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Alt 18.05.2016, 15:22   #29
Dieter
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Es ist meine eigene persönliche Meinung, weil es für mich die naheliegendste Erkärung für das Verschwinden der Parther und dem Erscheinen der Kurden in diesem Gebiet bietet. Etwas anderes habe ich nicht behauptet.
Da bis heute kein Linguist ein parthisches Substrat im Kurdischen entdeckt hat und es zudem höchst unwahrscheinlich ist, dass nun gerade im kurdischen Bergland Parther gesiedelt haben sollen, wo doch ihre Schwerpunkte in ganz anderen iranischen Regionen lagen, ist deine Hypothese wenig wahrscheoinlich.

Hinzu kommt, dass Wissenschaftler eine Iranisierung der kurdischen Vorbevölkerung vor den Medern und Achämeniden annehmen (somit natürlich auch weit vor den Parthern). So schreibt Ferdinand Hennerbichler mit Bezug auf den Iranspezialisten Professor Gernot Windfuhr:

"Demnach wäre in einer Schlussbetrachtung davon auszugehen, dass heutiges neu-iranisches Kurdisch auf vor-achämenidische Anfänge zurückgehen dürfte. Professor Gernot Windfuhr in einer abschließenden historischen Einordnung:
'Die wohl erste Stufe iranisierter Kurden-Gruppen muss zeitlich vor-achaimenidisch oder vor-medisch ... gewesen sein; dazu ... Skythisch.'"
(Ferdinand Hennerbichler, Die Herkunft der Kurden. Interdisziplinäre Studie, Frankfurt/M. 2010, S. 236)

Vielleicht solltest du deine Hypothese einmal überdenken.

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Die Errichtung einer grossen Dynastie beginnt doch oft mit einer dünnen Eliteschicht und endet mit einer massenhaften Sprachassimilierung der beherrschenden Volkgsruppen.
Mit den Parthern im Iran war das augenscheinlich nicht so.

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Sprachentod gab es oft, weil sie der Bedrohung anderer Sprachen und Völker nicht standhalten konnten. Parthisch hat benachbarte Sprachen wie armenisch und sogar persisch beeinflussen können, hat sich scheinbar tief bis nach Anatolien und Mesopotamien ausgebreitet, und stirbt trotzdem aus, wohingegen kurdisch mit ca. 40 Millionen Muttersprachlern bis in den heutigen Tag gesprochen wird. Warum? Das war meine Frage.
Ich denke, ich habe das mehrfach beantwortet. Zunächst gibt es keine Regel, wonach sich die eine Sprache durchsetzt, die andere nicht. So wurde Gallien von den germanischen Franken erobert und beherrscht. Dennoch machte das Germanisch der Eroberer im Verlauf von etwa 300 Jahren dem Romanisch der gallo-römischen Nehrheitsbevölkerung Platz. Wie Ravenik oben schon schrieb, gingen auch die germanischen Kriegereliten der Westgoten und Langobarden im Verlauf der Zeit in der romanischen Mehrheitsbevölkerung auf.- Hingegen dominierte Türkisch in Kleinasien, obwohl die Turkstämme der eingessenen griechisch-byzantinischen Bevölkerung zahlenmäßig weit unterlegen waren. Die großen Stämme der Illyrer und Thraker wurden von Slawen überformt, die den Balkan ab dem 6. Jh. eroberten, und verloren Sprache und Identität.

Die Parther waren ein kleiner Stamm, der in der zahlenmäßig weit überlegenen iranischen Mehrheitsbevölkerung aufging. Damit verschwanden auch Sprache und Identität. Dass die nahezu 500-jährige Herrschaft der Parther dennoch ihre Spuren im Persischen hinterließ, habe ich in einem Beitrag oben bereits ausgeführt.

Was die Kurden betrifft, so saßen sie damals wie heute in unwegsamen Bergregionen. Diese geografische Abseitslage verhinderte, dass Persisch das nordwestiranische Idiom der Kurden verdrängte. Ganz abgesehen davon, dass der größte Teil Kurdistans seit etwa 1400/1500 nicht zu Persien, sondern zum Osmanischen Reich gehörte. Dass Sprachen in Rückzugsgebieten oder schlecht zugänglichen Regionen überleben, findet man öfter.

Geändert von Dieter (18.05.2016 um 15:45 Uhr).
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