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Alt 22.01.2012, 14:48   #37
thanepower
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Stark verkürzt. Die DDR benötigte in ihrem Selbstverständnis keine Aufarbeitung der Geschichte des III. Reiches, da sie per se die antifaschistische Traditionslinie fortsetzte.
Eine ganz interessante "Hausarbeit" zu dem Thema Gründungsmythos der DDR.

Der Gründungsmythos der DDR- Katalysator für den Legitimationsverlust des ... - Anonym - Google Bücher

Kurz eine Anmerkung zum Gründungsmythos: Zwei Aspekte werden, so zumindest meine Meinung, bei der bisherigen Dikussion nicht ausreichend berücksichtig.

1. Die historische Bedeutung von Gründungsmythen: Grundsätzlich sind drei Formen von Mythen zu erkennen, die in der Diskussion m.E. nicht ausreichend differenziert wurden:
- Gründungsmythen
- "große" Mythen
- "kleine" Mythen

Zu unterschieden sind diese Mythen hinsichtlich der historischen Performanz und der Breite der Geltung des Mythos.

Bei den Gründungsmythen lassen sich kaum beliebige Mythen nennen, sondern es sind primär "singuläre" Ereignisse bzw. Bezüge:
- Italien: Romulus
- Frankreich: Sturm auf die Bastille
- USA: Frontier-Mythos
- UdSSR: Bürgerkrieg
- Deutsches Reich (1871): Barbarossa- und Nibelungen-Mythos

Auf die "großen" und "kleinen" Mythen soll nicht eingegangen werden. Wichtig für die Gründungsmythen ist die breite Akzeptanz, die sie erfahren. Deshalb unterscheiden sich Gründungsmythen nicht unerhelblich von "Gründungsideologien", die im embryonalen Stadium ihrer stagnierenden Entwicklung eine hochgradige Entfremdung zu den Sinnwelten der Bevölkerung einer Nation aufweist (wie m.E. im Fall der DDR)

2. Die kulturelle bzw. soziale Akzeptanz von Gründungsmythen im Rahmen der Sinnwelten: Vor diesem Hintergrund stellen Gründungsmythen mächtige Ideologiesysteme dar, die via Kommunikation (Narration) komplexe, teils auch widersprüchliche Sinnwelten stiften. Ihre Bedeutung erhalten die Mythen in ihrer Rolle als legitimationsstiftendes Konstrukt, um die Selektion einer Alternative aus einem Set von alternativen Handlungsmustern zu rechtfertigen, wie im 2. und 3. Reich sehr ausgeprägt.

Da diese Form der Stiftung von Sinnwelten durch eine - auch politische - Sozialisation vermittelt ist und sich als Einstellungssyndrom materialisiert, wirkt sie über bruchhafte Veränderungen (wie dem Zusammenbruch des 3. Reichs) hinaus.

In diesem Sinne ist es, m.E., mehr als fraglich, ob die BRD einen Gründungsmythos hatte, da dieser Gründungsmythos in Rivalität zu den bisherigen Deutungsmustern hätte treten müssen. Und sie entweder komplett auslöschen, sie überlagern oder neu reinterpretieren.

Vor diesem Hintergrund wären alternative zwei Thesen zu untersuchen:
- Es gab überhaupt keinen Gründungsmythos für die BRD
- Es gab eine Persistenz des vorhandenen Gründungsmythos (von 1871), Reinterpretiert im 3. Reich und mit der Gründung der BRD lediglich einer Anpassung unterworfen wurde.

Diese letzte Variante erscheint mir persönlich als die plausibelste. Und deshalb auch der Verweis auf zwei Bücher (auch wenn der erste Link bereits gesetzt wurd), die teilweise konsistent sind zu der These.

Die Deutschen und ihre Mythen - Herfried Münkler - Google Bücher

Politischer Mythos und symbolische Politik: Sinnstiftung durch symbolische ... - Andreas Dörner - Google Bücher
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"Nicht lachen, nicht trauern, nicht verachten, sondern verstehen." Spinoza

Geändert von thanepower (22.01.2012 um 15:13 Uhr).
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