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Alt 16.05.2016, 13:38   #25
Dieter
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Nebenbei. Die Clanstrukturen der Parther sind noch eine Gemeinsamkeit mit den Kurden.
Es gibt keine nachweisbare Verbindung zwischen Kurden und Parthern. Die Parther bildeten lediglich eine ganz dünne Elite, nachdem sie den Irasn erobert, die vorgefundenen Großgrundbesitzer davongejagt oder sich mit ihnen geeinigt hatten. Ferner waren Adel und Königssippe parthisch. Die Masse der bäuerlichen Bevölkerung war nicht-parthischer Herkunft, sondern zählte zu einer alten iranischstämmigen Bevölkerung. Zur Zeit der Sassaniden verschwand die kleine Elite der Parther als eigenständige Ethnie und ging in der persischen Mehrheitsbevölkerung auf.

Die parthische Sprache hat dem Persischen zahlreiche Lehnwörter vermittelt und war in einigen Gegenden außerhalb des Irans noch bis ins 9. Jh. in Gebrauch. So u.a. im zentralasiatischen Turfan und einigen Gemeinden der Manichäer in Mittelasien (vgl. Harald Haarmann, Lexikon der untergegangenen Sprachen, S. 161 f.).

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Nehmen wir an, die kurdischen Sprachen sind nicht aus dem parthischen entsprungen, dies würde aber auch bedeuten das sie einen oder mehrere nicht näher bekannte mitteliranischen Vorgänger gehabt haben müssen. Warum konnte sich eine iranische Sprache wie das parthische nicht behaupten, der Unbekannte und Unbedeutende mitteliranische Vorgänger des kurdischen aber schon?
Die Parther bzw. Parner waren ein halbnomadischer Stamm, der aus den Steppen Mittelasiens über Turkestan in den Iran einwanderte. Aufgrund der äußerst schmalen Bevölkerungsbasis innerhalb der iranischen Mehrheitsbevölkerung konnte sich Parthisch nach dem Untergang der Arsakiden und der Machtübernahme der persischen Sassaniden nicht halten. Solche Vorgänge hat es in der Weltgeschichte hundertfach gegeben. So gaben z.B. die Etrusker Sprache und Identität auf, aus Mitteleuropa verschwanden die Kelten und mussten den Germanen Platz machen, die akkadisch-babylonische Sprache musste dem Aramäischen weichen, was auch dem Hebräisch der Juden passierte. Man könnte diese Aufstellung noch unendlich fortsetzen.

Im übrigen ist ungeklärt, welche Sprachen als Substrat für die Vorgängersprache des heutigen Kurdischen infrage kommen. Die iranischen Ahnen der Kurden könnten z.B. über den Kaukasus in ihre heutigen Sitze eingewandert sein. Ebenso ist es denkbar, dass eine alte autochthone Bergbevölkerung einen Sprachwechsel vollzog und ein iranisches Idiom annahm. So geht Ferdinand Hennerbichler in seiner Schrift "Herkunft der Kurden" von der Iranisierung einer altansässigen Bevölkerung aus (Ferdinand Hennerbichler, Die Herkunft der Kurden, Frankfurt 2010, S. 215).

Aber über die Ethnogenese der Kurden haben wir in einem anderen Thread bereits ausführlich diskutiert. http://www.geschichtsforum.de/f23/he...-kurden-15612/

Geändert von Dieter (16.05.2016 um 13:57 Uhr).
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