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Alt 26.12.2016, 18:31   #18
hjwien
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hjwien ist einfach richtig netthjwien ist einfach richtig netthjwien ist einfach richtig netthjwien ist einfach richtig nett
Zitat:
Teresa C. Beitrag anzeigen
Ob bei den Adoptivkaisern tatsächlich ein politisches Programm ursprünglich dahinter gesteckt hat?

Fakt ist doch:
Nerva hatte keinen Sohn, also war die Adoption eines Nachfolgers die vermutlich naheliegendste Lösung, zudem das in der römischen Gesellschaft eine durchaus übliche Methode zur Nachfolgeregelung war, und dies nicht erst in der Kaiserzeit.

Dass er mit Trajan keinen nahen Verwandten adoptierte, war vielleicht das einzige wirkliche Neue an dieser Adoption, vielleicht auch, dass er mit ihm einen politischen Konkurrenten auswählte. Aus politischer Sicht lässt sich heute sagen, dass es wohl eine gute Entscheidung für ihn war.


Ahnlich verhält sich die Lage bei Trajan, auch er hatte keinen Sohn, daneben scheint er Hadrian (der übrigens ein naher Verwandter war) auch relativ spät adoptiert und zu seinem Nachfolger gemacht zu haben. (Vielleicht erst, als klar war, dass er keine eigenen Söhne haben würde.)

Und bei Hadrian wiederholt sich der Fall. Er hat auch keine eigenen Kinder, die er als Nachfolger hätte aufbauen können und wählt die Adoption.

Dass mit dem "Adoptiv-Kaisern" dürfte wohl eher ein Zufall gewesen sein und kam nur zustanden, weil eben drei Kaiser die direkt aufeinanderfolgten, keine männlichen Nachkommen hatten und deswegen einen Nachfolger adoptieren mussten.
Natürlich wird man nicht von einem Programm sprechen dürfen, welches alle Adoptivkaiser vereint verwirklichten, sondern muß eher immer je nach Situation entscheiden, welche Ambitionen dem Adoptierenden zugrundelagen. Sicher ist aber, daß nach erfolgreichen Beispielen dieses Modell als bewährte Handlungsoption bestand.

Nerva jedenfalls brauchte einen handlungsfähigen Militär an seiner seite, weil die Truppen wegen der Ermordung Domitians unzufrieden waren und eine starke Hand brauchten, um die Disziplin zu wahren.

Ob Trajan Hadrian adoptiert hat, war bereits in der Antike umstritten.

Daß Hadrian zumindestens ein personelles "Programm" hatte, zeigt ja, daß Antoninus Pius gleich Marc Aurel und Lucius Verus adoptieren mußte, die ja eigentlich noch viel zu jung waren, um zu gewährleisten, daß sie einmal "gute" Kaiser werden würden. Auch dafür gibt es bereits ein frühes Beispiel mit Augustus - Tiberius - Germanicus.

Es geht also meines Erachtens weniger um ein Programm als vielmehr um jeweilige Situationsreaktionen.
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Ceterum censeo ...
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