, um die Bevölkerung vor den Sklavenjagden zu schützen. Es hat kaum geholfen. Wer hätte den Griechen den ernsthaft das anlanden und Wasser nehmen in einer unbeobachteten Bucht verwehren sollen?

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Aber ja siehst Du das! Schon vom Mastkorb eines Schiffes hast Du einen erstaunlich weiten Sichtkreis, erhöht auf Land (der typische Aussichtsturm auf einem Hügel) sieht man sehr weit hinaus aufs Meer.
Trotzdem musst du erst einmal das Schiff sehen, die Nachricht weiterleiten, das Schiff bemannen und auf Kurs bringen, das vermeintlich gegnerische Schiff einholen und identifizieren....


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Richtig, das ist der kritischste Abschnitt, in dem wird tagsüber eigentlich jedes fremde Schiff gesehen.

Ich möchte dir empfehlen, mal in Tarifa Urlaub zu machen (man kann da gut den Sporturlaub, Badeurlaub und Sightseeing kombinieren), dann wirst du sehen, dass es dort a) häufig sehr diesig ist und b) es gar nicht so einfach ist, zu sehen, was auf dem Meer los ist. Westlich und östlich davon ist dieser "kritischte Abschnitt" bis zu 45 km breit, östlich von Gibraltar und Ceuta noch breiter.


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Aber auch in der Region vor und nach der eigentlichen Straße sind die Chancen fremder Schiffe schlecht, unentdeckt durchzukommen. Insbesondere, wenn sie die Gegend nicht gut kennen. Denn die Schiffe dürfen sich ja nicht zu weit von der Küste entfernen - und müssen doch außer Sichtweite bleiben.
Für den Seemann ist das Land deutlich besser zu sehen, als für den Ausguck an Land ein einzelnes Schiff.

Aber wie gesagt, mir geht es eigentlich viel weniger darum, ob die Sperrung von Gibraltar möglich war, sondern viel mehr, ob sie überhaupt historisch ist. Das ist nämlich schon anzuzweifeln.

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Und das erkannte Schiff ist dann leicht zu erwischen, wenn der eigene Startpunkt in Zielrichtung liegt. D.h. ein Schiff aus Osten fängt man am besten aus Cadiz ab, eines aus Westen am besten von Gibraltar. Dann hat das griechische Schiff eigentlich nur die Wahl, sofort umzukehren - ansonsten ist ein Zusammentreffen kaum zu vermeiden.
Und woher weiß der Flottenkommandant in Gadir (Cádiz), dass in Kalpe (Gibraltar) ein Schiff gesichtet wurde?

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So allgemein: Ich hatte ja schon geschrieben, daß "Blockade" im modernen Seekriegssinne hier nicht paßt.
Vielmehr haben die Punier das Gebiet insgesamt so im Griff gehabt, daß es für griechische Handelsschiffe nicht sinnvoll war, sich dort hinein zu wagen. Denn im Zweifelsfall war es ja nicht mit einer Gebühr getan, sondern das Schiff wurde gekapert und incl. der Besatzung verwertet.
Für Handelsschiffahrt ist eine Route nur dann wirklich brauchbar, wenn in den nötigen Abständen eigene oder befreundete Stützpunkte zu finden sind, die Nachschub, Handelsmöglichkeiten und Schutz bieten. Und das haben die Punier natürlich für die eigenen Leute reserviert, de facto war das für Griechen (und Römer) eine Sperrung.
Wie gesagt, ich halte die Sperrung insgesamt für einen Mythos.
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