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Alt 25.12.2016, 21:53   #13
Caro91
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Ort: Am schönen Bodensee
Beiträge: 140
Caro91 wird schon bald berühmt werden
Natürlich hast du völlig recht: Eine Quelle ist in einem konkreten Fall nicht unglaubwürdig, nur weil sie eine pikante oder eigenartige Information beinhaltet.

Hier gibt es aber schon auch weitere Hinweise:

- Commodus galt (wie von Euch ja bereits erläutert) als wenig fähiger Kaiser, der in seiner Persönlichkeit kaum Gemeinsamkeiten mit dem großen Vater zu zeigen schien.

- Er hatte völlig andere Interessen als Marc Aurel, die zudem eher einem Mann aus einer einfachen Schicht angestanden hätten. Insbesondere seine Neigung, sich selbst als Gladiator zu betätigen, scheint der senatorischen Schicht sehr missfallen zu haben.

- Er galt nach seinem Tod zumindest in diesen Kreisen als schlechter Kaiser, während seine Vorgänger seit Nerva als gute und sehr gute Herrscher dargestellt wurden.

Was lag also für eine Geschichtsschreibung in dieser Tradition näher, als dies alles dadurch zu erklären, dass Commodus ganz schlechte Erbanlagen - etwa die eines Gladiators und einer Ehebrecherin - mitgebracht hatte?

Das würde erklären, wie dieses Gerücht aufkam. Da wir in der heutigen Historiographie aber nicht mehr davon ausgehen, dass Neigungen (wie die zum Gladiatorenkampf, zur Grausamkeit, zur Sittenlosigkeit oder auch zur Philosophie und zum verantwortlichen Handeln) biologisch vererbt werden, gibt es eigentlich keinen Grund, Commodus nicht für Marc Aurels Sohn zu halten.

Dazu kommt dann noch, dass ein solcher Seitensprung entweder sehr undiskret und halböffentlich hätte ablaufen müssen, damit er den Zeitgenossen bekannt geworden wäre. Ob der Kaiser ihn dann wirklich so protegiert hätte?
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