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Alt 09.02.2015, 20:49   #42
El Quijote
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Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
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Dion Beitrag anzeigen
Zu dem Namen Bernstorf kann ich nichts anderes sagen, als dass es bessere Theorien gibt als die Benennung nach einer Person. Es gibt in Deutschland laut einem 8 Jahre alten ADAC Straßenatlas 28 Orte, die mit Berns- anfangen – von Bernsbach über z.B. Bernsdorf (8x), Bernstein (4x) bis Bernstorf, wobei das nicht „unser“ Bernstorf gemeint ist, weil wohl zu klein, sondern ein Ort zwischen Lübeck und Wismar. Um von anderen ähnlich klingenden Orten ganz zu schweigen. Wäre interessant zu erfahren, ob all die Ortsnamen auch auf Personennamen zurückzuführen sind.
Das ist schon mal die falsche herangehensweise, weil sie vom Istzustand der Namen ausgeht. Sofern wir historische Namensformen der Orte kennen, sollten wir von diesen ausgehen.
Die überwiegende Anzahl von Ortsnamen ist von Personennamen abzuleiten, deshalb ist die Annahme, dass ein Ortsname von einem Personennamen abzuleiten ist, zunächst einmal ganz vernünftig, da diese Ableitung die wahrscheinlichste Herkunft darstellt. Der Blick in die historischen Nennungen hilft dabei.
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hätte den Ortsnamen zunächst mal von Bernd abgeleitet. Bei einem *Berndsdorf wäre ein Verschleifen des /d/, zumal der Übergang -ns- nach /-nts-/ klingt, überhaupt nicht weiter augenfällig. Aber glücklicherweise hat sich schon jemand die historischen Ortsnamen angeschaut:

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Heine Beitrag anzeigen
Im Zeitpunkt der Benennung von Bernstorf gab es den Begriff Bernstein in Bayern noch nicht, kann also nicht Namenspate gewesen sein.

Der Ortsname Bernstorf stammt von einem Personennamen.
Zitat:
Bernstorf
1039-47 Perandorf
1159-80 Hermut de Perindorf
1104-1122 Pernsdorf
Zu dem Personennamen Pero. Das -s, das die Mundart spricht und das auch im Schriftbild der heutigen Schreibung zum Ausdruck kommt, weist darauf hin, daß unser Perandorf auf ein älteres Peranhardsdorf zurückzuführen ist.
<P><LI> <A HREF= "thalhaus.htm"> Die Geschichte von Thalhausen</A><BR><BR>
Wobei ich der Schlussfolgerung nicht ganz folgen kann. Ich würde das -s für eine simple Fuge halten, wie in von Personennamen abgeleiteten Ortsnamen typisch.

Zitat:
Dion Beitrag anzeigen
Man muss das nicht so eng sehen.
Eng sehen muss man fast nichts. Aber eine Lücke von 1000 Jahren lässt sich damit nicht wegdiskutieren.

Zitat:
Dion Beitrag anzeigen
Es hat sich in der Umgebung über Jahrtausende immerhin eine Erzählung erhalten: „Es geht eine Sage, dass zwischen Tünzhausen, Bernstorf und Kranzberg eine versunkene Stadt liegt.“ Oder, wie wir jetzt wissen: Eine Siedlung, die niedergebrannt ist. Wenn es da keine Siedlungskontinuität gegeben hätte, hätte diese Sage nicht bis in unsere Zeit überleben können.
Ich hatte dich schon darauf hingewiesen, dass es für das Alter dieser Überlieferung (erstbeleg 1864) keinerlei Hinweise gibt. Es muss nur ein Bauer beim Pflügen regelmäßig auf Keramik gestoßen sein, ggf. sogar nur auf die der mittelalterlichen Wüstung.

Zitat:
Dion Beitrag anzeigen
In Bernstorf wurden bei späteren Grabungen weitere Bernsteine gefunden, allerdings alle unbearbeitet. Und unbearbeiteten Bernsteine deuten auf deren Transport, nicht auf Besitz von Schmuck innerhalb der Siedlung.
Unbearbeitete Bernsteine deuten zunächst einmal nur darauf, dass sie hierher verbracht wurden. Ob Bernstorf hier einen Umschlagplatz, eine Werkstatt oder einen Endabnehmer beherbergte, darüber verrät der Umstand zunächst einmal gar nichts. Und es erhöht auch nicht die Wahrscheinlichkeit, dass Bernstorf, in das vor 3500 Jahren Bernsteine verhandelt wurden, nach einem mittelhochdeutschen Begriff der ca. 2000 Jahre später verwendet wurde, benannt wurde. Auch nicht, dass der ursprüngliche Ortsname irgendetwas mit diesem hierherverhandelten Rohstoff oder Schmuck zu tun hatte.
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Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh.

Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket!
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