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Alt 26.12.2016, 17:10   #16
Ravenik
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Stilicho Beitrag anzeigen
Gibt es denn - aus heutiger Sicht - irgendeinen objektiven Hinweis darauf, Commodus als "schlechten" Kaiser zu bewerten?
- übereilter Friedensschluss an der Nordgrenze
- Vernachlässigung der Regierungsgeschäfte
- Günstlingswirtschaft, insbesondere ließ er seinen Günstlingen freie Hand (was diese nicht gerade uneigennützig ausübten), um sich selbst dem Vergnügen zu widmen. Über seine eigene Herrschaft hinaus langfristig verheerend wirkte sich insbesondere auch aus, dass Commodus den Prätorianerpräfekten wieder viel Macht gewährte, nachdem sie zuvor seit Nero meist an einer relativ kurzen Leine gehalten worden waren.
- massiver Personenkult
- diverse Justizmorde, die obendrein keineswegs alle in Zusammenhang mit Verschwörungen standen

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Stilicho Beitrag anzeigen
War nicht sein Hauptproblem, dass er sich gegen den Senat stellte, um auf Kosten der Senatoren die Staatsfinanzen zu sanieren?
"Sanieren" ist eher relativ. Gleichzeitig gab er viel Geld für Volksbelustigungen aus.

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Stilicho Beitrag anzeigen
Dass auch die wenigen Historienschreiber, die sich mit ihm befassten, senatorischen Kreisen zumindest nahestanden?
So einfach kann man es sich nicht machen. Hadrian hatte (vor allem wegen diverser Hinrichtungen von Senatoren) auch ein schwieriges Verhältnis zum Senat, trotzdem kam er später in der Geschichtsschreibung (auch beim Senator Cassius Dio) relativ gut weg.

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Stilicho Beitrag anzeigen
Selbst von diesen wird betont, dass er beim Volk und bei der Armee beliebt war.
Natürlich ist beliebt, wer etwas springen lässt, das hat sich bis heute nicht geändert. Ob es gut für den Staat ist, ist eine andere Frage.

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Stilicho Beitrag anzeigen
Sein berühmter Vater wird als Herrscher positiv überhöht dargestellt, weniger wohlmeinend könnte man urteilen, dass Mark Aurel durch die unergiebigen und erfolglosen Markomannenkriege die Staatsfinanzen zerrüttete, und sein Sohn es ausbaden musste.
Mark Aurel hat die Markomannenkriege nicht aus Jux und Tollerei geführt. Die Donaugrenze war faktisch zusammengebrochen, die angrenzenden Provinzen standen den Germanen und sonstigen Invasoren offen, die Eindringlinge stießen bis nach Italien und Griechenland vor. Mark Aurel gelang die Wiederherstellung der Donaugrenze, insofern war sein Krieg weder unergiebig noch erfolglos.

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Teresa C. Beitrag anzeigen
Aus heutiger Sicht lässt sich wohl kaum mehr entscheiden, ob Marc Aurel überhaupt eine andere Wahl als die Kriege gehabt hat.
Eine "Wahl" hat man immer. Im vorliegenden Fall wäre die Alternative allerdings gewesen, die Donauprovinzen und den Balkan faktisch aufzugeben, wobei allerdings die Germanen bereits bis nach Norditalien vordrangen.

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Teresa C. Beitrag anzeigen
Die Einteilung der römischen Kaiser, wie wir sie heute kennen, ist doch erst später entstanden und keineswegs so fix in der geschichtlichen Betrachtung. Als ich aufgewachsen bin, waren die Severer z. B. bereits Soldatenkaiser, heute dagegen werden sie oft als eigene Dynastie (vergleichbar den Flaviern) eingestuft.
Weswegen ich von solchen Kategorisierungen ohnehin nichts halte.

Zitat:
Teresa C. Beitrag anzeigen
Ob bei den Adoptivkaisern tatsächlich ein politisches Programm ursprünglich dahinter gesteckt hat?
Meiner Meinung nach nein. Wie Du selbst herausarbeitest, handelte es sich um eine Verlegenheitslösung. Die meisten Kaiser versuchten eine Dynastie aus ihrer eigenen Familie oder zumindest Verwandtschaft heraus aufzubauen. Das Besondere an den "Adoptivkaisern" war, dass erstens mehrere Kaiser ohne natürliche Erben aufeinanderfolgten und zweitens mehrere adoptierte Kaiser tatsächlich erfolgreich die Nachfolge antreten konnten, ohne ermordet oder weggeputscht zu werden.

Zitat:
Teresa C. Beitrag anzeigen
Dass er mit Trajan keinen nahen Verwandten adoptierte, war vielleicht das einzige wirkliche Neue an dieser Adoption, vielleicht auch, dass er mit ihm einen politischen Konkurrenten auswählte.
Bereits Galba adoptierte mit Piso keinen nahen Verwandten.

Geändert von Ravenik (26.12.2016 um 17:33 Uhr).
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