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Alt 26.12.2016, 14:23   #15
Teresa C.
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Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Wobei wieder zu hinterfragen wäre, ob die Markomannenkriege nicht ihre Ursache in der Entwicklung des Römischen Reiches unter Marc Aurels Vorgängern gehabt haben.

Aus heutiger Sicht lässt sich wohl kaum mehr entscheiden, ob Marc Aurel überhaupt eine andere Wahl als die Kriege gehabt hat.
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Eine weitere Frage, die sich für mich in Bezug auf das Modell "Adoptivkaiser" stellt:

Die Einteilung der römischen Kaiser, wie wir sie heute kennen, ist doch erst später entstanden und keineswegs so fix in der geschichtlichen Betrachtung. Als ich aufgewachsen bin, waren die Severer z. B. bereits Soldatenkaiser, heute dagegen werden sie oft als eigene Dynastie (vergleichbar den Flaviern) eingestuft.

Ob bei den Adoptivkaisern tatsächlich ein politisches Programm ursprünglich dahinter gesteckt hat?

Fakt ist doch:
Nerva hatte keinen Sohn, also war die Adoption eines Nachfolgers die vermutlich naheliegendste Lösung, zudem das in der römischen Gesellschaft eine durchaus übliche Methode zur Nachfolgeregelung war, und dies nicht erst in der Kaiserzeit.

Dass er mit Trajan keinen nahen Verwandten adoptierte, war vielleicht das einzige wirkliche Neue an dieser Adoption, vielleicht auch, dass er mit ihm einen politischen Konkurrenten auswählte. Aus politischer Sicht lässt sich heute sagen, dass es wohl eine gute Entscheidung für ihn war.

Aber was wäre, wenn Nerva einen Sohn gehabt hätte? Hätte er dann Trajan auch adoptiert?

Ahnlich verhält sich die Lage bei Trajan, auch er hatte keinen Sohn, daneben scheint er Hadrian (der übrigens ein naher Verwandter war) auch relativ spät adoptiert und zu seinem Nachfolger gemacht zu haben. (Vielleicht erst, als klar war, dass er keine eigenen Söhne haben würde.)

Und bei Hadrian wiederholt sich der Fall. Er hat auch keine eigenen Kinder, die er als Nachfolger hätte aufbauen können und wählt die Adoption.

Dass mit dem "Adoptiv-Kaisern" dürfte wohl eher ein Zufall gewesen sein und kam nur zustanden, weil eben drei Kaiser die direkt aufeinanderfolgten, keine männlichen Nachkommen hatten und deswegen einen Nachfolger adoptieren mussten. F

ür spätere Generationen mag das dann, wie ein neues Herrschermodell gewirkt haben, nicht zuletzt, da sich die adoptierten Nachfolger als äußerst fähig erwiesen und sich da schon die Frage gestellt haben mag, ob es nicht letztlich die bessere Lösung als Söhne als Nachfolger war.

Marc Aurel mag daher vielleicht gar nicht die Idee eines adoptierten Nachfolgers in Betracht gezogen haben (was ihm in Filmen wie "Der Untergang des römischen Reiches" oder "Gladiator" unterstellt wird). Im Gegensatz zu seinen Vorgänger hatte er einen eigenen Sohn ...
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Die Wahrheit findet man nicht in irgendwelchen Berichten, sondern in den Rechnungsbüchern.
(Josephine Tey)

Geändert von Teresa C. (26.12.2016 um 14:32 Uhr). Grund: Durchsicht
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