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Alt 16.03.2016, 21:50   #44
B. Weber
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B. Weber ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Hallo,

einige Bemerkungen zur Fälschungs-Diskussion – Bernstorf: Zu Bernstorf sind weitere „Problemfälle“ gekommen, u.a. die Sargwanne des Echnaton (!) sowie insbesondere auch die Sonnenscheibe von Moordorf – Hintergrund ist in allen Fällen das Urteil von E. Pernicka hinsichtlich zu hoher Goldreinheit…. Es gibt hierzu auch eine interessante Debatte im „Archäologie-Forum“ ( https://www.archaeologie-online.de/m...e-fortsetzung/). Ich habe dort vor allem zur Moordorf-Sonnenscheibe einige Ausführungen gemacht. Die Fundumstände der Moordorfer Scheibe lassen den Fälschungsvorwurf m.E. geradezu absurd erscheinen! Das Argument, dass ja sowohl die Moordorf Scheibe, als auch die Sargwanne des Echnaton aus dem Kunsthandel stammen würde (wo es von Fälschungen wimmelt), ist ebenfalls fragwürdig, denn auch die Fundumstände und Wege der Nebra-Scheibe sind als Fundhintergrund nicht gerade als „koscher“ zu betrachten! - Wer Interesse hat, kann also auch dort nachlesen. Auch die in diesem Beitrag zitierte Webseite von Heribert Illig ist in diesem Zusammenhang sehr lesenswert…Interessant fand ich im hiesigen Forum die Hinweise zu den chemischen Veränderungen an Oberflächen von legiertem Gold in feuchten und humösen (biologisch aktiven) Böden. Damit ist m.E. die Mehrheit der Funde aus Nah-Ost, N-Afrika und Griechenland nur sehr schlecht vergleichbar mit Funden aus Gebieten nördlich der Alpen. Es stellt sich die Frage, ob die Laserablations-Methode (die ja eben nur Oberflächen misst) in diesem Kontext überhaupt sinnvolle Ergebnisse liefert, insbesondere, wenn man (ohne Berücksichtigung der geochemischen Rahmenbedingungen) an diesem einzigen Merkmal (Gold-Anteil der Oberfläche eines Objektes) derartig grundsätzliche Interpretationen ableitet. Hierzu wären nach meinem Dafürhalten aufwendige Vergleichsuntersuchungen dringend erforderlich.. Letztlich steht natürlich auch die Frage, mit welcher Sicherheit man eigentlich das 600 y.b.C. als angeblich ältestes Datum für die Verwendung der fraglichen Goldaufbereitungsmethode annehmen kann. - Wenn dieses Datum kippt, war alle Aufregung ohnehin umsonst !!


Aus meinem Text in „Archäologie-Online“ zitiere ich hier (nur als Ergänzung zur laufenden Diskussion) die Passage, die das so genannte „grinsende Gesicht“ im Bernstorfer Bernstein-Amulett betrifft. Jemand hatte im hier laufenden Forum zurecht angemahnt, doch mal genauer nachzusehen, ob (oder ob eben nicht) es möglicherweise eine ähnliche Formensprache auch in vergleichbaren (etwa zeitgleichen) Kulturen gibt…. Ich denke, man wird da (im Gegensatz zum Urteil von Herrn Winghart) recht schnell fündig!

Hierzu das Zitat aus meinem Beitrag in „Archäologie-Online – Archäologie-Forum“:
„H. Illig erwähnt in seinem Beitrag u.a., dass Herr Stefan Winghart(zum Zeitpunkt der Auffindung des Bernstorf-Goldes Hauptkonservator im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege) „…von Anfang an Zweifel an der Echtheit der Bernstorf –Funde gehabt habe. So gebe es (nach seiner Ansicht) aus der fraglichen Zeit kein vergleichbares Stück aus Rohbernstein, auch keine lachenden oder grinsenden Gesichter….“
Sorry, aber hier muss ich auch als Amateur widersprechen: Es gibt sehr wohl ganz ähnliche Darstellungen von „grinsenden Gesichtern“ und zwar im Fundinventar von Mykene – allerdings dort nur aus Keramik. Manche der recht populären Terracotta-Figurinen aus Mykene haben Gesichter, die fast an Karikaturen erinnern. –
Man findet dazu Bilder (von Objekten des Nationalmuseums Athen) sogar im Internet - Einige davon könnten dem möglichen Fälscher des Bersteingesichts sogar als Vorbild gedient haben (The World's Best Photos of figurine and mycenae - Flickr Hive Mind, Vgl. dazu insbesondere das Objekt auf dieser Website, das als laufende No.11 abgebildet ist - siehe beigefügte Abbildung).
Man sollte also schon bei den Tatsachen bleiben – die „grinsenden Gesichter“ sind eben (per se) kein schlüssiges Argument gegen den Bernstorfer Bernstein – ganz im Gegenteil! - Vielleicht erfährt man ja aber doch noch mal irgendwann, was Frau Verkooijen dazu herausgefunden hat. (B. Weber)..“

Das Gutachten zum Bernstorfer Bernstein von der Bernstein-Expertin (Frau Verkoojien aus UK) liegt seit einem Jahr unveröffentlicht in München. Das macht keinen so guten Eindruck. . Sollte der Bernstein also ‚falsch’ sein, sind auch die Zweifel am Goldfund berechtigt!

Fazit: Im Falle Bernstorf riecht es schon ein wenig nach Fälschung, aber eben nicht nur wegen der Goldqualität. Es scheint sich eine seltsame und logisch nur schwer erklärbare „Inflation“ von Goldfälschungen anzudeuten. – Eine kritische Neubewertung der verwendeten Methodik, vor allem was die möglichen Besonderheiten des jeweils untersuchten Probenmaterials betrifft sowie insbesondere auch eine kritische Sicht auf die gegenwärtig üblichen Interpretations-Ansätze scheint daher dringend erforderlich.

B. Weber
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