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Alt 05.02.2015, 14:35   #6
Dion
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Dion befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Eine ordentliche Dokumentation gibt es nicht. Die späteren Finder wollten an dem Tag gar nicht graben, sie waren gekommen, weil sie gehört hatten, der Wald würde abgeholzt und der Bagger würde beim Ausreißen der Wurzelstöcke alles durchwühlen. In einem solchen ausgerissenen Wurzelwerk fanden sie dann das Gold. Leider hatte niemand eine Kamera dabei, die Handys waren 1998 noch ohne Fotofunktion. Aber Moosauer war nicht allein, es gibt Zeugen.

Ich habe mich gestern ein wenig durch die verschiedene Berichte durchgewühlt und festgestellt, dass Prof. Ernst Pernicka schon sehr genau bei seiner Analyse war (EP 393 Pernicka Echtheit Bernstorf in Gold und Silber 2014.pdf). Mag die von ihm verwendete Methode (Laserablation und Plasmamassenspektrometrie: Mit Laserstrahl wird eine mit bloßen Auge nicht sichtbare Menge Gold von der Oberfläche des untersuchten Stücks verdampft und mittels Heliumgases ins Spektrometer gebracht und dort analysiert) gut sein, aber es kann doch sein, dass andere Proben von dem selben Fundstück andere Ergebnisse bringen würden. Konkret: Ich glaube nicht, dass ein mehrere Gramm schweres Goldblech überall die gleiche Verteilung der Elemente aufweist. Ich schätze, auch deshalb werden jetzt neue Analysen des Goldes durchgeführt.

Das zweite Problem dürfte die Annahme Pernickas sein, das Bernstorfer Gold sei wegen seiner Reinheit ein durch Elektrolyse gewonnenes, schließlich sei die Zementation, mit der sich ähnliche Reinheit erzielen lässt, erst seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert belegt, das Bernstorfer Gold soll aber um 1600 v.Chr. stammen.

Laut wikipedia wird die Zementation wie folgt durchgeführt:
Zitat:
Das Gold wird in Form feiner Körnchen oder dünner Bleche mit Eisensulfat, Kochsalz und Ziegelmehl erhitzt. Hierbei bildet sich Silberchlorid, welches schmilzt und vom Ziegelmehl aufgesaugt wird, während das Gold nicht angegriffen wird.
Kochsalz und Ziegelmehl dürften zur Zeit Bernstorfs vorhanden sein. Und auch Eisensulfat (ein Salz) kommt in der Natur vor: Als Melanterit, das u.a. durch Verwitterung von Pyrit (Katzengold) entsteht.

Somit wären auch die alten Bernstorfer (oder andere in jener Zeit) theoretisch bzw. technisch in der Lage gewesen, Gold dieser Reinheit herzustellen.
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Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft; wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit.
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