| | | Wolfgang Benz versammelt in diesem Buch exemplarische Lebensläufe deutscher Juden im 20. Jahrhundert. Der Prominente steht neben dem Unbekannten, der Kommunist neben dem Großbürger. Zusammen ergeben diese Porträts ein umfassendes Bild jüdischer Erfahrungen im Schatten nationalsozialistischer Verfolgung und ihrer Nachwirkungen bis zur Gegenwart.
Es gibt kein kollektives Schicksal. Die Erfahrung der Diskriminierung und Verfolgung als Jude war individuell und hatte viele Facetten zwischen Genozid und Überleben. Das zu verdeutlichen, ist die Absicht dieses Buches. Es erzählt die Geschichte der jüdischen Ärztin, die nach New York emigriert und dort einen rasanten sozialen Abstieg erlebt, ebenso wie den Lebensweg der Berliner Jüdin, die sich der drohenden Vernichtung durch Flucht in den Untergrund entzieht. Die jüdische Diseuse, deren Einfallsreichtum sie die Verfolgungen überstehen lässt, steht neben dem Judenältesten von Theresienstadt, der im Ghetto zugrunde geht.
Erzählt werden die spannende Geschichte des KZ-Überlebenden, der in den 50er Jahren die IG Farben vor Gericht bezwingt, und das Leben des Zionisten, der nach Palästina emigriert und später die deutsche Exilforschung mitbegründet. Heinz Galinski und Ignatz Bubis werden porträtiert, die nach der Katastrophe das jüdische Leben in Deutschland neu aufgebaut haben, und Michael W. Blumenthal, der es als Emigrant zum US-Finanzminister brachte, steht für eine jüdische Erfolgsgeschichte im 20. Jahrhundert, die es eben auch gegeben hat.
Wolfgang Benz • Deutsche Juden im 20. Jahrhundert: Eine Geschichte in Portraits • Beck Verlag • 2011 • 335 Seiten
Buchemfehlung von
ISBN-Nr.: 3406622925 | |
| | | Sie haben gelitten, geschwiegen und geduldet: Die Verdingkinder. Die Journalistin, Redaktorin und Filmerin Lotty Wohlwend, unterstützt von Arthur Honegger, dem wohl bekanntesten Schweizer Verdingkind, geht in diesem breit angelegten Report der Frage nach, wie Verdingkinder in den letzten 100 Jahren mit ihrem Leben fertig wurden – oder eben nicht. Das Buch beleuchtet eines der umstrittensten Kapitel schweizerischer Sozialgeschichte.
Verdingkinder lebten und arbeiteten meist auf Bauernhöfen - vor 50 Jahren verdiente noch ein grosser Teil der Bevölkerung seinen Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Ohne Recht auf Würde, meistens mit minimaler Schulbildung, oft ohne Wärme und Geborgenheit, hatten sie in einer armen Bevölkerung am meisten zu leiden: Kinder, die helfen mussten, den Alltag ihrer “Pflege”-Eltern zu bewältigen, oft weit über ihre eigenen Kinder-Kräfte hinaus, Geschöpfe ohne Rechte, dafür mit übergrossen Pflichten. Für die Verdingkinder in Stadt und Land war nicht die harte Arbeit das Schlimmste, sondern die psychischen Demütigungen, das Ausgeliefertsein, mit dem Wissen, dass da kein Vater und keine Mutter waren, die sich für sie wehrten, niemand, der mit ihnen sprechen wollte! Schmerz, Angst, Wut – und die Unmöglichkeit des Vergessens oder Verdrängens: Lotty Wohlwend und Arthur Honegger lassen in ihrer grossen Dokumentation die Kinder von gestern zu Wort kommen. Sie präsentiert nicht nur Schicksale, sondern Daten und Fakten zu einem bis heute unbewältigten Stück unserer jüngsten Vergangenheit.
Lotty Wohlwend und Arthur Honegger • Gestohlene Seelen: Verdingkinder in der Schweiz • Huber Verlag• 2009 •196 Seiten
ISBN-Nr.: 3719313654 | |
| | | Im 19. und 20. Jahrhundert wurden in der Schweiz Hunderttausende Kinder fremdplatziert, viele davon »verdingt«. Das heißt, sie mussten bereits im Kindesalter für ihren Lebensunterhalt arbeiten.
Im Rahmen des Projektes »Verdingkinder, Schwabengänger, Spazzacamini und andere Formen der Fremdplatzierung und Kinderarbeit in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert« (Schweizerischer Nationalfonds) wurden in den letzten vier Jahren zahlreiche Gespräche mit ehemaligen Verdingkindern geführt. Der Erinnerungszeitraum erstreckt sich von ca. 1900 bis 1970. Die Gespräche widerspiegeln beinahe ein Jahrhundert schweizerische Sozialgeschichte aus der Perspektive einer mehrheitlich armen Gesellschaftsschicht. Die Kurzporträts illustrieren auch die ärmlichen Lebensbedingungen, in denen viele Schweizerinnen und Schweizer noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lebten.
Inhalt des Buches sind 40 Lebensausschnitte von ehemaligen Verdingkindern. Sie werden ergänzt durch Texte zu den Themenblöcken: Historische Erinnerungsforschung, Armut, Gesetzliche Entwicklung, Fremdplatzierung und ihre Gründe, Schule, Widerstand – Flucht – Glück, Entwurzelung – Isolation – Schweigen, Diskriminierung, Gewalt und ihre Folgen.
Ergänzt wird der Band mit zahlreichen Fotos von Paul Senn (1901–1953),
dessen Bilder von Benachteiligten und Randständigen – auch Verdingkindern – längst zur Legende geworden sind. Auf dem Umschlag: Verdingmädchen,
Kanton Bern, 1940.
Marco Leuenberger • Versorgt und vergessen Ehemalige Verdingkinder erzählen • Rotpunktverlag Zürich • 3. Aufl. 2009 • 314 Seiten
ISBN-Nr.: 3858693820 | |
| | | Die Geschichte Jerusalems ist die Geschichte der Welt
Jerusalem ist die Stadt der Städte, die Hauptstadt zweier Völker, der Schrein dreier Weltreligionen, der Schauplatz des jüngsten Gerichts und der Brennpunkt des Nahost-Konflikts. Jerusalems Geschichte bedeutet 3000 Jahre Glauben, Fanatismus und Kampf, aber auch das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen.
Packend und farbig schildert der Bestsellerautor Sebag Montefiore in seiner fulminanten Biographie die zahlreichen Epochen dieser sich ständig wandelnden Stadt, ihre Kriege, Affairen, Könige, Propheten, Eroberer, Heiligen und Huren, die diese Stadt mitgeschaffen und geprägt haben. Basierend auf dem neuesten Stand der Forschung und teilweise unbekanntem Archivmaterial macht er die Essenz dieser einzigartigen Stadt greifbar und lässt sie in ihrer Einzigartigkeit leuchten. Denn nur Jerusalem existiert zweimal: im Himmel und auf Erden.
Simon Sebag Montefiore • Jerusalem: Die Biographie • Fischer Verlag • 2011• 880 Seiten
ISBN-Nr.: 3100506111 | |
| | | Reinhard Heydrich (1904–1942) war einer der mächtigsten Männer des »Dritten Reichs«: Als Leiter des Reichssicherheitshauptamts und engster Mitarbeiter Heinrich Himmlers lenkte er den Terrorapparat der Nationalsozialisten. Robert Gerwarth folgt in seiner Biographie dem steilen Aufstieg Heydrichs und beleuchtet dessen Rolle im NS-Regime sowie die Stilisierung zum Märtyrer nach seinem Tod durch ein Attentat in Prag.
Bis zu seinem gewaltsamen Tod im Sommer 1942 hatte Reinhard Heydrich unter den Nationalsozialisten eine beispiellose Karriere gemacht. Als Leiter des Reichssicherheitshauptamts, stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren sowie Organisator der »Endlösung der Judenfrage« war er eine der Schlüsselfiguren der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und einer der am meisten gefürchteten Männer des »Dritten Reichs«.
Auf der Basis neuer Quellen schildert Robert Gerwarth das Leben Heydrichs und analysiert dessen Aufstieg im nationalsozialistischen Terrorstaat. Er zeichnet ein Bild jenseits der Klischees des unideologischen Karrieristen und bietet zugleich neue Einblicke in die Geschichte des »Dritten Reichs« – in den Aufstieg der SS und die Entstehung des nationalsozialistischen Polizeistaats, in die deutsche Besatzungspolitik und die Organisation des Holocaust.
Robert Gerwarth • Reinhard Heydrich: Biographie • Siedler Verlag • 2011 • 480 Seiten
Buchempfehlung von
ISBN-Nr.: 3886808947 | |
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