Ja, ich laufe gerne in der Gegend herum und schaue sie mir an. Und das statistische Mittel zeigt, dass ich am meisten und am besten schreibe, wenn ich über die Erlebnisse entlang von Wanderungen zu, an oder entlang historischen Orten berichte. Seit Hape Kerkelings Durchbruch mit dem Jakobsweg ist ja jeder Heinz auf spiritueller Wanderschaft; was hält mich da zuhause? Ganze Tourismusbranchen leben mittlerweile davon, den spirituellen Wanderern alles außer ihrem Arsch hinterherzutragen, damit die Pilgerschaft stressfrei und erlebnisorientiert vorgenommen werden kann. Leider kann ich nicht von mir behaupten, vor dem allgemeinen Hype in die Hufe gekommen zu sein, wenngleich mich dessen mittlerweile erreichtes Ausmaß überrascht.
Wanderkarten und Wanderzeichen können in die Irre leiten, darauf lässt man sich ein, wenn man sich auf den Weg begibt. Selbst wenn man nicht vom Weg abkommen möchte, kann die versagende eigene Orientierung einen dorthin führen, wo man nicht hinwollte. Risiko eben. Aber ich schwöre bei Rosses Rumpf und Schiffes Kiel, dass ich, wo ich auch hingehe, mit leichtem Gepäck oder schwerbeladen, alles meine auf meinem eigenen Rücken trage. Und was ich hierhin mitbringe, habe ich selbst gesammelt und aufgelesen.
Nach den Baubildern zu urteilen, die Prof. Steffen regelmäßig auf der Website des Limeskastells Pohl hochlädt, hätte ich die Anlage für größer gehalten. Die Spannung war groß: schon seit einiger Zeit verfolge ich das Projekt und habe hier auch schon einmal drüber geschrieben – und nun: auf der Bäderstraße von Norden kommend war da zunächst einmal ein Wall, darüber ein Dach, nicht unähnlich einem Mehrfamilienhaus-Neubau hinter einer Lärmschutzwand, kein ungewöhnlicher Anblick in deutschen Dörfern....
In Hüttlingen kreuzen wir zum zweiten Mal auf unserer Wanderung den (die?) Kocher, später am Tag auch die Jagst, die wir vor einem Jahr in Jagsthausen überquerten. Start heute in der "Limes-Anlage am Kocher", einem kleinen Platz mit Backstein-Mosaik-Karte im Boden und den üblichen Zwergmauerrekonstruktionen, dann durch die vollkommen zur Landschaft unpassend nach verlorenen Ostgebieten benannte Straßen eines Neubauviertels weiter Richtung Rainau. Hier ist man dekorativ...
"Wollen Sie ein Familienticket?"
"Ja."
"Wieviele Kinder sind dabei?"
"Drei."
"Wie alt sind die Kinder?"
"44, 47 und 50, der Vater wird dieses Jahr 80."
Solche Dialoge führt mein Bruder Stefan mit der größten Kaltblütigkeit, ähnliche Fragen werden aber auch mir oft gestellt, wenn ich die Unterkünfte unserer Limeswanderung organisiere. Letztes Jahr waren wir von der Hohenloher Hochebene ins Remstal...
Heraclius oder Eraclius ist ein spätantiker, nach der vorherrschenden Meinung der Fachwelt frühmittelalterlicher Autor, der ein Werk namens "Farben und Künste der Römer" hinterlassen hat. Das Werk ist bunt, entstehungsgeschichtlich und inhaltlich. Einige Kapitel sind in Versen abgefasst, andere ähneln Kochrezepten, andere sind Kochrezepte. Einig sind sich alle: einen "Heraclius" hat es vermutlich nie gegeben, hier hat jemand viele Quellen und Gerüchte zusammengetragen und den...
"Ich verstehe das mit dem Absolutismus nicht" heisst es in den Hilferufen, "Ich verstehe das mit der römischen Republik nicht". Was ist es, das scheinbar der ganzen Geschichte zueigen ist, was ist es, das nicht verstanden wird, gewissermaßen der omnipräsente Knochen der Geschichte, der im leckeren Hühnchen des historischen Wissens quersitzt und zu kognitiven Erstickungsanfällen führt.
Wenn ich das das mit dem nicht verstehe, verstehe ich ein Nichts nicht, denn...