Geschichtsforum.de
Die Community für Geschichtsinteressierte und Geschichtsfans

Zurück   Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte > Blogs > Ablaufdaten

Ja, ich laufe gerne in der Gegend herum und schaue sie mir an. Und das statistische Mittel zeigt, dass ich am meisten und am besten schreibe, wenn ich über die Erlebnisse entlang von Wanderungen zu, an oder entlang historischen Orten berichte. Seit Hape Kerkelings Durchbruch mit dem Jakobsweg ist ja jeder Heinz auf spiritueller Wanderschaft; was hält mich da zuhause? Ganze Tourismusbranchen leben mittlerweile davon, den spirituellen Wanderern alles außer ihrem Arsch hinterherzutragen, damit die Pilgerschaft stressfrei und erlebnisorientiert vorgenommen werden kann. Leider kann ich nicht von mir behaupten, vor dem allgemeinen Hype in die Hufe gekommen zu sein, wenngleich mich dessen mittlerweile erreichtes Ausmaß überrascht.

Wanderkarten und Wanderzeichen können in die Irre leiten, darauf lässt man sich ein, wenn man sich auf den Weg begibt. Selbst wenn man nicht vom Weg abkommen möchte, kann die versagende eigene Orientierung einen dorthin führen, wo man nicht hinwollte. Risiko eben. Aber ich schwöre bei Rosses Rumpf und Schiffes Kiel, dass ich, wo ich auch hingehe, mit leichtem Gepäck oder schwerbeladen, alles meine auf meinem eigenen Rücken trage. Und was ich hierhin mitbringe, habe ich selbst gesammelt und aufgelesen.
Bewertung: 2 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 5,00.

Staunen vs. Bauklötze: Museumspädagogik

Veröffentlicht: 25.05.2011 um 09:10 von Mummius Picius

Kinder spielen gerne irgendwas, sie spielen "Familie", spielen "Arbeit" und "Krieg", sie spielen Randgruppenberufe wie "Pirat" und "Ritter" und Epochen wie "Römer", und das ist gut so, denn dadurch nähern sich die Kinder an vieles an. Eigentlich ist die ganze Kindheit ein Annähern, ein Nahegebrachtbekommen; wenn die Sachen dann erst einmal nahe genug gebracht sind (und die Kinder alt genug) können sie ja selber wieder davon abrücken. In Museen ist das Nahebringen eine ausgewogene Ergänzung zum Fernsehen, da beisst die Sendung mit der Maus keinen Faden ab. Ich stehe am Stand unter dem Portikus der römischen Taverne im APX, da kommen die Kinder.

"Was kann man hier machen?" fragt das aufgeweckte Kind den römischen Maler hinter seinem Stand, "du kannst hier zuschauen und was lernen" antwortet der und stößt auf Verblüffung, Unverständnis und gegen die Grenzen der Aufmerksamkeitsspanne; die antike Zivilisation Roms hat es bei aller Größe ihrer Leistung nicht geschafft, jeden ihrer Berufe und/oder gesellschaftlichen Aspekte abenteuerspielplatzfähig umsetzbar zu machen. Natürlich lernen Kinder schneller, wenn sie etwas begreifen, und das kann wörtlich verstanden werden: wenn man die Mühle dreht, kommt Mehl heraus, wenn man Fäden verflicht, entstehen Bänder, und selbstverständlich muss alles anzufassen sein – der Farbtopf, die Pigmentreibe, der Ockerstein, die Temperamischung – aber die Pigmente sind zu teuer, als dass ich die Kinder damit panschen lassen möchte, und im "alten Rom" waren sie noch teurer und oft sogar tödlich giftig, die Zubereitung war mühsam und kompliziert. Das möchte ich ihnen auch vermitteln.

Und interessanterweise lassen sie sich das vermitteln. Die überwiegende Zahl der Kinder bleibt stehen, hört und sieht zu, fasst an, lässt sich was erzählen, schaut die Bilder an und stellt auch kluge Fragen, wie sie nur Kinder stellen können; auch Erwachsene bleiben stehen und sind durchaus nicht abgeneigt, was zu lernen. Genau genommen freuen sich viele von den "Großen" richtig, dass sie nicht nur mit Kinderbelustigung konfrontiert sind. Manche bleiben stundenlang, jüngere und ältere gleichermaßen; ich muss richtig viel reden, erklären, zeigen, schnell wachsen die Gruppen um meinen Tisch, ich komme vom Pigment zum Öl zur Statue zum Kaiserbildnis zum Pinsel und wieder zurück. Ich kann den Leuten groß und klein wirklich was erzählen, zeigen, nahe bringen.

Der Beruf, den ich darstelle, war ein ernsthafter Beruf und kein "Hobby", ich habe ihn auch als solchen dargestellt – und trotzdem verschiedene Altersgruppen angesprochen, Wissen vermittelt, ich habe aber auch Respekt eingefordert und bekommen. Mein Freund, der Schmied, bekommt diesen Respekt auch, aber er arbeitet auch mit glühendem Eisen.

Nebenbei: Kinder, die nicht stehen bleiben und zuhören/sehen können haben meistens Eltern, die das auch nicht können.
Kategorie: Kategorielos
Hits 2774 Kommentare 3
« Zurück     Startseite des Blogs     Nächste »
Kommentare 3

Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Mitgliederbild von iamNex
    Welches Römer-Museum ist das denn?
    Sehr cooler Blog, hätte auch mal wieder Lust an einer Mühle zu drehen und solche Geschichten.


    Cheers,
    Nex
    permalink
    Veröffentlicht: 03.06.2011 um 16:03 von iamNex iamNex ist offline
  2. Alter Kommentar
    Mitgliederbild von Marcia
    Na, Hobbys können auch ernsthaft betrieben werden und mindestens ebenso wichtig wie Berufe sein. ;-)
    Interessanter Bericht.
    Selbst wenn du den Kindern ungefährliche Farben geben würdest, mit denen sie sich betätigen können - denn sicher ist das, was du zeigst, inspirierend - dann hättest du vermutlich so viel mit Beaufsichtigen zu tun, dass du nicht mehr das vermitteln könntest, wovon du hier berichtest. Könnte ja passieren, dass kleine Prinzessinnen und Prinzen sich Farbe aufs Kleidchen oder auf die Markenjeans schmieren... und Eltern machen dann den Veranstalter dafür verantwortlich. (Solche soll's ja geben.)
    permalink
    Veröffentlicht: 05.06.2011 um 12:48 von Marcia Marcia ist offline
  3. Alter Kommentar
    Mitgliederbild von Mummius Picius
    Danke für die Kommentare! es handelt sich um den Archäologischen Park Xanten (APX), demnächst wird man allerdings auch bald wieder hier den Mühlstein drehen können: Limeskastell Pohl
    permalink
    Veröffentlicht: 06.06.2011 um 16:13 von Mummius Picius Mummius Picius ist offline
 

Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 14:57 Uhr.


Powered by: vBulletin Version 3.8.9 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.3.2 ©2009, Crawlability, Inc.
Copyright © 2000-2016 Geschichtsforum.de