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		<title>Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte - Blogs</title>
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		<description>Community für Geschichtsinteressierte</description>
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			<title>Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte - Blogs</title>
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			<title>Offene Tore einrennen</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/254-offene-tore-einrennen.html</link>
			<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 15:33:25 GMT</pubDate>
			<description>Nach den Baubildern zu urteilen, die Prof. Steffen regelmäßig auf der Website des Limeskastells Pohl (http://www.limeskastell-pohl.de/) hochlädt, hätte ich die Anlage für größer gehalten. Die Spannung war groß: schon seit einiger Zeit verfolge ich das Projekt und habe hier auch schon einmal drüber...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Nach den Baubildern zu urteilen, die Prof. Steffen regelmäßig auf der Website des <a href="http://www.limeskastell-pohl.de/" target="_blank">Limeskastells Pohl</a> hochlädt, hätte ich die Anlage für größer gehalten. Die Spannung war groß: schon seit einiger Zeit verfolge ich das Projekt und habe hier auch schon einmal <a href="http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/165-ein-au-enposten-des-fortschritts.html" target="_blank">drüber geschrieben</a> – und nun: auf der Bäderstraße von Norden kommend war da zunächst einmal ein Wall, darüber ein Dach, nicht unähnlich einem Mehrfamilienhaus-Neubau hinter einer Lärmschutzwand, kein ungewöhnlicher Anblick in deutschen Dörfern.<br />
<br />
Nur ist die Wand keine Lärmschutzwand, sondern die mittlerweile hochgezogene Wallanlage der Rekonstruktion des Limeskastells selber. <br />
<br />
Jetzt war &quot;Tag des offenen Tores&quot; – ein bisschen übertrieben, schließlich ist noch gar keins drin – und die halbfertige Anlage lässt schon wirklich ihr ganzes Potenzial erkennen. <br />
<br />
&quot;Tag des offenen Tores&quot; – die Nachbarn und Besucher rannten die offenen Tore ein. Trotz schlechten Wetters kamen viele Leute, um sich die Baustelle der Rekonstruktion anzusehen. Unsere Rolle als <a href="http://de.flavii.de/" target="_blank">&quot;Flavii&quot;</a> war es, die Kastellbaustelle mit römischem Leben zu füllen, während die Väter des Kastells – Gemeindebürgermeister Crecelius, Limesarchäologe Dolata, Architekt Kaffai und die Förderkreismitglieder Perabo und Steffen – den Besuchern Pläne, Ziele und Geschichte nahe brachten.<br />
<br />
Der Mix aus Wurst und Wissen, &quot;Leiblichem Wohl&quot; und &quot;Living History&quot; hat etwas magisches an sich: Besucher sind besonders aufnahmefähig, wenn sie beides aufnehmen können, und zufrieden, wenn sie beides in ausreichender Qualität gegrillt (echte lukanische!) und gespielt (Handmühle! echte Auxiliare!) geboten bekommen. So gesehen war der Tag ein voller Erfolg, vergnüglich und informativ. <br />
<br />
Eigentlich ist die Anlage ja ganz einfach: ein kleiner dreiflügeliger Zweckbau, links und rechts Baracken, in der Mitte eine Halle, die als Lager oder Stall interpretiert werden kann. Das Ganze sicher keine &quot;Festung&quot; an der alten römischen Grenze, auch kein &quot;Fort&quot; in Wild-West-Manier und ganz bestimmt kein asterixinisches &quot;Kleinbonum&quot;. Eher eine Zollstation, eine Passkontrolle, ein Handelsposten. Hier war kein Russell Crowe im silberbeschlagenen Muskelpanzer stationiert, kein vergoldeter Augustus zu Pferde zeigte staunenden Germanen, was Rom hervorzubringen vermag. Wir wissen noch nicht einmal, ob unsere Darstellung als &quot;Römer&quot; im Lager angebracht ist: wahrscheinlicher saßen abgeteilte Soldaten aus einem lokal angeworbenen &quot;Numerus&quot; oder einer Auxiliarkohorte in den Baracken, Männer, welche die Sprache der germanischen Nachbarn sprachen, vielleicht sogar mit ihnen verwandt waren. Diese Soldaten blieben nicht &quot;für immer&quot; oder auch nur &quot;für lange&quot; da: auch wenn sich in Pohl ein kleines Lagerdorf (vicus) nachweisen lässt, kennzeichnet das eher einen Handels- und Warenumschlagsplatz hinter einer Grenze als ein florierendes bürgerliches Gemeinwesen: ähnlich wachsen Grenzübergänge mit Tankstellen, Läden und Geldwechselstuben am Schnittpunkt zwischen zwei Ländern. <br />
<br />
Und die Soldaten hatten auch sicher besseres zu tun als heroisch auf der Mauer zu stehen: das Kleinkastell war aus Holz und Erde, was bedeutet: Jahrhunderte vor der Erfindung der Holzschutzmittel war ständige Reparatur angesagt, ständiges Aufschütten und Befestigen des Walls, Erneuerung der Holzteile. Nicht zuletzt Unkraut jäten: um das Sichtfeld nach Germanien frei zu halten, müssen ständig Baumsprösslinge aus der Wall-und-Graben Zone gejätet worden sein. Holzgewinnung war auch nicht nur zu Instandhaltungszwecken, sondern zur Selbstversorgung mit Brennmaterial und zur Versorgung anderer militärischer Einrichtungen notwendig. <br />
<br />
Man kann sich die Auxiliare oder Numeri des Kastells halb als Förster, halb als Zöllner vorstellen; vielleicht etwas schwerer bewaffnet, vielleicht etwas ruppiger im Umgang mit dem Wald. Das tut vielleicht dem scheppernden Image von trutzigen, waffenstarrenden &quot;römischen Soldaten&quot; Abbruch, aber die Nüchternheit und Bescheidenheit der Anlage tun unserer Sichtweise des Limes und des Lebens an ihm gut. Wir müssen verstehen, dass der eigentliche Feind, der von &quot;Soldaten&quot; wie den Auxiliaren und Legionären der &quot;Flavii&quot; bekämpft wird, das Nachbild von Asterix bzw. der Sandalenfilme ist: es geht nicht um Über- oder Unterstilisierung, nicht um Heroismus und schon gar nicht um Feindbilder &quot;Wir Germanen – Ihr Römer (und umgekehrt)&quot;. Es geht um das lebendige Bild eines Stücks Geschichte, um Verständnis, um Erlebnis. <br />
<br />
Mit der Fertigstellung des Projekts &quot;Limeskastell Pohl&quot; wird das Bild noch ein bisschen lebendiger.<br />
<br />
<font size="1">(Foto: Thomas Steffen)</font></div>


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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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			<title>Grusel-Threads als Abfuhr von Trieben oder Affekten</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/253-grusel-threads-als-abfuhr-von-trieben-oder-affekten.html</link>
			<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 17:04:08 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Schrieb mir doch vor wenigen Tagen jemand ins Bewertungsbuch: "...aber manchmal gruselt's mich bei Deinen Themen". Seitdem schlafe ich schlecht, und um dem zu steuern, habe ich mich vergewissert: Bisher habe ich 24 Threads erzeugt, und in der Tat sind einige davon recht dubios, z. B. gleich der...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Schrieb mir doch vor wenigen Tagen jemand ins Bewertungsbuch: &quot;...aber manchmal gruselt's mich bei Deinen Themen&quot;. Seitdem schlafe ich schlecht, und um dem zu steuern, habe ich mich vergewissert: Bisher habe ich 24 Threads erzeugt, und in der Tat sind einige davon recht dubios, z. B. gleich der zweite, bei dem es um die historische belegte Neigung der Deutschen zum Trunke geht, oder der achte über den deutschen Heimatfilm.<br />
<br />
Der Buch-Eintrag war anonym - ich wünschte freilich, es wäre eine Frau gewesen. Denn Frauen verfügen über ein &quot;feineres Verständnis für unbewußte seelische Vorgänge&quot;, schreibt Freud, und der muss es ja wissen. Aber die Sache ist ja durchaus verallgemeinerungsfähig: Warum wählt jemand welches Thema aus?<br />
<br />
Im 1000-Seiten-Register der Gesammelten Werke Freuds steht natürlich auch das Stichwort &quot;Wahl&quot;, und zwar mit vier Unterbegriffen: Fetischwahl, Neurosenwahl, Objektwahl, Symptomwahl. Ich wähle mal den dritten: Neurosenwahl, und lese, dass der Meister zwischen konstitutionellen und akzidentellen Ursachen unterscheidet: erstere bringt der Mensch ins Leben mit, die anderen bringt das Leben an ihn heran.<br />
<br />
Ist nun die Vorliebe für Gruseliges in der kindlichen Libidoentwicklung zu suchen? Macht sich ein Partialtrieb an mir zu schaffen bzw. drängt auf Abfuhr? Oder werde ich affiziert durch das von anderen im GF abgesonderte Gruselige? Wollte, das jemand eine Theorie dazu hätte, am besten bezogen auf sich selbst und gern auch auf ein anderes Genre...</div>

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			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Unter der Römerpassage, Mainz</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/251-unter-der-r-merpassage-mainz.html</link>
			<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 08:42:35 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Zwischen den glitzernden Dingen führt eine Treppe abwärts. Der Eingangsbereich ist wenig mehr als ein Treppenabsatz, ein schmaler Steg, gerade genug Platz für einen kleinen Thresen, eine Handvoll Gipsbüsten und Bücher und eine kleine Frau mit Brille, die freundlich "der Eintritt ist kostenlos!"...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Zwischen den glitzernden Dingen führt eine Treppe abwärts. Der Eingangsbereich ist wenig mehr als ein Treppenabsatz, ein schmaler Steg, gerade genug Platz für einen kleinen Thresen, eine Handvoll Gipsbüsten und Bücher und eine kleine Frau mit Brille, die freundlich &quot;der Eintritt ist kostenlos!&quot; sagt. Aber über eine Spende freut man sich.<br />
<br />
Die glitzernden Dinge sind die der Warenwelt in der &quot;Römerpassage&quot;, welche ich noch unter ihrem alten Namen &quot;Lotharpassage&quot; kenne, weil ich keinen Steinwurf entfernt zwischen 1989 und 1992 wohnte. Nur drei Jahre? Mir kommt es länger vor. Prägende Erlebnisse, heroische Zeiten, Freundschaften, die z. T. noch heute lebendig sind. Während dieser Zeit als Student des Grafik Design/Kommunikationsdesign lebte ich also &quot;ad templum isidis&quot;, nahe beim Tempel der isis/Magna Mater in Mainz. Damals stand dort allerdings noch ein Wohnhaus, auf dessen mittleren Balkon eine Frau jeden Sonnenstrahl nutzte, während die Katze auf dem Geländer spazierte.<br />
<br />
Dort also stand der Tempel der Isis. Und schon hat man das falsche Bild im Kopf. Das Wort &quot;Tempel&quot; zeigt uns im visuellen Wörterbuch sofort einen Parthenon, ein Maison Careé, eine Walhalla: ein Trumm mit Sockel, Säulen, Umbau. Dieser Tempel der Isis und Magna Mater war ein kleines, zurückgezogenes Ding, kleiner als die 3er WG, in der ich mit Kirsten und Frank zehn Meter weiter hauste, die zentrale Cella deutlich kleiner als mein Zimmer. Repräsentativ? Nicht die Bohne: eine kleine Seitenstraße führte zum Heiligtum, in der Nähe waren Läden, Häuser, eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Letztere wohl für die vielen Besucher des Heiligtums. <br />
<br />
Es fällt schwer, sich auf ein Kapellendenken umzustellen, aber die Symptomatik ist eindeutig: dieses Tempelchen unter dem Mainzer Boden war ein Raum für das Individuum und die Göttin. Der einzelne Mensch brachte hier seine Opfer mit, stellte seine billige Tonlampe auf, betete und ging wieder, vielleicht hatte er auch die Gelegenheit, wenn die Priester wegsahen, schnell eine bekritzelte Bleitafel ins Mauerwerk zu schieben, auf der ein wüster Fluch gegen jemanden geschrieben stand. Die Situation muss sehr intim gewesen sein: das versteckte Bauwerk, der mysteriöse fremde Kult, dessen Zugang man nur mit verschiedengradigen Weihungen erreichte, das Kultbild der begehrten Frau, der Mutter, der magischen Herrscherin. Das uralte Tempelchen, rußig vom Schmutz der Lampen, der Stadt und hunderter Opfer. <br />
<br />
Und auch die Stadt: benannt nach dem Heiligtum des &quot;Apollon Mogon&quot;, eines keltischen Gottes, bewohnt von Kelten, die verspielte Ornamentik, schlichte Figuren und düstere Rituale lieben; eine Frontstadt, das große Zwei-Legionen-Lager auf dem Hügel ein kontroverses Teil zwischen willkommener Einkommensquelle und bedrohlicher Präsenz, die Grenze zu Germanien zu den besten Zeiten keine Tagesreise weit entfernt, ansonsten direkt auf der anderen Seite der Brücke. Keine arme Stadt: die Stadthalter von Obergermanien waren mit Amphitheater und Aqaedukt auf Repräsentation bedacht, die erfolgreichen Kaufleute wetteiferten mit Stiftungen wie dem Dativius-Victor-Bogen oder der Severus-Samus-Säule, auf denen sich eine Welt voller Angst und ein Himmel voller Götter wiederspiegeln.  <br />
<br />
Der kleine Isis-Tempel ist heute eine Reihe von Grundmauern in der Nacht des Kellergeschosses, liebevoll aufbereitet und als Schmuckstück herausgeputzt, ein trauriges Computerspiel in der Ecke lässt einen gegen die Zeit &quot;bis zum Baubeginn&quot; ausgraben, steckt hier ein Stück &quot;archäologische Aufarbeitung&quot; dahinter? Im kleinen Treppenabsatz-Shop finden sich erstaunlich viele christliche Hefte und Bücher, na gut, die Ähnlichkeit der schummrigen Kapellen mit Lichtern, Spenden, Votivgaben und einer mysteriösen Muttergottheit ist wohl doch ein bisschen zu offensichtlich und gar nicht so willkommen für den modernen Katholizismus in Mainz, der immernoch Marienverehrung als integralen Bestandteil hat. <br />
<br />
Die Treppe führt hinauf, zurück in die Welt der glitzernden Dinge. Die Dinge sehen vergänglich aus, der Baustil käsig und mutlos, die &quot;Römerpassage&quot; ist eine fadenscheinige Shopping Mall mit viel zu großen Läden, welche nach außen wie nach innen trotz aller Dimensionen kein Größe zeigt. Aber vielleicht täuscht mich auch nur der subjektive Blick, solche Trübungen können entstehen, wenn man 1800 bzw. 18 Jahre zurückblickt.<br />
<br />
<font size="1">(Nebenbei: <a href="http://www.römerpassage.de/isis-heiligtum.html" target="_blank">http://www.römerpassage.de/isis-heiligtum.html</a> , lasciate ogni speranza)</font></div>

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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Schaum vorm Mund</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/250-schaum-vorm-mund.html</link>
			<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 09:07:26 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Hin und wieder stolpere ich über Threads, in denen ein relativ barscher Ton angeschlagen wird ("Unsinn", "Blödsinn", "Unverschämtheit", "Unterstellung" usw.). Über die Hintergründe kann man bisweilen, ähnlich wie bei manchen Bewertungen, nur spekulieren - war's das (zeitlose) cholerische...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Hin und wieder stolpere ich über Threads, in denen ein relativ barscher Ton angeschlagen wird (&quot;Unsinn&quot;, &quot;Blödsinn&quot;, &quot;Unverschämtheit&quot;, &quot;Unterstellung&quot; usw.). Über die Hintergründe kann man bisweilen, ähnlich wie bei manchen Bewertungen, nur spekulieren - war's das (zeitlose) cholerische Temperament oder die (zeitweise) übermäßige Erregung im Wochenbett oder ein plötzlich aufsteigender Impuls oder sonstwas?<br />
<br />
In Mertons &quot;Leitfaden durch das Labyrinth der Gelehrsamkeit&quot; fand ich dazu einen interessanten Hinweis auf das sog. &quot;Glutzündel-Prinzip&quot;, welches der Autor in Bezug auf die Interaktion von Wissenschaftlern formuliert. <br />
<br />
Merton zitiert eingangs Isaac Newton, der einmal in einem Brief an Robert Hooke schrieb: &quot;Was vor vielen Zeugen getan wird, das geschieht selten aus Interesse an der Wahrheit allein: was sich aber im Privaten zwischen Freunden vollzieht, verdient gewöhnlich eher den Namen der Beratung als den des Wettstreits...&quot; Hooke verwies in seiner Antwort darauf, &quot;daß das Zusammentreffen zweier unnachgiebiger Streiter Licht hervorzubringen vermag; wenn sie aber durch die Hand anderer voneinander hören und aufgestachelt werden, so wird dies eine einigermaßen unzuträgliche Hitze erzeugen, die zu nichts anderem gut ist, als Streitglut zu entzünden&quot;.<br />
<br />
Als weiterer Experte wird sodann Ludovicus Vives aufgerufen, der einen &quot;monomanischen Hang zum Zanken bei unwissenden Knaben&quot; diagnostizierte. Das aber - so Merton - sei nur &quot;das Vorgeplänkel zu den öffentlichen Disputationen unter gelehrten Leuten, die so niedrige und widerwärtige Praktiken wie diese verursachen&quot; [ab hier Vives]: &quot;Da ist ein Schielen nach dem Auditorium, als wär's ein Theaterpublikum, das sich nicht am besten Manne, sondern am besten Schauspieler ergötzt. Denn die Zuhörer können sich keine Meinung über etwas bilden, von dem sie nichts verstehen. Daher wird Streit vom Auditorium mit großen Beifall aufgenommen, denn ihm sagt das Spektakel eines Kampfes am meisten zu.&quot;<br />
<br />
Merton erweitert diesen Befund, indem er den sog. &quot;Publikumskitzel&quot; in den Blick nimmt, also &quot;jenes bösartige Leiden, ... das seit den Tagen Juvenals als insanabile scribendi cacoëthes bekannt ist&quot;. Grob (und beinahe unzulässig) vereinfacht, geht es darum, dass Wissenschafter und Gelehrte, die schon viel geschrieben haben, von ihren Kunden (Redakteure, Verleger, Buchhändler, ich ergänze: vom Publikum insgesamt) &quot;immer stärker zur [weiteren] Absonderung von Worten gedrängt&quot; werden. Um den Grad der Anfälligkeit für diesen &quot;Kitzel&quot; zu messen, wird der &quot;Merton-Test&quot; empfohlen: Man injiziert das &quot;Toxin&quot;, z.B. einen wissenschaftlichen (oder sonstigen) Reizbegriff, worauf bei positiver Reaktion innerhalb kurzer Zeit, nachdem dieser Begriff gelesen wurde, sich eine Wortmeldung, Entgegnung, Kommentierung usw. einstellt, die sich &quot;mit jeder weiteren Injektion auf ein asymptotisches Maximum zu(bewegt)&quot;; diese Reaktion kann wieder abklingen, aber auch danach wiederbelebt werden.<br />
<br />
Ich denke, es ist möglich, diese Überlegungen - jedenfalls zum Teil und bei großzügiger Auslegung des Wissenschaftsbegriffs - auch auf unser Forum bzw. die Handlungen der Akteure und ihres &quot;virtuellen Publikums&quot; zu übertragen. Man findet die gleichen Reaktionsweisen, man kann die gleichen Effekte beobachten, etwa wenn ein öffentlicher Austausch von Argumenten (nochmal Merton) &quot;eher zu einem Gefecht um Status als zu einer Suche nach Wahrheit (gerät)&quot; unter anderem mit der Folge, das es manchen manchmal - mir auch, aber eher selten - schwerfällt, einen Irrtum einzugestehen. Andererseits erleichtert es die Anonymität des Mediums, solche Vorkommnisse auf die leichte Schulter zu nehmen, was ich selbst - nach anfänglichem Sträuben - zu praktizieren versuche.</div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Limeswanderung IV: Lorch - Dalkingen (2)</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/245-limeswanderung-iv-lorch-dalkingen-2.html</link>
			<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 08:11:08 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[*Tag 3* 
 
In Hüttlingen kreuzen wir zum zweiten Mal auf unserer Wanderung den (die?) Kocher, später am Tag auch die Jagst, die wir vor einem Jahr in Jagsthausen überquerten. Start heute in der "Limes-Anlage am Kocher", einem kleinen Platz mit Backstein-Mosaik-Karte im Boden und den üblichen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><b>Tag 3</b><br />
<br />
In Hüttlingen kreuzen wir zum zweiten Mal auf unserer Wanderung den (die?) Kocher, später am Tag auch die Jagst, die wir vor einem Jahr in Jagsthausen überquerten. Start heute in der &quot;Limes-Anlage am Kocher&quot;, einem kleinen Platz mit Backstein-Mosaik-Karte im Boden und den üblichen Zwergmauerrekonstruktionen, dann durch die vollkommen zur Landschaft unpassend nach verlorenen Ostgebieten benannte Straßen eines Neubauviertels weiter Richtung Rainau. Hier ist man dekorativ veranlagt: Pöller mit geschnitzten &quot;Römerköpfen&quot; gesellen sich zu den Limes-Steinen und Wanderwegschildern als Hinweiszeichen. Von der antiken Morphologie her müssten das eigentlich &quot;Hermen&quot; sein, aber dafür fehlen die Penisse. Am Weltkulturerbe-Tag sind Familien und Gruppen am Limes unterwegs, und so laufen wir am rekonstruierten Limesturm bei Rainau einem Cicerone in die Arme, was sag' ich &quot;einem&quot;, sondern Dr. Manfred Baumgärtner selber. Der Blockhausturm, der an dieser Stelle herumstand, steht seit zwei Jahren nicht mehr, statt dessen ein Holzturm nach neuestem Forschungsstand - beachtlich. Aus dem ersten Stock schießen Kinder mit Pfeilen nach einem Plastikwildschwein. Der Cicerone erkennt uns als nicht-nur-Sonntags-Wanderer und glüht fast vor Geschichten, nur mit Mühe kommen wir wieder los, leider ist der Tag minutiös verplant, und gerade hat er uns ein Tagesziel gesetzt: das Limestor in Dalkingen müssen wir sehen!<br />
<br />
So lassen wir das Kohortenkastell von Rainau-Buch rechts liegen und steuern das Limestor an, dessen neuer Schutzbau sich aus der Ferne ausnimmt wie ein Fussballtor. Selbst aus der Nähe ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht abzustreiten. Großes wird dort gebaut: ein Riesenglaskasten, in dem dann nächstes Jahr ein rekonstruiertes Triumphbogentor über den ansehnlichen Resten des commodianischen Prachtbaus schweben wird. Für uns ist hier Ende, wir kehren um, beschließen, nächstes Jahr am Anreisetag das Kastell Rainau-Buch &quot;mitzunehmen&quot; und dann in Schwabsberg in einem Geheimtipp des Cicerone zu logieren. <br />
<br />
Mittlerweile ist es nicht nur heiss, sondern schwül. Gegen 14.00 Uhr sind wir dann wieder in Aalen am Limesmuseum und kommen Dank Welterbetag in den Genuss einer kostenlosen Führung durch einen &quot;Living Historian&quot;. Doch nach zweieinhalb Tagen Wanderung ist die Konzentration im Keller. Ich absentiere mich von der Gruppe und forsche in den Exponaten nach Interessantem für mein Lieblingsprojekt, dem Limeskastell Pohl. <br />
<br />
Aalen selbst ist eine merkwürdige Stadt, mit seinem etymologisch fehlgeleiteten Wappen und dem biedersten Geheimagenten der Geschichte als historischem Helden. Das Limesmuseum Aalen ist eine Perle. Nicht nur, dass die Exponate liebevoll zusammengestellt und kommentiert sind, die Ausstellungen sind didaktisch leicht zugänglich, übersichtlich und vielschichtig, für alle Vorbildungen hochinteressant, und dabei nicht trocken oder humorlos. Die Publikationen der Schriftenreihe - z. B. &quot;Geritzt und Entziffert&quot;, &quot;Luxus an den Füßen&quot; und &quot;Der Soldat und die Religion&quot; sind auch noch gut geschrieben, mit Bildern und Quellen bestückt und somit problemlos zitierfähig. Am liebsten möchte ich alle mit nach Hause nehmen … die freundlichen Damen an Kasse und Shop geben mir eine kostenlose Jutetüte. Zum Glück muss ich die nun nicht drei Tage herumschleppen.<br />
<br />
Wie immer geht der Abschied dann doch sehr schnell, Stefan und der Vater steigen in Lorch aus dem Regionalexpress, Wolfgang und ich trennen uns in Stuttgart. Wir sind mittlerweile relativ wander-erfahren: keiner hat Blasen, Zeckenbisse oder Sonnenbrand. Neues haben wir auch gelernt: in den vier Jahren seit Beginn der Wanderung ist viel passiert, man gibt sich Mühe, was Infotafeln und Wegauszeichnung anbelangt (zumindest an manchen Strecken - drei Mal sind wir im Laufe dieser Tage hoffnungslos in die Irre gelaufen, weil die Wegmarkierungen fehlten). Auch neu die Erkenntnis: vier Jahre alte Karten können auch schon Altpapier sein. Die Umverlegung der Routen hinter Iggingen und am Kolbenberg macht die ganze Auflage der ersten Limeswanderkarten zu Recyclingmaterial (aber es gibt noch keine neuen) - das ist ein m. E. frivoler Umgang mit wichtigen Informationen. <br />
<br />
Das letzte Dorf unserer diesjährigen Wanderung hiess &quot;Schwabsberg&quot; und sah auch so aus. Nächstes Jahr werden wir voraussichtlich und &quot;deo volente&quot; die Grenze nach Bayern überschreiten, Unterbringungssorgen plagen mich schon jetzt, denn zwischen Hüttlingen und Dinkelsbühl ist Sierra Nevada, ohne Eisenbahn oder auch nur die Nähe größerer Ortschaften. Aber - wer weiss - es tut sich viel am Limes, nicht zuletzt ist der Weltkulturerbestatus auch Tourismusförderung. Wir werden sehen.<br />
<a href="http://www.geschichtsforum.de/members/mummius-picius-albums-limeswanderung-iv-lorch-dalkingen.html" target="_blank"><br />
Hier gibt es noch ein paar Bilder.</a></div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/245-limeswanderung-iv-lorch-dalkingen-2.html</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Limeswanderung IV: Lorch - Dalkingen</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/244-limeswanderung-iv-lorch-dalkingen.html</link>
			<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 08:07:46 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA["Wollen Sie ein Familienticket?" 
"Ja." 
"Wieviele Kinder sind dabei?" 
"Drei." 
"Wie alt sind die Kinder?" 
"44, 47 und 50, der Vater wird dieses Jahr 80." 
 
Solche Dialoge führt mein Bruder Stefan mit der größten Kaltblütigkeit, ähnliche Fragen werden aber auch mir oft gestellt, wenn ich die...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>&quot;Wollen Sie ein Familienticket?&quot;<br />
&quot;Ja.&quot;<br />
&quot;Wieviele Kinder sind dabei?&quot;<br />
&quot;Drei.&quot;<br />
&quot;Wie alt sind die Kinder?&quot;<br />
&quot;44, 47 und 50, der Vater wird dieses Jahr 80.&quot;<br />
<br />
Solche Dialoge führt mein Bruder Stefan mit der größten Kaltblütigkeit, ähnliche Fragen werden aber auch mir oft gestellt, wenn ich die Unterkünfte unserer Limeswanderung organisiere. Letztes Jahr waren wir von der Hohenloher Hochebene ins Remstal nach Lorch hinuntergestiegen wie in einen Keller, dieses Jahr ging es am Remstal entlang durch die Ostalb bis nach Aalen bzw. Schwabsberg bzw. zum Limestor nach Dalkingen. Das ist im Grunde das ganze Panorama, das im Limesmuseum Aalen als Miniaturmodell aufgebaut ist, sogar ein bisschen mehr, wenn auch insgesamt etwas weniger, als wir rein kilometermäßig letztes Jahr geschafft hatten - da waren's 60, dieses Jahr nur 50, dafür aber das Kloster Lorch und das oben erwähnte Limesmuseum noch als Attraktion, und verkehrtstechnisches Gezappel gegen Ende. Aber fangen wir beim Anfang an.<br />
<br />
<b>Tag 1</b><br />
<br />
Der Gasthof in Lorch steht direkt neben einem alten Haus, in dem der kleine Friedrich Schiller während vier Jahren seiner Kindheit wohnte. Über Lorch steht ein altes Kloster, das mich bei einem ersten Besuch vor sechs Jahren sehr an meine Heimatstadt Lorsch und die dortige Klosterruine erinnerte, nur ist dies Lorch nicht so ruinös wie das mit &quot;s&quot;. Ein bildschönes Altenheim ist im Kloster Lorch, freundliche Greisinnen sitzen zwischen Blumen an der Sonne und freuen sich über jeden, der den Hut zieht. Die Klostergebäude sind sehr zielgerichtet auf die staufische Tradition hin renoviert, von der es viel zu zeigen gibt, vor allem weil der Rest in einer ersten Renovierungsphase in den 1890ern weg geschmissen worden ist. Neueste Attraktion ist das &quot;Stauferrundbild&quot; eines Herrn Kloss, der sich auf einen Acrylfarb-Ringkampf mit Johannes Tübke und seinem Bauernkriegpanorama eingelassen hat: auf 30 Metern (wahrscheinlich Quadrat) farbenfrohem Scheiterns ringsum bekommt man vor allem Stifterportraits und postgotische Perspektivlosigkeit zu sehen. Wir sagen den alten Damen &quot;auf Wiedersehen&quot;, steigen noch einmal pro forma auf den Aussichtsturm im Blockhaus-Stil neben dem Kloster und machen uns auf den offiziellen Limeswanderweg.<br />
<br />
Dieser führt ins Tal hinein, über den Bach, das Tal hinauf und auf den Hügel, wo wir von Hangendeinbach aus den ersten Blick auf die &quot;schwäbische Pyramide&quot; werfen können (der Burgberg von Hohenstaufen?), welche uns von nun an als Landmarke bis fast ans Ende der Wanderung begleitet (Osmanacic hätte dort schon längst gebuddelt). Der Limeswanderweg ist hier betont Wanderweg, vom Limes wenig zu sehen, die Auszeichnung akzeptabel bis gut, bis in Klein-Deinbach eine Kreuzung überhaupt nichts mehr anzeigt. Dank der Karte laufen wir nur ein kurzes Stück in die Irre, finden aber auf den Weg zurück, der uns bald an die Grenze führt: die alte Grenze zwischen Obergermanien und Raetien, gekennzeichnet durch einen Altar für die Grenzgottheiten, dem Ende von Wall und Graben und dem Beginn einer Mauer mitten am Hang. Die Mauer verschwindet bald wieder im Waldboden, taucht auf der anderen Seite des Tals hinterm Rotenbach wieder auf und geht steil den Hang hinauf. Der Fernwanderweg, der uns bislang mit asphaltierten oder zumindest geschotterten Pisten verwöhnte, wird zur Par-Force-Geländeübung.<br />
<br />
Hier sind wir nun nicht nur in Raetien, sondern auch in der Gemarkung von Schwäbisch Gmünd, das seinen eigenen Limeswanderweg mit stilisierten Legionärshelm auf den Markierungen hat; dieser Weg ist besser und auch besser ausgezeichnet als unserer, führt aber über andere Strecken, z. B. nicht steil den Berg hinauf auf dem Schutthügel der raetischen Limesmauer, wie der Limeswanderweg tatsächlich verläuft - spätestens hier hätten wir uns von Kinderwagen und Nordic-Walking-Stöcken verabschieden müssen. Oben grüßt uns dann wieder der Helm, der offensichtlich einen bequemen Weg genommen hat. Eine Infotafel zeigt uns zum gefühlt 100. Mal, dass der Limes zwischen da und da und dort verlief, Gesamtansicht von Rheinbrohl bis Regensburg, nähere Bezüge auf die Umgebung werden sorgfältig vermieden.<br />
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Nun läuft der Weg auf der Höhe neben Schwäbisch Gmünd entlang, dessen Schönheit Wolfgang uns immer wieder beteuert, die aber von oben nur ansatzweise zu erahnen ist. Ein mühseliger Weg steigert Gereiztheit, eine Frau, die sich über den Zaun hängt um uns anzustarren hätte ich am liebsten verprügelt, als sie uns auf unsere Frage ob das hier der (mal wieder durch nichts gekennzeichnete) Limeswanderweg sei, mit einem &quot;Wo wollesen hie?&quot; und &quot;wo kommesen hä, von unne oder obbe?&quot; antwortete. Unverdroschen lassen wir sie stehen, vertrauen der Karte, kürzen etwas freudlosen Weg durch einen Vorort von Schwäbisch Gmünd ab und decken uns an einem Getränkeladen mit frischem Wasser ein. <br />
<br />
Ein entweder scharf bewachtes Kloster oder sehr kirchliches Gefängnis, ein Badesee, ein Stausee und eine riesige Fabrikanlage ziehen links vorbei, irgendwo hier sollte jetzt ein &quot;Wachhaus&quot; zu sehen sein, da ist aber nichts, nicht einmal ein Weg, d. h. eigentlich zuviele Wege. Wolfgang probiert einen - wir den anderen - und wir treffen uns nicht am vereinbarten Punkt, sondern irgendwo im Wald. Wir laufen auf der Straße weiter nach Herlikofen, wo die Wanderwegzeichen wieder erscheinen, als wären sie nie weg gewesen. Eigentlich sollte sich der Wanderweg laut Karte nun ins Remstal hinunter winden und dort, traulich vereint mit dem Radwanderweg, entlang Rems, B 29 und Bahnstrecke locker nach Böbingen führen. Tut er aber nicht. Viele neu angebrachte Schilder zeigen einen anderen Weg - schwungvoll zieht dieser den Hang hinauf, dann noch einen und noch einen Hang, und lässt uns dann in einer Blumenwiese ins Nirgendwo laufen wie einen geschleuderten Ball. Nur der Kompass führt uns wieder nach Böbingen, in dem die letzten Kilometer qualvoll lang werden.<br />
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Klar, Karten sind Verbrauchsgüter, im Zeitalter tagesaktueller Softwareupdates vielleicht umso mehr, aber das Ziel solcher Wege-Umlege-Aktionen sollte Verbesserung der Situation sein, und das hier ist keine. Wir sind zu müde, um selbst die Reste des Kastells zu erkunden, in dem unser Hotel steht. Zum Glück wird die stinksaure Laune mit gutem Bier, gutem Essen und viel Herzlichkeit der Wirte und Kellnerinnen wieder besänftigt.<br />
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<b>Tag 2</b><br />
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Der nächste Morgen birgt eine Überraschung: in Dietwulf Baatz' Standardwerk zum Limes wundert sich dieser über die &quot;merkwürdige Terrassierung des Kastells&quot; – kann man doch am Limes fast davon ausgehen, wo eine planierte Fläche ist, haben die Römer Platz für ein Kastell gemacht. Die Schautafeln an den aufgemauerten Fundamenten erklären den wahren Hintergrund: 1936-39 wurde die Hälfte des Kastells mitsamt dem Hang als Steinbruch einfach weg gebaggert. Unten steht nun die &quot;Schule am Kastell&quot;, oben ein paar Tennisplätze, das Hotel und Häuser. Offensichtlich war es den Leuten, mit denen Baatz sprach, zu peinlich, mit der Wahrheit rauszurücken … in die nächste Ausgabe des Standardwerks sollte das aber besser aufgenommen werden.<br />
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&quot;Schuldkomplexüberkompensation&quot; sagt man dazu, wenn etwas ganz toll wiedergutgemacht werden soll, was man vorher kaputt gemacht hat, und so sind die Wanderwegweiser im Umkreis von Böbingen denn auch ganz hervorragend, auch die örtlichen Schautafeln nehmen, oh Wunder, Bezug auf die Gegend, zeigen nicht zum n-ten Mal die Bilder aus den 60er Jahren vom Turm mit den drei Soldaten, sondern in Ergänzung zur bekannten Form des Limesverlaufs auch eine veritable Umgebungskarte! Große Klasse!<br />
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Stefans linker Schuh löste sich auf und blieb in Böbingen, weshalb er mit dem Taxi zum nächsten Schuhladen in Mögglingen fuhr, wir treffen ihn wieder in einem Wald voller Hügelgräber und einem wundervoll ausgebauten Wanderweg auf dem Schutthügel der raetischen Mauer. Schnell kommen wir voran, der Pilzkopf des &quot;Kolbenbergs&quot; wird zur bestimmenden Landmarke, welche die &quot;Schwäbische Pyramide&quot; ablöst. Und wieder verläuft der ausgeschilderte Weg plötzlich anders als auf der Karte verzeichnet - statt durch den Wald oberhalb führt der Weg südlich um den Kolbenberg herum. Zum Glück diesmal nicht schwungvoll ins Nichts, sondern auf den alten Weg zurück. Später hören wir die Geschichte dazu, dass dort ein Team des SWR im Schlamm steckenblieb und mächtig herumkrakeelte, statt der teuren Wegeausbesserung hat man dann den Wanderweg verlegt. So einfach ist das! Schlau sind sie schon, die Ostälbler. Was wohl passiert wäre, hätte man den SWR im Rotenbachtal die Mauer raufgeschickt?<br />
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Viele Kruzifixe stehen in dieser Gegend, wer als Spinne richtig gut leben will, sucht sich einen Platz zwischen den halbrunden Schutzdach-Bögen und den Armen. Am Kolbenberg führt der raetische Limes wieder nach Nordosten, weg von Aalen, wo wir eigentlich noch hinmüssen; wir kommen an diesem Tag noch bis Hüttlingen, das angeblich vom Alemannenfürst Huttilo gegründet wurde (offensichtlich der faulste Kerl, der beim Alemannensturm dabei war, lässt sich direkt hinter der Grenze nieder). Dort auch das Rätsel: was ist ein Muffigel? Der Bus fährt uns nach Aalen, ein Taxi ins Hotel, beseligt fallen wir in die Limes-Therme und widmen uns der Regeneration.</div>

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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Hochdeutsch, Bier und fesche Jungs: Grenzregionen und Nationen Teil 2</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/saint-simone/242-hochdeutsch-bier-und-fesche-jungs-grenzregionen-und-nationen-teil-2.html</link>
			<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 14:51:19 GMT</pubDate>
			<description>Saarbrücken, anno domini 1997, Samstagsabends in einer nicht länger existierenden Kneipe: Die drei jungen Männer, die in unserem Alter zu sein scheinen, schauen schon die ganze Zeit rüber und tuscheln untereinander. Wir, drei Mädels, haben auch die Köpfe zusammengesteckt, und tuscheln. Ja, sie...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><font face="Verdana">Saarbrücken, anno domini 1997, Samstagsabends in einer nicht länger existierenden Kneipe: Die drei jungen Männer, die in unserem Alter zu sein scheinen, schauen schon die ganze Zeit rüber und tuscheln untereinander. Wir, drei Mädels, haben auch die Köpfe zusammengesteckt, und tuscheln. Ja, sie gucken noch immer. Nicht hinschauen. Kannst du noch etwas offensichtlicher gucken? Der in der Mitte. Bist du blind…? <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Ein Bier später kommen die drei an unseren Tisch. Schockschwere Not, Panik, sie wollen wissen ob hier noch frei ist. Was sollen wir nur machen, was sollen wir nur machen? Wenn jetzt eine von uns ‚ja‘ sagt, und sie blöd sind, dann ist die Schuld für den verdorbenen Abend. Niemand will Schuld sein. Panik…na gut, klar ist hier frei, setzt euch. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Ob wir öfter herkommen. Nervöses Gekicher. Hin und wieder, und ihr? Klar, sie kommen aus Forbach/Frankreich, da ist nix los, deswegen kommen sie am Wochenende nach Saarbrücken. Und die Mädels wären hier auch hübscher. Ach, wie charmant, und schon ist das Eis gebrochen, es wird mehr Bier bestellt und sich unterhalten. Oder eher fünf von uns unterhalten sich. Unsere dritte im Bunde kommt nicht aus der Gegend und kann nur Hochdeutsch. Aber im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, deswegen unterhalten wir uns im Dialekt, und hin und wieder, wenn’s gar nicht mehr geht, übersetzt eine von uns für unsere Dritte, die langsam unglücklich wird. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Irgendwann kommt die Sprache auf „Sprache“, und wir erfahren, daß unsere neuen Bekannten -genau wie wir in der Schule französisch-  deutsch lernen, aber den Dialekt haben sie von ihren Großeltern. Die Eltern sprechen das nicht wirklich, und verstehen es auch nicht richtig. Aber bei zweien von dreien wohnen die Großeltern im Haus, daher kann man das. Deutsch? Nein, das können sie auch nicht, aber wir ja anscheinend auch nicht. Ist ja auch egal, man braucht ja auch keine perfekte Schriftsprache, wenn der Abend jung ist, es Bier gibt und die Jungs gut aussehen, oder? <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Dabei ist Schriftsprache wichtig, wenn man Grenzen ziehen möchte. Laut Benedict Anderson (1991), kann man den Anfang nationaler Identifikation, und den Beginn einer Gemeinschaft bei den Schriftsprachen suchen. Vor der Erfindung des Buchdruckes, und als Latein noch die heilige Sprache des Wissens war, spielten linguistische Unterschiede keine politische Rolle. Erst der Kapitalismus und der Buchdruck konnten eine einsprachige Leserschaft erschaffen, der es dann möglich war sich als Teil einer größeren Leserschaft, also einer sprachlichen Gemeinschaft zu sehen. Die Nation, schreibt Anderson (1991:6) ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft, und ‚vorgestellt‘ daher, daß sich die meisten Mitglieder dieser Gemeinschaft im wirklichen Leben niemals treffen werden, und sich nur vorstellen, daß sie ein Teil einer Gemeinschaft sind, in der andere so wie man selbst ist. <br />
</font>   <font face="Verdana">Freilich ist diese Gemeinschaft von der Mitgliederschaft eingeschränkt, da sie sich auf Sprache aufbaut, und auf der Vorstellung, daß all jene die die gleiche Muttersprache teilen auch gleiche kulturelle Hintergründe haben. Laut Anderson kommt im Zeitalter der Aufklärung dann hinzu, daß diese Gemeinschaft, die Nation, als horizontale unverbrüchliche Kameradschaft, die politische Hoheit hat und nach einem eigenen Staat strebt. Mit anderen Worten: Die Erfindung der Druckerpresse und der Verbreitung von Schriften in dem was vorher Mundarten waren, durch die Standardisierung von Schreibweisen und Grammatik, und der steigenden Fähigkeit in der Bevölkerung zu lesen und zu schreiben, wurde ein nationales Bewusstsein geschaffen. Also, aus Gruppen die die gleiche, oder eine sehr ähnliche Mundart gesprochen haben, wurden Völker die nach einer eigenen Nation gestrebt haben, aufgrund des erwachten Bewusstseins von Gemeinschaft. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Man braucht nicht sonderlich weit zu gehen um sofort auf ein ‚Problem‘ mit dieser Theorie zu stoßen, und damit meine ich nicht Elsaß-Lothringen, sondern die Schweiz. Die Schweiz wäre nach Andersons Theorie eine komplette Anomalie. Nachweislich gibt es in der Schweiz auch Druckerpressen, inklusive der zugehörigen Mundarten in denen gesprochen wird, und trotz aller Gegebenheiten weigert sich die Schweiz nach lokaler Mundart auseinanderzufallen! Unerhört. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Oder Belgien. Wobei man dann natürlich mußtmaßen kann, daß Belgien gerade dabei ist sich aufzulösen, so wie es Andersons Theorie vorsieht. Warum Belgien und nicht die Schweiz? Anderson selbst gibt zu, daß man die historischen Umstände von Nationen mit in Betracht ziehen muß, die in der Schweiz anders sind als in Belgien. Heißt das, daß die historischen Umstände in der Schweiz dazu geführt haben, daß die Schweizer trotz unterschiedlicher Sprachen sich als Nation empfinden? Oder vielleicht ist es ein Hinweis darauf, daß Sprache nicht der einzige Grund und Ansatzpunkt für Nationen ist. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Sprachen, wie Smith (1998) richtig bemerkt, kann man lernen. Der Sprung von Sprache bis hin zur Gemeinschaft ist nicht so einfach wie Anderson das darstellt. Dank vieler Jahre Aufenthalt in GB kann ich gut genug Englisch um hin und wieder in Schottland Frechheiten als vermeintliche Engländerin gemacht zu bekommen, oder von anderen Engländern als solche gesehen zu werden. Aber auch wenn ich Englisch kann, bin ich keine Engländerin, da ich nach all den Jahren nicht mehr an der Sprache merke, daß ich es nicht bin sondern an: Bezug zu nationalen Symbolen, Bräuchen, Werten, Traditionen etc. Zum Beispiel geht der Pancake-Day komplett an mir vorbei, und Weihnachtskarten die anscheinend an alle die man auf der Straße auch nur mal angestuppst hat, geschrieben werden müssen auch. Und wenn hierzulande jemand wegen mir Stimmung gegen England macht, dann geht das zuerst meist an mir vorbei. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Also, Sprachen kann man lernen, aber alles andere ist schwerer, und nicht zuletzt fehlt mir trotz gelernter Sprache der Bezug und die Liebe zu einer Nation, die andere, die die gleiche Sprache sprechen für sich in Anspruch nehmen. Was mir fehlt ist das „wir“-Gefühl, welches nicht durch beherrschte Sprache erlernt werden kann. Sprache alleine ist also nicht ausreichend, und kann auch nicht ausreichend erklären wie man vom individuellen Akt des Vorstellens zu einer vorgestellten Gemeinschaft kommt, die sehr reelle Formen annimmt; also ich kann mir vorstellen was ich will, und mich meinem Nachbarn auf der anderen Straßenseite sehr verbunden fühlen, aber um von diesem einseitigen Gefühl zu einem gemeinschaftlichen Gefühl zu kommen, muß mehr da sein. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Anderson (1991) versucht dieses „mehr“ dadurch zu erklären, daß Nationen oft mit Familien verbunden werden, und als Familien von ihnen gesprochen wird. Und Familien seien der Ort und die Gemeinschaft, die pur in Liebe und Solidarität, und ohne Selbstinteresse seien. Unsere Identitäten, unser Überleben wären so sehr mit der Nation verbunden, daß wir solche Große Hingabe fühlten und bereit seien Opfer zu bringen, wenn sie in Gefahr sei (Smith, 1998:140). Nationalismus könne die Toten, die Lebenden und die noch Ungeborenen in einer einzigen Schicksalsgemeinschaft vereinen, und biete eine sekuläre Möglichkeit der Unsterblichkeit durch die Nation, und die Vision des Urteiles der Nachwelt (1998:140).<br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Das erklärt leider noch immer nicht, wie wir dazu gekommen sind, wie es zu diesem Gefühl der Gemeinschaft gekommen ist. Sprache ist dabei sicherlich ein Faktor, den man jedoch nicht als einzigen Faktor und Anlass betrachten kann. Es gehört mehr dazu, viel mehr, und die enge Verbindung zwischen Nationen und Familien weist schon auf die Rhetorik hin, mit der Nationen so oft in Verbindung gebracht werden, und zumeist mit tragischen, katastrophalen, tödlichen und um nicht zu sagen kriminellen Folgen: Blut und Boden. <br />
<br />
Um diese Rhetorik drücke ich mich gerade herum, weil sie mal wieder einen Stolperstein im Bezug auf Grenzregionen darstellt. </font><font face="Verdana">Die Tragik von Nationen, und von dieser Rhetorik von &quot;Blut und Boden&quot; ist an jenem Abend vor vielen Jahren aber nicht an uns vorbeigegangen, weswegen ich mich noch so gut erinnere. Es war ja nicht das erste und bei weitem nicht das letzte Mal, daß wir Mädels auf Jungs von der anderen Seite der Grenze gestoßen sind, nein woran ich mich so gut erinnere, ist das nach einigen Bieren die Sprache wieder auf unsere Großeltern und andere Verwandte kam, und natürlich der Krieg. Außer unserer &quot;hochdeutschen&quot; Freundin, hatten wir alle Verwandte hüben und nüben. Die Grenze hat sich oft genug verschoben, und dann selten jemanden davon abgehalten drüber hinweg zu heiraten. So hat man halt &quot;Blut&quot; auf beiden Seiten der Grenze. <br />
<br />
</font><font face="Verdana">Und so unwahrscheinlich es auch war und ist, hätten die Jungs des damaligen Abends, und wir drei Mädels uns unversehens auf gegnerischen Seiten wiederfinden können, so wie es unseren Großeltern und Urgroßeltern und Vorahnen teilweise gegangen war, weil der „Erbfeind Frankreich“ und die &quot;deutsche Volksgemeinschaft&quot;, weil &quot;der Franzos&quot; und &quot;les Boches&quot; nicht miteinander können, weil die Marianne schon immer auf die linksrheinischen Gebiete der Germania geschielt hat, weil… weil...weil...<br />
<br />
Solche Gedanken haben wir uns damals nicht gemacht. Wir haben uns weiter im Dialekt unterhalten, und hin und wieder mal für unsere Dritte im Bunde übersetzt. Wir wollten ja auch nicht über den Krieg reden. Nicht an einem Samstagabend, wenn das Bier gut schmeckt und die Jungs grad' so charmant sind. <br />
<br />
<br />
Quellen: Kommen noch. <br />
</font></div>

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			<dc:creator>Saint-Simone</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">http://www.geschichtsforum.de/blogs/saint-simone/242-hochdeutsch-bier-und-fesche-jungs-grenzregionen-und-nationen-teil-2.html</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Deutschland? Frankreich? Wem gehört Saar-Lor-Lux?: Grenzregionen und Nationen Teil 1</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/saint-simone/241-deutschland-frankreich-wem-geh-rt-saar-lor-lux-grenzregionen-und-nationen-teil-1.html</link>
			<pubDate>Wed, 19 May 2010 14:47:45 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Für alle Fälle, wurde mein deutscher Urgroßvater mit zweitem Namen "Pierre" getauft. Für alle Fälle, bekam jedes Kind in meiner Familie im Saarland einen deutschen und einen französischen Vornamen. Man konnte ja nie wissen, wann man mal wieder unverhofft französisch wurde, und es hat sich auch 1905...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><font face="Verdana">Für alle Fälle, wurde mein deutscher Urgroßvater mit zweitem Namen &quot;Pierre&quot; getauft. Für alle Fälle, bekam jedes Kind in meiner Familie im Saarland einen deutschen und einen französischen Vornamen. Man konnte ja nie wissen, wann man mal wieder unverhofft französisch wurde, und es hat sich auch 1905 niemand von den momentanen Grenzen täuschen lassen. Denn eines Tages, prophezeite mir sogar noch mein Großvater in den 80er Jahren, stehen die Franzosen wieder auf der ganzen linken Rheinseite. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Wie jedes Kind in den saarländischen Grenzdörfern wusste konnte man flugs wieder zu Frankreich gehören, aber &quot;Frankreich&quot; lag nicht auf der anderen Seite des weißen Strichs, der sich über die Landstrasse zog. Auf der anderen Seite des Striches lag nur Lothringen, aber das hatte mit &#8222;Frankreich&#8220; nicht viel zu tun. Die &#8222;Wackese&#8220; waren ja keine richtigen Franzosen, sondern direkte Nachbarn oder auch zum Teil Familie. Ähnlich begann &quot;das Reich&quot; auch irgendwo an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Dahinter, in der Ferne liegt &quot;Deutschland&quot;. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Grenzregionen sind für &#8218;nationale&#8216; geschichtliche Projekte immer schwierig. Deutschland? Frankreich? Oder vielleicht doch einfach nur allgemeines Aufmarschgebiet? Dabei liegt die Problematik wohl oftmals darin, daß versucht wird moderne Grenzen und Konzepte auf das Geschehene zu übertragen: also die Grenzen eines Deutschlands oder Frankreichs, welches es erst seit kürzester Zeit gibt, und damit implizit das Konstrukt eines deutschen/französischen Volkes welches es auch erst seit kürzester Zeit im Rahmen der Grenzen gibt, auf die Lebenssituation der Vergangenheit zu übertragen. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">So leben wir heute in der Vorstellung, daß eine Nation &#8222;eine Gemeinschaft des Gefühls, die sich am besten in einem eigenen Staat manifestiert, woraus resultiert das eine Nation eine Gemeinschaft ist, die dazu tendiert einen eigenen Staat zu schaffen&#8220; (Weber, 1948:176). Es wäre nun scheinbar einfach diese Gefühlsgemeinschaft auf ein Territorium zu übertragen- dort wo Menschen das Gefühl der Solidarität nicht mehr teilen, ziehen wir die Grenzen. Wäre das aber wirklich so einfach, dann sähen die Karten Europas wohl anders aus, oder vielleicht gäbe es auch gar keine Grenzen, es sei denn da wo ein Dorf die Nachbarn wirklich, wirklich nicht leiden kann, was dann wieder problematisch wäre, wenn ein anderes geliebtes Nachbardorf sich wiederrum mit dem ungeliebten solidarisch fühlt. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Aber nehmen wir mal an, daß es eine solche Gefühlsgemeinschaft gibt, dann ist die Frage woher dieses Gefühl kommt naheliegend. Wo fangen Nationen an, bevor sie zu Staaten werden? In der Schule, in Deutschland, haben wir im Geschichtsunterricht erklärt bekommen, daß Deutschland eine &#8222;Kulturnation&#8220; gewesen sei, und Frankreich eine &#8222;Staatsnation&#8220;. Also, dort wo man nicht mehr dem deutschen Kulturkreis angehört, fängt Frankreich an, oder? <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Michael Lenz, ein Mitglied der &#8222;Gesellschaft zur Ausbildung der deutschen Sprache&#8220; in Straßburg, sagt in einer Rede am 2. November 1775 ausdrücklich: &#8222;Wir sind alle Deutsche.&#8220; Und fährt fort die Französische Regierung zu preisen: &#8222;Eben weil diese Regierung menschenfreundlich und beglückend ist fordert sie diese Aufopferung (gemeint ist die Assimilierung) Ihnen nicht; der Geist, meine Herren leidet keine Naturalisation.&#8220; Und eine Woche später heißt es wieder von Lenz man möge &#8222;das Band mit ihrem Deutschen Vaterlande&#8220; erhalten. Die Mitglieder der Gesellschaft sahen anscheinend keinerlei Widerspruch darin Deutschland (N.B.: zu jener Zeit ja noch kein Nationalstaat, also im kulturellen Sinne zu verstehen) als &#8218;Vaterland&#8217; zu bezeichnen, und zur gleichen Zeit Frankreich gegenüber loyale Untertanen zu sein.<br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Im Sinne der von Weber (1948) angegebenen Definition macht das keinen Sinn, daß eine Gefühlsgemeinschaft nicht zum nationalen Staat strebt, sondern die Loyalität gegenüber einem Staat beschwört, der wenig mit der eigenen Kultur zu tun hat. Das weitere Verhalten der Elsässer gegenüber Frankreich und Deutschland im Laufe des 19. Und frühen 20. Jahrhunderts steht ebenso mit dem Nationalgedanken des 19. Jahrhunderts im Widerspruch. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Bei dem Versuch Licht ins dunkle Wirr-warr der Grenzregionen zu bringen kann man eigentlich schlichtweg wahnsinnig werden, und es ist um einiges einfacher sich an den auf den Karten eingezeichneten Grenzen festzuhalten, und zu hoffen und zu glauben, daß diese auch tatsächlich mit den Grenzen eines Volkes übereinstimmen. Es sei denn es handelt sich um eine Insel, wie Großbritannien, ist das eher unwahrscheinlich, und auch in diesem Fall trifft es schon wieder nicht zu. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Dieser Probleme war man sich anscheinend zumindest in Frankreich im 19. Jahrhundert durchaus bewusst. Und noch stärker nach dem Deutsch-Französischen Krieg, und dem Verlust Elsaß-Lothringens an Deutschland. In dem Versuch inbrünstige Bürger der Dritten Republik zu erziehen, wurde der Lehrplan in öffentlichen Schulen standardisiert, besonders in &#8222;nationalen&#8220; Fächern, wie Literatur, Geographie, Geschichte und Sport; wobei besonders in Geschichte anscheinend ein Textbuch zur Verfügung stand, welches darauf ausgelegt war die Herrlichkeit, und die territoriale Integrität Frankreichs zu einem wichtigen Element des Französischen Nationalbewusstseins künftiger Generationen zu machen (Smith, 1989:39). <br />
</font>   <font face="Verdana">Mit anderen Worten: Eine bestimmte Deutungsart der Geschichte wurde genutzt um ein bestimmtes nationales Gefühl anzuerziehen. Künftige Generationen wurde der Grundgedanke einer territorialen Nation, mit bestimmten Grenzen an denen die Gefühlsgemeinschaft aufhört, in der Schule mitgegeben. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Ähnlich wurde in Deutschland nach dem Deutsch-Französischen Krieg verfahren. Das neue Reich hatte wenige gemeinsame Symbole, die nicht lokal, und dadurch für andere Lokalitäten fremd, bedingt waren. Hobsbawm (1983) schreibt, daß Deutschland eine kurze nationale Tradition hatte, die durch drei Dinge symbolisiert wurde: Bismarck, Wilhelm I. und Sedan (1983:276). Es folgt eine Beschreibung wie der Sedanstag in Schulen begangen wurde, wobei diese drei nationalen Symbole beschworen wurden, um den Gedanken der deutschen Nation zu festigen. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Kann man nun einfach davon ausgehen, daß Nationen dort anfangen und aufhören, wo die jeweilige staatliche Schulbehörde nicht mehr zuständig ist? Sind Nationen die Ausgeburten einer modernen politischen Bewegung, die nach gezogenen Grenzen Bürger erzogen? Wäre das alles so einfach, dann wäre im sogenannten Zeitalter der Nationalstaaten auch die Frage nach der Zugehörigkeit Elsaß-Lothringens hinfällig. Dann könnten wir sagen, daß die Elsässer und die Lothringer Franzosen waren und sind, und auf meiner Seite der Grenzen waren wir Bayern und Preußen, die auf dem Wege dazu waren Deutsche zu werden. Ja, nach den damaligen Grenzen von 1815 und über das 19. Jahrhundert hinweg, gehörte ein Teil des heutigen Saarlands zu Preußen, und ein Teil zu Bayern. Mein Teilchen gehörte zu Bayern, und meine spätere Bildungsanstalt wurde auch noch als &#8222;Königlich Bayrische Lateinschule&#8220; gegründet. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Ganz wie im richtigen Leben ist das alles nicht so einfach und voller Widersprüche. Nationen und nationale Identität sind heutzutage eine Tatsache, aber so einfach kann ein Staat keine Nation werden, und so einfach kann keine Schulbehörde eine Gruppe zu einer Nation erziehen, also wieder zurück zum Anfang des Gefühls und der Frage aus welcher Keimzelle moderne Nationen gesprossen sind? <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Die Anfänge des Gefühls, lassen sich freilich schwer finden. Die späteren Auswirkungen lassen sich da schon eher sehen. Das Saarland hatte die Wahl, und hat sich zweimal für Deutschland entschieden. Oder hat es sich gegen Frankreich entschieden? Es gab ja auch die Möglichkeit zum Status Quo, der jedoch als frankophil eingeschätzt wurde. In meinem Dorf ging die zweite Abstimmung durch so manche Familie hindurch. Meine Großmutter war Frankreich zugeneigt, weil sie nach dem Krieg direkt auf der anderen Seite eine Anstellung gefunden hat und dort das kleinstädtische Warenangebot genossen hat, welches es im deutschen Dorf nicht gab. Mein Großvater hat für Deutschland gestimmt, weil er sich von &quot;den Franzosen&quot; nach dem Krieg unterdrückt gefühlt hat. Als ehemaliges Parteimitglied wurde ihm das Leben nicht einfach gemacht, unabhängig der Gründe warum er beigetreten war. <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Kulturell gesehen habe ich wohl mehr mit einem Elsässer oder Lothringer gemeinsam, als mit jemandem aus, sagen wir, Mecklenburg. Sprachlich auch. Trotzdem bin ich gewillt auch Norddeutsche Plattsprecher zu meinem Kulturkreis zu zählen, auch wenn ich Schweizerdeutsch sehr viel besser verstehe. Aber die Schweizer dürfen/wollen ja bei der deutschen Kulturnation nicht mitmachen, weil sie Schweizer sind, oder wie war das jetzt? Dafür dürfen die Elsaß-Lothringer, weil sie ja eigentlich zum deutschen Kulturkreis gehören, aber staatlich eben an Frankreich angebunden sind, also&#8230;? <br />
<br />
</font>   <font face="Verdana">Also&#8230;habe ich keine Antwort, außer zu behaupten, daß Grenzregionen sich dazu eignen die scheinbar einfachen Annahmen über Nationen und Gefühlsgemeinschaften ins Wanken zu bringen, und zu hinterfragen. Hinterfragt haben meine Vorfahren aber anscheinend wenig, sondern haben sich praktischerweise damit arrangiert, daß man plötzlich mal wieder zu Deutschland oder zu Frankreich gehören könnte. Nach meiner Generation hat die Praxis der französischen Namen übrigens aufgehört, aber da waren dank Schengen die Grenzbäume schon weg, und wir haben 1998 anlässlich der Fußball WM Frankreichs Sieg gefeiert, weil&#8230;man muß die Feste eben feiern wie sie kommen, und warum sollten wir nicht auch feiern, wenn auf der anderen Seite des weißen Strichs die Stimmung gut ist? :D<br />
<br />
</font></div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>Saint-Simone</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">http://www.geschichtsforum.de/blogs/saint-simone/241-deutschland-frankreich-wem-geh-rt-saar-lor-lux-grenzregionen-und-nationen-teil-1.html</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Hypothesen zum MVT (most valuable thread)</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/238-hypothesen-zum-mvt-most-valuable-thread.html</link>
			<pubDate>Thu, 13 May 2010 17:33:04 GMT</pubDate>
			<description>Ein stiller Feiertag wie heute, an dem sich forenmäßig auch nichts Aufregendes tut,  ist ein Geschenk für Statistiker wie mich: Wir haben Muße, um dringende, aber immer wieder verschobene Auswertungen zu machen, nach denen die Forenwelt hungert. 
 
Zweifellos ein Desiderat ist etwa die Beantwortung...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Ein stiller Feiertag wie heute, an dem sich forenmäßig auch nichts Aufregendes tut,  ist ein Geschenk für Statistiker wie mich: Wir haben Muße, um dringende, aber immer wieder verschobene Auswertungen zu machen, nach denen die Forenwelt hungert.<br />
<br />
Zweifellos ein Desiderat ist etwa die Beantwortung der Frage:<blockquote>Welche Aspekte/Teilbereiche/Schlüsselwörter müssen zusammenkommen, um den MVT zu erzeugen, d.h. einen Thread, der maximales Interesse - gemessen an der Zahl der Beiträge - hervorruft? <br />
</blockquote>Ich hatte dazu eine Arbeitshypothese entwickelt (MVT = { Homo, f.....,  Männer, Schlacht, Tote }), die ich jedoch wieder verwerfen musste. Meine neue Hypothese lautet: Auf maximales Interesse kann folgender Thread hoffen:<blockquote> Ein <u>Protobulgare</u> namens <u>Siegfried</u> verwendet in <u>Kalkriese</u> <u>aussterbende Wörter </u>zur Beschreibung von <u>Geschlechterrollen</u>.<br />
</blockquote>Erfahrungen der Vergangenheit zugrundelegt, könnte hierbei mit ca. 3.800 Beiträgen gerechnet werden.</div>

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			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Was tun?</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/233-tun.html</link>
			<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 09:03:52 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Es gibt verschiedene Gründe, ein neues Thema zu kreieren, z.B.: 
 
* Ich habe "draußen" etwas Interessantes gelesen und bringe es deshalb "herein". (Dabei kann ich auch zeigen, dass ich viele lese...) 
*  Während ich einer Diskussion folge, weckt ein bestimmter Aspekt mein besonderes Interesse; ich...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Es gibt verschiedene Gründe, ein neues Thema zu kreieren, z.B.:<br />
<ul><li>Ich habe &quot;draußen&quot; etwas Interessantes gelesen und bringe es deshalb &quot;herein&quot;. (Dabei kann ich auch zeigen, dass ich viele lese...)</li>
<li> Während ich einer Diskussion folge, weckt ein bestimmter Aspekt mein besonderes Interesse; ich glaube aber, dass ein Insistieren darauf zu stark vom Ausgangsthema wegführen würde. (Damit kann ich auch zeigen, wie rücksichtsvoll und nett ich bin...)</li>
</ul> Implizite Annahmen:<br />
<ul><li>Andere teilen mein Interesse. Wenn nicht, käme allenfalls ein Monolog heraus.</li>
<li>Wer kein Interesse hat, braucht auch auch nichts beizutragen. (Auch die bloße Feststellung, es bestehe kein Interesse, ist schon entbehrlich.)</li>
<li>Wer über etwas ganz anderes diskutieren möchte, macht selbst ein Thema auf.</li>
</ul> Zu Beginn versuche ich die Frage, um die es mir geht, zu beschreiben. Mal ergibt sich das ohne Weiteres, mal muss ich etwas weiter ausholen oder die Frage in Teilfragen zerlegen. Aber gleichgültig, wieviel Mühe ich mir gebe, eines kann ich nicht verhindern: Jemand eröffnet in &quot;meinem&quot; Thema einen Teilstrang, der weit wegführt oder sonstwie absonderlich ist, und dann es geht es, heidewitzka, in die Pampa. <br />
<br />
Das ist so, wie wenn ich am Stammtisch sitze, etwas vermeintlich &quot;Tiefsinniges&quot; von mir gebe - und unversehens erhebt sich ein Getöse und Geschunkel, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann. (Erwiesenermaßen führt &quot;Thema 1&quot; regelmäßig zur dezibelen Höchstleistungen.) Jetzt stehe ich vor der Entscheidung: Was tun?<br />
 <br />
1. Ich versuche, noch lauter zu schreien. (Ist eine Temperamentsfrage und kann auch mißverstanden werden.)<br />
2. Ich bitte die Kumpanen, etwas leiser zu sein. (Das klappt im fortgeschrittenen Stadium fast nie - es kann sogar passieren, dass die mich zum Mitschunkeln zwingen.)<br />
3. Ich warte in Ruhe ab, bis sich das Getöse gelegt hat. (Das kann freilich dauern, ggf. auch so lange, bis die Kneipe schließt.)<br />
4. Ich versuche es bei einer anderen Gelegenheit noch mal. (Aber häufig nimmt mit jedem Tag danach die Relevanz des Themas ab bzw. andere Themen drängen sich in den Vordergrund.)<br />
<br />
Immer diese Entscheidungszwänge - schlimm, schlimm. Einen Ausweg jedenfalls gibt es immer: Ich schreibe in meinen Blog.</div>

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			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		<item>
			<title>Markengeprägte Realität (2)</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/231-markengepr-gte-realit-t-2.html</link>
			<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 10:28:19 GMT</pubDate>
			<description>Realität ist, was reflektiert wird, und öffentliche Reflektion findet in den Medien statt. So gesehen ist das Fürstenhaus derer von Thurn und Taxis ein reales, wenn auch vielleicht nicht mehr so sehr wie vor 10, 20, 120 Jahren. Mit der Realität ist es aber auch ein vertracktes Ding, denn zu der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Realität ist, was reflektiert wird, und öffentliche Reflektion findet in den Medien statt. So gesehen ist das Fürstenhaus derer von Thurn und Taxis ein reales, wenn auch vielleicht nicht mehr so sehr wie vor 10, 20, 120 Jahren. Mit der Realität ist es aber auch ein vertracktes Ding, denn zu der notwendigen Reflektion gehört eine gute Portion Mythos, die es drunter zu heben gilt wie die Sahne unter die Schokoladenmousse – sonst wird die Realität zu bitter, zu träge und die Flecken, die sie hinterlässt, kriegt man auch schlechter raus. <br />
<br />
Also, was könnte gelegener kommen als eine Portion Dosenmythos, sprich: Branding. Branding (für uns Deutschkönner: &quot;Markengestaltung, Markenwerdung&quot; ist die Kunst der Überhöhung eines Objekts durch einen (synthetischen) Mythos; hier im Geschichtsforum habe ich auch schon einmal über die Überhöhung des Kalkriese-Schlachtfelds durch schlechte Kunst gelästert. Für &quot;Überhöhung&quot; ist in unserer Zivilgesellschaft heute allerdings die politische Szene, das große TV-Event oder die Markenwerbung zuständig; Aktionen früher diesbezüglich aktiver Institutionen wie Kirche oder bürgerliche Kultur lassen sich mühelos den o. g. Akteuren zuordnen.<br />
<br />
Wenn also das Haus Thurn und Taxis größeren Erfolg an der Realität für sich reklamieren will, kommt es ohne Reklame nicht aus. Ein Besuch in Regensburg mit Tourismusprogramm kommt am Schloss St. Emmeram und den damit verbundenen Einrittspreisen nicht vorbei. Seine Verbindung findet das Ganze im Ticket- und Museumsshop des Schlosses. Ausgehend von diesem Ort durchquert man unter sachkundiger und eloquenter Führung vielleicht zwei dutzend der 500 Zimmer des größten bewohnten Schlosses Europas, lernt viel, sieht viel und erwirbt neben der Fähigkeit, einen Fürstenhut von einer Königskrone zu unterscheiden, auch eine gewisse Form des Respekts vor jener ungemein tüchtigen Familie, die Infrastruktur und Kommunikation zu ihrem Geschäft machte. <br />
<br />
Das war der Glanz des Hauses. Zurückkehrend in den Ticket- und Museumsshop würde man sich über ein nettes Andenken freuen, vielleicht nicht unbedingt eine Kopie des Kunstwerks &quot;Sonnenaufgang über dem Schneegebirge&quot;, sondern eine Miniatur des goldenen Vlieses, irgendwas Geschmackvolles, Einzigartiges. Doch Gloria fährt das auf, was sie hat, und das ist neben hübschen Kindern und einem bitterernst gemeinten Katholizismus vor allem ihr Name. Der prangt als Markenzeichen auf alles und jedem, vor allem Erzeugnissen, die Adelskollege Prince Charles of Wales zumindest von seinen Bio-Gütern ernten hätte lassen: Fürstmutter Gloria kauft das Zeug da, wo auch meine Firma ihre Kundenkekse für Meetings und so bezieht.<br />
<br />
Kinder bedeuten Zukunft, Katholizismus bedeutet Sinn und Inhalt, Titel bedeutet Anspruch, der Name ist &quot;catchy&quot; und irgendwie kennt man sie ja noch als Feger von den Titelseiten. Soviel deutet also hin, soviel verweist in eine andere Zeit (vorwärts und rückwärts), in eine andere Welt, auf ein anderes ich, das große Was-wäre-wenn. Doch was uns bleibt, sind Krümel.</div>


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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		<item>
			<title><![CDATA[Avatare - The Times They Are A'changin']]></title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/230-avatare-times-they-achangin.html</link>
			<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 09:45:05 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Viel mehr Aufmerksamkeit als bisher sollte ich im GF den Avataren widmen. 
 
Auslöser: Ursi kommt nunmehr als Raquel Welch daher, d.h. so wie ich mir sie (Ursi) insgeheim immer vorgestellt habe. 
 
Interessant zuvor auch der Wandel zweier anderer GF-Urgesteine ins Wildwestliche (silesia -> Clint...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Viel mehr Aufmerksamkeit als bisher sollte ich im GF den Avataren widmen.<br />
<br />
Auslöser: Ursi kommt nunmehr als Raquel Welch daher, d.h. so wie ich mir sie (Ursi) insgeheim immer vorgestellt habe.<br />
<br />
Interessant zuvor auch der Wandel zweier anderer GF-Urgesteine ins Wildwestliche (silesia -&gt; Clint Eastwood, brissotin -&gt; Lee van Cleef). Bei ersterem offenbar eine Reaktion auf zunehmende Gewaltbereitschaft von Usern und in unmittelbarem Zusammenhang mit der Übernahme der Moderatoren-Funktion stehend - überraschend insoweit der zeitige Wechsel ins Froschartige, welchen ich zwangslos darauf zurückführe, dass Clint unverhofft geküsst wurde.<br />
<br />
Mal sehen, was noch kommt.</div>

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			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Drinnen und draußen</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/229-drinnen-und-drau-en.html</link>
			<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 09:39:42 GMT</pubDate>
			<description>Gibt es ein Leben außerhalb des GF? 
Ja, das ist wohl so. 
 
 
Wie lange kann man draußen ohne GF existieren? 
Bis zu 163 Tagen.</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Gibt es ein Leben außerhalb des GF?<br />
Ja, das ist wohl so.<br />
<br />
<br />
Wie lange kann man draußen ohne GF existieren?<br />
Bis zu 163 Tagen.</div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Bekanntschaft mit der Flimmerkiste</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/marcia/228-bekanntschaft-mit-der-flimmerkiste.html</link>
			<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 08:48:02 GMT</pubDate>
			<description>Überlege ich, welche Fernsehsendungen mich als Kind beeindruckt haben, fallen mir weder Sandmann, noch Märchenfilme ein, obwohl das schöne, altersgerechte Sachen waren, die ich gern gesehen habe. 
    Es muss um den Schulanfang herum gewesen sein, vielleicht auch ein Jahr früher, als ich die ersten...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Überlege ich, welche Fernsehsendungen mich als Kind beeindruckt haben, fallen mir weder Sandmann, noch Märchenfilme ein, obwohl das schöne, altersgerechte Sachen waren, die ich gern gesehen habe.<br />
    Es muss um den Schulanfang herum gewesen sein, vielleicht auch ein Jahr früher, als ich die ersten Krimis ansehen durfte, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als mein Bruder und ich abends manchmal allein blieben. Die Eltern hatten Theater- und Konzertanrecht und die Großeltern wohnten weit entfernt, einen Babysitter gab es also nicht.<br />
    Eines Abends durfte ich länger als sonst aufbleiben. Mein Bruder, wurde mir gesagt, sei noch zu klein, und außerdem hätte ich ja auch mehr Pflichten. <br />
<br />
    Ich wusste auch schon einiges über den Film, den wir uns ansahen, denn mein Vater hatte mir oft davon erzählt. Er liebte Kriminalfilme, solche nach Edgar Wallace und nach Conan Doyle. Mein erster Krimi war die meiner Meinung nach eindrucksvollste Sherlock-Holmes-Geschichte überhaupt: Der Hund von Baskerville. Ich erinnere mich noch gut an die Atmosphäre im Wohnzimmer, an das Gefühl, etwas aushalten zu müssen und zu dürfen, aber ein Kissen, das ich mir bei allzu gruseligen Szenen vors Gesicht halten wollte, lag auch bereit. Und schaurig war sie, diese Geschichte, die sich um die Bewohner eines Schlosses in Dartmoor rankt und in der es von seltsamen Menschen, geheimnisvollen Vorkommnissen und Nebelschwaden nur so wimmelt. Aber es war nicht nur schaurig-schöne Unterhaltung, sondern auch ein Rätsel, das Sherlock Holmes aufgegeben war und das sogar die Zuschauer mit ein wenig Aufmerksamkeit lösen konnten. Den meisten dieser Kriminalgeschichten lag, hatte mir mein Vater erklärt, ein bestimmtes Schema zugrunde: alte Familienfehden, jemand, der um sein Erbe gebracht worden war und unter neuer Identität und mit Hilfe von Verbrechen doch noch versuchte, sich das Erbe zu verschaffen. Der Mörder trat in den meisten Filmen schon recht früh als unscheinbare Nebenfigur auf. Besonders fasziniert war ich vom Detektiv, der, während andere in Angst und Schrecken verfielen, einen kühlen Kopf behielt und sich auf Tatsachen stützte, statt an vermeintliche Geheimnisse zu glauben. Sherlock Holmes war ein Idol meiner Kindheit, und ich habe später, nachdem ich verschiedene Filme gesehen hatte, alle Holmes-Geschichten gelesen. Kinder erleben Filme anders als Erwachsene, tauchen intensiver ein. An jenem Abend war ich in Dartmoor, und mit dabei waren genau diejenigen, an deren Seite ich mich nicht verloren fühlte: Holmes, der Verstandesmensch und Watson, der freundliche, manchmal unbeholfene Begleiter, der für ein wenig Humor sorgte, welcher in schauriger Umgebung ja auch vonnöten ist.<br />
<br />
    Dunkelheit und angsteinflößende Ereignisse gibt es auch im wirklichen Leben, in einem Grundstück mit Haus am Wald vielleicht öfter als anderswo – wenigstens für Kinder, die allein sind und neben großen Fenstern im Erdgeschoss nächtigen. Und deswegen wurden mein Bruder und ich frühzeitig dazu angehalten, uns nicht von Ängsten überwältigen zu lassen und in Gefahrensituationen überlegt zu handeln. Wenn die Eltern ausgingen, erhielt vor allem ich gründliche Instruktionen, wie wir uns in verschiedenen Situationen verhalten sollten. Mein Vater blieb ruhig und sachlich bei solchen Gesprächen, die oft den ganzen Nachmittag andauerten. Ich kam auf die unwahrscheinlichsten und abenteuerlichsten Geschichten, fragte ihm geradezu Löcher in den Bauch, und er ging ausführlich auf alles ein, fand für jedes Problem eine Lösung. Manches erstaunte mich und war doch einleuchtend: Ist jemand draußen vor dem Haus, schalte man kein Licht ein – denn tut man das, wird man gesehen – sondern nutze die Dunkelheit, um möglichst unbemerkt nachzusehen, was dort los ist.<br />
<br />
     Waren die Eltern gegangen, fühlte ich mich gut gerüstet für die Stunden ohne sie. Meinem Bruder habe ich hin und wieder Angst eingejagt, denn ein wenig Spaß musste ja sein, aber ich war für ihn verantwortlich und bereit, sowohl uns als auch Haus samt Kinderzimmer zu verteidigen. Dazu hatte ich meine Indianerspielsachen, Plastik-Dolch und Tomahawk, aber auch ganz handfeste Dinge wie einen Eimer mit kaltem Wasser auf dem Balkon, mit dem ich ungebetene Gäste in die Flucht schlagen wollte. Nicht zu vergessen die Telefonliste, um Nachbarn oder Polizei zu rufen. Benötigt haben wir all das nie, aber wir waren vorbereitet. Vorbereitungen sind ein gutes Mittel gegen Ängste, das gilt nicht nur für Kinder. <br />
<br />
    Wenn sich Filmemacher solcher Idole annehmen und alten Stoff neu aufbereiten, bin ich hin und hergerissen zwischen Neugier und Misstrauen. Ein moderner Sherlock Holmes kann nicht an die Stelle des Detektivs treten, den ich als Kind bewundert habe. Denn der ist ein Teil meiner Erinnerungen wie der alte Fernseher, das Wohnzimmer und das Kissen neben mir auf dem Sofa.</div>

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			<dc:creator>Marcia</dc:creator>
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		<item>
			<title>Herumwutzen mit Heraclius</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/224-herumwutzen-mit-heraclius.html</link>
			<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 05:39:00 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Heraclius oder Eraclius ist ein spätantiker, nach der vorherrschenden Meinung der Fachwelt frühmittelalterlicher Autor, der ein Werk namens "Farben und Künste der Römer" hinterlassen hat. Das Werk ist bunt, entstehungsgeschichtlich und inhaltlich. Einige Kapitel sind in Versen abgefasst, andere...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Heraclius oder Eraclius ist ein spätantiker, nach der vorherrschenden Meinung der Fachwelt frühmittelalterlicher Autor, der ein Werk namens &quot;Farben und Künste der Römer&quot; hinterlassen hat. Das Werk ist bunt, entstehungsgeschichtlich und inhaltlich. Einige Kapitel sind in Versen abgefasst, andere ähneln Kochrezepten, andere sind Kochrezepte. Einig sind sich alle: einen &quot;Heraclius&quot; hat es vermutlich nie gegeben, hier hat jemand viele Quellen und Gerüchte zusammengetragen und den klingenden Namen drangehängt.<br />
<br />
Sich mit dem Heraclius auseinanderzusetzen bedeutet erst einmal, sich die relevanten Informationen zusammenzusuchen. In vier Fünfteln des Buches gibt er nämlich Rezepte und Tipps zur Herstellung von Vergoldungen, Keramik- und Glasbemalungen und Buntglasherstellungen. Ein weiterer Teil ist der Herstellung von Farben und Tinten zugewiesen, und hier wird es interessant. Kann man wirklich eine &quot;Grüne Tinte zum Schreiben&quot; mit Essig und starkem Honig herstellen, und wenn ja, was macht den Honig stark, und was für eine Wirkung wird intendiert, wenn das Gefäss mit der grünwerdensollenden Mischung zehn Tage mit Mist bedeckt wird? Warmhalten? Manche Experimente möchte man einfach nicht machen.<br />
<br />
Andere sollte man nicht machen, Bleiweiss herstellen zum Beispiel. Bleiweiss ist hochgiftig (wenn auch ein richtig schönes Weiss), der Prozess der Herstellung sieht Bleiplatten, ein Eichenholzgefäß und Urin vor. Ich kaufe lieber Titanweiss im Laden – Zinkweiss wäre auch nicht schlecht gewesen – und gehe weiter vor wie beschrieben.<br />
<br />
Für die Bereitung eines Malgrundes auf Holz fordert Heraclius fleißiges Polieren des Holzes (geht klar) und anschliessendes Einebnen der Malfläche mit einem Gemisch aus Wachs und Bleiweiss, mit einer heissen Kelle. Kann man machen. Aber man sollte nicht hoffen, auf der Wachsfläche irgendeinen Pinselstrich mit Temperafarben anbringen zu können! Wasserabweisend perlt die Farbe zu kleinen Inseln zusammen. <br />
<br />
Man sollte auch das Gummi Arabicum aus den Farben lassen. Zwar lässt sich aus weissem Pigment, Eiweiss und Leinöl ein tolles Deckweiss mit enormer Deckkraft mischen, aber keine andere Farbe will mehr darauf haften, und das Deckweiss lässt sich in keine andere Farbe mischen. Dennoch muss zugestanden werden: die Stabilität und Haftfähigkeit des Weiss hat sich stark erhöht, nach dem Antrocknen lässt sich das Bild streicheln wie eine Katze, ohne dass man weisse Finger bekommt.<br />
<br />
Aber auch gute Tipps zieht man aus dem alten Werk, die eine viel größere Komplexität hinter dem heute Reproduzierbaren erahnen lassen. Jede Farbe hat zwei zugeordnete Farben zum schattieren (abdunkeln) und höhen (aufhellen): so ist gewährleistet, dass sich die Farben mischen lassen. Moderne Mischtechnik &quot;mische alles mit allem&quot; ging einfach nicht; im Experiment entdecke ich, weshalb ich das Beutelchen mit Rebenschwarz vermutlich bei meinem Lebensende noch nicht aufgebraucht haben werde und weshalb die dunkelbraune italienische Erdfarbe den schönen Namen &quot;Umbra&quot;, Schatten, trägt.<br />
<br />
Grün – Terra Verde – ist das unleidlichste Pigment, und offensichtlich schon immer gewesen. Heraclius beschreibt fünf Methoden, grüne Farbe herzustellen – aus Kupfer, aus Malven, Efeu und anderen Blüten. Ich mische Terra Verde mit Eiweiss und Leinöl, vermale mit Wasserm, die Farbe trocknet und blättert ab. Nun wäre es angelegen, Gummi (&quot;condimentum dicitur gummi&quot;) einzumischen, aber ich habe das Deckweiss noch in schlechter Erinnerung. In schierer Verzweiflung mische ich Gouache in die Pampe. Das ist zwar inauthentisch, aber ich habe nicht ewig Zeit.<br />
<br />
Zeit braucht es allerdings beim Malen mit antiken Farben, und ein bisschen Humor. Die Farben nehmen ausnahmslos nach dem trocknen einen anderen Ton an – das Pompeianischrot und das Ocker wird heller (zum Glück), das Rostrot dunkler, mit hellen Farben gehöhte Bereiche werden gerne wieder dunkel mit nur der Ahnung einer leichten Aufhellung. Aber es macht Spaß. Malen ist mit der Pinselspitze denken, ein intensives Erlebnis. Vor allem, wenn das eigentliche Abenteuer in Experiment, Übung mit und Herstellung der Farben und Techniken besteht.</div>


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