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Western

Veröffentlicht: 03.09.2015 um 08:50 von Brissotin

Ich bin ein großer Fan von Westernfilmen, allen voran Italowestern von Leone, Valerii, Corbucci und Co. Hier möchte ich meine Lieblingsfilme vorstellen.
Kategorie: Kategorielos
Hits 633 Kommentare 5
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Kommentare 5

Kommentare

  1. Alter Kommentar

    1. "Mein Name ist Nobody" Leone/Valerii (1973)

    Unter dem Titel "Il mio nome è Nessuno" kam 1973 einer der letzten und zugleich einer der besten Italowestern heraus. Offizieller Regisseur war zwar Tonino Valerii, aber es gibt auch Fotos, die Leone vor Ort zeigen.

    Der Film lebt von einem bestechenden Drehbuch, einer für damalige Verhältnisse erstaunlich authentischen Ausstattung, hervorragender Kameraarbeit und einem fulminanten Schauspielertrio: Henry Fonda, Terence Hill und Jean Martin. Alle drei brillieren auf ihre Weise und zeigen sich auf dem Höhepunkt ihres Könnens, auch wenn Henry Fonda später nichts mehr von dem Film wissen wollte. Einige Szenen wie auf dem Indianerfriedhof, auf den Gleisen der Kampf mit der Wilden Horde und der Showdown in New Orleans haben etwas episches an sich. Freilich wird sich, d.h. den Leone-Western, weidlich zitiert und selbst persifliert, aber nie so, dass der Grundton des Films, etwas zwischen Melancholie (Beauregard) und Witzigkeit (Nobody), ganz verloren ginge.

    Typisch für diese Italowestern gibt es auch viele experimentell wirkende Szenen wie in dem Vergnügungspark. Ebenso typisch sind die Hauptfiguren Menschen mit normalen Bedürfnissen: sie essen (Terence Hill allein 3 mal im Film!), pinkeln, trinken und werden rasiert (2 mal im Film!).

    Die Kamerafahrten können durchaus mit denen in "Spiel mir das Lied vom Tod" mithalten, auch die Schauspielerriege. Im Original (nicht dt. Synchronfassung) ist der Film auch deutlich wortkarger.

    Inhalt: Eine Odysee durch den Westen, das Abtreten eines alten Revolvermannes, Jack Beauregard, am Beginn einer neuen Zeit. Nicht umsonst handelt der Film 1899 - am Ende eines Jahrhunderts. Vielleicht will er auch das Ende einer Ära, der des Italowesterns sein. Wenn ja, dann ein würdiges Ende mit viel Humor und Ironie.

    10 von 10 Kugeln.
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    Veröffentlicht: 03.09.2015 um 09:04 von Brissotin Brissotin ist offline
    Aktualisiert: 03.09.2015 um 11:10 von Brissotin
  2. Alter Kommentar

    2. "Zwei Glorreiche Halunken" Leone (1966)

    Der Abschluss seiner Dollar-Triologie ist eines der Meisterwerke Leones geworden, das ihm selbst in den USA eine große Berühmtheit eintrug. "Il buono, il brutto, il cattivo" (1966) vereint ähnlich wie bei den anderen Leone-Filmen gleich drei große Italowestern-Legenden: Eli Wallach, Lee van Cleef und Clint Eastwood.

    V.a. Wallach als schlitzohriger, manchmal tolpatschiger, exzentrischer Tuco kriegt erstaunlich viel Raum zum Schauspielern (und das obwohl Leone sowas an Volentè ehedem kritisiert hatte). Wie sooft bei den besseren Italowestern ist auch dieser eine Reise durch den Westen hier vor dem Hintergrund des Amerikanischen Bürgerkrieges. Die zahlreichen historischen Fehler, gerade in der Bewaffnung werden durch die großartigen Aufnahmen von Landschaft, Krieg und Städten sowie dieser ausgezeichneten Stimmung wieder gut gemacht. Dieser Western macht einfach Spaß und nicht umsonst ist er wohl neben "Spiel mir das Lied vom Tod" einer der einflussreichsten des Genres.

    9 von 10 (unauthentischen) Geschossen.
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    Veröffentlicht: 03.09.2015 um 11:10 von Brissotin Brissotin ist offline
  3. Alter Kommentar

    3. "Der Tod ritt Dienstags" Valerii (1967)

    In diesem Italowestern von 1967 "I giorni dell'ira" von Valerii geht es einmal nicht um unmoralische Schurken, denen man genüsslich zusehen kann wie sie sich die Kohle abjagen, sondern um die Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Mannes, Scott Mary (Guilano Gemma). Diese ungewöhnliche Charakterstudie besticht nicht zuletzt durch seine Besetzung, auch wenn neben Gemma nur van Cleef als bekannter Darsteller des Genres auftaucht. Scott Mary entwickelt sich vom friedlichen von allen herum geschupsten Dorftrottel zum gefährlichen Revolvermann, der die Einwohner seiner Heimatstadt in Angst und Schrecken versetzt nachdem er von Frank Talby (van Cleef) unter die Fittiche genommen wurde. Mehr und mehr werden Talby und Mary zu den Beherrschern der Stadt, wobei sie ihre Position vor allem durch Gewalt durchzusetzen verstehen. Erst am Schluss erkennt Mary auf wen er sich eingelassen hat, als Talby den zum Sheriff ernannten alten Freund Marys, den alten Murphy Allen (Walter Rilla), erschießt. Dann tötet Mary die ganze Bande Talbys und schließlich seinen Meister selbst, um schließlich sein Tun zu bereuen.

    Während die Szenerie etwas öde ist, da der Film fast ausschließlich in ein und der selben Stadt spielt, lebt er vom Drehbuch und dem Spiel, v.a. Gemmas als etwas kindlich naiven später eiskalten Mörder.

    9 von 10 Gewissensbissen.
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    Veröffentlicht: 03.09.2015 um 11:29 von Brissotin Brissotin ist offline
    Aktualisiert: 03.09.2015 um 14:16 von Brissotin
  4. Alter Kommentar

    4. "Spiel mir das Lied vom Tod" Leone (1968)

    Sergio Leone hatte sich öffentlich geschworen keine Westernfilme mehr zu machen und schuf dann mit "C'era una volta il West" 1968 eines seiner Meisterwerke (und dabei machte er danach noch zwei Western mit Terence Hill in der Hauptrolle!). Das Zusammenspiel zwischen Kamera, Musik und Schnitt ist wohl selten so perfektioniert worden wie in diesem Leinwandepos, das oftmals mit einer Oper verglichen wurde.

    Neben der visuellen Brillanz besticht die wohl hochkarätigste Besetzung in einem Italowestern, die stets perfekt die Rollen besetzte: Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robarts, Frank Wolff, Paolo Stoppa, Gabriele Ferzetti. Selbst absolute Nebenrollen konnten kongenial mit einem Lionel Stander, Jack Elam, Woody Strode und Aldo Sambrell besetzt werden.

    Ein Western über die Macht des Geldes, aber auch das Aussterben eines gewissen Schlages von Männern, welche die Einsamkeit der Prärie suchen und unaufhaltsam vom Fortschritt in Form der Eisenbahn eingeholt werden.

    Bei diesem perfekt inszenierten, spannenden und stimmungsvollen Western mit seinen, trotz der spärlichen Dialoge manigfaltigen Themen enttäuscht nur die Ausstattung. V.a. hinsichtlich Bewaffnung der Gegenspieler und in Details wie Cardinales moderner Schminke gibt es einige Schnitzer.

    Ein Meisterwerk, das man gesehen haben muss. 9 von 10 geheuerte Killer.
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    Veröffentlicht: 03.09.2015 um 14:30 von Brissotin Brissotin ist offline
  5. Alter Kommentar

    5. "Vier für ein Ave Maria" Colizzi (1968)

    Ausnahmsweise kommt hier ein regelrechter Spaßwestern unter die ersten zehn. Grund ist, dass er unter Colizzis Triologie um Hutch Bessy (Bud Spencer) und Cat Stevens (Terence Hill) wohl der gelungenste ist. Colizzi gelingt es immer wieder geschickt Momente voller Atmosphäre und Spannung zu schaffen. Während Anleihen uns Leones "Dollar"-Filmen v.a. in dem 1. Teil der Triologie erkennbar sind, zeigt Colizzi auch ganz eigene Ideen wie die immer wieder überraschenden Wendungen. Der historische Hintergrund des Films besteht in einer nicht näher definierten Revolution in Mexiko. Der Film lebt natürlich auch - wie alle der drei Teile - vom 3. Mann im Bunde. In allen drei Teilen setzt Colizzi als Ergänzung zum Duo Hill/Spencer auf eine Leinwandgröße mit herausragendem schauspielerischen Können. Hier ist es Eli Wallach als Cacopoulos.

    Cacopoulos ist ein Schlitzohr, das auch Züge von Tucos Sardismus aufblitzen lässt, wenn er z.B. Bessy und Stevens in der Wüste aussetzt, wenngleich hier deren Martyrium nur in ihren Mienen angedeutet wird, als sie in einem Haus ankommen, wo u.a. Timmy McBain (d.h. dessen Darsteller) wohnt(!). Mal ist er ein eiskalter Mörder, der eine Spur von Leichen hinter sich lässt, so die der Bande von Mexikanern, die hinter ihm her sind, dann wieder fängt er in seiner ganzen Sentinmentalität an zu weinen, als er an seine ausgenutzte Freundschaft zum Verbrecherboss Drake (Kevin McCarthy) erinnert wird.

    Der Showdown in einer Spielhölle, mal nicht auf offener Straße und auch nicht wie bei Leone in einem Kreis, ist herrlich auskomponiert und einer der besten, die ich kenne.
    Eine Eigenheit von Colozzi ist der Einsatz schriller Musik, die in allen drei Teilen auftaucht. Hier ist es einmal eine schlagkräftige Blaskapelle und die mexikanische Musik auf einer Fiesta, die von Cacopoulos finanziert wurde.

    Trotz des humorigen Anteils, der noch weit stärker als in "Gott vergibt, wir beide nie" ausgeprägt ist, gibt es auch ernste Themen wie Colozzis Seitenhieb auf den amerikanischen Rassismus am Ende des Films. Ebenso wie in vielen der besseren Italowestern kommt auch eine kunstfilmhafte Note vor, so wenn zwischendrin ein Feuerwerk abgebrannt wird oder Bessy wie im Trance auf der Fiesta mittanzt. Anders als in vielen Western kommen in Colozzis Filmen augenfällig viele Farbige vor, hier sogar in einer Hauptrolle, Thomas (Brock Peters). Der Anteil an fast irrwitzigen und überaus ernsthaften Szenen ist schön ausgewogen und trotz der recht langen Prügelszene im ersten Viertel des Films ist dieser Western doch kein reiner Klamauk. Die Erschießungen der Revolutionäre scheinen Filme wie "Todesmelodie" (Leone) vorweg zu nehmen.

    Colozzi muss unter den besten Westernregisseuren auftauchen und daher habe ich diesen Film nach einigen Überlegungen ausgesucht. 9 von 10 Fausthiebe.
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    Veröffentlicht: 03.09.2015 um 14:56 von Brissotin Brissotin ist offline
    Aktualisiert: 03.09.2015 um 14:59 von Brissotin
 

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