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		<title>Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte - Blogs</title>
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		<description>Community für Geschichtsinteressierte</description>
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			<title>Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte - Blogs</title>
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			<title>Drinnen und draußen</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/jschmidt/229-drinnen-und-drau-en.html</link>
			<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 09:39:42 GMT</pubDate>
			<description>Gibt es ein Leben außerhalb des GF?
Ja, das ist wohl so.


Wie lange kann man draußen ohne GF existieren?
Bis zu 163 Tagen.</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Gibt es ein Leben außerhalb des GF?<br />
Ja, das ist wohl so.<br />
<br />
<br />
Wie lange kann man draußen ohne GF existieren?<br />
Bis zu 163 Tagen.</div>

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			<dc:creator>jschmidt</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Bekanntschaft mit der Flimmerkiste</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/marcia/228-bekanntschaft-mit-der-flimmerkiste.html</link>
			<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 08:48:02 GMT</pubDate>
			<description>Überlege ich, welche Fernsehsendungen mich als Kind beeindruckt haben, fallen mir weder Sandmann, noch Märchenfilme ein, obwohl das schöne, altersgerechte Sachen waren, die ich gern gesehen habe.
    Es muss um den Schulanfang herum gewesen sein, vielleicht auch ein Jahr früher, als ich die ersten Krimis ansehen durfte, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als mein Bruder und ich abends manchmal allein blieben. Die Eltern hatten Theater- und Konzertanrecht und die Großeltern wohnten weit entfernt, einen Babysitter gab es also nicht.
    Eines Abends durfte ich länger als sonst aufbleiben. Mein Bruder, wurde mir gesagt, sei noch zu klein, und außerdem hätte ich ja auch mehr Pflichten. 

    Ich wusste auch schon einiges über den Film, den wir uns ansahen, denn mein Vater hatte mir oft davon erzählt. Er liebte Kriminalfilme, solche nach Edgar Wallace und nach Conan Doyle. Mein erster Krimi war die meiner Meinung nach eindrucksvollste Sherlock-Holmes-Geschichte überhaupt: Der Hund von Baskerville. Ich erinnere mich noch gut an die Atmosphäre im Wohnzimmer, an das Gefühl, etwas aushalten zu müssen und zu dürfen, aber ein Kissen, das ich mir bei allzu gruseligen Szenen vors Gesicht halten wollte, lag auch bereit. Und schaurig war sie, diese Geschichte, die sich um die Bewohner eines Schlosses in Dartmoor rankt und in der es von seltsamen Menschen, geheimnisvollen Vorkommnissen und Nebelschwaden nur so wimmelt. Aber es war nicht nur schaurig-schöne Unterhaltung, sondern auch ein Rätsel, das Sherlock Holmes aufgegeben war und das sogar die Zuschauer mit ein wenig Aufmerksamkeit lösen konnten. Den meisten dieser Kriminalgeschichten lag, hatte mir mein Vater erklärt, ein bestimmtes Schema zugrunde: alte Familienfehden, jemand, der um sein Erbe gebracht worden war und unter neuer Identität und mit Hilfe von Verbrechen doch noch versuchte, sich das Erbe zu verschaffen. Der Mörder trat in den meisten Filmen schon recht früh als unscheinbare Nebenfigur auf. Besonders fasziniert war ich vom Detektiv, der, während andere in Angst und Schrecken verfielen, einen kühlen Kopf behielt und sich auf Tatsachen stützte, statt an vermeintliche Geheimnisse zu glauben. Sherlock Holmes war ein Idol meiner Kindheit, und ich habe später, nachdem ich verschiedene Filme gesehen hatte, alle Holmes-Geschichten gelesen. Kinder erleben Filme anders als Erwachsene, tauchen intensiver ein. An jenem Abend war ich in Dartmoor, und mit dabei waren genau diejenigen, an deren Seite ich mich nicht verloren fühlte: Holmes, der Verstandesmensch und Watson, der freundliche, manchmal unbeholfene Begleiter, der für ein wenig Humor sorgte, welcher in schauriger Umgebung ja auch vonnöten ist.

    Dunkelheit und angsteinflößende Ereignisse gibt es auch im wirklichen Leben, in einem Grundstück mit Haus am Wald vielleicht öfter als anderswo – wenigstens für Kinder, die allein sind und neben großen Fenstern im Erdgeschoss nächtigen. Und deswegen wurden mein Bruder und ich frühzeitig dazu angehalten, uns nicht von Ängsten überwältigen zu lassen und in Gefahrensituationen überlegt zu handeln. Wenn die Eltern ausgingen, erhielt vor allem ich gründliche Instruktionen, wie wir uns in verschiedenen Situationen verhalten sollten. Mein Vater blieb ruhig und sachlich bei solchen Gesprächen, die oft den ganzen Nachmittag andauerten. Ich kam auf die unwahrscheinlichsten und abenteuerlichsten Geschichten, fragte ihm geradezu Löcher in den Bauch, und er ging ausführlich auf alles ein, fand für jedes Problem eine Lösung. Manches erstaunte mich und war doch einleuchtend: Ist jemand draußen vor dem Haus, schalte man kein Licht ein – denn tut man das, wird man gesehen – sondern nutze die Dunkelheit, um möglichst unbemerkt nachzusehen, was dort los ist.

     Waren die Eltern gegangen, fühlte ich mich gut gerüstet für die Stunden ohne sie. Meinem Bruder habe ich hin und wieder Angst eingejagt, denn ein wenig Spaß musste ja sein, aber ich war für ihn verantwortlich und bereit, sowohl uns als auch Haus samt Kinderzimmer zu verteidigen. Dazu hatte ich meine Indianerspielsachen, Plastik-Dolch und Tomahawk, aber auch ganz handfeste Dinge wie einen Eimer mit kaltem Wasser auf dem Balkon, mit dem ich ungebetene Gäste in die Flucht schlagen wollte. Nicht zu vergessen die Telefonliste, um Nachbarn oder Polizei zu rufen. Benötigt haben wir all das nie, aber wir waren vorbereitet. Vorbereitungen sind ein gutes Mittel gegen Ängste, das gilt nicht nur für Kinder. 

    Wenn sich Filmemacher solcher Idole annehmen und alten Stoff neu aufbereiten, bin ich hin und hergerissen zwischen Neugier und Misstrauen. Ein moderner Sherlock Holmes kann nicht an die Stelle des Detektivs treten, den ich als Kind bewundert habe. Denn der ist ein Teil meiner Erinnerungen wie der alte Fernseher, das Wohnzimmer und das Kissen neben mir auf dem Sofa.</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Überlege ich, welche Fernsehsendungen mich als Kind beeindruckt haben, fallen mir weder Sandmann, noch Märchenfilme ein, obwohl das schöne, altersgerechte Sachen waren, die ich gern gesehen habe.<br />
    Es muss um den Schulanfang herum gewesen sein, vielleicht auch ein Jahr früher, als ich die ersten Krimis ansehen durfte, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als mein Bruder und ich abends manchmal allein blieben. Die Eltern hatten Theater- und Konzertanrecht und die Großeltern wohnten weit entfernt, einen Babysitter gab es also nicht.<br />
    Eines Abends durfte ich länger als sonst aufbleiben. Mein Bruder, wurde mir gesagt, sei noch zu klein, und außerdem hätte ich ja auch mehr Pflichten. <br />
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    Ich wusste auch schon einiges über den Film, den wir uns ansahen, denn mein Vater hatte mir oft davon erzählt. Er liebte Kriminalfilme, solche nach Edgar Wallace und nach Conan Doyle. Mein erster Krimi war die meiner Meinung nach eindrucksvollste Sherlock-Holmes-Geschichte überhaupt: Der Hund von Baskerville. Ich erinnere mich noch gut an die Atmosphäre im Wohnzimmer, an das Gefühl, etwas aushalten zu müssen und zu dürfen, aber ein Kissen, das ich mir bei allzu gruseligen Szenen vors Gesicht halten wollte, lag auch bereit. Und schaurig war sie, diese Geschichte, die sich um die Bewohner eines Schlosses in Dartmoor rankt und in der es von seltsamen Menschen, geheimnisvollen Vorkommnissen und Nebelschwaden nur so wimmelt. Aber es war nicht nur schaurig-schöne Unterhaltung, sondern auch ein Rätsel, das Sherlock Holmes aufgegeben war und das sogar die Zuschauer mit ein wenig Aufmerksamkeit lösen konnten. Den meisten dieser Kriminalgeschichten lag, hatte mir mein Vater erklärt, ein bestimmtes Schema zugrunde: alte Familienfehden, jemand, der um sein Erbe gebracht worden war und unter neuer Identität und mit Hilfe von Verbrechen doch noch versuchte, sich das Erbe zu verschaffen. Der Mörder trat in den meisten Filmen schon recht früh als unscheinbare Nebenfigur auf. Besonders fasziniert war ich vom Detektiv, der, während andere in Angst und Schrecken verfielen, einen kühlen Kopf behielt und sich auf Tatsachen stützte, statt an vermeintliche Geheimnisse zu glauben. Sherlock Holmes war ein Idol meiner Kindheit, und ich habe später, nachdem ich verschiedene Filme gesehen hatte, alle Holmes-Geschichten gelesen. Kinder erleben Filme anders als Erwachsene, tauchen intensiver ein. An jenem Abend war ich in Dartmoor, und mit dabei waren genau diejenigen, an deren Seite ich mich nicht verloren fühlte: Holmes, der Verstandesmensch und Watson, der freundliche, manchmal unbeholfene Begleiter, der für ein wenig Humor sorgte, welcher in schauriger Umgebung ja auch vonnöten ist.<br />
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    Dunkelheit und angsteinflößende Ereignisse gibt es auch im wirklichen Leben, in einem Grundstück mit Haus am Wald vielleicht öfter als anderswo – wenigstens für Kinder, die allein sind und neben großen Fenstern im Erdgeschoss nächtigen. Und deswegen wurden mein Bruder und ich frühzeitig dazu angehalten, uns nicht von Ängsten überwältigen zu lassen und in Gefahrensituationen überlegt zu handeln. Wenn die Eltern ausgingen, erhielt vor allem ich gründliche Instruktionen, wie wir uns in verschiedenen Situationen verhalten sollten. Mein Vater blieb ruhig und sachlich bei solchen Gesprächen, die oft den ganzen Nachmittag andauerten. Ich kam auf die unwahrscheinlichsten und abenteuerlichsten Geschichten, fragte ihm geradezu Löcher in den Bauch, und er ging ausführlich auf alles ein, fand für jedes Problem eine Lösung. Manches erstaunte mich und war doch einleuchtend: Ist jemand draußen vor dem Haus, schalte man kein Licht ein – denn tut man das, wird man gesehen – sondern nutze die Dunkelheit, um möglichst unbemerkt nachzusehen, was dort los ist.<br />
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     Waren die Eltern gegangen, fühlte ich mich gut gerüstet für die Stunden ohne sie. Meinem Bruder habe ich hin und wieder Angst eingejagt, denn ein wenig Spaß musste ja sein, aber ich war für ihn verantwortlich und bereit, sowohl uns als auch Haus samt Kinderzimmer zu verteidigen. Dazu hatte ich meine Indianerspielsachen, Plastik-Dolch und Tomahawk, aber auch ganz handfeste Dinge wie einen Eimer mit kaltem Wasser auf dem Balkon, mit dem ich ungebetene Gäste in die Flucht schlagen wollte. Nicht zu vergessen die Telefonliste, um Nachbarn oder Polizei zu rufen. Benötigt haben wir all das nie, aber wir waren vorbereitet. Vorbereitungen sind ein gutes Mittel gegen Ängste, das gilt nicht nur für Kinder. <br />
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    Wenn sich Filmemacher solcher Idole annehmen und alten Stoff neu aufbereiten, bin ich hin und hergerissen zwischen Neugier und Misstrauen. Ein moderner Sherlock Holmes kann nicht an die Stelle des Detektivs treten, den ich als Kind bewundert habe. Denn der ist ein Teil meiner Erinnerungen wie der alte Fernseher, das Wohnzimmer und das Kissen neben mir auf dem Sofa.</div>

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			<dc:creator>Marcia</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Herumwutzen mit Heraclius</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/224-herumwutzen-mit-heraclius.html</link>
			<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 05:39:00 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Heraclius oder Eraclius ist ein spätantiker, nach der vorherrschenden Meinung der Fachwelt frühmittelalterlicher Autor, der ein Werk namens "Farben und Künste der Römer" hinterlassen hat. Das Werk ist bunt, entstehungsgeschichtlich und inhaltlich. Einige Kapitel sind in Versen abgefasst, andere ähneln Kochrezepten, andere sind Kochrezepte. Einig sind sich alle: einen "Heraclius" hat es vermutlich nie gegeben, hier hat jemand viele Quellen und Gerüchte zusammengetragen und den klingenden Namen drangehängt.

Sich mit dem Heraclius auseinanderzusetzen bedeutet erst einmal, sich die relevanten Informationen zusammenzusuchen. In vier Fünfteln des Buches gibt er nämlich Rezepte und Tipps zur Herstellung von Vergoldungen, Keramik- und Glasbemalungen und Buntglasherstellungen. Ein weiterer Teil ist der Herstellung von Farben und Tinten zugewiesen, und hier wird es interessant. Kann man wirklich eine "Grüne Tinte zum Schreiben" mit Essig und starkem Honig herstellen, und wenn ja, was macht den Honig stark, und was für eine Wirkung wird intendiert, wenn das Gefäss mit der grünwerdensollenden Mischung zehn Tage mit Mist bedeckt wird? Warmhalten? Manche Experimente möchte man einfach nicht machen.

Andere sollte man nicht machen, Bleiweiss herstellen zum Beispiel. Bleiweiss ist hochgiftig (wenn auch ein richtig schönes Weiss), der Prozess der Herstellung sieht Bleiplatten, ein Eichenholzgefäß und Urin vor. Ich kaufe lieber Titanweiss im Laden – Zinkweiss wäre auch nicht schlecht gewesen – und gehe weiter vor wie beschrieben.

Für die Bereitung eines Malgrundes auf Holz fordert Heraclius fleißiges Polieren des Holzes (geht klar) und anschliessendes Einebnen der Malfläche mit einem Gemisch aus Wachs und Bleiweiss, mit einer heissen Kelle. Kann man machen. Aber man sollte nicht hoffen, auf der Wachsfläche irgendeinen Pinselstrich mit Temperafarben anbringen zu können! Wasserabweisend perlt die Farbe zu kleinen Inseln zusammen. 

Man sollte auch das Gummi Arabicum aus den Farben lassen. Zwar lässt sich aus weissem Pigment, Eiweiss und Leinöl ein tolles Deckweiss mit enormer Deckkraft mischen, aber keine andere Farbe will mehr darauf haften, und das Deckweiss lässt sich in keine andere Farbe mischen. Dennoch muss zugestanden werden: die Stabilität und Haftfähigkeit des Weiss hat sich stark erhöht, nach dem Antrocknen lässt sich das Bild streicheln wie eine Katze, ohne dass man weisse Finger bekommt.

Aber auch gute Tipps zieht man aus dem alten Werk, die eine viel größere Komplexität hinter dem heute Reproduzierbaren erahnen lassen. Jede Farbe hat zwei zugeordnete Farben zum schattieren (abdunkeln) und höhen (aufhellen): so ist gewährleistet, dass sich die Farben mischen lassen. Moderne Mischtechnik "mische alles mit allem" ging einfach nicht; im Experiment entdecke ich, weshalb ich das Beutelchen mit Rebenschwarz vermutlich bei meinem Lebensende noch nicht aufgebraucht haben werde und weshalb die dunkelbraune italienische Erdfarbe den schönen Namen "Umbra", Schatten, trägt.

Grün – Terra Verde – ist das unleidlichste Pigment, und offensichtlich schon immer gewesen. Heraclius beschreibt fünf Methoden, grüne Farbe herzustellen – aus Kupfer, aus Malven, Efeu und anderen Blüten. Ich mische Terra Verde mit Eiweiss und Leinöl, vermale mit Wasserm, die Farbe trocknet und blättert ab. Nun wäre es angelegen, Gummi ("condimentum dicitur gummi") einzumischen, aber ich habe das Deckweiss noch in schlechter Erinnerung. In schierer Verzweiflung mische ich Gouache in die Pampe. Das ist zwar inauthentisch, aber ich habe nicht ewig Zeit.

Zeit braucht es allerdings beim Malen mit antiken Farben, und ein bisschen Humor. Die Farben nehmen ausnahmslos nach dem trocknen einen anderen Ton an – das Pompeianischrot und das Ocker wird heller (zum Glück), das Rostrot dunkler, mit hellen Farben gehöhte Bereiche werden gerne wieder dunkel mit nur der Ahnung einer leichten Aufhellung. Aber es macht Spaß. Malen ist mit der Pinselspitze denken, ein intensives Erlebnis. Vor allem, wenn das eigentliche Abenteuer in Experiment, Übung mit und Herstellung der Farben und Techniken besteht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Heraclius oder Eraclius ist ein spätantiker, nach der vorherrschenden Meinung der Fachwelt frühmittelalterlicher Autor, der ein Werk namens &quot;Farben und Künste der Römer&quot; hinterlassen hat. Das Werk ist bunt, entstehungsgeschichtlich und inhaltlich. Einige Kapitel sind in Versen abgefasst, andere ähneln Kochrezepten, andere sind Kochrezepte. Einig sind sich alle: einen &quot;Heraclius&quot; hat es vermutlich nie gegeben, hier hat jemand viele Quellen und Gerüchte zusammengetragen und den klingenden Namen drangehängt.<br />
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Sich mit dem Heraclius auseinanderzusetzen bedeutet erst einmal, sich die relevanten Informationen zusammenzusuchen. In vier Fünfteln des Buches gibt er nämlich Rezepte und Tipps zur Herstellung von Vergoldungen, Keramik- und Glasbemalungen und Buntglasherstellungen. Ein weiterer Teil ist der Herstellung von Farben und Tinten zugewiesen, und hier wird es interessant. Kann man wirklich eine &quot;Grüne Tinte zum Schreiben&quot; mit Essig und starkem Honig herstellen, und wenn ja, was macht den Honig stark, und was für eine Wirkung wird intendiert, wenn das Gefäss mit der grünwerdensollenden Mischung zehn Tage mit Mist bedeckt wird? Warmhalten? Manche Experimente möchte man einfach nicht machen.<br />
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Andere sollte man nicht machen, Bleiweiss herstellen zum Beispiel. Bleiweiss ist hochgiftig (wenn auch ein richtig schönes Weiss), der Prozess der Herstellung sieht Bleiplatten, ein Eichenholzgefäß und Urin vor. Ich kaufe lieber Titanweiss im Laden – Zinkweiss wäre auch nicht schlecht gewesen – und gehe weiter vor wie beschrieben.<br />
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Für die Bereitung eines Malgrundes auf Holz fordert Heraclius fleißiges Polieren des Holzes (geht klar) und anschliessendes Einebnen der Malfläche mit einem Gemisch aus Wachs und Bleiweiss, mit einer heissen Kelle. Kann man machen. Aber man sollte nicht hoffen, auf der Wachsfläche irgendeinen Pinselstrich mit Temperafarben anbringen zu können! Wasserabweisend perlt die Farbe zu kleinen Inseln zusammen. <br />
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Man sollte auch das Gummi Arabicum aus den Farben lassen. Zwar lässt sich aus weissem Pigment, Eiweiss und Leinöl ein tolles Deckweiss mit enormer Deckkraft mischen, aber keine andere Farbe will mehr darauf haften, und das Deckweiss lässt sich in keine andere Farbe mischen. Dennoch muss zugestanden werden: die Stabilität und Haftfähigkeit des Weiss hat sich stark erhöht, nach dem Antrocknen lässt sich das Bild streicheln wie eine Katze, ohne dass man weisse Finger bekommt.<br />
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Aber auch gute Tipps zieht man aus dem alten Werk, die eine viel größere Komplexität hinter dem heute Reproduzierbaren erahnen lassen. Jede Farbe hat zwei zugeordnete Farben zum schattieren (abdunkeln) und höhen (aufhellen): so ist gewährleistet, dass sich die Farben mischen lassen. Moderne Mischtechnik &quot;mische alles mit allem&quot; ging einfach nicht; im Experiment entdecke ich, weshalb ich das Beutelchen mit Rebenschwarz vermutlich bei meinem Lebensende noch nicht aufgebraucht haben werde und weshalb die dunkelbraune italienische Erdfarbe den schönen Namen &quot;Umbra&quot;, Schatten, trägt.<br />
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Grün – Terra Verde – ist das unleidlichste Pigment, und offensichtlich schon immer gewesen. Heraclius beschreibt fünf Methoden, grüne Farbe herzustellen – aus Kupfer, aus Malven, Efeu und anderen Blüten. Ich mische Terra Verde mit Eiweiss und Leinöl, vermale mit Wasserm, die Farbe trocknet und blättert ab. Nun wäre es angelegen, Gummi (&quot;condimentum dicitur gummi&quot;) einzumischen, aber ich habe das Deckweiss noch in schlechter Erinnerung. In schierer Verzweiflung mische ich Gouache in die Pampe. Das ist zwar inauthentisch, aber ich habe nicht ewig Zeit.<br />
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Zeit braucht es allerdings beim Malen mit antiken Farben, und ein bisschen Humor. Die Farben nehmen ausnahmslos nach dem trocknen einen anderen Ton an – das Pompeianischrot und das Ocker wird heller (zum Glück), das Rostrot dunkler, mit hellen Farben gehöhte Bereiche werden gerne wieder dunkel mit nur der Ahnung einer leichten Aufhellung. Aber es macht Spaß. Malen ist mit der Pinselspitze denken, ein intensives Erlebnis. Vor allem, wenn das eigentliche Abenteuer in Experiment, Übung mit und Herstellung der Farben und Techniken besteht.</div>


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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Anfrage</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/markus-strobel/223-anfrage.html</link>
			<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 17:03:37 GMT</pubDate>
			<description>

Beim Ausheben einer Baugrube konnte ich ein seltsames  Profil feststellen. In das umliegende Gestein(Lehm mit Steinen) sticht ein ca. 80 cm breites rotes Band ab. Es besteht aus rotem Ton ohne Steine. Es scheint sich um einen Graben zu handeln, der lange Zeit Wasser führte. 
Geologen vom Rieskrater Museum Nördlingen machten Bilder und entnahmen eine Bodeprobe. Sie erklärten, dass es sich um etwas sehr Altes handeln müsse, dass sie nicht sagen könnten, um was es sich handelt. Das umliegende Gebiet trägt den Flurnamen Weinberg und ist terrassenförmig. Gehorte es zu einem alten mittelalterlichen Bewässerungssystem? Ungefähr 500 m vom Rand des Abhangs führt ein kleines Gewässer vorbei, das aber durch ein etwas abhängiges Gelände getrennt 
ist. Ist es möglich, dass von dort Wasser herangeführt wurde?</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>[FONT=Dotum] [/FONT]<br />
[FONT=Dotum] [/FONT]<br />
[FONT=Dotum]Beim Ausheben einer Baugrube konnte ich ein seltsames  Profil feststellen. In das umliegende Gestein(Lehm mit Steinen) sticht ein ca. 80 cm breites rotes Band ab. Es besteht aus rotem Ton ohne Steine. Es scheint sich um einen Graben zu handeln, der lange Zeit Wasser führte. [/FONT]<br />
[FONT=Dotum]Geologen vom Rieskrater Museum Nördlingen machten Bilder und entnahmen eine Bodeprobe. Sie erklärten, dass es sich um etwas sehr Altes handeln müsse, dass sie nicht sagen könnten, um was es sich handelt. Das umliegende Gebiet trägt den Flurnamen Weinberg und ist terrassenförmig. Gehorte es zu einem alten mittelalterlichen Bewässerungssystem? Ungefähr 500 m vom Rand des Abhangs führt ein kleines Gewässer vorbei, das aber durch ein etwas abhängiges Gelände getrennt [/FONT]<br />
[FONT=Dotum]ist. Ist es möglich, dass von dort Wasser herangeführt wurde?[/FONT][FONT=Dotum] [/FONT]</div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>Markus Strobel</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Das mit dem das mit dem</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/217-das-mit-dem-das-mit-dem.html</link>
			<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 08:09:38 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA["Ich verstehe das mit dem Absolutismus nicht" heisst es in den Hilferufen, "Ich verstehe das mit der römischen Republik nicht". Was ist es, das scheinbar der ganzen Geschichte zueigen ist, was ist es, das nicht verstanden wird, gewissermaßen der omnipräsente Knochen der Geschichte, der im leckeren Hühnchen des historischen Wissens quersitzt und zu kognitiven Erstickungsanfällen führt.   

Wenn ich das das mit dem nicht verstehe, verstehe ich ein Nichts nicht, denn ich verstehe nicht, was denn das das mit dem denn nun sein soll. Ist es ein "Problem"? Ist ein ein "Themenspektrum"? oder einfach nur ein "Ding"? Das einfache Einfüllen eines Wortes in das "das mit dem" bewirkt 100% Sinngewinn.

Und gleichzeitig klinge ich 100% klüger. "Ich verstehe das Problem des Merkantilismus nicht" klingt schon so, als würde ich den Merkantilismus selber eigentlich doch verstehen. Andere Worte sind noch zauberkräftiger. "Ich verstehe die Entwicklung der römischen Republik von Cato bis Sulla nicht" ist eine Aussage, der sich mit Freuden Heerscharen von weißbärtigen Professoren anschließen möchten, denn wer versteht die schon?

Beleidigt wendet sich der Fisch vom Haken, wenn der schmuck- und wurmlos vor ihm im Wasser hängt. Wer mit "das mit dem" nach Wissen fischt, fängt die kleinen Fische und die Wikilinks. Wer leckere Häppchen und Wörtchen dran tanzen lässt wie "Struktur", "Komplexität", "Phasengliederung", "soziokulturellen Aspekte", dem baumeln bald die fettesten Fische dran. Wer mit Worten ködert, wird Worte kriegen. So einfach ist das. 
:angeln:

Lesen muss dann die dann aber auch …]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>&quot;Ich verstehe das mit dem Absolutismus nicht&quot; heisst es in den Hilferufen, &quot;Ich verstehe das mit der römischen Republik nicht&quot;. Was ist es, das scheinbar der ganzen Geschichte zueigen ist, was ist es, das nicht verstanden wird, gewissermaßen der omnipräsente Knochen der Geschichte, der im leckeren Hühnchen des historischen Wissens quersitzt und zu kognitiven Erstickungsanfällen führt.   <br />
<br />
Wenn ich das <i>das mit dem</i> nicht verstehe, verstehe ich ein Nichts nicht, denn ich verstehe nicht, was denn das <i>das mit dem </i>denn nun sein soll. Ist es ein &quot;Problem&quot;? Ist ein ein &quot;Themenspektrum&quot;? oder einfach nur ein &quot;Ding&quot;? Das einfache Einfüllen eines Wortes in das &quot;das mit dem&quot; bewirkt 100% Sinngewinn.<br />
<br />
Und gleichzeitig klinge ich 100% klüger. &quot;Ich verstehe das Problem des Merkantilismus nicht&quot; klingt schon so, als würde ich den Merkantilismus selber eigentlich doch verstehen. Andere Worte sind noch zauberkräftiger. &quot;Ich verstehe die Entwicklung der römischen Republik von Cato bis Sulla nicht&quot; ist eine Aussage, der sich mit Freuden Heerscharen von weißbärtigen Professoren anschließen möchten, denn wer versteht die schon?<br />
<br />
Beleidigt wendet sich der Fisch vom Haken, wenn der schmuck- und wurmlos vor ihm im Wasser hängt. Wer mit &quot;das mit dem&quot; nach Wissen fischt, fängt die kleinen Fische und die Wikilinks. Wer leckere Häppchen und Wörtchen dran tanzen lässt wie &quot;Struktur&quot;, &quot;Komplexität&quot;, &quot;Phasengliederung&quot;, &quot;soziokulturellen Aspekte&quot;, dem baumeln bald die fettesten Fische dran. Wer mit Worten ködert, wird Worte kriegen. So einfach ist das. <br />
:angeln:<br />
<br />
Lesen muss dann die dann aber auch …</div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Baut Wasserrutschen!</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/212-baut-wasserrutschen.html</link>
			<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 12:15:53 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Die meisten Rätsel wollen gar keine sein, sondern sind einfach nur verschüttete, verlorene, schlecht konservierte Informationen. Im Gegensatz zum Mainstream heutiger Mystery-Thriller à la Dan Brown beantragen die Hüter alter Wissensschätze heute eher erfolglos Fördergelder bei Bildungsministerien, als dass sie ihre Tätigkeit als erfolgreichen Geheim-Nebenjob zum offiziellen Elitenstatus betreiben. Nichts würden sie lieber tun, als ihr verborgenes Wissen ans Tageslicht zu rücken. Aber dafür stehen nur begrenzte Budgets zur Verfügung.

Und Geheimnisse gibt es schon gar nicht. Der blinde Musiker Moondog sagte "oh, a secret is what no one knows". Wer hinter ein solches Geheimnis kommen möchte, hat es dann doch wieder vor sich stehen. Geheimnisse sind spröde, oft witzlos, und in der Regel der Fälle enttäuschend. Faszinierende Fragen haben dröge Antworten. Man wollte den Träger der berühmten Kalkrieser Reitermaske rekonstruieren, tolle Frage, wie sah der Mann hinter der Maske aus? Heraus kam ein häßlicher Kerl mit zerknautschter Visage. Das hat sich auch keiner erhofft.

Wir wollen gar keine Rätsel lösen, wir haben es lieber, wenn sich alles so darstellt, wie wir es erwünscht/erhofft haben. Die Wunschvorstellung soll es sein und nicht das bare Faktum. Seit wir gelernt haben, bunt zu träumen und unsere Vorstellungskraft zu vermarkten, passen sich die Rätsellösungen Zielgruppen und Trends an: das Gerüst des Bekannten schalt ein Bild ein, das Ähnlichkeit mit unserem Leben hat, weil wir das so sehen wollen. 

Als Gustave Flaubert "Salammbo" schrieb, wollte er dieser Erwartungshaltung mit einer Überdosis Fremdheit das Ende bereiten – sträflich hatte er die Aufnahmefähigkeit seiner Zuhörer unterschätzt. Historische Romane waren nicht neu: meistens langweilige Projektionen christlicher ("Quo Vadis", "Die letzten Tage von Pompeji") Tugenden ("Ivanhoe", "Ein Kampf um Rom"). "Salammbo" wurde erfolgreich und maßgeblich: wie oft in diesem Fall, versuchten dutzende anderer Authoren, das Vorbild nach Möglichkeit (z.B. durch den Einsatz vorbildlicher Charaktere und christlicher Ethik) zu unterbieten. Heute versucht Gisbert Haefs, die von Flaubert gesetzte Marke zu überspringen, aber dafür ist er zu dick (der Haefs).

Immerhin rückte durch Flaubert Karthago in ein Rampenlicht der Imagination und Mystifizierung, das es bis heute nicht verlassen hat – zumal im Heimatland Tunesien. Der ganze Stadtteil des Villenvororts Carthage zwischen Byrsa und Häfen heißt heute "Salammbo" (und zwei weitere Stationen der TGM-Bahn heißen "Hannibal" und "Hamilcar"). In der Umgebung von Tunis hat das sogenannte Tanith-Zeichen Einzug in die islamisch-folkloristische Bildsprache der Touristenkramverkäufer gefunden; neben den Fischen und Fatimahänden gibt es das fremdartige Damentoilettensymbol der Tanith in allen vorstellbaren Ausprägungen und Anwendungsformen. Und natürlich Elefanten: auf die stößt man überall, schließlich hat Hannibal … genau. 

Die kulturelle Bereicherung durch die Reanimation ausgestorbener Kulturen ist immens. Nichtsdestotrotz hat man angesichts der grünlichen Kunstharzelefanten vor der "Medina" der Hotelzone in Hammamet die Befürchtung, dass die Kultur eher einen Zombie-Status als eine tatsächliche Wiederbelebung bekommen hat; die Existenz und Ausschmückung es Wasserrutschenparks "Carthage Land" bestätigt die Befürchtung. Die Bereicherung beschränkt sich auf die fromale Sprache, nicht auf irgendwelche kulturellen Hintergründe und Sinnstrukturen. Selbst der übelste Kelten- und Druidenmumpitz hat hier mehr Bezug zur historischen Vorlage.

Und braucht man diesen Bezug überhaupt? in einem Souvenirshop wird ein nettes Buch angeboten, welches das Leben und Treiben der Karthager als bunt, hübsch und geordnet darstellt, mit freundlichen Händlern und sauberen Bibliotheken (http://livre.fnac.com/a1981025/Viviane-Bettaieb-Carthage-la-cite-d-Hannibal?PID=1). Gewissermaßen das kinderfreundliche Gegenprogramm zum bluttriefenden Karthago Flauberts (und, in gewisser Weise, auch Diodorus Siculus'). Natürlich ist in dem schönen Pop-Up Buch das Kapitel RELIGION so ausgeklammert wie es bei Flaubert ausgewalzt ist. Natürlich … das Kinderbuch hat pädagogische Ziele, wer möchte einem Kind (als potenziell Betroffenem einer Wiederbelebung gerade dieses Aspektes der Kultur) z. B. Kinderopfer nahe bringen? oder höllische Grausamkeit, Sklavenvernichtung in den Steinbrüchen, Hinrichtung am Kreuz, Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen und die hellenistischen Eskapaden (Agathokles' Version des "Stier des Phalaris" z. B., der von Diodoros Siculus dann zur karthagischen Opfermaschine weitergesponnen wird, offensichtlich hatte Diodor ein Ding damit laufen) … das muss man Kindern nicht unbedingt antun.

Damit stecken wir knietief im Problem "historische Rätsel für Zielgruppen". Die Rückkehr Karthagos auf der Wasserrutsche und das bunte Bilderbuch der netten Händler in Hannibals Stadt, das ganze Experimentieren mit den Überbleibseln Karthagos ist im Kontext des heutigen Tunesien allerdings eine Öffnung und ein Statement: ein Statement kultureller Autonomie angesichts jahrhunderte-, jahrtausendelanger Perioden der Kolonialisierung und Unterdrückung; eine Öffnung für neue, unkonventionelle Weltbilder in einer traditionell starr fixierten Kultursphäre. Auf einer Kosten/Nutzenrechnung ist das nicht nur ein monetärer Gewinn (nebenbei: man sollte nicht den kulturellen Wert von Wohlstand unterschätzen – wer die Kunst arm und hehren Idealen verbunden sehen möchte, hat meistens noch gut zu Mittag gegessen).

Wir haben vorhin festgestellt, dass die moderne populäre Perzeption Karthagos bunt, quietschig und verfälschend ist, aber man kann getrost antworten: das war die alte "fachliche" Perzeption auch. Vertiefung des Wissens und der Aufmerksamkeit erfordert Öffentlichkeit. Öffentlichkeit liebt es bunt, quietschig und zumindest einseitig. In der Zusammenwirkung wird dadurch ein retrospektiver Multikulturalismus, der sich auch in die Gegenwart weiter erstrecken kann (und natürlich in das Zusammenleben der Zukunft). Wenn sich angesichts der Kunstharzelefanten und der Wasserrutschen die Nackenhaare und Zehennägel der "ernsten" Wissenschaftler sträuben mögen, sollte man bedenken, dass Spass und Staunen in der Komödie dasselbe bewirken, was in der Tragödie durch Schrecken und Mitleid erzeugt wird: Lerneffekt, Konnotation, Sympathie. Als Vorbedingung für ernste Beschäftigung mit einem Thema ist das unerlässlich. Baut Wasserrutschen! Wer weiss, vielleicht wird eines der Kinder, die heute jauchzend im "Carthage Land" herumsausen, eines Tages in einem Forschungsprojekt das Leben im antiken Karthago in völlig neues Licht rücken. Oder in einem Vergabeausschuss für eine Unterstützung des Projekts stimmen.

Bild: http://www.geschichtsforum.de/members/mummius-picius-albums-bilder-aus-tunesien-picture1567-die-kunstharzelefanten-vor-der-medina.jpg 


Bild: http://www.geschichtsforum.de/members/mummius-picius-albums-bilder-aus-tunesien-picture1566-carthage-land-siehe-blog.jpg ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Die meisten Rätsel wollen gar keine sein, sondern sind einfach nur verschüttete, verlorene, schlecht konservierte Informationen. Im Gegensatz zum Mainstream heutiger Mystery-Thriller à la Dan Brown beantragen die Hüter alter Wissensschätze heute eher erfolglos Fördergelder bei Bildungsministerien, als dass sie ihre Tätigkeit als erfolgreichen Geheim-Nebenjob zum offiziellen Elitenstatus betreiben. Nichts würden sie lieber tun, als ihr verborgenes Wissen ans Tageslicht zu rücken. Aber dafür stehen nur begrenzte Budgets zur Verfügung.<br />
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Und Geheimnisse gibt es schon gar nicht. Der blinde Musiker Moondog sagte &quot;oh, a secret is what no one knows&quot;. Wer hinter ein solches Geheimnis kommen möchte, hat es dann doch wieder vor sich stehen. Geheimnisse sind spröde, oft witzlos, und in der Regel der Fälle enttäuschend. Faszinierende Fragen haben dröge Antworten. Man wollte den Träger der berühmten Kalkrieser Reitermaske rekonstruieren, tolle Frage, wie sah der Mann hinter der Maske aus? Heraus kam ein häßlicher Kerl mit zerknautschter Visage. Das hat sich auch keiner erhofft.<br />
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Wir wollen gar keine Rätsel lösen, wir haben es lieber, wenn sich alles so darstellt, wie wir es erwünscht/erhofft haben. Die Wunschvorstellung soll es sein und nicht das bare Faktum. Seit wir gelernt haben, bunt zu träumen und unsere Vorstellungskraft zu vermarkten, passen sich die Rätsellösungen Zielgruppen und Trends an: das Gerüst des Bekannten schalt ein Bild ein, das Ähnlichkeit mit unserem Leben hat, weil wir das so sehen wollen. <br />
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Als Gustave Flaubert &quot;Salammbo&quot; schrieb, wollte er dieser Erwartungshaltung mit einer Überdosis Fremdheit das Ende bereiten – sträflich hatte er die Aufnahmefähigkeit seiner Zuhörer unterschätzt. Historische Romane waren nicht neu: meistens langweilige Projektionen christlicher (&quot;Quo Vadis&quot;, &quot;Die letzten Tage von Pompeji&quot;) Tugenden (&quot;Ivanhoe&quot;, &quot;Ein Kampf um Rom&quot;). &quot;Salammbo&quot; wurde erfolgreich und maßgeblich: wie oft in diesem Fall, versuchten dutzende anderer Authoren, das Vorbild nach Möglichkeit (z.B. durch den Einsatz vorbildlicher Charaktere und christlicher Ethik) zu unterbieten. Heute versucht Gisbert Haefs, die von Flaubert gesetzte Marke zu überspringen, aber dafür ist er zu dick (der Haefs).<br />
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Immerhin rückte durch Flaubert Karthago in ein Rampenlicht der Imagination und Mystifizierung, das es bis heute nicht verlassen hat – zumal im Heimatland Tunesien. Der ganze Stadtteil des Villenvororts Carthage zwischen Byrsa und Häfen heißt heute &quot;Salammbo&quot; (und zwei weitere Stationen der TGM-Bahn heißen &quot;Hannibal&quot; und &quot;Hamilcar&quot;). In der Umgebung von Tunis hat das sogenannte Tanith-Zeichen Einzug in die islamisch-folkloristische Bildsprache der Touristenkramverkäufer gefunden; neben den Fischen und Fatimahänden gibt es das fremdartige Damentoilettensymbol der Tanith in allen vorstellbaren Ausprägungen und Anwendungsformen. Und natürlich Elefanten: auf die stößt man überall, schließlich hat Hannibal … genau. <br />
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Die kulturelle Bereicherung durch die Reanimation ausgestorbener Kulturen ist immens. Nichtsdestotrotz hat man angesichts der grünlichen Kunstharzelefanten vor der &quot;Medina&quot; der Hotelzone in Hammamet die Befürchtung, dass die Kultur eher einen Zombie-Status als eine tatsächliche Wiederbelebung bekommen hat; die Existenz und Ausschmückung es Wasserrutschenparks &quot;Carthage Land&quot; bestätigt die Befürchtung. Die Bereicherung beschränkt sich auf die fromale Sprache, nicht auf irgendwelche kulturellen Hintergründe und Sinnstrukturen. Selbst der übelste Kelten- und Druidenmumpitz hat hier mehr Bezug zur historischen Vorlage.<br />
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Und braucht man diesen Bezug überhaupt? in einem Souvenirshop wird ein nettes Buch angeboten, welches das Leben und Treiben der Karthager als bunt, hübsch und geordnet darstellt, mit freundlichen Händlern und sauberen Bibliotheken (<a href="http://livre.fnac.com/a1981025/Viviane-Bettaieb-Carthage-la-cite-d-Hannibal?PID=1" target="_blank">http://livre.fnac.com/a1981025/Vivia...Hannibal?PID=1</a>). Gewissermaßen das kinderfreundliche Gegenprogramm zum bluttriefenden Karthago Flauberts (und, in gewisser Weise, auch Diodorus Siculus'). Natürlich ist in dem schönen Pop-Up Buch das Kapitel RELIGION so ausgeklammert wie es bei Flaubert ausgewalzt ist. Natürlich … das Kinderbuch hat pädagogische Ziele, wer möchte einem Kind (als potenziell Betroffenem einer Wiederbelebung gerade dieses Aspektes der Kultur) z. B. Kinderopfer nahe bringen? oder höllische Grausamkeit, Sklavenvernichtung in den Steinbrüchen, Hinrichtung am Kreuz, Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen und die hellenistischen Eskapaden (Agathokles' Version des &quot;Stier des Phalaris&quot; z. B., der von Diodoros Siculus dann zur karthagischen Opfermaschine weitergesponnen wird, offensichtlich hatte Diodor ein Ding damit laufen) … das muss man Kindern nicht unbedingt antun.<br />
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Damit stecken wir knietief im Problem &quot;historische Rätsel für Zielgruppen&quot;. Die Rückkehr Karthagos auf der Wasserrutsche und das bunte Bilderbuch der netten Händler in Hannibals Stadt, das ganze Experimentieren mit den Überbleibseln Karthagos ist im Kontext des heutigen Tunesien allerdings eine Öffnung und ein Statement: ein Statement kultureller Autonomie angesichts jahrhunderte-, jahrtausendelanger Perioden der Kolonialisierung und Unterdrückung; eine Öffnung für neue, unkonventionelle Weltbilder in einer traditionell starr fixierten Kultursphäre. Auf einer Kosten/Nutzenrechnung ist das nicht nur ein monetärer Gewinn (nebenbei: man sollte nicht den kulturellen Wert von Wohlstand unterschätzen – wer die Kunst arm und hehren Idealen verbunden sehen möchte, hat meistens noch gut zu Mittag gegessen).<br />
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Wir haben vorhin festgestellt, dass die moderne populäre Perzeption Karthagos bunt, quietschig und verfälschend ist, aber man kann getrost antworten: das war die alte &quot;fachliche&quot; Perzeption auch. Vertiefung des Wissens und der Aufmerksamkeit erfordert Öffentlichkeit. Öffentlichkeit liebt es bunt, quietschig und zumindest einseitig. In der Zusammenwirkung wird dadurch ein retrospektiver Multikulturalismus, der sich auch in die Gegenwart weiter erstrecken kann (und natürlich in das Zusammenleben der Zukunft). Wenn sich angesichts der Kunstharzelefanten und der Wasserrutschen die Nackenhaare und Zehennägel der &quot;ernsten&quot; Wissenschaftler sträuben mögen, sollte man bedenken, dass Spass und Staunen in der Komödie dasselbe bewirken, was in der Tragödie durch Schrecken und Mitleid erzeugt wird: Lerneffekt, Konnotation, Sympathie. Als Vorbedingung für ernste Beschäftigung mit einem Thema ist das unerlässlich. Baut Wasserrutschen! Wer weiss, vielleicht wird eines der Kinder, die heute jauchzend im &quot;Carthage Land&quot; herumsausen, eines Tages in einem Forschungsprojekt das Leben im antiken Karthago in völlig neues Licht rücken. Oder in einem Vergabeausschuss für eine Unterstützung des Projekts stimmen.<br />
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<img src="http://www.geschichtsforum.de/members/mummius-picius-albums-bilder-aus-tunesien-picture1566-carthage-land-siehe-blog.jpg" border="0" alt="" /></div>

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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Gruppenausflüge nach Karthago</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/211-gruppenausfl-ge-nach-karthago.html</link>
			<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 10:22:57 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA["Rom und Karthago führten drei Kriege" … in den frühsten Jugenderinnerungen kleben wie Tapetenreste Bilder und Sätze von Geschichte büffelnden älteren Brüdern, Sammelbilderalben "Weltgeschichte" und die erste Erwähnung von Elefanten. Rom kannte ich. Die Saalburg war Ausflugsziel, Timpo-Figuren in Tonnenrüstung, mit schreiendem Mund, zum Reitersitz gegrätschten Beinen, "Asterix", "Sandalenfilme" – das war Rom. 
Karthago und Rom führten drei Kriege, alle drei verlor Karthago, im kindlichen Geschichtsbewusstsein verband sich damit die Konsequenz, dass demnächst auch ein dritter Weltkrieg anstünde, der natürlich verloren gehen müsse wie die ersten zwei. Dass der dritte Krieg nicht nur Niederlage, sondern Vernichtung mit sich bringen werde: diese Ansicht teilten viele Menschen in den Siebzigerjahren.

Karthago als Datum, Karthagho als Analogie, auch als Mysterium und Projektionsfläche. Der Informationsüberfluss zu Rom erzeugte einen Informationshunger nach Karthago, doch da gab es wenig und meistens nur enttäuschendes. Das eindrucksvollste war die fast überall präsente Karte mit den Städten, Inseln und Küsten, die Karthago zugehörten. Im Älterwerden konkretisierte sich das Bild, allerdings ungenügend im Vergleich zur Bilderflut seitens Griechenlands, Roms, Ägyptens. Zu den Daten und Beschreibungen aus Büchern z. B. von Huss und Moscati gesellte sich dann mit Gustave Flauberts "Salammbo" ein literarisches Trip-Erlebnis. Sowas gehört zum Erwachsenwerden. 

Zum Erwachsensein gehört es, mit Kindheitsträumen verantwortlich und liebevoll umzugehen. Es ist auch nicht einfach, letztlich einen Ort zu besuchen, an dem man in seiner Vorstellung schon Stunden und Tage und Wochen vebracht hat. Der Pauschalausflugsanbieter unserer Pauschalreise nach Hammamet (Hotelzone) dieses Jahr bot "Tunis, Carthage, Sidi Bou Said" als Tagesausflug, was inetwa räumlich und ideell "Frankfurter Zeil, Saalburg, Rüdesheimer Drosselgasse" entsprechen könnte. Zur großen angenehmen Überraschung enthielt das Paket auch eine kurze Tour durch das große, sehr schöne und staubige Bardo-Museum; ansonsten war das Programm klar: mach Fotos (Sidi Bou Said), guck Steine (Carthage) und kauf Stuss (Tunis). 

Der Himmel war bewölkt, mir war schlecht vom Busfahren, sämtliche Orientierung verloren auf tunesischen Autobahnen und Umgehungsstrassen, Wahlplakate des Machthabers und -behalters überall, beduselt von der staubigen Mosaikpracht des Bardo und der Postkartenidylle von Sidi Bou Said kamen wir nach Karthago, wo uns der Reiseleiter an der Byrsa raus liess; der Rest der Exkursion besah sich die Antoninus-Pius-Thermen (mir stehen Thermen bis HIER, war schon in Xanten, Rom und Trier - krudeste aller kruden Abfertigungstouren für Touristen: ihr wollt Säulen sehen? Hier sind Säulen!).

… und dann stehen wir auf dem Byrsa-Hügel.

… und dann

… und dann fällt alles an seinen Platz, als hätte man die Puzzleteile hochgeworfen und herunter kam das zusammengesetzte Bild.

Auf einmal stimmen wieder Norden, Süden, Osten, Westen; auf einmal blicke ich aufs Meer, die Berge haben ihre charakteristische Form, die Küste auch; dort unten wuchs sie zusammen, wo der Damm Scipios die Häfen vom Meer abschnitt; die Teiche zwischen den Villen, das sind die Häfen. An Stelle der scheußlichen Kirche hier stand der Eschmun-Tempel, später das Capitol der Römer; dort wanden sich enge Straßen zu den Häfen hinunter. Und dort steht schon wieder der Bus, der uns auf der Rückreise aufsammelt. Im Schweinsgalopp des Pauschalausflugs sind 45 Minuten sehr schnell aufgebraucht. 

Drei Tage später sind wir wieder da, auf eigene Faust diesmal, mit Taxi, den "Louages" genannten Fern-Shuttles und der TGM-S-Bahn war das günstig und gar nicht kompliziert. Wir haben viel Zeit zum Sehen und Herumgehen. 

Die Bahnstation liegt zwischen funkelnden kleinen Villen, Bäume, Gärten, lachende Schülerinnen und Schüler überall. Wo sind wir?

Der Blick öffnet sich plötzlich auf eine Wasserfläche. Und wieder stellt sich das wunderbare Gefühl des "Wiedersehens eines unbekannten Ortes" ein. 

Die Teiche zwischen den Villen – die Häfen – sind aus der Nähe betrachtet richtig groß, zumal der Kriegshafen ist ein Rund von enormem Durchmesser. Die Insel in der Mitte des Hafens ist heute eine Halbinsel, archäologischer Park, mit einem Wächter, der schier außer sich vor Freude ist, Besucher zu bekommen. Das Modell des punischen Hafens im kleinen Aufsichtshäuschen kenne ich noch aus der "Hannibal ad portas" Ausstellung. Nicht weit vom Hafen liegt der Tophet, die geheimnisvolle Begräbnisstätte der Kinderopfer für Baal Hammon und Tanith. Hier hält ein Haufen Wichtigtuer Wacht, die herumschreien und mit viel Getue eine weitere Eintrittskarte aus uns rausleiern. Der Tophet bleibt fremd: weder lässt sich aus der Anlage eine Gebäudestruktur erkennen, noch stehen irgendwo Informationen zur Verfügung. Die groben Stelen, die in enger Formation das Terrain bestimmen, sprechen keine allgemein verständliche Sprache: hier geht es nur um die Weihenden, das Opfer und den Gott. 

Byrsa revisited: auch ein staubiges kleines Museum im ehemaligen Kloster der "weißen Väter". Aus den Rekonstruktionen nach den Grabungen lässt sich schnell erkennen: hier stand zu punischen Zeiten kein "karthagischer Parthenon" oder "punisches Kapitol", viel zu nahe an die Hügelkuppe führen die verschachtelten Häuser Karthagos. Jetzt ist es offensichtlich: religiöse Bauten waren in Karthago nicht zu Repräsentationszwecken angelegt. Die Chancen stehen gut, dass das Heiligtum des Eschmun auf der Höhe der Byrsa von den umgebenden Wohnblocks überragt wurde. Das "Mago-Viertel" am Ufer des Mittelmeeres, quer durch die Stadt gewissermaßen, ist ein sauberes Parkgelände von den Dimensionen etwa einer Villa, ein deutsches Team hat hier gegraben und die Baugeschichte – den Umbau einer alten punischen Seemauer mit Seetor hin zu einer geschlossenen hellenistischen Quadermauer, ein anschließendes Handwerkerviertel, das auch in römischer Zeit ein solches blieb – vorbildlich dokumentiert. Von hier ist es nicht mehr weit zu den Ruinen der römischen Villen im Stadtteil "Megara", wo Flaubert den Palast des Hamilkar Barkas platziert: elegante Stadthäuser, wie man sie aus Pompeji kennt, mit  herrlichem Blick auf das Meer, rüber zur Byrsa, auf die Berge. Schräg gegenüber den Ruinen liegt der Palast des heutigen Autokraten. 

Nach diesem Tag bin ich augen- und seelensatt, dankbar, abgelatscht, halbtotfotografiert und müde geschwatzt, melancholisch auch. Meine Frau war eine gute Zuhörerin und ließ sich vollreden; als Souvenir kauften wir ein buntes Tuch. 

An diesem Tag war ich allein eine ganze Reisegruppe: das von einem Namen faszinierte Kind, der schwärmerische Jugendliche, die Leser von Flaubert, Huss, Moscati und anderer Bücher, der Spieler von "Rome", das Mitglied der "Flavii" und yours truly, Mummius Picius. Soviele von mir werden wahrscheinlich keinen anderen Ort der Welt mehr sehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>&quot;Rom und Karthago führten drei Kriege&quot; … in den frühsten Jugenderinnerungen kleben wie Tapetenreste Bilder und Sätze von Geschichte büffelnden älteren Brüdern, Sammelbilderalben &quot;Weltgeschichte&quot; und die erste Erwähnung von Elefanten. Rom kannte ich. Die Saalburg war Ausflugsziel, Timpo-Figuren in Tonnenrüstung, mit schreiendem Mund, zum Reitersitz gegrätschten Beinen, &quot;Asterix&quot;, &quot;Sandalenfilme&quot; – das war Rom. <br />
Karthago und Rom führten drei Kriege, alle drei verlor Karthago, im kindlichen Geschichtsbewusstsein verband sich damit die Konsequenz, dass demnächst auch ein dritter Weltkrieg anstünde, der natürlich verloren gehen müsse wie die ersten zwei. Dass der dritte Krieg nicht nur Niederlage, sondern Vernichtung mit sich bringen werde: diese Ansicht teilten viele Menschen in den Siebzigerjahren.<br />
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Karthago als Datum, Karthagho als Analogie, auch als Mysterium und Projektionsfläche. Der Informationsüberfluss zu Rom erzeugte einen Informationshunger nach Karthago, doch da gab es wenig und meistens nur enttäuschendes. Das eindrucksvollste war die fast überall präsente Karte mit den Städten, Inseln und Küsten, die Karthago zugehörten. Im Älterwerden konkretisierte sich das Bild, allerdings ungenügend im Vergleich zur Bilderflut seitens Griechenlands, Roms, Ägyptens. Zu den Daten und Beschreibungen aus Büchern z. B. von Huss und Moscati gesellte sich dann mit Gustave Flauberts &quot;Salammbo&quot; ein literarisches Trip-Erlebnis. Sowas gehört zum Erwachsenwerden. <br />
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Zum Erwachsensein gehört es, mit Kindheitsträumen verantwortlich und liebevoll umzugehen. Es ist auch nicht einfach, letztlich einen Ort zu besuchen, an dem man in seiner Vorstellung schon Stunden und Tage und Wochen vebracht hat. Der Pauschalausflugsanbieter unserer Pauschalreise nach Hammamet (Hotelzone) dieses Jahr bot &quot;Tunis, Carthage, Sidi Bou Said&quot; als Tagesausflug, was inetwa räumlich und ideell &quot;Frankfurter Zeil, Saalburg, Rüdesheimer Drosselgasse&quot; entsprechen könnte. Zur großen angenehmen Überraschung enthielt das Paket auch eine kurze Tour durch das große, sehr schöne und staubige Bardo-Museum; ansonsten war das Programm klar: <i>mach Fotos</i> (Sidi Bou Said), <i>guck Steine</i> (Carthage) und <i>kauf Stuss</i> (Tunis). <br />
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Der Himmel war bewölkt, mir war schlecht vom Busfahren, sämtliche Orientierung verloren auf tunesischen Autobahnen und Umgehungsstrassen, Wahlplakate des Machthabers und -behalters überall, beduselt von der staubigen Mosaikpracht des Bardo und der Postkartenidylle von Sidi Bou Said kamen wir nach Karthago, wo uns der Reiseleiter an der Byrsa raus liess; der Rest der Exkursion besah sich die Antoninus-Pius-Thermen (mir stehen Thermen bis HIER, war schon in Xanten, Rom und Trier - krudeste aller kruden Abfertigungstouren für Touristen: ihr wollt Säulen sehen? Hier sind Säulen!).<br />
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… und dann stehen wir auf dem Byrsa-Hügel.<br />
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… und dann<br />
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… und dann fällt alles an seinen Platz, als hätte man die Puzzleteile hochgeworfen und herunter kam das zusammengesetzte Bild.<br />
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Auf einmal stimmen wieder Norden, Süden, Osten, Westen; auf einmal blicke ich aufs Meer, die Berge haben ihre charakteristische Form, die Küste auch; dort unten wuchs sie zusammen, wo der Damm Scipios die Häfen vom Meer abschnitt; die Teiche zwischen den Villen, das sind die Häfen. An Stelle der scheußlichen Kirche hier stand der Eschmun-Tempel, später das Capitol der Römer; dort wanden sich enge Straßen zu den Häfen hinunter. Und dort steht schon wieder der Bus, der uns auf der Rückreise aufsammelt. Im Schweinsgalopp des Pauschalausflugs sind 45 Minuten sehr schnell aufgebraucht. <br />
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Drei Tage später sind wir wieder da, auf eigene Faust diesmal, mit Taxi, den &quot;Louages&quot; genannten Fern-Shuttles und der TGM-S-Bahn war das günstig und gar nicht kompliziert. Wir haben viel Zeit zum Sehen und Herumgehen. <br />
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Die Bahnstation liegt zwischen funkelnden kleinen Villen, Bäume, Gärten, lachende Schülerinnen und Schüler überall. Wo sind wir?<br />
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Der Blick öffnet sich plötzlich auf eine Wasserfläche. Und wieder stellt sich das wunderbare Gefühl des &quot;Wiedersehens eines unbekannten Ortes&quot; ein. <br />
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Die Teiche zwischen den Villen – die Häfen – sind aus der Nähe betrachtet richtig groß, zumal der Kriegshafen ist ein Rund von enormem Durchmesser. Die Insel in der Mitte des Hafens ist heute eine Halbinsel, archäologischer Park, mit einem Wächter, der schier außer sich vor Freude ist, Besucher zu bekommen. Das Modell des punischen Hafens im kleinen Aufsichtshäuschen kenne ich noch aus der &quot;Hannibal ad portas&quot; Ausstellung. Nicht weit vom Hafen liegt der Tophet, die geheimnisvolle Begräbnisstätte der Kinderopfer für Baal Hammon und Tanith. Hier hält ein Haufen Wichtigtuer Wacht, die herumschreien und mit viel Getue eine weitere Eintrittskarte aus uns rausleiern. Der Tophet bleibt fremd: weder lässt sich aus der Anlage eine Gebäudestruktur erkennen, noch stehen irgendwo Informationen zur Verfügung. Die groben Stelen, die in enger Formation das Terrain bestimmen, sprechen keine allgemein verständliche Sprache: hier geht es nur um die Weihenden, das Opfer und den Gott. <br />
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Byrsa revisited: auch ein staubiges kleines Museum im ehemaligen Kloster der &quot;weißen Väter&quot;. Aus den Rekonstruktionen nach den Grabungen lässt sich schnell erkennen: hier stand zu punischen Zeiten kein &quot;karthagischer Parthenon&quot; oder &quot;punisches Kapitol&quot;, viel zu nahe an die Hügelkuppe führen die verschachtelten Häuser Karthagos. Jetzt ist es offensichtlich: religiöse Bauten waren in Karthago nicht zu Repräsentationszwecken angelegt. Die Chancen stehen gut, dass das Heiligtum des Eschmun auf der Höhe der Byrsa von den umgebenden Wohnblocks überragt wurde. Das &quot;Mago-Viertel&quot; am Ufer des Mittelmeeres, quer durch die Stadt gewissermaßen, ist ein sauberes Parkgelände von den Dimensionen etwa einer Villa, ein deutsches Team hat hier gegraben und die Baugeschichte – den Umbau einer alten punischen Seemauer mit Seetor hin zu einer geschlossenen hellenistischen Quadermauer, ein anschließendes Handwerkerviertel, das auch in römischer Zeit ein solches blieb – vorbildlich dokumentiert. Von hier ist es nicht mehr weit zu den Ruinen der römischen Villen im Stadtteil &quot;Megara&quot;, wo Flaubert den Palast des Hamilkar Barkas platziert: elegante Stadthäuser, wie man sie aus Pompeji kennt, mit  herrlichem Blick auf das Meer, rüber zur Byrsa, auf die Berge. Schräg gegenüber den Ruinen liegt der Palast des heutigen Autokraten. <br />
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Nach diesem Tag bin ich augen- und seelensatt, dankbar, abgelatscht, halbtotfotografiert und müde geschwatzt, melancholisch auch. Meine Frau war eine gute Zuhörerin und ließ sich vollreden; als Souvenir kauften wir ein buntes Tuch. <br />
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An diesem Tag war ich allein eine ganze Reisegruppe: das von einem Namen faszinierte Kind, der schwärmerische Jugendliche, die Leser von Flaubert, Huss, Moscati und anderer Bücher, der Spieler von &quot;Rome&quot;, das Mitglied der &quot;Flavii&quot; und yours truly, Mummius Picius. Soviele von mir werden wahrscheinlich keinen anderen Ort der Welt mehr sehen.</div>

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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>SOS, Marshall!  - Von bösen Jungs und Frauen, die nicht in den Himmel wollen</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/marcia/209-sos-marshall-von-b-sen-jungs-und-frauen-die-nicht-den-himmel-wollen.html</link>
			<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 13:54:53 GMT</pubDate>
			<description>Seit seiner Hauptrolle in dem Film „8 Mile“, berichtet der Rapper Eminem in seiner Autobiografie, seien sein Bekanntheitsgrad und sein Erfolg geradezu explosionsartig angestiegen. Plötzlich kamen auch die Eltern und Großeltern seiner Fans in seine Shows und begannen, sich für seine Musik zu interessieren. Eminem dankt seinen Fans und nimmt es gelassen. „8 Mile“ ist ein guter, von Kritikern gelobter Musikfilm. „Lose yourself“ wurde mit dem Oscar für den besten Filmsong geehrt. Auch Eminems schauspielerische Fähigkeiten wurden mehrfach gewürdigt. 

    Ich erlebte dieses Phänomen vermutlich mit einiger Verzögerung, als ich das erste Mal „Lose yourself“ auf MTV hörte. Was ich bisher über Eminem gelesen hatte, konnte nicht gerade Sympathien für ihn wecken. Auf Sympathie war er auch nicht aus. Er wollte Respekt, ein sehr guter Rapper sein, und er wollte Geld verdienen. 

    Es war ein beliebiger Mittag bei mir zuhause, ich hatte gekocht, vielleicht hatte ich noch die Schürze um, als meine Jungs die Spaghetti auf ihren Tellern sein ließen, wie hypnotisiert der Musik lauschten und mitsangen – sie kannten den Text schon auswendig. Als ich erfuhr, dass der Musiker in diesem Video Eminem war, konnte ich es kaum fassen. ABER DER IST DOCH RICHTIG GUT, durchfuhr es mich. Ich hatte zwar schon hin und wieder Rap gehört, aber nicht diese Art von Rap. Und sofort hatte ich das Gefühl, dass „Lose yourself“ innerhalb dieses Genres etwas sehr Ausgereiftes ist. 

    Wir hatten öfter nebenbei MTV eingeschaltet, und gelegentlich blieb ich stehen und hörte einen Moment hin. Als ich „Lose yourself“ das nächste Mal hörte, setzte ich mich, hörte es von Anfang bis Ende und beobachtete Eminem. Dieser Rhythmus, diese Schnelligkeit, diese Kraft – und was für eine Ausstrahlung er hatte! Zorn, Auflehnung und Energie sprangen mich förmlich an. Diese ungehemmte Aggressivität, aber auch Vitalität, sein unverkennbarer Stil faszinierten mich. Für einen Rapper ist es wichtig, einen eigenen Stil zu entwickeln: ohne Wiedererkennungswert kein Erfolg. 

    In den schwarzen Ghettos der USA entstanden, war HipHop zur Ausdrucksform dieser Subkultur geworden. Der Ton in den Ghettos war rau, der Alltag Überlebenskampf. All das hat dieses Genre geprägt. „ Battles“, welche die Rapper sich liefern, künden davon. Sieger ist derjenige, der das Publikum durch Humor und Schlagfertigkeit für sich einnehmen kann. Es gilt, sein Gegenüber mit Reimen zu schlagen, die Normalbürger schon mal entsetzen. 

    In „8 Mile“ kann man echte – keineswegs gestellte – Battles miterleben. Da improvisieren Jugendliche morgens vor der Fabrik Lyrics. Freestylen nennt man das – und das muss man erst einmal hinkriegen! Es ist etwa so, als würden sich Büroangestellte mit aus dem Stegreif verfassten Sonetten duellieren. Schade, dass die Angestellten so etwas nicht tun. 

    Ich denke, dass die negativen Berichte in den Medien in erster Linie Slim Shady galten, Eminems noch aggressiverem, bösartigen Alter Ego, das ihn berühmt gemacht hat und das er eines Tages, wie er sagt, sterben ließ – zumindest für die Öffentlichkeit.
    Wie war das noch mal mit Jekyll und Hyde? Zum Glück ist es nicht so einfach mit dem Kategorisieren: was für den einen schlecht ist, kann für den anderen gut sein. Und wie viele Hydes unter der Maske des Gutmenschentums ihr Unwesen treiben, möchte ich gar nicht wissen. 

    Manche Menschen gehen zu weit in ihren Bemühungen, nett und sympathisch zu wirken. Besonders Frauen neigen dazu, Wut und Zorn eher gegen sich selbst zu richten als denjenigen zu zeigen, die solche Reaktionen gelegentlich auch verdienen. Das Verhalten dieser Menschen hat oft mit Schatten aus der Vergangenheit zu tun, die sich irgendwo eingenistet haben und nicht in jeder Situation als solche erkennbar sind. 

    HipHop hat noch nie destruktive Gedanken oder gar Handlungen in mir ausgelöst, sondern das, was einer von Deutschlands Beinahe-Superstars einmal begrifflich geprägt hat: positive Energie. Fehlgeleitete Gefühle blockieren Energien  – im günstigen Fall. Im weniger günstigen Fall machen sie krank. HipHop lässt Gefühle fließen. So etwas kann sehr heilsam sein. 

    Seit dem Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal hörte, empfinde ich tiefen Respekt vor dem Künstler Eminem. Er ist ein wirklicher Superstar, der mit seinen Fans Stadien zu füllen vermag. Aber er ist noch mehr: einer, der es mit Talent und Fleiß an die Spitze geschafft hat. In einem zweiten Film würde er nur mitwirken, wenn er sicher wäre, jede Rolle überzeugend verkörpern zu können. Er will sein Bestes geben – darunter geht es nicht. Seine Ausnahmestellung als Weißer in einem von Schwarzen dominierten Genre dagegen nimmt in seiner Autobiografie wenig Raum ein. Fotos zeigen ihn als wasserstoffblonden, ewig Jugendlichen inmitten von schwarzen Musikern, die, wie er schreibt, seine Freunde sind. Diese Musik ist seine Welt – so einfach ist das.

    In seiner Autobiografie „The way I am“ erzählt Marshall Bruce Mathers alias Eminem auch Details aus seinem Privatleben. Die Beschäftigung mit dieser Lektüre hat meinen Respekt ihm gegenüber noch verstärkt: ich schätze ihn auch als Menschen, so weit er sich seinen Lesern offenbart. Der heute 37Jährige hat nicht nur das Sorgerecht für seine Tochter Hailie, sondern auch für seine Nichte und eine Tochter seiner Exfrau, deren leiblicher Vater er nicht ist, übernommen. Und er macht sich Gedanken darüber, wie er seinen Mädchen gewisse Texte erklären soll. Aber die Antwort ist so klar wie ehrlich: er hat seinen Zorn schon immer in Beats und Lyrics gepackt. Ich meine, das ist so ziemlich das Beste, was man damit tun kann.

    Quellen:
  Eminem: „The way I am“, 2008
Jan Kage: American Rap, 2002  
„8 Mile“, DVD, 2003</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Seit seiner Hauptrolle in dem Film „8 Mile“, berichtet der Rapper Eminem in seiner Autobiografie, seien sein Bekanntheitsgrad und sein Erfolg geradezu explosionsartig angestiegen. Plötzlich kamen auch die Eltern und Großeltern seiner Fans in seine Shows und begannen, sich für seine Musik zu interessieren. Eminem dankt seinen Fans und nimmt es gelassen. „8 Mile“ ist ein guter, von Kritikern gelobter Musikfilm. „Lose yourself“ wurde mit dem Oscar für den besten Filmsong geehrt. Auch Eminems schauspielerische Fähigkeiten wurden mehrfach gewürdigt. <br />
<br />
    Ich erlebte dieses Phänomen vermutlich mit einiger Verzögerung, als ich das erste Mal „Lose yourself“ auf MTV hörte. Was ich bisher über Eminem gelesen hatte, konnte nicht gerade Sympathien für ihn wecken. Auf Sympathie war er auch nicht aus. Er wollte Respekt, ein sehr guter Rapper sein, und er wollte Geld verdienen. <br />
<br />
    Es war ein beliebiger Mittag bei mir zuhause, ich hatte gekocht, vielleicht hatte ich noch die Schürze um, als meine Jungs die Spaghetti auf ihren Tellern sein ließen, wie hypnotisiert der Musik lauschten und mitsangen – sie kannten den Text schon auswendig. Als ich erfuhr, dass der Musiker in diesem Video Eminem war, konnte ich es kaum fassen. ABER DER IST DOCH RICHTIG GUT, durchfuhr es mich. Ich hatte zwar schon hin und wieder Rap gehört, aber nicht <i>diese</i> Art von Rap. Und sofort hatte ich das Gefühl, dass „Lose yourself“ innerhalb dieses Genres etwas sehr Ausgereiftes ist. <br />
<br />
    Wir hatten öfter nebenbei MTV eingeschaltet, und gelegentlich blieb ich stehen und hörte einen Moment hin. Als ich „Lose yourself“ das nächste Mal hörte, setzte ich mich, hörte es von Anfang bis Ende und beobachtete Eminem. Dieser Rhythmus, diese Schnelligkeit, diese Kraft – und was für eine Ausstrahlung er hatte! Zorn, Auflehnung und Energie sprangen mich förmlich an. Diese ungehemmte Aggressivität, aber auch Vitalität, sein unverkennbarer Stil faszinierten mich. Für einen Rapper ist es wichtig, einen eigenen Stil zu entwickeln: ohne Wiedererkennungswert kein Erfolg. <br />
<br />
    In den schwarzen Ghettos der USA entstanden, war HipHop zur Ausdrucksform dieser Subkultur geworden. Der Ton in den Ghettos war rau, der Alltag Überlebenskampf. All das hat dieses Genre geprägt. „ Battles“, welche die Rapper sich liefern, künden davon. Sieger ist derjenige, der das Publikum durch Humor und Schlagfertigkeit für sich einnehmen kann. Es gilt, sein Gegenüber mit Reimen zu schlagen, die Normalbürger schon mal entsetzen. <br />
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    In „8 Mile“ kann man echte – keineswegs gestellte – Battles miterleben. Da improvisieren Jugendliche morgens vor der Fabrik Lyrics. Freestylen nennt man das – und das muss man erst einmal hinkriegen! Es ist etwa so, als würden sich Büroangestellte mit aus dem Stegreif verfassten Sonetten duellieren. Schade, dass die Angestellten so etwas nicht tun. <br />
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    Ich denke, dass die negativen Berichte in den Medien in erster Linie Slim Shady galten, Eminems noch aggressiverem, bösartigen Alter Ego, das ihn berühmt gemacht hat und das er eines Tages, wie er sagt, sterben ließ – zumindest für die Öffentlichkeit.<br />
    Wie war das noch mal mit Jekyll und Hyde? Zum Glück ist es nicht so einfach mit dem Kategorisieren: was für den einen schlecht ist, kann für den anderen gut sein. Und wie viele Hydes unter der Maske des Gutmenschentums ihr Unwesen treiben, möchte ich gar nicht wissen. <br />
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    Manche Menschen gehen zu weit in ihren Bemühungen, nett und sympathisch zu wirken. Besonders Frauen neigen dazu, Wut und Zorn eher gegen sich selbst zu richten als denjenigen zu zeigen, die solche Reaktionen gelegentlich auch verdienen. Das Verhalten dieser Menschen hat oft mit Schatten aus der Vergangenheit zu tun, die sich irgendwo eingenistet haben und nicht in jeder Situation als solche erkennbar sind. <br />
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    HipHop hat noch nie destruktive Gedanken oder gar Handlungen in mir ausgelöst, sondern das, was einer von Deutschlands Beinahe-Superstars einmal begrifflich geprägt hat: positive Energie. Fehlgeleitete Gefühle blockieren Energien  – im günstigen Fall. Im weniger günstigen Fall machen sie krank. HipHop lässt Gefühle fließen. So etwas kann sehr heilsam sein. <br />
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    Seit dem Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal hörte, empfinde ich tiefen Respekt vor dem Künstler Eminem. Er ist ein wirklicher Superstar, der mit seinen Fans Stadien zu füllen vermag. Aber er ist noch mehr: einer, der es mit Talent und Fleiß an die Spitze geschafft hat. In einem zweiten Film würde er nur mitwirken, wenn er sicher wäre, jede Rolle überzeugend verkörpern zu können. Er will sein Bestes geben – darunter geht es nicht. Seine Ausnahmestellung als Weißer in einem von Schwarzen dominierten Genre dagegen nimmt in seiner Autobiografie wenig Raum ein. Fotos zeigen ihn als wasserstoffblonden, ewig Jugendlichen inmitten von schwarzen Musikern, die, wie er schreibt, seine Freunde sind. Diese Musik ist seine Welt – so einfach ist das.<br />
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    In seiner Autobiografie „The way I am“ erzählt Marshall Bruce Mathers alias Eminem auch Details aus seinem Privatleben. Die Beschäftigung mit dieser Lektüre hat meinen Respekt ihm gegenüber noch verstärkt: ich schätze ihn auch als Menschen, so weit er sich seinen Lesern offenbart. Der heute 37Jährige hat nicht nur das Sorgerecht für seine Tochter Hailie, sondern auch für seine Nichte und eine Tochter seiner Exfrau, deren leiblicher Vater er nicht ist, übernommen. Und er macht sich Gedanken darüber, wie er seinen Mädchen gewisse Texte erklären soll. Aber die Antwort ist so klar wie ehrlich: er hat seinen Zorn schon immer in Beats und Lyrics gepackt. Ich meine, das ist so ziemlich das Beste, was man damit tun kann.<br />
<br />
    Quellen:<br />
  Eminem: „The way I am“, 2008<br />
Jan Kage: American Rap, 2002  <br />
„8 Mile“, DVD, 2003</div>

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			<dc:creator>Marcia</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Literaturliste V</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/silesia/207-literaturliste-v.html</link>
			<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 20:42:58 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[*Sowjetunion 1918-1941*

[wird noch erweitert]

Ahmann, Rolf: Nichtangriffspakte - Entwicklung und operative Nutzung in Europa 1922-1939, 350 Seiten, 1988

Beyerstedt, Horst-Dieter: Marxistische Kritik an der Sowjetunion in der Stalinära, 	605 Seiten, 1987, Europ. Hochschul. III/299
	
Diverse: Das deutsche Bild der russischen und sowjetischen Marine, 174 Seiten,	1962, 	Beiheft 7/8 der Marinerundschau	

Falk, Barbara: Sowjetische Städte in der Hungersnot 1932/33	440	2005	1. Auflage	Beiträge Geschichte Osteuropas 38	

Geyer, Dietrich: Lenin in der Russischen Sozialdemokratie, 445 Seiten, 1962, Beiträge Geschichte Osteuropas 3 

Gornig, Gilbert-Hanno: Der Hitler-Stalin-Pakt, 180 Seiten, 1989, Schriften zum Staats-/Völkerrecht, Band 41
	
Grieser, Helmut: 	Die Sowjetpresse über Deutschland in Europa 1922-1932, 252 Seiten, 1970, Kieler Studien 10

Huxter/Szyrmer: Faulty Foundations - Soviet Economic Policies 1928-1940, 339 Seiten, 1992
	
Liszkowski, Uwe: Rußland und Deutschland - Aufsätze, 330 Seiten, 1974, Kieler Studien 22

Maddux, Thomas R.: Years of Estrangement - American Relations with the Soviet Union 1933-1941, 238 Seiten, 1980
	
Mähler, Hans-Georg: Die völkerrechtliche Bedeutung des Kriegs- und Gewaltverbots durch den Kellogg-Pakt und die UN-Satzung, 154 Seiten, 1965, Dissertation

Marx-Reinhart, August: Maschinenausfuhr nach Sowjetrußland, 98 Seiten, 1930, Dissertation

McMurry, Dean Scott: Deutschland und die Sowjetunion 1933-1936, 	500 Seiten, 1979, Dissertationen neuere Geschichte 6

Meissner, Boris: 	Die Sowjetunion und die Haager Landkriegsordnung, 1955, Osteuroparecht 2/1955

Meissner, Boris: Die Sowjetunion, die Baltischen Staaten und das Völkerrecht, 374 Seiten, 1956

Meyers, Reinhard: Britische Sicherheitspolitik 1934-1938, 546 Seiten, 1976, Bonner Schriften Zeitgeschichte 11
	
Merl, Stephan: Die Anfänge der Kollektivierung in der Sowjetunion 1928-1930, 442 Seiten, 1985, Osteuropa Institut Geschichte 52
	
Montefiore, Simon Sebag: Der junge Stalin, 534 Seiten, 2007

Niclauss, Karlheinz: Die Sowjetunion und Hitlers Machtergreifung, 208 Seiten, 1966, Bonner Historische Forschungen 29	

Osthoff, Hans Werner: Die deutsch-russischen Vertragsbeziehungen im Spiegel ihrer Zeit 1878-1978, 215 Seiten, 1980

Penter, Tanja: Odessa 1917, 468 Seiten, 2000, Beiträge Geschichte Osteuropas 32
	
Plettenberg, Ingeborg: Die Sowjetunion im Völkerbund 1934-1939, 728 Seiten, 1987

Rhode/Wagner: Quellen zur Entstehung der Oder-Neiße-Linie in den diplomatischen Verhandlungen, 330 Seiten, 1959, 
	
Rosenfeld, Günter: Sowjetunion und Deutschland 1917-1933 (2 Bände), 1100 Seiten, 1984

Schafft-Kulas, Renate: Die Geschichte der Weimarer Republik im Spiegel der sowjetzonalen Geschichtsschreibung, 355 Seiten, 1963, Dissertation]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><b><font size="3">Sowjetunion 1918-1941</font></b><br />
<br />
[wird noch erweitert]<br />
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Ahmann, Rolf: Nichtangriffspakte - Entwicklung und operative Nutzung in Europa 1922-1939, 350 Seiten, 1988<br />
<br />
Beyerstedt, Horst-Dieter: Marxistische Kritik an der Sowjetunion in der Stalinära, 	605 Seiten, 1987, Europ. Hochschul. III/299<br />
	<br />
Diverse: Das deutsche Bild der russischen und sowjetischen Marine, 174 Seiten,	1962, 	Beiheft 7/8 der Marinerundschau	<br />
<br />
Falk, Barbara: Sowjetische Städte in der Hungersnot 1932/33	440	2005	1. Auflage	Beiträge Geschichte Osteuropas 38	<br />
<br />
Geyer, Dietrich: Lenin in der Russischen Sozialdemokratie, 445 Seiten, 1962, Beiträge Geschichte Osteuropas 3 <br />
<br />
Gornig, Gilbert-Hanno: Der Hitler-Stalin-Pakt, 180 Seiten, 1989, Schriften zum Staats-/Völkerrecht, Band 41<br />
	<br />
Grieser, Helmut: 	Die Sowjetpresse über Deutschland in Europa 1922-1932, 252 Seiten, 1970, Kieler Studien 10<br />
<br />
Huxter/Szyrmer: Faulty Foundations - Soviet Economic Policies 1928-1940, 339 Seiten, 1992<br />
	<br />
Liszkowski, Uwe: Rußland und Deutschland - Aufsätze, 330 Seiten, 1974, Kieler Studien 22<br />
<br />
Maddux, Thomas R.: Years of Estrangement - American Relations with the Soviet Union 1933-1941, 238 Seiten, 1980<br />
	<br />
Mähler, Hans-Georg: Die völkerrechtliche Bedeutung des Kriegs- und Gewaltverbots durch den Kellogg-Pakt und die UN-Satzung, 154 Seiten, 1965, Dissertation<br />
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Marx-Reinhart, August: Maschinenausfuhr nach Sowjetrußland, 98 Seiten, 1930, Dissertation<br />
<br />
McMurry, Dean Scott: Deutschland und die Sowjetunion 1933-1936, 	500 Seiten, 1979, Dissertationen neuere Geschichte 6<br />
<br />
Meissner, Boris: 	Die Sowjetunion und die Haager Landkriegsordnung, 1955, Osteuroparecht 2/1955<br />
<br />
Meissner, Boris: Die Sowjetunion, die Baltischen Staaten und das Völkerrecht, 374 Seiten, 1956<br />
<br />
Meyers, Reinhard: Britische Sicherheitspolitik 1934-1938, 546 Seiten, 1976, Bonner Schriften Zeitgeschichte 11<br />
	<br />
Merl, Stephan: Die Anfänge der Kollektivierung in der Sowjetunion 1928-1930, 442 Seiten, 1985, Osteuropa Institut Geschichte 52<br />
	<br />
Montefiore, Simon Sebag: Der junge Stalin, 534 Seiten, 2007<br />
<br />
Niclauss, Karlheinz: Die Sowjetunion und Hitlers Machtergreifung, 208 Seiten, 1966, Bonner Historische Forschungen 29	<br />
<br />
Osthoff, Hans Werner: Die deutsch-russischen Vertragsbeziehungen im Spiegel ihrer Zeit 1878-1978, 215 Seiten, 1980<br />
<br />
Penter, Tanja: Odessa 1917, 468 Seiten, 2000, Beiträge Geschichte Osteuropas 32<br />
	<br />
Plettenberg, Ingeborg: Die Sowjetunion im Völkerbund 1934-1939, 728 Seiten, 1987<br />
<br />
Rhode/Wagner: Quellen zur Entstehung der Oder-Neiße-Linie in den diplomatischen Verhandlungen, 330 Seiten, 1959, <br />
	<br />
Rosenfeld, Günter: Sowjetunion und Deutschland 1917-1933 (2 Bände), 1100 Seiten, 1984<br />
<br />
Schafft-Kulas, Renate: Die Geschichte der Weimarer Republik im Spiegel der sowjetzonalen Geschichtsschreibung, 355 Seiten, 1963, Dissertation</div>

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			<dc:creator>silesia</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>22.06.1941: Operation Barbarossa</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/thanepower/205-22-06-1941-operation-barbarossa.html</link>
			<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 10:47:04 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[*22.06.1941: Operation Barbarossa*:* Die Straße nach Moskau*
Der Versuch, eine kompakte Literaturliste zur Genese und zum Ablauf von "Barbarossa"  bis zur "Operation Taifun" 41/42 zu erstellen. Es soll primär der deutschen und der  russischen Sicht gerecht werden. Den "systematischen Vernichtungskrieg" werde ich ausklammern, da mir die Kompetenz fehlt und es ein eigenes Thema ist.  Vielen Dank an "Silesia" für den kompetenten Input. 
*
1. Übersichtswerke / Dokumentensammlungen* 
- Halder, Franz: Kriegstagebuch Bände 1-3. 1962
- Hubatsch, Walther: Hitlers Weisungen für die Kriegsführung.  1962
- Jacobsen, Hans-Adolf: 1939-1945. Der Zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumenten. 1959
- Mehner, Kurt: Die geheimen Tagesberichte der deutschen Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg 1939-1945.  Bd. 3 & 4 vom 1.3.1941 bis 31.5.1942.
- Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Entwicklungen 1900-1945. 1981
- Schramm, Percy E. Hrsg.: Kriegstagebuch des OKW, Bd. 2 und 3, 1982
- Gilbert, Martin: The Routledge Atlas of Russian History. 2007
- Thies, Klaus J.: Der Zweite Weltkrieg im Kartenbild / Der Ostfeldzug: Heeresgruppe Mitte vom 21.6.1941 - 6.12.1941: Bd 5, Teil 1.1
- Warlimont, Walter: Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939 bis 1945, Bd. 1, 1990 

*2. Politik und Strategie Drittes Reich*
- Bogg, Horst und andere: Der Angriff auf die Sowjetunion. Fischer 1991 (Band 4 Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg)
- Fabry, Philipp: Der Hitler-Stalin-Pakt 1939-1941. 1952
- Fabry, Philipp W.    , Die Sowjetunion und das Dritte Reich, 1971
- Fleischhauer, Ingeborg: Diplomatischer Widerstand gegen Unternehmen Barbarossa.  1991
 - Fleischhauer, Ingeborg: Der Pakt, 1990
  - Gibson, Hugh: The Ciano Diaries 1939-1943, 1946
- Gorodetzky, Gabriel: Die große Täuschung.  2001
- Hillgruber, Andreas: Probleme des Zweiten Weltkrieges, 1967
 - Hillgruber, Andreas: Staatsmänner und Diplomaten bei Adolf Hitler, 1967
 - Hillgruber, Andreas: Hitlers Strategie, 1982
- Hillgruber, Andreas: Der 2. eltkrieg. Kriegsziele und Strategien der großen Mächte. 1989
- Höffkes, Karl: Deutsch-Sowjetische Geheimverbindungen, 1988
- Kühner, Otto-Heinrich: Wahn und Untergang 1939-1945, 1956
- Lamb, David: Der verfehlte Frieden, 1989
 - Martin, Bernd: Friedensinitiativen und Machtpolitik, 1976
 - Michalka, Wolfgang: Ribbentrop und die deutsche Weltpolitik 1933-1940, 1980
- Pietrow-Ennker, Bianca: Der Deutsche Angriff auf die Sowjetunion, 2000
- Quinkert, Babette: Wir sind die Herren dieses Landes Barbarossa 1941. 2002
- Überschär, Gerd R. und Wolfram Wette: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Unternehmen Barbrossa 1941, 1991 
 - Wegner, Bernd: Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt zum Unternehmen Barbarossa, 2000

*3. Politik und Strategie SU*
- Besymenski, Lew: Stalin und Hitler. Das Pokerspiel der Diktatoren. 2006
- Besymenski, Lew: Sonderakte Barbarossa. 1982
- Fischer, Alexander: Sowjetische Deutschlandpolitik im Zweiten Weltkrieg 1941-1945. 1975
- Kennan, George: Sowjetische Außenpolitik unter Lenin und Stalin, 1961
- Petrov, Vladimir: Soviet Hisorians and the German Invasion. 1968
- Valin, Valentin: Die Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition. 1995
- Wolkow, Wladimir: Stalin wollte ein anderes Europa
- Wolkogonow, Dimitri: Stalin. Triumpf und Tragödie, 1999

*4. Diplomatie West-Alliierte*
- Gilbert, Martin: The Churchill War Papers 1941 (Vol. III), 2001
- Glantz,Mary E.: FDR and the Soviet Union: The President's Battles Over Foreign Policy, 2005 
- Lorbeer, Hans Joachim: Westmächte gegen die Sowjetunion 1939-1941.  1975, Beiträge MGFA Band 18

* 5. Rüstung und Ökonomie / Drittes Reich *
- Carrol, Berenice A.: Design for Total War, 1968
- Forstmeier, Friedrich und Hans E. Volkmann (Hrsg): Wirtschaft und Rüstungam Vorabend des Zweiten Weltkriegs. 1975
- Gerlach, Christian: Kalkulierte Morde, 1999
- Schwendemann, Heinrich: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem DR und der SU 1939-41, 1993
- Milward, Alan S.: Die deutsche Kriegswirtschaft 1939-1945, 1966
- Tooze, Adam; Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, 2008
- Wagenführ, Rolf: Die deutsche Industrie im Krieg 1939-1945, 1954

* 6. Rüstung und Ökonomie / SU*
- Dunn, Walter S.: The Soviet Economy and the Red Army, 1930-1945
- Harrison, Mark: Soviet Planning in Peace and War 1938-1945

*7. Rüstung und Ökonomie / West-Allierte*
- Milward, Alan S.: Der Zweite Weltkrieg. Geschichte der Weltwirtschaft im 20. Jahrhundert, Bd. 5, 1977
*
8. Militär: Wehrmacht und Rote Armee
*- Glantz, David M.: Slaughterhouse. The Handbook of the Eastern Front 1941-45, 2004 
*
9. Militärische Planung: Wehrmacht
*- Blau, George E.: The German Campaign in Russia, Planning and Operations 1940-1942, Nachdruck German Report Series 
- Müller, Klaus-Jürgen: Das Heer und Hitler 1933-1940, Beiträge M/K-Geschichte Band 10, 1969   (Teil II)
- Overmans, Rüdiger: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg, 1999, Beiträge zur Militärgeschichte Band 46.
- Phillipi, Alfred: Das Pripjet-Problem, 1956,     
 - Phillipi/Heim: Der Feldzug gegen Sowjetrußland, 1962
 - Schüler, Klaus A. Friedrich: Logistik im Rußland-Feldzug, 1987, Europ. Hochschulschriften III/331
- Steiger: Panzertaktik 1939-1941, 1973, Beiträge des MGFA Band 13.
*
10. Militärische Planung: Rote Armee 
*- Dunn, Walter S.: Hitlers Nemeis. The Red Army, 1930-45. 1994
- Dunn, Walter S.: Stalins Key to Victory. The Rebirth of the Red Ary in WII. 2006
- Erickson, John:The Soviet High Command: A Military Political History, 1918-1941, 2001
- Erickson, John: The Road to Stalingrad, 2003
- Glantz, David M.: Stumbling Colossus. The Red Army on the Eve of World War, 1998
- Glantz, David M.: Colossus Reborn. The Red Army at War, 1941-1943, 2005
- Hill, Alekxander: The Great Patriotic War of the Soviet Union 1941-45. A documentary History, 2009 
 - Murphy, David E.: What Stalin Knew. The Enigma of Barbarossa. 2005
- Overy, Richard: Russlands Krieg 1941-1945. 2003

*11. Einzelne Schlachten
11.1 Schlachten bis Moskau 41/42
*- de Beaulieu, Walter Charles: Der Vorstoß der Panzergruppe 4 auf Leningrad - 1941 (WiK Band 29)
- Glantz David M.: The initial Period on the Eastern Front 22. June-August 1941, 1997
- Geyer, Herrman: Das IX.Armeekorps im Ostfeldzug 1941 (WiK Bd. 46).
- Hess, Wilhelm: Eismeerfront 1941.  Aufmarsch und Kämpfe des Gebirgskorps Norwegen in den Tundren vor Murmansk. (WiK Band 9)
- Hoth, Herrman: Panzer-Operationen.  Die Panzergruppe 3 und der operative Gedanke der deutschen Führung Sommer 1941 (WiK Band 11)
- Hummel, Sebastian: Die sowjetische Nordwest- und Westfront im Sommer 1941, 2001, 161 Seiten, Europ. Hochschulschriften III/912
- Kamenir, Victor: The Bloody Triangle.  The defeat of the soviet armor in the Ukraine June 1941. 2008
- Klapdor, Ewald: Der Ostfeldzug 1941- eine vorprogrammierte Niederlage? Die Panzergruppe 1 zwischen Bug und Don.  1989
- Steets, Hans: Gebirgsjäger bei Uman. Die Korpsschlacht des XXXXIX. Gebirgs-Armeekorps bei Podwyssokoje 1941 (WiK Band 4) 
 - Steets, Hans: Gebirgsjäger in der Nogaischen Steppe. Vom Dnjepr zum Asowschen Meer. August - Oktober 1941 (WiK Band 8)
 - Steets, Hans: Gebirgsjäger zwischen Dnjepr und Don. Von Tschernigowka zum Mius, Oktober-Dezember 1941 (WiK Band 15) 

* 11.2 Moskau
*- Besymenski, Lew: Zähmung des Taifuns - Schlacht um Moskau 1941, 1981*
- *Piekalkiewicz, Janusz:   Die Schlacht um Moskau. Die erfrorene Offensive,  1981. 
*- * Reinhardt, Klaus Die Wende vor Moskau. Das Scheitern der Strategie Hitlers im Winter 1941/42, 1972.
- Samsonow, A. M.: Die große Schlacht vor Moskau, 1959.
*
12. Spezielle Themen
12.1 Armee der Verbündeten*
- Axworthy, Mark: Third Axis Fourth Ally - Romanian Armed Forces 1941-1945. 1995
*
12.2 Landstreitkräfte / Panzer*
- Glantz, David M.    A: History of Soviet Airborne Forces. 1994 
- Munzel, Oskar: Panzer-Taktik.  Raids gepanzerter Verbände im Ostfeldzug 1941/42 (WiK Bd. 20)
-  Armstrong, Richard N.: Red Army Tank Commanders.  The armored Guards. 1994

*12.3 Luftwaffe*
 - Yefim, Gordon: Soviet Airpower in World War Two.  2008.

*12.4  Marine*
- Rohwer, Jürgen: Stalins Ocean going Fleet. 2006
*
12.5 Partisanen *
- Hesse, Erich: Der sowjetrussische Partisanenkrieg 1941-1944.  1969, Studien und Dokumente zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges, Bd. 9 

*12.6 Aufklärung und Spionage
* - Glantz: David M.: Soviet Military Intelligence in War, 1990
- Glantz, David M.: Soviet Military Deception in the Second World War. 1989 

*13 Dokumente von Militärs, Politikern und Diplomaten
13.1 Deutsche *
- Below, Nikolaus von: Als Hitlers Adjutant 1937-1945, 1980
- Gerbet: Generalfeldmarschall Fedor von Bock - Zwischen Pflicht und Verweigerung. Das Kriegstagebuch.  1995
- Goebbels, Joseph: Tagebücher, Bd. 4:1940-192, Piper 5 Bd., 1992
- Hill, Leonidas. E.:  Die Weizsäcker-Papiere 1933-1950 
- Mannstein v. , Erich: Verlorene Siege, 2009 
- Guderian, Heinz: Erinnerungen eines Soldaten, 1994
- Leeb, Ritter von:  Tagebuchaufzeichnungen und Lagebeurteilungen aus zwei Weltkriegen, Beiträge M/K-Geschichte Band 16 
- Speer, Albert: Erinnerungen, 2005
- Weizsäcker v.,Ernst: Erinnerungen. 1950
- Weinberg, Gehard Ed: Hitlers Second Book. The Unpublished Sequel to Mein Kampf by Adolf Hitler. 2006 

*13.2 Russen *
- Dimitroff, Georgi: Tagebücher 1933-1943, 2000
- Maisky, Ivan: Memoirs of a Soviet Ambassador. The War 1939-43. 1967
- Merezkow, Kyrill: Im Dienste des Volkes. 1972 
- Schukov, Georgi: Erinnerungen und Gedanken. 1982 
- Wassiliewski, A.M.: Sache des ganzen Lebens. 1977]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><b>22.06.1941: Operation Barbarossa</b>:<b> Die Straße nach Moskau</b><br />
Der Versuch, eine kompakte Literaturliste zur Genese und zum Ablauf von &quot;Barbarossa&quot;  bis zur &quot;Operation Taifun&quot; 41/42 zu erstellen. Es soll primär der deutschen und der  russischen Sicht gerecht werden. Den &quot;systematischen Vernichtungskrieg&quot; werde ich ausklammern, da mir die Kompetenz fehlt und es ein eigenes Thema ist.  Vielen Dank an &quot;Silesia&quot; für den kompetenten Input. <br />
<b><br />
1. Übersichtswerke / Dokumentensammlungen</b> <br />
- Halder, Franz: Kriegstagebuch Bände 1-3. 1962<br />
- Hubatsch, Walther: Hitlers Weisungen für die Kriegsführung.  1962<br />
- Jacobsen, Hans-Adolf: 1939-1945. Der Zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumenten. 1959<br />
- Mehner, Kurt: Die geheimen Tagesberichte der deutschen Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg 1939-1945.  Bd. 3 &amp; 4 vom 1.3.1941 bis 31.5.1942.<br />
- Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Entwicklungen 1900-1945. 1981<br />
- Schramm, Percy E. Hrsg.: Kriegstagebuch des OKW, Bd. 2 und 3, 1982<br />
- Gilbert, Martin: The Routledge Atlas of Russian History. 2007<br />
- Thies, Klaus J.: Der Zweite Weltkrieg im Kartenbild / Der Ostfeldzug: Heeresgruppe Mitte vom 21.6.1941 - 6.12.1941: Bd 5, Teil 1.1<br />
- Warlimont, Walter: Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939 bis 1945, Bd. 1, 1990 <br />
<br />
<b>2. Politik und Strategie Drittes Reich</b><br />
- Bogg, Horst und andere: Der Angriff auf die Sowjetunion. Fischer 1991 (Band 4 Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg)<br />
- Fabry, Philipp: Der Hitler-Stalin-Pakt 1939-1941. 1952<br />
- Fabry, Philipp W.    , Die Sowjetunion und das Dritte Reich, 1971<br />
- Fleischhauer, Ingeborg: Diplomatischer Widerstand gegen Unternehmen Barbarossa.  1991<br />
 - Fleischhauer, Ingeborg: Der Pakt, 1990<br />
  - Gibson, Hugh: The Ciano Diaries 1939-1943, 1946<br />
- Gorodetzky, Gabriel: Die große Täuschung.  2001<br />
- Hillgruber, Andreas: Probleme des Zweiten Weltkrieges, 1967<br />
 - Hillgruber, Andreas: Staatsmänner und Diplomaten bei Adolf Hitler, 1967<br />
 - Hillgruber, Andreas: Hitlers Strategie, 1982<br />
- Hillgruber, Andreas: Der 2. eltkrieg. Kriegsziele und Strategien der großen Mächte. 1989<br />
- Höffkes, Karl: Deutsch-Sowjetische Geheimverbindungen, 1988<br />
- Kühner, Otto-Heinrich: Wahn und Untergang 1939-1945, 1956<br />
- Lamb, David: Der verfehlte Frieden, 1989<br />
 - Martin, Bernd: Friedensinitiativen und Machtpolitik, 1976<br />
 - Michalka, Wolfgang: Ribbentrop und die deutsche Weltpolitik 1933-1940, 1980<br />
- Pietrow-Ennker, Bianca: Der Deutsche Angriff auf die Sowjetunion, 2000<br />
- Quinkert, Babette: Wir sind die Herren dieses Landes Barbarossa 1941. 2002<br />
- Überschär, Gerd R. und Wolfram Wette: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Unternehmen Barbrossa 1941, 1991 <br />
 - Wegner, Bernd: Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt zum Unternehmen Barbarossa, 2000<br />
<br />
<b>3. Politik und Strategie SU</b><br />
- Besymenski, Lew: Stalin und Hitler. Das Pokerspiel der Diktatoren. 2006<br />
- Besymenski, Lew: Sonderakte Barbarossa. 1982<br />
- Fischer, Alexander: Sowjetische Deutschlandpolitik im Zweiten Weltkrieg 1941-1945. 1975<br />
- Kennan, George: Sowjetische Außenpolitik unter Lenin und Stalin, 1961<br />
- Petrov, Vladimir: Soviet Hisorians and the German Invasion. 1968<br />
- Valin, Valentin: Die Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition. 1995<br />
- Wolkow, Wladimir: Stalin wollte ein anderes Europa<br />
- Wolkogonow, Dimitri: Stalin. Triumpf und Tragödie, 1999<br />
<br />
<b>4. Diplomatie West-Alliierte</b><br />
- Gilbert, Martin: The Churchill War Papers 1941 (Vol. III), 2001<br />
- Glantz,Mary E.: FDR and the Soviet Union: The President's Battles Over Foreign Policy, 2005 <br />
- Lorbeer, Hans Joachim: Westmächte gegen die Sowjetunion 1939-1941.  1975, Beiträge MGFA Band 18<br />
<br />
<b> 5. Rüstung und Ökonomie / Drittes Reich </b><br />
- Carrol, Berenice A.: Design for Total War, 1968<br />
- Forstmeier, Friedrich und Hans E. Volkmann (Hrsg): Wirtschaft und Rüstungam Vorabend des Zweiten Weltkriegs. 1975<br />
- Gerlach, Christian: Kalkulierte Morde, 1999<br />
- Schwendemann, Heinrich: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem DR und der SU 1939-41, 1993<br />
- Milward, Alan S.: Die deutsche Kriegswirtschaft 1939-1945, 1966<br />
- Tooze, Adam; Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, 2008<br />
- Wagenführ, Rolf: Die deutsche Industrie im Krieg 1939-1945, 1954<br />
<br />
<b> 6. Rüstung und Ökonomie / SU</b><br />
- Dunn, Walter S.: The Soviet Economy and the Red Army, 1930-1945<br />
- Harrison, Mark: Soviet Planning in Peace and War 1938-1945<br />
<br />
<b>7. Rüstung und Ökonomie / West-Allierte</b><br />
- Milward, Alan S.: Der Zweite Weltkrieg. Geschichte der Weltwirtschaft im 20. Jahrhundert, Bd. 5, 1977<br />
<b><br />
8. Militär: Wehrmacht und Rote Armee<br />
</b>- Glantz, David M.: Slaughterhouse. The Handbook of the Eastern Front 1941-45, 2004 <br />
<b><br />
9. Militärische Planung: Wehrmacht<br />
</b>- Blau, George E.: The German Campaign in Russia, Planning and Operations 1940-1942, Nachdruck German Report Series <br />
- Müller, Klaus-Jürgen: Das Heer und Hitler 1933-1940, Beiträge M/K-Geschichte Band 10, 1969   (Teil II)<br />
- Overmans, Rüdiger: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg, 1999, Beiträge zur Militärgeschichte Band 46.<br />
- Phillipi, Alfred: Das Pripjet-Problem, 1956,     <br />
 - Phillipi/Heim: Der Feldzug gegen Sowjetrußland, 1962<br />
 - Schüler, Klaus A. Friedrich: Logistik im Rußland-Feldzug, 1987, Europ. Hochschulschriften III/331<br />
- Steiger: Panzertaktik 1939-1941, 1973, Beiträge des MGFA Band 13.<br />
<b><br />
10. Militärische Planung: Rote Armee <br />
</b>- Dunn, Walter S.: Hitlers Nemeis. The Red Army, 1930-45. 1994<br />
- Dunn, Walter S.: Stalins Key to Victory. The Rebirth of the Red Ary in WII. 2006<br />
- Erickson, John:The Soviet High Command: A Military Political History, 1918-1941, 2001<font size="2"><br />
- Erickson, John: The Road to Stalingrad, 2003<br />
- Glantz, David M.: Stumbling Colossus. The Red Army on the Eve of World War, 1998<br />
- Glantz, David M.: Colossus Reborn. The Red Army at War, 1941-1943, 2005<br />
- Hill, Alekxander: The Great Patriotic War of the Soviet Union 1941-45. A documentary History, 2009 <br />
</font><font size="2"> - Murphy, David E.: What Stalin Knew. The Enigma of Barbarossa. 2005<br />
- Overy, Richard: Russlands Krieg 1941-1945. 2003<br />
<br />
</font><b>11. Einzelne Schlachten<br />
11.1 Schlachten bis Moskau 41/42<br />
</b>- de Beaulieu, Walter Charles: Der Vorstoß der Panzergruppe 4 auf Leningrad - 1941 (WiK Band 29)<br />
- Glantz David M.: The initial Period on the Eastern Front 22. June-August 1941, 1997<br />
- Geyer, Herrman: Das IX.Armeekorps im Ostfeldzug 1941 (WiK Bd. 46).<br />
- Hess, Wilhelm: Eismeerfront 1941.  Aufmarsch und Kämpfe des Gebirgskorps Norwegen in den Tundren vor Murmansk. (WiK Band 9)<br />
- Hoth, Herrman: Panzer-Operationen.  Die Panzergruppe 3 und der operative Gedanke der deutschen Führung Sommer 1941 (WiK Band 11)<br />
- Hummel, Sebastian: Die sowjetische Nordwest- und Westfront im Sommer 1941, 2001, 161 Seiten, Europ. Hochschulschriften III/912<br />
<font size="2">- </font>Kamenir, Victor: The Bloody Triangle.  The defeat of the soviet armor in the Ukraine June 1941. 2008<br />
- Klapdor, Ewald: Der Ostfeldzug 1941- eine vorprogrammierte Niederlage? Die Panzergruppe 1 zwischen Bug und Don.  1989<br />
- Steets, Hans: Gebirgsjäger bei Uman. Die Korpsschlacht des XXXXIX. Gebirgs-Armeekorps bei Podwyssokoje 1941 (WiK Band 4) <br />
 - Steets, Hans: Gebirgsjäger in der Nogaischen Steppe. Vom Dnjepr zum Asowschen Meer. August - Oktober 1941 (WiK Band 8)<br />
 - Steets, Hans: Gebirgsjäger zwischen Dnjepr und Don. Von Tschernigowka zum Mius, Oktober-Dezember 1941 (WiK Band 15) <br />
<br />
<b> 11.2 Moskau<br />
</b>- Besymenski, Lew: Zähmung des Taifuns - Schlacht um Moskau 1941, 1981<b><br />
- </b><font face="VERDANA, ARIAL, HELVETICA"><font size="-1">Piekalkiewicz, Janusz:   Die Schlacht um Moskau. Die erfrorene Offensive,  1981. </font></font><br />
<b>- </b><font face="VERDANA, ARIAL, HELVETICA"><font size="-1"> Reinhardt, Klaus Die Wende vor Moskau. Das Scheitern der Strategie Hitlers im Winter 1941/42, 1972.</font></font><br />
- Samsonow, A. M.: Die große Schlacht vor Moskau, 1959.<br />
<b><br />
12. Spezielle Themen<br />
12.1 Armee der Verbündeten</b><br />
- Axworthy, Mark: Third Axis Fourth Ally - Romanian Armed Forces 1941-1945. 1995<br />
<b><br />
12.2 Landstreitkräfte / Panzer</b><br />
- Glantz, David M.    A: History of Soviet Airborne Forces. 1994 <br />
- Munzel, Oskar: Panzer-Taktik.  Raids gepanzerter Verbände im Ostfeldzug 1941/42 (WiK Bd. 20)<br />
<font size="2">- </font> Armstrong, Richard N.: Red Army Tank Commanders.  The armored Guards. 1994<br />
<br />
<b>12.3 Luftwaffe</b><br />
 - Yefim, Gordon: Soviet Airpower in World War Two.  2008.<br />
<br />
<b>12.4  Marine</b><br />
- Rohwer, Jürgen: Stalins Ocean going Fleet. 2006<br />
<b><br />
12.5 Partisanen </b><br />
- Hesse, Erich: Der sowjetrussische Partisanenkrieg 1941-1944.  1969, Studien und Dokumente zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges, Bd. 9 <br />
<br />
<b>12.6 Aufklärung und Spionage<br />
</b> - Glantz: David M.: Soviet Military Intelligence in War, 1990<br />
- Glantz, David M.: Soviet Military Deception in the Second World War. 1989 <br />
<br />
<b>13 Dokumente von Militärs, Politikern und Diplomaten<br />
13.1 Deutsche </b><br />
- Below, Nikolaus von: Als Hitlers Adjutant 1937-1945, 1980<br />
- Gerbet: Generalfeldmarschall Fedor von Bock - Zwischen Pflicht und Verweigerung. Das Kriegstagebuch.  1995<br />
- Goebbels, Joseph: Tagebücher, Bd. 4:1940-192, Piper 5 Bd., 1992<br />
- Hill, Leonidas. E.:  Die Weizsäcker-Papiere 1933-1950 <br />
- Mannstein v. , Erich: Verlorene Siege, 2009 <br />
- Guderian, Heinz: Erinnerungen eines Soldaten, 1994<br />
- Leeb, Ritter von:  Tagebuchaufzeichnungen und Lagebeurteilungen aus zwei Weltkriegen, Beiträge M/K-Geschichte Band 16 <br />
- Speer, Albert: Erinnerungen, 2005<br />
- Weizsäcker v.,Ernst: Erinnerungen. 1950<br />
- Weinberg, Gehard Ed: Hitlers Second Book. The Unpublished Sequel to Mein Kampf by Adolf Hitler. 2006 <br />
<br />
<b>13.2 Russen </b><br />
- Dimitroff, Georgi: Tagebücher 1933-1943, 2000<br />
- Maisky, Ivan: Memoirs of a Soviet Ambassador. The War 1939-43. 1967<br />
- Merezkow, Kyrill: Im Dienste des Volkes. 1972 <br />
- Schukov, Georgi: Erinnerungen und Gedanken. 1982 <br />
- Wassiliewski, A.M.: Sache des ganzen Lebens. 1977</div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>thanepower</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">http://www.geschichtsforum.de/blogs/thanepower/205-22-06-1941-operation-barbarossa.html</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Was ist Zeit...und das Problem der ewigen Suche</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/amalaswintha/203-ist-zeit-und-das-problem-der-ewigen-suche.html</link>
			<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 22:31:04 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA["Was ist Zeit..." war mal ein Song von Udo Jürgens, der in den letzten Tagen Geburtstag feierte und mit dem (= der Song) eine Zeichentrickreihe zur menschlichen Evolution begonnen hatte.

Manchmal denke ich mir auch, dass Zeit in den Fingern verrinnt ... besonders dann, wenn man herumsuchen muß...

In meinen Arbeiten hatte ich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit Zeitungsartikeln zu tun und sie beschäftigen mich immer noch. Zunächst hatte ich mir eine eigene Zeitschriftendatenbank angelegt und mir wichtige Nachrichten dort mit Link und kurzer Zusammenfassung abgelegt. Das führe ich immer noch fort. Dann dachte ich mir beim Durchstöbern der Meldungen dass es eigentlich so viele kuriose und interessante Meldungen gibt, die auch andere interessieren könnten, die aber teilweise recht verstreut erscheinen. Ich habe jetzt seit etwa 14 Tagen eine kleine Auswahl von Nachrichten gesammelt und auf meiner Seite für die jeweilige Kalenderwoche ausgestellt. 
Es umfasst das Altertum bis zur frühen Neuzeit.

Wen es interessiert, der kann hier (http://lupa-romana.de/Texte/news-online-nachrichten-aktuell.html) nachsehen. Es muß sich keiner verpflichtet fühlen, aber es ist jeder herzlich eingeladen.:winke:

Jetzt sind ja noch Ferien und ich weiß nicht, wie das beim Clash mit dem Alltag werden wird. Ich hoffe, es wird nicht zu schlimm und ich kann es weiter betreiben. Geplant ist es auf jeden Fall...

Mal sehen... die Zeit wird es zeigen;)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>&quot;Was ist Zeit...&quot; war mal ein Song von Udo Jürgens, der in den letzten Tagen Geburtstag feierte und mit dem (= der Song) eine Zeichentrickreihe zur menschlichen Evolution begonnen hatte.<br />
<br />
Manchmal denke ich mir auch, dass Zeit in den Fingern verrinnt ... besonders dann, wenn man herumsuchen muß...<br />
<br />
In meinen Arbeiten hatte ich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit Zeitungsartikeln zu tun und sie beschäftigen mich immer noch. Zunächst hatte ich mir eine eigene Zeitschriftendatenbank angelegt und mir wichtige Nachrichten dort mit Link und kurzer Zusammenfassung abgelegt. Das führe ich immer noch fort. Dann dachte ich mir beim Durchstöbern der Meldungen dass es eigentlich so viele kuriose und interessante Meldungen gibt, die auch andere interessieren könnten, die aber teilweise recht verstreut erscheinen. Ich habe jetzt seit etwa 14 Tagen eine kleine Auswahl von Nachrichten gesammelt und auf meiner Seite für die jeweilige Kalenderwoche ausgestellt. <br />
Es umfasst das Altertum bis zur frühen Neuzeit.<br />
<br />
Wen es interessiert, der kann [URL=&quot;http://lupa-romana.de/Texte/news-online-nachrichten-aktuell.html&quot;]hier[/URL] nachsehen. Es muß sich keiner verpflichtet fühlen, aber es ist jeder herzlich eingeladen.:winke:<br />
<br />
Jetzt sind ja noch Ferien und ich weiß nicht, wie das beim Clash mit dem Alltag werden wird. Ich hoffe, es wird nicht zu schlimm und ich kann es weiter betreiben. Geplant ist es auf jeden Fall...<br />
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Mal sehen... die Zeit wird es zeigen;)</div>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>Amalaswintha</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">http://www.geschichtsforum.de/blogs/amalaswintha/203-ist-zeit-und-das-problem-der-ewigen-suche.html</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Xanten: Geschichte und noch mehr</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/marcia/202-xanten-geschichte-und-noch-mehr.html</link>
			<pubDate>Sat, 03 Oct 2009 07:37:05 GMT</pubDate>
			<description>Werde ich an der Kasse eines Geschäftes nach meiner Postleitzahl gefragt, gebe ich nur ungern Auskunft. Solche Kundendaten dienen immer dem „Optimieren“, wie es so schön heißt: dem Kürzen oder Verlagern von Werbeetats – was der Branche, in der ich tätig bin, meist zum Nachteil gereicht; in einigen Fällen führen solche Analysen zu Filialschließungen und damit zu Nachteilen für Verbraucher sowie Verkäufer und Verkäuferinnen, die dann ohne Job dastehen. 

  Kürzlich aber, an der Kasse des Archäologischen Parks in Xanten, gab ich meine Postleitzahl gern an, zeugte sie doch davon, dass wir aus dem Südosten Deutschlands nach Nordwesten gereist sind, um uns anzusehen, was sich in den vergangenen Jahren dort getan hat. Und ich bin auch einigermaßen optimistisch, dass man wegen einer kleinen Besucherflaute, sollte es sie je geben, nicht gleich den ganzen Park niederreißt.  

  Angenehm angetan waren wir vom RömerMuseum, von den Ausstellungsstücken, aber auch der schönen und anschaulichen Präsentation. Mir gefiel, dass dabei die vor- sowie nachrömische Periode ebenfalls ihren Platz gefunden haben. Besonders ansprechend fand ich, dass man den Menschen, von deren Grabsteinen wir ein paar Kleinigkeiten aus ihrem Leben erfahren, eine Gestalt und damit beinahe ein Gesicht gegeben hat. Interessierte Kinder können in diesem Museum eine Menge lernen, aber auch Erwachsene, das bezeuge ich, haben ihre Freude am sinnlichen Erleben wie dem Berühren von Stoffen oder dem Sitzen auf einem rekonstruierten Hörnchensattel. 

  Als wir vor fünf Jahren das letzte Mal in Xanten waren, gab es dieses Museum noch nicht. Unsere Kinder haben nach der Besichtigung des Parks die Besichtigung der Thermen verweigert und sich, während mein Mann und ich drinnen waren, mit einem Pferd beschäftigt, das draußen auf der Weide stand. Und ich muss unseren Kindern darin zustimmen, dass so eine Besichtigungstour ermüdet. Fünf Stunden verbrachten wir, nachdem wir mittags angekommen waren, in Park und Museum, und wir konnten dem Museum nur gerecht werden, weil wir den Park bereits kannten und demzufolge etwas oberflächlicher durchgehen konnten. Freilich hätten wir den folgenden Tag, den wir komplett zur Verfügung hatten, dafür nutzen können, aber zum Warten waren wir einfach zu neugierig. Und den Eintritt am Folgetag ein zweites Mal entrichten wollten wir ebenfalls nicht. Da der Park im Wachsen begriffen ist und in Zukunft noch mehr Eindrücke aufgenommen sein wollen, wäre es zu bedenken, ob man die Gültigkeitsdauer des Tickets für Park und Museum nicht etwas flexibler gestalten könnte, so dass es für einen Nachmittag und den Vormittag des nächsten Tages gilt, beispielsweise. Wir haben uns, von den Kombitickets in Rom verwöhnt, an der Kasse danach erkundigt – vergebens. Und so kam es, dass ich nach dem geschichtlichen Mega-Input keine einzige Informationstafel in Xanten mehr lesen konnte und mochte und nur noch ins Hotelbett wollte.

  Beim letzten Mal waren wir noch am selben Abend abgereist; dieses Mal leisteten wir uns den Luxus zweier Übernachtungen und mehr Zeit. Am zweiten Tag konnten wir diesen Luxus wirklich genießen, weil uns nichts mehr drängte, was unbedingt gesehen werden musste. Wir wanderten auf dem Pilgerweg über den Fürstenberg nach Birten zum Amphitheater, das zwar als gut erhalten beschrieben wird, aber das Aussehen einer neuzeitlichen Freilichtbühne hat und zudem etwas versteckt liegt. Der Weg führt vorbei an Hinweisschildern auf eine Legionsziegelei, ein Kloster, ein Leprahaus und – endlich – auf das „alte“ Lager Vetera I, von wo aus die Legionen des Varus in die Schlacht und in den Untergang zogen. Vom Lager ist nichts mehr zu sehen, die Informationstafeln stehen auf einem verunkrauteten Grundstück. Nun ist, wie wir der dortigen Tagespresse entnehmen konnten, der Bau eines Aussichtsturmes auf dem Fürstenberg geplant, der die Gegend um das ehemalige Lager für den Tourismus aufwerten soll. Sollte dort, wo einst Vetera war, gar ein zweiter  archäologischer Park entstehen? Man darf gespannt sein. 

  Wir wanderten weiter am künftigen Hafen vorbei – auch dort baut man für Touristen, die zahlreich kommen sollen –  um den Südsee herum, vorbei an Überresten eines römischen Wachturmes, die vorzufinden wir nicht erwartet hatten, sowie einer Tafel, die auf den Fund zweier römischer Lastkähne hinweist. Einer dieser Kähne ist im Römermuseum zu sehen. Wir lernten so die Gegend um Xanten etwas besser kennen, sie gefällt mir sehr gut, und das flache Land lädt zu ausgedehnten Fahrradtouren ein. Eine Informationstafel verrät, dass vom Wachturm bei Wardt aus Sichtkontakt bis nach Vetera II möglich war. Jenes später errichtete Lager befand sich dort, wo heute die Bislicher Insel ist. Bis zu dieser Insel liefen wir, freilich ohne Vetera II zu sehen, nach dem wir auch nicht mehr suchen mochten. Stattdessen machten wir mit der Fähre eine kleine Rundfahrt über den Rhein. Auch die Fähre verdankt ihren Betrieb dem Aufschwung, den der Tourismus der Gegend beschert; sie sorgt für eine Verbindung zum Bislicher Bauernmuseum und fährt nur an den Tagen, an denen das Museum besichtigt werden kann. 

  Xanten ist ein schönes, überschaubares Städtchen mit einer hübschen Fußgängerzone und einer angenehmen Auswahl von Geschäften, kleinen Ablegern bekannter Discounter, aber auch Boutiquen und anderer Läden. Als eher pragmatische Käuferin habe ich mich dort ein wenig verführen lassen, ein Shirt und ein paar Kleinigkeiten mussten mit zurück nach Dresden. Die Restaurants in Xanten sind teuer. Man sieht, der Ort ist aufgeblüht, in einigen Geschäften hängen Schilder mit Stellenangeboten aus, durchweg Minijobs und bestenfalls ein Einkommen unter mehreren, aber immerhin. Auch in der Woche waren etliche Touristen unterwegs, und das gemütliche, individuelle Hotel, in dem wir wohnten, war gut ausgelastet. Darüber freue ich mich als Besucherin, denn schließlich möchte ich wiederkommen. 

  Bildungsangebote und Sehenswürdigkeiten allein genügen – mir zumindest – nicht, um wieder einmal quer durch Deutschland zu reisen; auch der Ort und die Umgebung müssen mich ansprechen. Und wo Wachstum und Wohlstand nicht nur Privilegien Weniger sind, sondern Vielen zugute kommen, wird auch ein bisschen an das integrative Prinzip der Romanisierung angeknüpft – an deren positive Aspekte, wohlgemerkt. 

  Sollte es eine erneute Reise nach Xanten geben, ist heute schon ein längerer Zeitraum vorgesehen.</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Werde ich an der Kasse eines Geschäftes nach meiner Postleitzahl gefragt, gebe ich nur ungern Auskunft. Solche Kundendaten dienen immer dem „Optimieren“, wie es so schön heißt: dem Kürzen oder Verlagern von Werbeetats – was der Branche, in der ich tätig bin, meist zum Nachteil gereicht; in einigen Fällen führen solche Analysen zu Filialschließungen und damit zu Nachteilen für Verbraucher sowie Verkäufer und Verkäuferinnen, die dann ohne Job dastehen. <br />
<br />
  Kürzlich aber, an der Kasse des Archäologischen Parks in Xanten, gab ich meine Postleitzahl gern an, zeugte sie doch davon, dass wir aus dem Südosten Deutschlands nach Nordwesten gereist sind, um uns anzusehen, was sich in den vergangenen Jahren dort getan hat. Und ich bin auch einigermaßen optimistisch, dass man wegen einer kleinen Besucherflaute, sollte es sie je geben, nicht gleich den ganzen Park niederreißt.  <br />
<br />
  Angenehm angetan waren wir vom RömerMuseum, von den Ausstellungsstücken, aber auch der schönen und anschaulichen Präsentation. Mir gefiel, dass dabei die vor- sowie nachrömische Periode ebenfalls ihren Platz gefunden haben. Besonders ansprechend fand ich, dass man den Menschen, von deren Grabsteinen wir ein paar Kleinigkeiten aus ihrem Leben erfahren, eine Gestalt und damit beinahe ein Gesicht gegeben hat. Interessierte Kinder können in diesem Museum eine Menge lernen, aber auch Erwachsene, das bezeuge ich, haben ihre Freude am sinnlichen Erleben wie dem Berühren von Stoffen oder dem Sitzen auf einem rekonstruierten Hörnchensattel. <br />
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  Als wir vor fünf Jahren das letzte Mal in Xanten waren, gab es dieses Museum noch nicht. Unsere Kinder haben nach der Besichtigung des Parks die Besichtigung der Thermen verweigert und sich, während mein Mann und ich drinnen waren, mit einem Pferd beschäftigt, das draußen auf der Weide stand. Und ich muss unseren Kindern darin zustimmen, dass so eine Besichtigungstour ermüdet. Fünf Stunden verbrachten wir, nachdem wir mittags angekommen waren, in Park und Museum, und wir konnten dem Museum nur gerecht werden, weil wir den Park bereits kannten und demzufolge etwas oberflächlicher durchgehen konnten. Freilich hätten wir den folgenden Tag, den wir komplett zur Verfügung hatten, dafür nutzen können, aber zum Warten waren wir einfach zu neugierig. Und den Eintritt am Folgetag ein zweites Mal entrichten wollten wir ebenfalls nicht. Da der Park im Wachsen begriffen ist und in Zukunft noch mehr Eindrücke aufgenommen sein wollen, wäre es zu bedenken, ob man die Gültigkeitsdauer des Tickets für Park und Museum nicht etwas flexibler gestalten könnte, so dass es für einen Nachmittag und den Vormittag des nächsten Tages gilt, beispielsweise. Wir haben uns, von den Kombitickets in Rom verwöhnt, an der Kasse danach erkundigt – vergebens. Und so kam es, dass ich nach dem geschichtlichen Mega-Input keine einzige Informationstafel in Xanten mehr lesen konnte und mochte und nur noch ins Hotelbett wollte.<br />
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  Beim letzten Mal waren wir noch am selben Abend abgereist; dieses Mal leisteten wir uns den Luxus zweier Übernachtungen und mehr Zeit. Am zweiten Tag konnten wir diesen Luxus wirklich genießen, weil uns nichts mehr drängte, was unbedingt gesehen werden musste. Wir wanderten auf dem Pilgerweg über den Fürstenberg nach Birten zum Amphitheater, das zwar als gut erhalten beschrieben wird, aber das Aussehen einer neuzeitlichen Freilichtbühne hat und zudem etwas versteckt liegt. Der Weg führt vorbei an Hinweisschildern auf eine Legionsziegelei, ein Kloster, ein Leprahaus und – endlich – auf das „alte“ Lager Vetera I, von wo aus die Legionen des Varus in die Schlacht und in den Untergang zogen. Vom Lager ist nichts mehr zu sehen, die Informationstafeln stehen auf einem verunkrauteten Grundstück. Nun ist, wie wir der dortigen Tagespresse entnehmen konnten, der Bau eines Aussichtsturmes auf dem Fürstenberg geplant, der die Gegend um das ehemalige Lager für den Tourismus aufwerten soll. Sollte dort, wo einst Vetera war, gar ein zweiter  archäologischer Park entstehen? Man darf gespannt sein. <br />
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  Wir wanderten weiter am künftigen Hafen vorbei – auch dort baut man für Touristen, die zahlreich kommen sollen –  um den Südsee herum, vorbei an Überresten eines römischen Wachturmes, die vorzufinden wir nicht erwartet hatten, sowie einer Tafel, die auf den Fund zweier römischer Lastkähne hinweist. Einer dieser Kähne ist im Römermuseum zu sehen. Wir lernten so die Gegend um Xanten etwas besser kennen, sie gefällt mir sehr gut, und das flache Land lädt zu ausgedehnten Fahrradtouren ein. Eine Informationstafel verrät, dass vom Wachturm bei Wardt aus Sichtkontakt bis nach Vetera II möglich war. Jenes später errichtete Lager befand sich dort, wo heute die Bislicher Insel ist. Bis zu dieser Insel liefen wir, freilich ohne Vetera II zu sehen, nach dem wir auch nicht mehr suchen mochten. Stattdessen machten wir mit der Fähre eine kleine Rundfahrt über den Rhein. Auch die Fähre verdankt ihren Betrieb dem Aufschwung, den der Tourismus der Gegend beschert; sie sorgt für eine Verbindung zum Bislicher Bauernmuseum und fährt nur an den Tagen, an denen das Museum besichtigt werden kann. <br />
<br />
  Xanten ist ein schönes, überschaubares Städtchen mit einer hübschen Fußgängerzone und einer angenehmen Auswahl von Geschäften, kleinen Ablegern bekannter Discounter, aber auch Boutiquen und anderer Läden. Als eher pragmatische Käuferin habe ich mich dort ein wenig verführen lassen, ein Shirt und ein paar Kleinigkeiten mussten mit zurück nach Dresden. Die Restaurants in Xanten sind teuer. Man sieht, der Ort ist aufgeblüht, in einigen Geschäften hängen Schilder mit Stellenangeboten aus, durchweg Minijobs und bestenfalls ein Einkommen unter mehreren, aber immerhin. Auch in der Woche waren etliche Touristen unterwegs, und das gemütliche, individuelle Hotel, in dem wir wohnten, war gut ausgelastet. Darüber freue ich mich als Besucherin, denn schließlich möchte ich wiederkommen. <br />
<br />
  Bildungsangebote und Sehenswürdigkeiten allein genügen – mir zumindest – nicht, um wieder einmal quer durch Deutschland zu reisen; auch der Ort und die Umgebung müssen mich ansprechen. Und wo Wachstum und Wohlstand nicht nur Privilegien Weniger sind, sondern Vielen zugute kommen, wird auch ein bisschen an das integrative Prinzip der Romanisierung angeknüpft – an deren positive Aspekte, wohlgemerkt. <br />
<br />
  Sollte es eine erneute Reise nach Xanten geben, ist heute schon ein längerer Zeitraum vorgesehen.</div>

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			<dc:creator>Marcia</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">http://www.geschichtsforum.de/blogs/marcia/202-xanten-geschichte-und-noch-mehr.html</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Marcus Caelius, Tod in der Varusausschlachtung</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/mummius-picius/195-marcus-caelius-tod-der-varusausschlachtung.html</link>
			<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 07:42:30 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Markengeprägte Realität (schon wieder?). Nein, eher "immer noch". Oder "immer mehr". Anlass gibt mal wieder der gute alte Varus, mit seinem ohnehin einprägsamen Namen (wenn man mal von der Quinctilius-Quintilius-Frage absieht) eindeutig der Gewinner über den Arminius, den niemand mehr Hermann nennen mag, weil überhaupt niemand mehr Hermann heisst oder heissen sollte. Das Varusjahr nähert sich dem Ende, ab dem 25. Oktober werden die Ausstellungen geschlossen, die Parks winterfest gemacht und das Rumpf-Schiff "Victoria" aufgebockt. Zurück bleiben einige Stunden Fernsehdokumentationen, dutzende wieder an ihre Plätze zurückgekehrte Exponate, mehrere Hunderttausend Besuchereindrücke und ein Unentschieden in der Verlängerung: keiner der Konflikte wurde hundertprozentig aufgelöst. 

Konflikt eins: War jetzt Kalkriese der Schauplatz der Schlacht oder nicht? Ernsthafte Konkurrenz gibt es keine, aber das Schlachtfeld von Kalkriese gibt weiter Rätsel auf. Warum auch nicht? Rätsel sorgen wenigstens für Beschäftigung, und nach 2000 Jahren hat man noch ein wenig Zeit.

Konflikt zwei: Wie sieht es denn aus mit der Spätwirkung? da wollen welche mit der Niederlage des Varus einer verpassten Romanisierung nachweinen, als gäbe es ohne sie die Pizza billiger, andere schaffen es nicht, einen Hermann auf neu-deutschnationale Schultern zu wuchten – dafür sind die Schultern zu schwach und der alte Germane zu dubios. Auch hier ein unentschieden – mehr, weil das Publikum von der Show angeödet davonlief, als weil eine der Parteien den Sieg (oder die Niederlage) für sich verbuchen konnte.

Wahrscheinlich, weil man dem "Imperium-Konflikt-Mythos" nicht noch eins draufsetzen konnte, hat das formidable und absolut sehenswerte neue Museum in Xanten eine eigene Ausstellung mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn gemacht – über den nächst Varus selbst wohl berühmtesten Toten der Schlacht, den Centurio Marcus Caelius, dessen Grabstein 15?? in Xanten gefunden wurde. 

Die Ausstellung ist gut, fundiert, schön aufbereitet und durchaus angemessen für einen der schönsten und aussagekräftigsten Grabsteine der römischen Antike. Der Stein, an dem man (vielleicht einer der Kalkrieser Ausgräber?) später die Gebeine des Marcus und seiner beiden Freigelassenen begraben soll, wird in der Ausstellung nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen: und das ist wörtlich zu verstehen, denn jedes gestalterische Element des Grabmals wird vorgestellt, analysiert, mit Vergleichsobjekten versehen und erläutert. Das ist anschaulich und lehrreich. 

War das der Anlass, ein Ausstellungsplakat zu gestalten, das aussieht wie der Einband eines Robert-Harris-Historienschinkens? Sinn- und zweckenthoben dominiert ein rotes "C" die Mitte des Plakats; hat das was mit "100" zu tun (in Analogie zu Frank Millers "300"), ist es einfach nur das Monogramm des Toten (das wäre aber MC und stünde irgendwie dem Motorsport nahe) oder ist es einfach nur das "hohe C", das wir in der einen wie der anderen Form durch die Kehle rinnen lassen? Es erinnert an "M", eine Stadt sucht einen Mörder, Deutschland sucht das Varusschlachtfeld, aber weder ist die Jury so illuster besetzt noch lassen sich die Ausgeschlossenen so einfach vom Platz stellen, nein, sie mosern weiterhin am Rande. 

Darüber hinaus: warum ist der Stein so dramatisch von unten beleuchtet, als wäre der Centurio ein Nosferatu, der gleich aus seinem wahrscheinlich Kalkrieser Knochengrubengrab steigen würde? Hier hascht ein Gestalter Effekte. Die Ausstellung hat nichts gruftig-unheimliches an sich. Man kann viel drin lernen, aber nicht das Fürchten. Aber mit der Ansprache "komm her, schau hin, du kannst etwas lernen" kann man heute Kinder jeder Altersgruppe effizient verjagen. Da muss Reisserischeres her. Über Tote nur gutes heisst es, müssen es denn so banale Plakate sein?

Und nicht zuletzt: *sichtbar muss es sein.* Offensichtlich zog die Ausstellung in Xanten nicht genügend Leute, nun wurde auch der Bahnhof in Köln damit plakatiert, und zwar am Boden. Bodenplakatierung war einmal ein Werbegag; vor ein paar Wochen noch plakatierte die Bahn in eigener Sache den Boden mit verstreuten Klamotten und einer Nachtbrille. Die Bodenplakate für den toten Marcus Caelius sind einfach nur in der Dimension verrutscht; hier wird im Wortsinn der letzte Rest der Welt mit Werbung zugeklebt. Das ist aufdringlich, obszön und demzufolge ärgerlich, und ich alter Miesnickel habe wieder einen Grund, mich aufzuplustern. Schon deshalb sollte man so eine Schaltungsform (das ist der offizielle Ausdruck der Medienwelt für eine Art der Plakatierung) nicht wählen, denn zum einen ist das Plakat am Fussboden, zum anderen ist auch ein aufgeplusterter T. Mummius P. kein schöner Anblick.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Markengeprägte Realität (schon wieder?). Nein, eher &quot;immer noch&quot;. Oder &quot;immer mehr&quot;. Anlass gibt mal wieder der gute alte Varus, mit seinem ohnehin einprägsamen Namen (wenn man mal von der Quinctilius-Quintilius-Frage absieht) eindeutig der Gewinner über den Arminius, den niemand mehr Hermann nennen mag, weil überhaupt niemand mehr Hermann heisst oder heissen sollte. Das Varusjahr nähert sich dem Ende, ab dem 25. Oktober werden die Ausstellungen geschlossen, die Parks winterfest gemacht und das Rumpf-Schiff &quot;Victoria&quot; aufgebockt. Zurück bleiben einige Stunden Fernsehdokumentationen, dutzende wieder an ihre Plätze zurückgekehrte Exponate, mehrere Hunderttausend Besuchereindrücke und ein Unentschieden in der Verlängerung: keiner der Konflikte wurde hundertprozentig aufgelöst. <br />
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Konflikt eins: War jetzt Kalkriese der Schauplatz der Schlacht oder nicht? Ernsthafte Konkurrenz gibt es keine, aber das Schlachtfeld von Kalkriese gibt weiter Rätsel auf. Warum auch nicht? Rätsel sorgen wenigstens für Beschäftigung, und nach 2000 Jahren hat man noch ein wenig Zeit.<br />
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Konflikt zwei: Wie sieht es denn aus mit der Spätwirkung? da wollen welche mit der Niederlage des Varus einer verpassten Romanisierung nachweinen, als gäbe es ohne sie die Pizza billiger, andere schaffen es nicht, einen Hermann auf neu-deutschnationale Schultern zu wuchten – dafür sind die Schultern zu schwach und der alte Germane zu dubios. Auch hier ein unentschieden – mehr, weil das Publikum von der Show angeödet davonlief, als weil eine der Parteien den Sieg (oder die Niederlage) für sich verbuchen konnte.<br />
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Wahrscheinlich, weil man dem &quot;Imperium-Konflikt-Mythos&quot; nicht noch eins draufsetzen konnte, hat das formidable und absolut sehenswerte neue Museum in Xanten eine eigene Ausstellung mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn gemacht – über den nächst Varus selbst wohl berühmtesten Toten der Schlacht, den Centurio Marcus Caelius, dessen Grabstein 15?? in Xanten gefunden wurde. <br />
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Die Ausstellung ist gut, fundiert, schön aufbereitet und durchaus angemessen für einen der schönsten und aussagekräftigsten Grabsteine der römischen Antike. Der Stein, an dem man (vielleicht einer der Kalkrieser Ausgräber?) später die Gebeine des Marcus und seiner beiden Freigelassenen begraben soll, wird in der Ausstellung nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen: und das ist wörtlich zu verstehen, denn jedes gestalterische Element des Grabmals wird vorgestellt, analysiert, mit Vergleichsobjekten versehen und erläutert. Das ist anschaulich und lehrreich. <br />
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<i>War das der Anlass, ein Ausstellungsplakat zu gestalten, das aussieht wie der Einband eines Robert-Harris-Historienschinkens?</i> Sinn- und zweckenthoben dominiert ein rotes &quot;C&quot; die Mitte des Plakats; hat das was mit &quot;100&quot; zu tun (in Analogie zu Frank Millers &quot;300&quot;), ist es einfach nur das Monogramm des Toten (das wäre aber MC und stünde irgendwie dem Motorsport nahe) oder ist es einfach nur das &quot;hohe C&quot;, das wir in der einen wie der anderen Form durch die Kehle rinnen lassen? Es erinnert an &quot;M&quot;, eine Stadt sucht einen Mörder, Deutschland sucht das Varusschlachtfeld, aber weder ist die Jury so illuster besetzt noch lassen sich die Ausgeschlossenen so einfach vom Platz stellen, nein, sie mosern weiterhin am Rande. <br />
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Darüber hinaus: warum ist der Stein so dramatisch von unten beleuchtet, als wäre der Centurio ein Nosferatu, der gleich aus seinem wahrscheinlich Kalkrieser Knochengrubengrab steigen würde? Hier hascht ein Gestalter Effekte. Die Ausstellung hat nichts gruftig-unheimliches an sich. Man kann viel drin lernen, aber nicht das Fürchten. Aber mit der Ansprache &quot;komm her, schau hin, du kannst etwas lernen&quot; kann man heute Kinder jeder Altersgruppe effizient verjagen. Da muss Reisserischeres her. Über Tote nur gutes heisst es, müssen es denn so banale Plakate sein?<br />
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Und nicht zuletzt: <b>sichtbar muss es sein.</b> Offensichtlich zog die Ausstellung in Xanten nicht genügend Leute, nun wurde auch der Bahnhof in Köln damit plakatiert, und zwar am Boden. Bodenplakatierung war einmal ein Werbegag; vor ein paar Wochen noch plakatierte die Bahn in eigener Sache den Boden mit verstreuten Klamotten und einer Nachtbrille. Die Bodenplakate für den toten Marcus Caelius sind einfach nur in der Dimension verrutscht; hier wird im Wortsinn der letzte Rest der Welt mit Werbung zugeklebt. Das ist aufdringlich, obszön und demzufolge ärgerlich, und ich alter Miesnickel habe wieder einen Grund, mich aufzuplustern. Schon deshalb sollte man so eine Schaltungsform (das ist der offizielle Ausdruck der Medienwelt für eine Art der Plakatierung) nicht wählen, denn zum einen ist das Plakat am Fussboden, zum anderen ist auch ein aufgeplusterter T. Mummius P. kein schöner Anblick.</div>


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			<dc:creator>Mummius Picius</dc:creator>
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			<title>Wer darf Deutsch sein?: Chinesen in Deutschland 1854- 1945</title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/saint-simone/191-wer-darf-deutsch-sein-chinesen-deutschland-1854-1945.html</link>
			<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 03:45:55 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA["Du kannst doch gar nicht deutsch sein. Du siehst doch viel zu anders aus...na, wie'n Ausländer, halt. Das musst du mir erst mal beweisen, daß du Deutsche bist!" 

Samstagabend in einer englischen Kleinstadt im Pub treffen Welten aufeinander: Zwei scheinbar nette junge Herren- die Bekannten von Bekannten die mit ins Pub gekommen sind- und ich. Anfangs war alles ganz harmlos, bis Deutsch gesprochen wurde, und man mir Komplimente ob meines guten gesprochenen Deutsches machte. Das hätte ich aber schön gelernt, und auch noch so fliessend und akzentfrei. Das können anscheinend nicht viele Ausländer. 

Nachdem ich sie darauf hingewiesen habe Deutsche zu sein, wollten sie mir das freilich nicht glauben. Nein, das könne ja gar nicht sein, das sieht man doch. So wie ich aussähe gehe das doch gar nicht. Jemand wie ich könne doch gar nicht Deutsch sein. Das soll ich doch erstmal beweisen. Jemand wie ich kann nicht deutsch sein, weil...ach, ja, so wie ich aussehe bin ich ganz bestimmt als Wirtschaftsasylantin eingewandert. Ganz bestimmt. 

Und die BRD ist kein Einwanderungsland- hat jedenfalls unser ehemaliger Bundeskanzler Kohl vor vielen Jahren gesagt. Das mag man sehen wie man will, und streiten mag sich darüber wer möchte, aber das eingewandert wurde ist nun mal so. Es wurde eingewandert, ausgewandert, zurückgewandert und es fanden ganze Völkerwanderungen statt. Im Laufe der Geschichte wurde in Deutschland viel gewandert, aber Einwanderer kamen eher aus dem europäischen Raum. Macht auch Sinn, wenn man zu Fuß oder anders überland unterwegs ist. 

Hafenstädte, wie Hamburg, sind da eine ganz andere Sache. Dank deutscher Buchführung ist bekannt, daß anno 1854 neun Asiaten in Hamburg lebten. Woher genau sie kamen ist nicht bekannt, aber ab 1890 waren die Zahlen genauer- da gab es 43 Chinesen in Hamburg und um 1910 schon 207 (Drewer & Herr, 1990:265). In einer großen Stadt wie Hamburg macht das freilich nicht viel her, aber dank des Handels mit China vergrößerte sich die Minderheit rasch. Deutsche Reeder heuerten anscheinend gerne Chinesische Seeleute an, vor Allem für gefährliche Arbeiten wie Feuer löschen (Edeling, 1968:170). 

In Hamburg gab es ein kleines, um nicht zu sagen, winziges 'Chinaviertel' mit ein paar chinesischen Restaurants, Wäschereien, Geschäften und ein Anwerbebüro für chinesische Seeleute (Bowles, 1992:32). Kurz vor dem zweiten Weltkrieg lag die Zahl der Chinesen in Hamburg scheinbar bei ca 400, von denen die Mehrheit gezwungen war das Land zu verlassen, als 1941 China Japan, Deutschland und Italien den Krieg erklärte (Yue, 2000:12). Diejenigen, die es nicht taten oder konnten, wurden vom deutschen Regime verfolgt. Mit Gewalt wurde 1944 dem Chinaviertel in der 'China Aktion' ein Ende gesetzt und alle verbliebenen 165 Chinesen wurden verhaftet, da man ihnen unterstellte den Versuch machen zu wollen über die Türkei nach England fliehen zu wollen um dann gegen Deutschland zu kämpfen (Bowles, 1992:43). Zuerst wurden sie ins Fuhlsbütteler Gefängnis gebracht, und dann ins 'Arbeitserziehungslager Langer Morgen' überstellt von wo aus sie an die Bahn, Öl und Zementindustrie 'verliehen' wurden (Zhao 1989:08). 17 wurden zu Tode gearbeitet und der Rest blieb in Gefangenschaft, bis die Gestapo die Vermutung, daß die Chinesen fliehen und gegen Deutschland kämpfen wollten nicht bewahrheiten konnte, und sie wieder freigelassen wurden, woraufhin die meisten das Land verliessen (Diercks, 1992). Nach dem Krieg erhielten die Hamburger Chinesen keine Entschädigung, wobei die Meinungen auseinander gehen warum das so war.

In Berlin, wo laut Yue (2000) vor dem Krieg ca 1000 Chinesen lebten, wurden diese ab 1933 vom Staat überwacht und schikaniert. Viele waren aus der ehemaligen deutschen Kolonie in China, Tsingtao nach Berlin gekommen, und manche hegten kommunistische Sympathien. Den Berliner Chinesen wurde unter anderem unterstellt, daß sie Deutschen die Wohnungen wegnähmen, weil sie willens seien höhere Mieten zu zahlen und es wurde ihnen unterstellt 'mit einer bestimmten Sorte deutscher Frau zu verkehren' (Bowles, 1992:41). Der Traum eines jeden Orientalen sei es, eine weiße Frau zu besitzen- schrieb der Journalist Hans Morgenstern im Jahre 1932 (Yue, 2000:13), und unterstellte damit den Chinesischen Männern, daß sie sich alle nach weißen Frauen verzehrten. Im Rahmen der Rassenpolitik freilich undenkbar, da Chinesen als 'nicht-arische, nicht-jüdische Fremdblüter' klassifiziert waren (2000:13).

Nach dem Krieg hat sich die chinesische Regierung darum bemüht den Hamburger Chinesen nach China zu helfen. So weit ich aus dem Gedächnis weiß, sind alle gegangen, bis auf einer, der blieb. Über dessen weiteres Verbleiben weiß ich leider nichts, auch wenn ich gerne wüsste wie er sich im Nachkriegsdeutschland zurechtgefunden und wohlgefühlt hat. 

Wenn er solchen Menschen wie ich am Samstagabend begegnet ist, dann wage ich zu zweifeln, daß er sich sehr wohlgefühlt hat. Oder wenn er Kinder hatte, wie mag es denen wohl ergangen sein? Mussten die sich auch rechtfertigen? Ich habe mich nicht gerechtfertigt, sondern das Gespräch eingestellt. Wenn jemand freundlich nachfragt, gebe ich gerne Auskunft, aber wenn ich so direkt abgelehnt werde bis ich einen Beweis und Rechtfertigung meiner Existenz erbringe dann schäme ich mich lieber für all jene Deutschen die ihre Mitbürger noch immer als 'nicht-arisch, nicht-jüdische Fremdblüter' klassifizieren. 

Vor Allem schäme ich mich dann, wenn umsitzende britische Freunde, die genug Deutsch verstehen um einer solchen Unterhaltung zu folgen, letztendlich aufspringen und meine Landsleute mit 'deutschem Gruß' bedenken, damit die Beiden endlich den Mund halten. Ein unschöner Ausgang eines unschönen Abends, der zu meinem Leidwesen auf allen Seiten böses Blut gestiftet hat, und mir noch immer schwer auf dem Magen liegt. Wenn ich freundlich gefragt werde, gebe ich normalerweise gerne Auskunft und gebe offen zu, daß vor vielen, vielen Jahren meine Mutter nach Deutschland gekommen ist, sich in einen Deutschen verliebt hat und ihn dann geheiratet hat. Aber wenn mir meine eigenen Landsleute so offen zu verstehen geben, daß ich eigentlich unerwünscht bin, dann bin ich nur noch Deutsche weil ich nicht anders kann. Tja, laut Personalausweis gehöre ich nun mal zum ständigen Personal der Bundesrepublik und tröste mich mit dem Gedanken, daß Fremdenfeindlichkeit, genau wie Dummheit grenzenlos und international ist. Und natürlich mit dem Gedanken, daß zwei Blödmänner in einem Volk von mehr als 80 Millionen wirklich nicht ins Gewicht fallen!

Quellen: 
*Bowles, E. (1992) 'The Chinese in Hamburg' unpublished MA thesis
*Drewer, D. & Herr, I. (1990) 'The Chinese in Hamburg'
*Edeling, H. (1968) 'Schwarze Chronik einer Weltstadt' 
*Diercks, H. (1992) 'Friedhof Ohlsdorf: Auf den Spuren der Naziherrschaft und Widerstand'
*Yue, M.-B. (2000) 'On not looking German:ethnicity, diaspora and the politics of vision'. 
*Zhao, R. (1989) 'Sixty years of Chinese Associaton in Hamburg']]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>&quot;<i>Du kannst doch gar nicht deutsch sein. Du siehst doch viel zu anders aus...na, wie'n Ausländer, halt. Das musst du mir erst mal beweisen, daß du Deutsche bist!</i>&quot; <br />
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Samstagabend in einer englischen Kleinstadt im Pub treffen Welten aufeinander: Zwei scheinbar nette junge Herren- die Bekannten von Bekannten die mit ins Pub gekommen sind- und ich. Anfangs war alles ganz harmlos, bis Deutsch gesprochen wurde, und man mir Komplimente ob meines guten gesprochenen Deutsches machte. Das hätte ich aber schön gelernt, und auch noch so fliessend und akzentfrei. Das können anscheinend nicht viele Ausländer. <br />
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Nachdem ich sie darauf hingewiesen habe Deutsche zu sein, wollten sie mir das freilich nicht glauben. Nein, das könne ja gar nicht sein, das sieht man doch. So wie ich aussähe gehe das doch gar nicht. Jemand wie ich könne doch gar nicht Deutsch sein. Das soll ich doch erstmal beweisen. Jemand wie ich kann nicht deutsch sein, weil...ach, ja, so wie ich aussehe bin ich ganz bestimmt als Wirtschaftsasylantin eingewandert. Ganz bestimmt. <br />
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Und die BRD ist kein Einwanderungsland- hat jedenfalls unser ehemaliger Bundeskanzler Kohl vor vielen Jahren gesagt. Das mag man sehen wie man will, und streiten mag sich darüber wer möchte, aber das eingewandert wurde ist nun mal so. Es wurde eingewandert, ausgewandert, zurückgewandert und es fanden ganze Völkerwanderungen statt. Im Laufe der Geschichte wurde in Deutschland viel gewandert, aber Einwanderer kamen eher aus dem europäischen Raum. Macht auch Sinn, wenn man zu Fuß oder anders überland unterwegs ist. <br />
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Hafenstädte, wie Hamburg, sind da eine ganz andere Sache. Dank deutscher Buchführung ist bekannt, daß anno 1854 neun Asiaten in Hamburg lebten. Woher genau sie kamen ist nicht bekannt, aber ab 1890 waren die Zahlen genauer- da gab es 43 Chinesen in Hamburg und um 1910 schon 207 (Drewer &amp; Herr, 1990:265). In einer großen Stadt wie Hamburg macht das freilich nicht viel her, aber dank des Handels mit China vergrößerte sich die Minderheit rasch. Deutsche Reeder heuerten anscheinend gerne Chinesische Seeleute an, vor Allem für gefährliche Arbeiten wie Feuer löschen (Edeling, 1968:170). <br />
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In Hamburg gab es ein kleines, um nicht zu sagen, winziges 'Chinaviertel' mit ein paar chinesischen Restaurants, Wäschereien, Geschäften und ein Anwerbebüro für chinesische Seeleute (Bowles, 1992:32). Kurz vor dem zweiten Weltkrieg lag die Zahl der Chinesen in Hamburg scheinbar bei ca 400, von denen die Mehrheit gezwungen war das Land zu verlassen, als 1941 China Japan, Deutschland und Italien den Krieg erklärte (Yue, 2000:12). Diejenigen, die es nicht taten oder konnten, wurden vom deutschen Regime verfolgt. Mit Gewalt wurde 1944 dem Chinaviertel in der 'China Aktion' ein Ende gesetzt und alle verbliebenen 165 Chinesen wurden verhaftet, da man ihnen unterstellte den Versuch machen zu wollen über die Türkei nach England fliehen zu wollen um dann gegen Deutschland zu kämpfen (Bowles, 1992:43). Zuerst wurden sie ins Fuhlsbütteler Gefängnis gebracht, und dann ins 'Arbeitserziehungslager Langer Morgen' überstellt von wo aus sie an die Bahn, Öl und Zementindustrie 'verliehen' wurden (Zhao 1989:08). 17 wurden zu Tode gearbeitet und der Rest blieb in Gefangenschaft, bis die Gestapo die Vermutung, daß die Chinesen fliehen und gegen Deutschland kämpfen wollten nicht bewahrheiten konnte, und sie wieder freigelassen wurden, woraufhin die meisten das Land verliessen (Diercks, 1992). Nach dem Krieg erhielten die Hamburger Chinesen keine Entschädigung, wobei die Meinungen auseinander gehen warum das so war.<br />
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In Berlin, wo laut Yue (2000) vor dem Krieg ca 1000 Chinesen lebten, wurden diese ab 1933 vom Staat überwacht und schikaniert. Viele waren aus der ehemaligen deutschen Kolonie in China, Tsingtao nach Berlin gekommen, und manche hegten kommunistische Sympathien. Den Berliner Chinesen wurde unter anderem unterstellt, daß sie Deutschen die Wohnungen wegnähmen, weil sie willens seien höhere Mieten zu zahlen und es wurde ihnen unterstellt 'mit einer bestimmten Sorte deutscher Frau zu verkehren' (Bowles, 1992:41). Der Traum eines jeden Orientalen sei es, eine weiße Frau zu besitzen- schrieb der Journalist Hans Morgenstern im Jahre 1932 (Yue, 2000:13), und unterstellte damit den Chinesischen Männern, daß sie sich alle nach weißen Frauen verzehrten. Im Rahmen der Rassenpolitik freilich undenkbar, da Chinesen als 'nicht-arische, nicht-jüdische Fremdblüter' klassifiziert waren (2000:13).<br />
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Nach dem Krieg hat sich die chinesische Regierung darum bemüht den Hamburger Chinesen nach China zu helfen. So weit ich aus dem Gedächnis weiß, sind alle gegangen, bis auf einer, der blieb. Über dessen weiteres Verbleiben weiß ich leider nichts, auch wenn ich gerne wüsste wie er sich im Nachkriegsdeutschland zurechtgefunden und wohlgefühlt hat. <br />
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Wenn er solchen Menschen wie ich am Samstagabend begegnet ist, dann wage ich zu zweifeln, daß er sich sehr wohlgefühlt hat. Oder wenn er Kinder hatte, wie mag es denen wohl ergangen sein? Mussten die sich auch rechtfertigen? Ich habe mich nicht gerechtfertigt, sondern das Gespräch eingestellt. Wenn jemand freundlich nachfragt, gebe ich gerne Auskunft, aber wenn ich so direkt abgelehnt werde bis ich einen Beweis und Rechtfertigung meiner Existenz erbringe dann schäme ich mich lieber für all jene Deutschen die ihre Mitbürger noch immer als 'nicht-arisch, nicht-jüdische Fremdblüter' klassifizieren. <br />
<br />
Vor Allem schäme ich mich dann, wenn umsitzende britische Freunde, die genug Deutsch verstehen um einer solchen Unterhaltung zu folgen, letztendlich aufspringen und meine Landsleute mit 'deutschem Gruß' bedenken, damit die Beiden endlich den Mund halten. Ein unschöner Ausgang eines unschönen Abends, der zu meinem Leidwesen auf allen Seiten böses Blut gestiftet hat, und mir noch immer schwer auf dem Magen liegt. Wenn ich freundlich gefragt werde, gebe ich normalerweise gerne Auskunft und gebe offen zu, daß vor vielen, vielen Jahren meine Mutter nach Deutschland gekommen ist, sich in einen Deutschen verliebt hat und ihn dann geheiratet hat. Aber wenn mir meine eigenen Landsleute so offen zu verstehen geben, daß ich eigentlich unerwünscht bin, dann bin ich nur noch Deutsche weil ich nicht anders kann. Tja, laut Personalausweis gehöre ich nun mal zum ständigen Personal der Bundesrepublik und tröste mich mit dem Gedanken, daß Fremdenfeindlichkeit, genau wie Dummheit grenzenlos und international ist. Und natürlich mit dem Gedanken, daß zwei Blödmänner in einem Volk von mehr als 80 Millionen wirklich nicht ins Gewicht fallen!<br />
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Quellen: <br />
*Bowles, E. (1992) 'The Chinese in Hamburg' unpublished MA thesis<br />
*Drewer, D. &amp; Herr, I. (1990) 'The Chinese in Hamburg'<br />
*Edeling, H. (1968) 'Schwarze Chronik einer Weltstadt' <br />
*Diercks, H. (1992) 'Friedhof Ohlsdorf: Auf den Spuren der Naziherrschaft und Widerstand'<br />
*Yue, M.-B. (2000) 'On not looking German:ethnicity, diaspora and the politics of vision'. <br />
*Zhao, R. (1989) 'Sixty years of Chinese Associaton in Hamburg'</div>

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			<dc:creator>Saint-Simone</dc:creator>
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			<title><![CDATA[Edinburgh: 'Auld Reekie'- der alte Stinker]]></title>
			<link>http://www.geschichtsforum.de/blogs/saint-simone/188-edinburgh-auld-reekie-der-alte-stinker.html</link>
			<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 21:27:00 GMT</pubDate>
			<description><![CDATA[Nach zehn Jahren wäre es das dann mit England und mir; einer Hassliebe, die sich langsam in eine nachsichtige und manchmal liebevolle Symbiose verwandelt hat. Ich werde cricket nie verstehen, und England wird nie verstehen, daß ich kein großer Fan der Sonntagsöffnungszeiten bin. Wir haben uns schön miteinander arrangiert, aber jetzt ist es vorbei. 

Am 30. Sept muß ich laut englischem System meine Dissertation einhändigen, was so eine Sache wäre wo das Land und ich uns nicht arrangiert haben, aber man kann nicht alles haben. Die Zeiten in England sind vorbei. :cry:

Nicht das ich es geschafft hätte meiner Insel zu entkommen, ich bleibe auf meiner Insel und ziehe nur um. Nach Schottland, und um genau zu sein, nach Edinburgh. Neben den letzten Korrekturen bin ich also im Moment auf der Wohnungssuche für meine Größere Hälfte und mich. Was heißt Wohnungssuche? Im Moment bin ich noch am forschen wo die Mieten erschwinglich sind und die Council Tax (Gemeindesteuer) nicht so hoch ist, wo man sein Auto auf der Straße parken kann, ohne daß man es zuerst bei der Stadt anmelden muß- unnötiger Aufwand wenn man deutsches Kennzeichen hat, es für ein englisches Kennzeichen teuer umrüsten müsste, und dann nochmal für Britischen TÜV zahlen darf - und wo die lokalen Banden es am nächsten Morgen nicht abgefackelt haben. 

Beim ersten gemeinschaftlichen Gespräch über die Wahl des Wohnortes wäre es freilich nicht schlecht gewesen eine Stadtkarte zu haben. Habe ich auch, nur wo. Klar hätten wir auch einfach google maps benutzen können, aber da wir ohnehin eine Karte von Edinburgh an der Wand hängen haben, haben wir einfach die benutzt. Der Haken daran ist, daß es sich dabei um einen Nachdruck einer Karte von ca 1710 handelt. Zum Glück habe ich die Faszination mit Karten von meinem Opa geerbt und diese Karte schon tausende Male mit dem modernen Stadtplan verglichen, und meine größere Hälfte hat einen hervorragenden Orientierungssinn. Gemeinsam sind wir ein Navigationssystem. 

Das Schöne an Edinburgh ist, daß sich der Kern der ältesten Altstadt nicht sehr verändert hat. Im Grunde handelt es sich dabei noch immer um eine lange Straße, die Royal Mile, die sich von der Burg bis zum Holyrood Palace, auf einem Bergrücken herabzieht. Davon gehen dann nach Norden und Süden zahlreiche kleinen Gassen ab, die Wynds oder Closes heißen. Gen Norden gingen sie früher alle zur Bank des Nor' Lochs hinab, der sowohl Kloake, Richtplatz und Ort für Selbstmorde war. Heutzutage gibt es den See nicht mehr und stattdessen befinden sich dort die Princes Gardens, das Scott Memorial und Waverly Station- der Hauptbahnhof direkt am Fuße der Burg. 

Das kann man auch in jedem Reiseführer nachlesen, oder selbst auf der Karte sehen, aber was mich immer wieder daran fasziniert, ist die Beschreibung die Daniel Defoe über Edinburgh geschrieben hat: A tour thro' the whole island of Great Britain by Daniel Defoe: Letter XI: South-Eastern Scotland: Part 2: on Undiscovered Scotland (http://www.undiscoveredscotland.co.uk/usebooks/defoe-scotland/letter11-2.html)

Wenn man also auf Arthur's Seat steht kann man es an klaren Tagen fast noch so sehen wie er es damals gesehen hat. Und vor allem, wenn man sich in den Mary King's Close begibt, kann man sich ein Bild davon machen, was Daniel Defoe damals in den Gassen Edinburghs vorfand. Mary King's Close wurde erst relativ kürzlich wiederentdeckt. Es handelt sich dabei um eine kleine Gasse oder eher ein Wirr-Warr von Gassen, die unteriridisch unter den Chambers of Commerce liegt. Als diese gebaut wurden, wurde die Gasse einfach überbaut und scheinbar als Fundament benutzt. Wenn man heute durchgeht kriegt man freilich tausende von Geistergeschichten für teures Geld erzählt, aber es hat sich für mich gelohnt in der Gasse zu stehen in der ich mit beiden Händen gegenüberliegende Hauswände beinahe erreichen konnte, und an Hochhäusern hochzusehen. 

Sieben bis acht Stockwerke waren im Edinburgh des 17. Jahrhunderts keine Seltenheit. Die Stadt war umgrenzt von Stadtmauern, was es nur sinnvoll machte nach oben zu bauen, so das in manche Gassen kaum Tageslicht fiel. Am Boden, direkt an der Straße befanden sich Geschäfte, oder dort lebten die Ärmsten. Laut Plant (1952) zog es die bessere Gesellschaft auf dem fünften Stock zu wohnen, wohingegen die unteren und oberen Stockwerke von ärmeren Leuten gemieten wurden. Wenn man dabei bendenkt, daß Treppen entweder an der Fassade hoch liefen oder sich im dunklen Hausinneren hochschlängelten, und daß auf den Absätzen auch noch öfter Obdachlose schliefen, ist es nicht verwunderlich, daß die 'bessere Gesellschaft' sich über's Wochenende auf das Land zurückzog. 

Edinburgh blieb bis ins 18. Jahrhundert eine befestigte Stadt, die allzeit bereit war sich einer englischen Invasion zu erwehren. Das führte natürlich dazu, daß die Gebäude in die Höhe schossen und manche vierzehn bis fünfzehn Stockwerke hoch waren. Damit wäre dann die Frage nach dem Tageslicht unten in der Gasse auch geklärt, und wenn man sich vor Augen hält, daß in einem einzigen Raum eine ganze Familie wohnen konnte- ohne sanitäre Anlagen und fließend Wasser- dann wird auch der Spitzname der Stadt etwas deutlicher. Zudem wurde im 17. und 18. Jahrhundert auch noch Vieh in der Stadt gehalten und geschlachtet, was dem Aroma der Straßen, die zugleich als Kanalisation dienten nicht zuträglich gewesen sein kann. 

Unrat wurde in die Gasse geworfen und folgte dann dem Weg der Schwerkraft in den Nor' Loch. Da darf es dann auch nicht verwunderlich sein, daß die Häuser und Fassaden, die direkt an die Royal Mile grenzten zu den besseren gehörten. Da floß nicht der ganze Schmaddel vorbei, und man konnte das Tageslicht sehen. Die Mieten schossen im Laufe des 18. Jahrhunderts in die Höhe, so das auch jene die eigentlich zur besseren Gesellschaft gehörten sich wenig leisten konnten. Plant (1952:21) beschreibt die Situation eines wohlsituierten Juristen im Jahre 1760, der mit seiner Frau, den Kindern und den Dienstboten in vier Zimmern auskommen musste- Wohnzimmer, Büro, Schlafzimmer und Küche. Die Kinder und das Kindermädchen mussten des Nachts im Büro schlafen, die Magd schlief in der Küche und der Diener musste anderweitig unterkommen. Dafür musste man 15 Pfund Sterling im Jahr zahlen (zum Vergleich: Jahresverdienst einer Magd ca 3-5 Pfund Sterling). 

Die Wohnungsnot und die Mieten erhöhten sich im Winter, wenn die Saison begann, und alles was Rang und Namen hatte nach Edinburgh strömte. Im Norden des Landes, im Hochland, war es eher üblich sich im Winter nach Inverness zu begeben, zum Teil um dort die Kinder zur Schule zu schicken, zum Teil um der Gesellschaft willen. Aber 1732 bat Lord Lovat- definitiv ein Highlander (Simon Fraser, 'The Old Fox' der jedem Leser von Diana Gabaldons Highland Saga ein Begriff sein sollte)- dennoch seinen Cousin in Edinburgh ihm so schnell wie möglich Zimmer zu besorgen, bevor alle anderen ankamen. 

Heutzutage ist das ähnlich, nur sind es keine Lords oder Clan Chiefs mehr, die uns die Wohnräume streitig machen: Im Oktober fängt das erste Trimester der Unis an und bis dahin wollen freilich alle Studenten mit einem Dach über dem Kopf versorgt sein. Wir auch, also werden wir uns um die gleichen günstigen Wohnungen rangeln, nur um dann zu versuchen jedes Wochenende wegzukommen. Aber zum Höhepunkt der Wintersaison, damals wie heute, Hogmanay (Neujahr) werden wir wohl alle da sein wollen. Und dann kommen auch noch Touristen aus aller Welt, die auch zum Feuerwerk über der Burg 'Auld Lang Syne' zu Mitternacht singen wollen dabei noch gewillt sind unverschämte Mieten für eine Ferienwohnung zu zahlen, und ich fürchte sowohl wir als auch unsere ehemaligen Rivalen werden uns fragen, ob die denn alle kein Zuhause haben und 'unsere' Mieten in die Höhe treiben müssen. :motz: :D Und Sonnenlicht? Also bitte, es ist Schottland, und wie wir alle wissen, regnet es immer- wenn ich da bin.;)

Quellenangaben: 

Plant, M. (1952) The Domestic Life of Scotland in the Eighteenth Century. Edinburgh University Press

Und für alle die es interessiert: Welcome | The Real Mary King’s Close (http://www.realmarykingsclose.com/)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Nach zehn Jahren wäre es das dann mit England und mir; einer Hassliebe, die sich langsam in eine nachsichtige und manchmal liebevolle Symbiose verwandelt hat. Ich werde <i>cricket</i> nie verstehen, und England wird nie verstehen, daß ich kein großer Fan der Sonntagsöffnungszeiten bin. Wir haben uns schön miteinander arrangiert, aber jetzt ist es vorbei. <br />
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Am 30. Sept muß ich laut englischem System meine Dissertation einhändigen, was so eine Sache wäre wo das Land und ich uns nicht arrangiert haben, aber man kann nicht alles haben. Die Zeiten in England sind vorbei. :cry:<br />
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Nicht das ich es geschafft hätte meiner Insel zu entkommen, ich bleibe auf meiner Insel und ziehe nur um. Nach Schottland, und um genau zu sein, nach Edinburgh. Neben den letzten Korrekturen bin ich also im Moment auf der Wohnungssuche für meine Größere Hälfte und mich. Was heißt Wohnungssuche? Im Moment bin ich noch am forschen wo die Mieten erschwinglich sind und die <i>Council Tax</i> (Gemeindesteuer) nicht so hoch ist, wo man sein Auto auf der Straße parken kann, ohne daß man es zuerst bei der Stadt anmelden muß- unnötiger Aufwand wenn man deutsches Kennzeichen hat, es für ein englisches Kennzeichen teuer umrüsten müsste, und dann nochmal für Britischen TÜV zahlen darf - und wo die lokalen Banden es am nächsten Morgen nicht abgefackelt haben. <br />
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Beim ersten gemeinschaftlichen Gespräch über die Wahl des Wohnortes wäre es freilich nicht schlecht gewesen eine Stadtkarte zu haben. Habe ich auch, nur wo. Klar hätten wir auch einfach google maps benutzen können, aber da wir ohnehin eine Karte von Edinburgh an der Wand hängen haben, haben wir einfach die benutzt. Der Haken daran ist, daß es sich dabei um einen Nachdruck einer Karte von ca 1710 handelt. Zum Glück habe ich die Faszination mit Karten von meinem Opa geerbt und diese Karte schon tausende Male mit dem modernen Stadtplan verglichen, und meine größere Hälfte hat einen hervorragenden Orientierungssinn. Gemeinsam sind wir ein Navigationssystem. <br />
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Das Schöne an Edinburgh ist, daß sich der Kern der ältesten Altstadt nicht sehr verändert hat. Im Grunde handelt es sich dabei noch immer um eine lange Straße, die <i>Royal Mile</i>, die sich von der Burg bis zum <i>Holyrood Palace</i>, auf einem Bergrücken herabzieht. Davon gehen dann nach Norden und Süden zahlreiche kleinen Gassen ab, die <i>Wynds</i> oder <i>Closes</i> heißen. Gen Norden gingen sie früher alle zur Bank des <i>Nor' Lochs </i>hinab, der sowohl Kloake, Richtplatz und Ort für Selbstmorde war. Heutzutage gibt es den See nicht mehr und stattdessen befinden sich dort die <i>Princes Gardens, </i>das <i>Scott Memorial </i>und <i>Waverly Station</i>- der Hauptbahnhof direkt am Fuße der Burg<i>. </i><br />
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Das kann man auch in jedem Reiseführer nachlesen, oder selbst auf der Karte sehen, aber was mich immer wieder daran fasziniert, ist die Beschreibung die Daniel Defoe über Edinburgh geschrieben hat: <a href="http://www.undiscoveredscotland.co.uk/usebooks/defoe-scotland/letter11-2.html" target="_blank">A tour thro' the whole island of Great Britain by Daniel Defoe: Letter XI: South-Eastern Scotland: Part 2: on Undiscovered Scotland</a><br />
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Wenn man also auf <i>Arthur's Seat</i> steht kann man es an klaren Tagen fast noch so sehen wie er es damals gesehen hat. Und vor allem, wenn man sich in den <i>Mary King's Close </i>begibt, kann man sich ein Bild davon machen, was Daniel Defoe damals in den Gassen Edinburghs vorfand. <i>Mary King's Close</i> wurde erst relativ kürzlich wiederentdeckt. Es handelt sich dabei um eine kleine Gasse oder eher ein Wirr-Warr von Gassen, die unteriridisch unter den <i>Chambers of Commerce</i> liegt. Als diese gebaut wurden, wurde die Gasse einfach überbaut und scheinbar als Fundament benutzt. Wenn man heute durchgeht kriegt man freilich tausende von Geistergeschichten für teures Geld erzählt, aber es hat sich für mich gelohnt in der Gasse zu stehen in der ich mit beiden Händen gegenüberliegende Hauswände beinahe erreichen konnte, und an Hochhäusern hochzusehen. <br />
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Sieben bis acht Stockwerke waren im Edinburgh des 17. Jahrhunderts keine Seltenheit. Die Stadt war umgrenzt von Stadtmauern, was es nur sinnvoll machte nach oben zu bauen, so das in manche Gassen kaum Tageslicht fiel. Am Boden, direkt an der Straße befanden sich Geschäfte, oder dort lebten die Ärmsten. Laut Plant (1952) zog es die bessere Gesellschaft auf dem fünften Stock zu wohnen, wohingegen die unteren und oberen Stockwerke von ärmeren Leuten gemieten wurden. Wenn man dabei bendenkt, daß Treppen entweder an der Fassade hoch liefen oder sich im dunklen Hausinneren hochschlängelten, und daß auf den Absätzen auch noch öfter Obdachlose schliefen, ist es nicht verwunderlich, daß die 'bessere Gesellschaft' sich über's Wochenende auf das Land zurückzog. <br />
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Edinburgh blieb bis ins 18. Jahrhundert eine befestigte Stadt, die allzeit bereit war sich einer englischen Invasion zu erwehren. Das führte natürlich dazu, daß die Gebäude in die Höhe schossen und manche vierzehn bis fünfzehn Stockwerke hoch waren. Damit wäre dann die Frage nach dem Tageslicht unten in der Gasse auch geklärt, und wenn man sich vor Augen hält, daß in einem einzigen Raum eine ganze Familie wohnen konnte- ohne sanitäre Anlagen und fließend Wasser- dann wird auch der Spitzname der Stadt etwas deutlicher. Zudem wurde im 17. und 18. Jahrhundert auch noch Vieh in der Stadt gehalten und geschlachtet, was dem Aroma der Straßen, die zugleich als Kanalisation dienten nicht zuträglich gewesen sein kann. <br />
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Unrat wurde in die Gasse geworfen und folgte dann dem Weg der Schwerkraft in den <i>Nor' Loch</i>. Da darf es dann auch nicht verwunderlich sein, daß die Häuser und Fassaden, die direkt an die Royal Mile grenzten zu den besseren gehörten. Da floß nicht der ganze Schmaddel vorbei, und man konnte das Tageslicht sehen. Die Mieten schossen im Laufe des 18. Jahrhunderts in die Höhe, so das auch jene die eigentlich zur besseren Gesellschaft gehörten sich wenig leisten konnten. Plant (1952:21) beschreibt die Situation eines wohlsituierten Juristen im Jahre 1760, der mit seiner Frau, den Kindern und den Dienstboten in vier Zimmern auskommen musste- Wohnzimmer, Büro, Schlafzimmer und Küche. Die Kinder und das Kindermädchen mussten des Nachts im Büro schlafen, die Magd schlief in der Küche und der Diener musste anderweitig unterkommen. Dafür musste man 15 Pfund Sterling im Jahr zahlen (zum Vergleich: Jahresverdienst einer Magd ca 3-5 Pfund Sterling). <br />
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Die Wohnungsnot und die Mieten erhöhten sich im Winter, wenn die Saison begann, und alles was Rang und Namen hatte nach Edinburgh strömte. Im Norden des Landes, im Hochland, war es eher üblich sich im Winter nach Inverness zu begeben, zum Teil um dort die Kinder zur Schule zu schicken, zum Teil um der Gesellschaft willen. Aber 1732 bat Lord Lovat- definitiv ein Highlander (Simon Fraser, 'The Old Fox' der jedem Leser von Diana Gabaldons Highland Saga ein Begriff sein sollte)- dennoch seinen Cousin in Edinburgh ihm so schnell wie möglich Zimmer zu besorgen, bevor alle anderen ankamen. <br />
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Heutzutage ist das ähnlich, nur sind es keine Lords oder Clan Chiefs mehr, die uns die Wohnräume streitig machen: Im Oktober fängt das erste Trimester der Unis an und bis dahin wollen freilich alle Studenten mit einem Dach über dem Kopf versorgt sein. Wir auch, also werden wir uns um die gleichen günstigen Wohnungen rangeln, nur um dann zu versuchen jedes Wochenende wegzukommen. Aber zum Höhepunkt der Wintersaison, damals wie heute, <i>Hogmanay </i>(Neujahr) werden wir wohl alle da sein wollen. Und dann kommen auch noch Touristen aus aller Welt, die auch zum Feuerwerk über der Burg '<i>Auld Lang Syne</i>' zu Mitternacht singen wollen dabei noch gewillt sind unverschämte Mieten für eine Ferienwohnung zu zahlen, und ich fürchte sowohl wir als auch unsere ehemaligen Rivalen werden uns fragen, ob die denn alle kein Zuhause haben und 'unsere' Mieten in die Höhe treiben müssen. :motz: :D Und Sonnenlicht? Also bitte, es ist Schottland, und wie wir alle wissen, regnet es immer- wenn ich da bin.;)<br />
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Quellenangaben: <br />
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Plant, M. (1952) <i>The Domestic Life of Scotland in the Eighteenth Century</i>. Edinburgh University Press<br />
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Und für alle die es interessiert: <a href="http://www.realmarykingsclose.com/" target="_blank">Welcome | The Real Mary King’s Close</a></div>

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			<dc:creator>Saint-Simone</dc:creator>
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