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Alt 13.06.2004, 12:57   #1
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Beitrag 1848 gescheiterte Revolution?

Die Revolution 1848

Die Liberalen wollten 1848 keine Revolution. Als dann in den Metropolen Wien und Berlin das Volk im März 1848 auf die Barrikaden gegen den Polizei- und Militärstaat gingen, war die Revolution da und die Liberalen zeigten sich bereit die Vorangeeilte Revolution auf reformatorischem Wege einzuholen. In der Pauluskriche wurde unter Ausschluss Österreichs eine Verfassung für einen neuen deutschen Nationalstaat ausgearbeitet. Die Verfassung basierte auf einen stark demokratisch legitimierten Reichstag mit dem preussischen König als deutscher Kaiser an der Spitze. Der preussische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte aber die ihn angetragene Kaiserkrone ab. Die Revolution war gescheitert, so lautet das Urteil der Historiker. Wolfgang Schieder nennt die Gründe:
"Die Revolution von 1848 hätte ein Wendepunkt deutscher Geschichte sein können; aber sie war es nicht. Sie brachte soziale und politische Gegensätze zutage, aber sie hob diese nicht auf. In ihr wurde zu Veränderungen aufgerufen, aber sie veränderte nicht. (...) Die Revolution ist gescheitert am Widerstand der alten Dynastie, der königstreuen Offizieren und Beamten, die ihre soziale Basis im Adel hatten. Sie ist auch gescheitert an der innern Schwäche der revolutionären Bewegung. Das deutsche Bürgertum war in sich nicht geschlossen. Daher war es von vornherein nicht zu einheitlichen politischen Handeln fähig...“

Thomas Nipperdey sah zu viele Überkreuzungen der vielen Probleme: Die Stärke der alten Mächte und des Militärs, es gab zu viele soziale Spannungen und das wichtigste für Nipperdey, die nationale Revolution der Deutschen traf auf die partikularen Staaten und deren Eigeninteressen, sie traf auf die europäischen Mächte, die benachbarten revolutionäre Nationen und auf das übernationale Österreich: Deutsche Einheit, deutsche Grenzen, deutsche Freiheit und ein Stück sozialer Gerechtigkeit, das waren schon vier Probleme, die gleichzeitig anstanden.

Ist nun die Revolution gescheitert? Nipperdey, Stürmer und auch Schieder sehen folgende Ergebnisse:
Die Revolution hat die Ära der Restauration beendet und alle wesentlichen Bestände der feudalen Gesellschaft beseitigt.
Mit ihr begann das bürgerliche Zeitalter auch in Deutschland
Sie hat den Weg zur privatkapitalistischen Industrialisierung weiter geöffnet.
Sie hat einen Gewinn an gesamtnationaler Kommunikation erbracht und insofern einen wichtigen Beitrag zur Nationbildung geleistet.
In der Revolution konstituierte sich die Arbeiterbewegung in Deutschland zu ersten mal in der Geschichte.
Nach dieser Ergebnislage kann man das einhellige Urteil, dass die Revolution vollständig gescheitert revidieren bzw. relativieren. Geht man nicht von einem kurzfristigen-politischen, sondern von einem langfristig-gesellschaftlichen Begriff er Revolution aus, so stellt sich die Frage, ob für die Durchsetzung der bürgerlichen Gesellschaft eine erfolgreiche politische Revolution notwenig sein muss.

Eley und Blackbourn verstehen unter bürgerlicher Revolution im weiteren Sinne die Schaffung von Bedingungen, die für die Durchsetzung und Expansion der kapitalistischen Produktionsweise und ihr entsprechender gesellschaftlicher Macht- und Eigentumsverhältnisse optimal sind.

Hans-Ulrich Wehler hat den Begriff "Deutsche Doppelrevolution" geschaffen. Er sieht damit die spezifische Eigenart darin, dass neben der sich durchsetzenden Industriellen Revolution die politische Revolution nicht von unten erfolgte, sondern nach der Niederschlagung der Revolution 1849, ihre Durchführung von den traditionellen Eliten übernommen wurde, die sie von oben verwirklicht haben.


Quellen:

Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800 - 1866
Hartmut Lehmann. Historikerkontroversen
Hans-Ulrich Wehler, Deutscher Sonderweg
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Alt 13.06.2004, 15:02   #2
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Da muss man aber auch überlegen, worum es den "Revolutionären" ging - und da kommt man auf durchaus unterschiedliche Ziele (wohl auch ein Grund für das Scheitern der Revolution).

- deutsche Einheit: Ziel verfehlt, die Einheit kommt erst ca 22 Jahre später - und unter ganz anderen Gesichtspunkten.
Das Ergebnis "Sie hat einen Gewinn an gesamtnationaler Kommunikation erbracht und insofern einen wichtigen Beitrag zur Nationbildung geleistet." kann ich so nicht sehen, denn in den einzelnen deutschen Staaten fand die Revolution durchaus unterschiedlich statt - sowohl vom Verlauf als auch von Radikalität und Zielsetzungen her betrachtet. Die deutsche Einigung erfolg dann auch von oben herab durch Bismarck, ohne dass das Volk groß gefragt wird.

- mehr Freiheit(en): Ziel verfehlt, nach der Revolution kommt die Zeit der Reaktion - und wie die Zahl der Auswanderer zeigt (z.B. nach USA) war das eine Zeit der Verfolgung und der Rücknahme von kurz vor/während der Revolution gemachten Zugeständnisse. Insofern kann ich auch das Ergebnis "Die Revolution hat die Ära der Restauration beendet." nicht als Positivum werten - es kam ja nicht besser.

- mehr Rechte für die Arbeiter: Ziel verfehlt. Ja, vielleicht tritt die Arbeiterschaft hier erstmals als politische Komponente auf (was man genauer betrachten müßte), aber ihre Situation bessert sich auch erst unter Bismarcks Sozialgesetzgebung (und das haben die Arbeiter damals z.T. nicht so empfunden).

etc etc.

Wie Du schon sagst, es kam zu einer Revolution von oben, aber ich denke nicht, dass das eine direkte Folge der Revolution von 1848 war bzw. die Vorstellungen der "Revolutionäre" von 1848 verwirklichte. Die entstandene "bürgerliche Gesellschaft" hatte nicht viel mit diesen Vorstellungen zu tun. Es gibt ja auch Wissenschaftler, die sagen, das Bürgertum habe sich als Ersatz für die fehlgeschlagene politische Veränderung nun aus der Politik zurückgezogen und auf die Wirtschaft (Industrie) als Betätigungsfeld konzentriert - so dass man sagen könnte, das SCHEITERN der Revolution führte zu der bürgerlichen Gesellschaft und der wachsenden Industrialisierung der zweiten Jahrhunderthälfte.
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Alt 13.06.2004, 15:54   #3
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Zitat Papa-Leo :

...Wie Du schon sagst, es kam zu einer Revolution von oben, aber ich denke nicht, dass das eine direkte Folge der Revolution von 1848 war bzw. die Vorstellungen der "Revolutionäre" von 1848 verwirklichte. Die entstandene "bürgerliche Gesellschaft" hatte nicht viel mit diesen Vorstellungen zu tun. Es gibt ja auch Wissenschaftler, die sagen, das Bürgertum habe sich als Ersatz für die fehlgeschlagene politische Veränderung nun aus der Politik zurückgezogen und auf die Wirtschaft (Industrie) als Betätigungsfeld konzentriert - so dass man sagen könnte, das SCHEITERN der Revolution führte zu der bürgerlichen Gesellschaft und der wachsenden Industrialisierung der zweiten Jahrhunderthälfte.
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Sehe ich auch so :
Die hier angesprochenen "Revolutionäre" wurden doch schon zum Frankfurter Vorparlament nicht zugelassen . Man hatte berechtigte Befürchtungen,daß so etwas wie ein Proletariat
im Parlament sitzt,und davor hatte man seit dem Weberaufstand panische Angst.
Das Besitzbürger-und Junkertum war sich einig im Übergehenn des aufkommenden Industrieproletariats, welches erst langsam ideologisch-politisch Kontur bekam.
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Alt 26.11.2007, 12:12   #4
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jo...hanna ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
scheitern der ´48er revolution

warum scheiterte die 1848er revolution eigentlich?
ich blicks nicht ganz im geschichts-unterricht!ist echt wichtig!
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Alt 26.11.2007, 13:55   #5
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Ricco befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Hallo

Im wesentlichen gab es zwei Punkte, die Gründe für das Scheitern der Revolution waren.
Zumal die Frage Großdeutsch oder Kleindeutsch und die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Willhelm IV. .

Hier die Links, wo alles nochmal erklärt wird:

Kaiserdeputation - Wikipedia
Großdeutsche Lösung - Wikipedia
Kleindeutsche Lösung - Wikipedia
Deutsche Revolution 1848/49 - Wikipedia

Grüße
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„Wir fühlten uns dabei glücklich wie Kinder“ - sächs. Offizier, Weichnachten 1914
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Alt 27.11.2007, 13:27   #6
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Klaus P. ist ein sehr geschätzer MenschKlaus P. ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
jo...hanna Beitrag anzeigen
warum scheiterte die 1848er revolution eigentlich?...

Der folgende Auszug aus einem SPIEGEL-Artikel ist m. E. ganz erhellend und vielleicht hilft er dir auch:

„...Anfang April beschlossen die 574 Männer des sogenannten Frankfurter Vorparlaments, Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung auszuschreiben und bis dahin alles Wichtige zu vertagen...
Statt für den Umsturz und eine echte Republik votierten [stimmten] die Vorparlamentarier für den Marsch durch die Institutionen. Der Antrag des Radikalen Badeners Struve, das Volk zu bewaffnen, Adel und Beamtentum abzuschaffen und die Fürsten abzusetzen, kam gar nicht erst zur Abstimmung; Heckers Vorschlag, das Parlament als dauerhaftes Revolutionsorgan zu konstituieren [einzurichten], wurde mit 368 gegen 148 Stimmen abgewiesen.
Die Frankfurter Versammlung wolle `keine Republik, aber entschiedene Reform´, berichtete der Mannheimer Unternehmer Bassermann... Der führende Liberale umschrieb damit die Grenzen des bürgerlichen Forderungskatalogs: Ja zu Einheit und Freiheit, aber keinen Umsturz (und schon gar keine Umverteilung zwischen Arm und Reich).
Wieso sich den Zauderern im Vorparlament kaum jemand entgegenstellte und warum die Aufständischen nach ihrem Sieg in der Märzrevolution die Macht nicht an sich rissen - darüber rätseln die Historiker bis heute...
Zunächst wählten die Volksvertreter [der Nationalversammlung] eine provisorische Zentralregierung... Dann stritten sie über Grundsatzfragen... Als es darauf ankam, stellten sie Ruhe und Ordnung über alles. Im Sommer 1848 bereiteten ...Preußen und Österreich den großen Gegenschlag vor... Friedrich Wilhelm IV. Weigerte sich einfach, den vaterländischen Krieg gegen Dänemark fortzusetzen, obwohl die Nationalversammlung die Heimholung des von den Dänen besetzten Schleswig zur Reichssache erklärt hatten. Das Parlament nahm diesen Affront [Schlag vor den Kopf] schließlich hin. Als daraufhin frustrierte Demonstranten am 18. September die Sitzung in der Paulskirche stürmen wollten, räumten preußische und österreichische Truppen [auf Befehl der Reichsregierung] rüden den Vorplatz der Kirche...
Auf die Frankfurter Paulskirche konnten die Republikaner also nicht rechnen...Die Nationalversammlung sah im Druck von unten nur eine Bedrohung und machte damit einen schweren Fehler. Die genialen Verfassungsväter erwiesen sich als miserable Machtpolitiker. Sie hatten `mehr Angst vor der geringsten Volksbewegung als vor sämtlichen Komplotten [Verschwörungen] sämtlicher deutscher Regierungen zusammengenommen´, spottete Engels später.
Österreichs Kaiser Ferdinand I. ließ im Oktober mit Brachialgewalt in Wien für Ordnung sorgen... Friedrich Wilhelm IV. machte es dem Wiener Kollegen nach. `Gegen Demokraten helfen nur Sodaten´, fand der Preußenkönig, gab seinen Truppen Geld und Bier, holte sie... nach Berlin und ver-hängte den Belagerungszustand...
Als sei in Wien und Berlin nichts geschehen, debattierten die Frankfurter Abgeordneten den ganzen Winter darüber, ob sie nun den österreichischen Kaiser oder lieber den preußischen König zum Oberhaupt Deutschlands ausrufen sollten...
Erst nach der Absage Friedrich Wilhelms im April 1849, viel zuspät, wurden die deutschen Paulskirchen-Parlamentarier rebellisch und wandten sich an das Volk...“
aus: „Es lebe die Republik“, in: Der Spiegel, Nr. 7 vom 9.2.98, S. 44 ff

Stichwortartig zusammengefasst findest du Ursachen für das Scheitern auf einer Seite des Luise Schröder Gymnasiums München und auf folgender Seite.

Die Diskussion über die Frage der Ursachen kannst du z. T. in dem Artikel "Die "Revolution von 1848/49 im Spiegel der deutschen Geschichtsschreibung " nachvollziehen und in einer Sammelrezension des H-Soz-u-Kult.

Weiteres findest du unter den Suchbegriffen "48er Revolution+Ursachen des Scheiterns" in den einschlägigen Suchmaschinen.

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Klaus P. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.11.2007, 15:18   #7
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Repo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nett
Grundsätzlich gab es in der Paulskirche neben etlichen und wechselnden Koalitionen 2 Strömungen, die Liberalen die sowas wie eine konstitutionelle Monarchie wollten, und die Demokraten, die eine demokratische Republik wollten.
Man war sich also keineswegs über das Ziel, geschweige den Weg dorthin einig.

Was bei fast allen Publikationen aber kaum genannt wird:
im März 48 war mit die aktivste Gruppe die Landbevölkerung. Sie setzte ihre Forderungen fast allesamt durch, und kümmerte sich von da an nicht mehr um Politik. Ist als revolutionärer Faktor ab da völlig ausgefallen. Interessanterweise wurden ab 1850 auch nur sehr wenige Punkte, die im März zugestanden worden waren und die Landbevölkerung betrafen, zurückgenommen.
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Alt 28.11.2007, 20:27   #8
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Ursachen und Folgen für das Scheitern der Revolution von 1848

Hallo,

ich bräuchte bitte Hilfe von euch. Ich muss am Freitag im Geschichte LK einen Kurzvortrag über die Ursachen und Folgen für das Scheitern der Revolution von 1848 halten, der so um die 15 Minuten dauern soll. Leider finde ich in meinen Sammlungen nicht genug Information zu meinem Thema. Könnte mir da vielleicht jemand weiterhelfen. V.a. sind mir die Folgen noch unklar. Stichpunkte und kurze Erläuterungen würden mir seeeeehr helfen...Danke im voraus
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Alt 28.11.2007, 20:44   #9
Angrivarier
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Gut ich versuch es mal.

Die Ursache sucht man vielleicht in der französichen Revolution und in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, also in der nationalen und demokratischen Bewegung.

Studentenverbindungen spielten eine Rolle und ein Unbehagen der Interlektuellen mit einem autokratischen System. (Hambacher Fest, Wartburgfest, Göttinger Sieben).

Schau mal nach Metternich und seiner Rolle.

Dann auch mal Büchner, Heine und nach dem Weberaufstand suchen.
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Alt 28.11.2007, 20:48   #10
Angrivarier
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Zu den Folgen:

Suche nach kleindeutscher und grossdeutscher Lösung.

Suche nach Bismarck

Suche nach Auswanderung (Schurz)
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Alt 28.11.2007, 21:48   #11
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Zunächst erstmal Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Aber sind das nicht die Ursachen für die Deutsche Revolution? Also die Punkte die Du aufgeführt hast ???
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Alt 28.11.2007, 22:29   #12
Angrivarier
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Stimmt, aber das das ist die Denkarbeit, die Kausalität zwischen Ursachen für die Revolution und deren Scheitern. War es die militärische Schwäche, Zerstrittenheit oder wurde die Revolution nur von einer bürgerlichen Minderheit getragen? M.E. war 1848 eine Spiesserrevolution eines bürgerlichen Dünkels des Biedermeiermilieus, das die revolutionären Kräfte eines Frankreichs 1789 oder der Kommune nicht hatte und das Proletariat nicht aufnahm. Ich will Ihnen ja nicht alle Denkarbeit abnehmen. Sie sollen Ihre Schlüsse ziehen, ich hatte deswegen auch auf Büchner und den Weberaufstand verwiesen. Aber darstellen würde ich die Entstehung der Revolution zumnindest kurz.

Das ist auch nicht mein Spezialgebiet, das gebe ich zu.

Geändert von Angrivarier (28.11.2007 um 22:32 Uhr).
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Alt 28.11.2007, 22:56   #13
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Zitat:
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Zunächst erstmal Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Aber sind das nicht die Ursachen für die Deutsche Revolution? Also die Punkte die Du aufgeführt hast ???
Schau Dich doch mal hier um und plündere das Archiv.....


http://www.geschichtsforum.de/f60/gr...schland-12231/

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Alt 28.11.2007, 23:11   #14
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Hallo,

die großdeutsche Idee eines neuen Deutschen Reiches mit Österreich und unter der Führung der Habsburger dominierte. Es gab aber auch die kleindeutsche Richtung. Eine kleine radikalere Gruppe setzte sich für die Republik ein.
Am Ende der Revolution erstarkten reaktionäre Kräfte in Österreich und Preußen. Da Österreich die Aufnahme mit all seinen nichtdeutschen Staaten forderte, fanden die Republikaner mit den Kleindeutschen einen Kompromiß mit der Schaffung einer kleindeutschen Verfassung. Die Ablehnung er Kaiserkrone durch den preußischen König führt zum Scheitern der Nationalversammlung. In den letzten Wochen der Revolution im Jahr 1849 gibt es noch Aufstände in Sachsen, in der bayrischen Pfalz und vor allem in Baden, die mit Hilfe vor allem preußischer Truppen niedergeschlagen werden.
Die Wirkung der Revolution richtete sich auf das politsche Erwachen der Arbeiter, auf die neuen Erfahrungen der Bürger wie der Fürsten, denn hier wurden die politischen Grundrechte einer Nation zum erstenmal bis zur letzten Konsequenz im Parlament wie auch auf den Barrikaden diskutiert, durchdacht, erkämpft und verteidigt worden.

Quelle Deutsche Geschichte Band 9 – Von der Restauration bis zur Reichsgründung 1815-1871’ herausgegeben von Heinrich Pleticha
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Alt 28.11.2007, 23:11   #15
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Ok danke. Ich werde mich morgen damit befassen. Schon bischen spät geworden. Vielen Dank nochmal
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Alt 28.11.2007, 23:23   #16
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Achilles00 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Ich bin mir bei einem Grund für das Scheitern nicht ganz sicher. Ist das korrekt, wenn ich annehme es herrschte zwischen den Liberalen und den Linken Meinungsverschiedenheit? Die Liberalen wollen doch nur Reformen in Bezug auf die Verfassung ( betreiben sie nicht eine Vereinbarungspolitik mit den alten Mächten? ) und die Linken wollten eine radikale Revolution , v.a. in der sozialen Richtung. Könnte dieser Konflikt nicht auch ein Grund für das Scheitern sein ? Und was versteht man unter der " Konfrontationspolitik" der radikalen Linken.
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Alt 08.04.2008, 03:54   #17
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Ob Wilhelm der IV.die Kaiserkrone angenommen hätte oder nicht, meiner Meinung nach hätte ein neu entstandenes Deutschland wie später unter Bismark als Kanzler zu diesem Zeitpunkt keine Chance auf einen Überleben gehabt.Zu viele Kleinstaaten zu viele Intressen alles wäre im Gerangel um Einfluss,Macht,Vorherrschaft,Militarismus und wirtschaftlichen Intressen kaputtgegangen. Einen Kanzler wie später Bismark und auch die erkannte Notwendigkeit eines einheitlichen Staates ,wie er später entstehen sollte war in den Köpfen der Mächtigen von 1848 noch nicht vorhanden.Somit ist meiner Meinung nach,auch das Ablehnen der Kaiserkrone durch den preussischen König und das damit verbundene Scheitern der Nationalversammlung nicht von Bedeutung.
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Alt 09.04.2008, 15:02   #18
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Ich bin mir bei einem Grund für das Scheitern nicht ganz sicher. Ist das korrekt, wenn ich annehme es herrschte zwischen den Liberalen und den Linken Meinungsverschiedenheit?
Innerhalb des Parlaments herrschte am Schluss Einigkeit darüber, dass es eine kleindeutsche Lösung geben müsse, da - wie oben schon ausgeführt - die Donaumonarchie darauf bestand, mit allen nichtdeutschen Territorien Teil des neuen Reichs zu werden. Für eine solche Lösung konnten sich jedoch unter den Abgeordneten nur wenige erwärmen und nach dem Sieg der Gegenrevolution in Wien verlor die großdeutsche Idee ohnehin an Ausstrahlung.

Das endgültige Scheitern erfolgte erst, als der preußische König die angebotene Kaiserkrone ablehnte und hinter den Kulissen sagte, die Krone trage "den Ludergeruch der Revolution von 1848" und sei "ein Reif aus Dreck und Letten", mit dem man ihn fesseln wolle.

Zum Scheitern der Revolution ist überblickend zu sagen, dass die bürgerlichen Schichten nicht auf eine revolutionäre Entwicklung eingestellt waren. Mit Ausnahme verschwindend kleiner Randgruppen verfügten sie nicht über eine überzeugende revolutionäre Strategie. Sie betrachteten die Ereignisse des Frühjahrs 1848, als der revolutionäre Funke von Frankreich aus auf ganz Kontinentaleuropa übersprang, als eine "ungewollte Revolution". Das hat ihr Verhalten in der Folge maßgeblich bestimmt.

Von Seiten der Unterschichten mangelte es zwar nicht an weit reichenden Forderungen, doch fehlte es diesen Forderungen an Geschlossenheit, denn sie waren diffus und vielfach auch rückwärts gewandt. Meist zielten sie lediglich auf die Wiederherstellung vorkapitalistischer sozialer Verhältnisse ab und waren schon deshalb zum Scheitern verirteilt.

Es fehte überdies an konkreten Vorstellungen, wie denn die Gesellschaft der Zukunft aussehen sollte, wenn die Willkürherrschaft der Fürsten, Könige und Beamtenregierungen erst einmal abgeschüttelt sei.
Dieter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.05.2008, 13:10   #19
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Mitgliederbild von HeinrichCrassus
 
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HeinrichCrassus ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Die Gründe des Scheiterns sind komplex, besonders aber die Probleme, die der Reichstag lösen musste waren so zahlreich, dass es an ein Wunder gegrenzt hätte, wäre die Revolution nicht gescheitert.
Auch hat keine der 1848 in Europa ausgelösten Revolutionen mehr als ein oder 2 Jahre überlebt!

Noch ein meiner Meinung nach wichtiger Zusatz:

Es handelte sich nicht um die Revolution 1848/9, sondern um die Revolutionen von 1848/9. Was Schieder, Wehler usw. nämlich vergessen ist, dass es viele Trägerschichten gab, die jeweils ihre eigenen Programme hatten. Im Parlament saßen nur Bürgerliche und später in der Geschichtsschreibung wurde 1848 als "bürgerliche Revolution" eingeordnet. Aber von den Brotrevolten der unteren Schichten, den vollkommen divergierenden Forderungen der Arbeiter und Tagelöhner und denen des Bürgertums hört man wenig. Die neuere Geschichtsschreibung hat hier für ein pluralistischeres Bild von 1848 gesorgt.


Literatur:

Wolfram Siemann, 1848/9 in Deutschland und Europa: Ereignis - Bewältigung - Erinnerung, Paderborn 2006.

Dieter Langewiesche, Die Revolutionen von 1848 in der europäischen Geschichte: Ergebnisse und Nachwirkungen, München 2000.

Christian Jansen/Thomas Mergel (Hg.), Die Revolutionen von 1848/49: Erfahrungen - Verarbeitungen - Deutungen, Göttingen 1998.
__________________
Uns ist in alten mæren wunders vil geseit..


Geändert von HeinrichCrassus (31.05.2008 um 13:11 Uhr). Grund: Rechtschreibfehler
HeinrichCrassus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.06.2008, 00:22   #20
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betab ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Revolution von 1848: zum Scheitern verurteilt?

Guten Abend allerseits. Nachdem es noch 2,5 Tage bis zu meiner Präsentationsprüfung im Abitur sind und ich mir immer noch nicht sicher bin bei der beantwortung der Frage (siehe Titel) habe ich mir gedacht, ob ich vielleicht hier noch ein paar Anregungen, Kritiken bzw. Vorschläge erhalten könnte. Über die Revolution selber weiß ich inzwischen wieder grob Bescheid (hoff ich zumindest). Allerdings sorgt die Formulierung "zum Scheitern verurteilt" für Probleme.
Ich habe von Josef Feuerbach eine "Definition" gefunden, die besagt, dass eine Revolution dann zum scheitern verurteilt ist, wenn die Notwendigkeit zu ihr, „der wahre Trieb, das Talent, der Kopf zur Revolution“ fehlen. Nun musste ich natürlich die einzelnen Punkte durchgehen:
1. Die Notwendigkeit: Die Ziele bzw. die Haltung der Bevölkerungsschichten zeigen, dass eine Revolution, die das bestehende System verändert, nicht als Lösungsweg gesehen wurden. Die Literatur spricht vor allem für das Bürgertum von einer "ungewollten Revolution".
2. Der wahre Trieb: Die Monarchie wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als Notwendige Regierungsform angesehen (eine Republik kam mit Blick auf die Geschehnisse in Frankreich nach 1789 nicht in Frage) Die meisten Bevölkerungsgruppen waren ausschließlich am eigenen Vorteil interessiert. Es war also kein Trieb für eine echte Revolution vorhanden.
3. das Talent: Das Talent zur Führung einer umwälzenden Revolution wäre in den Reihen des Bürgertums durchaus vorhanden gewesen, sie trauten es sich nur selber nicht zu, eine Revolution zu steuern. (vor allem nicht so, dass ihre Interessen gewahrt blieben, wieder Vergleich mit Frankreich)
Die Verteilung der Sitze in Frankfurt belegt, dass die Bevölkerung den Beamten die Führung am ehesten zutraute (mehr als die Hälfte der Sitze). Diese hatten jedoch nur wenig Grund, die Revolution zu einer Veränderung des Regierungssystems zu führen (Die Loyalität der Beamten ist auch ein Grund, wieso die Revolution später gescheitert ist)
Talent vorhanden, nur aufgrund fehlendem "wahrem Triebs" nicht genutzt
4.Der Kopf: Im Laufe der Revolution übernahmen immer mehr die Liberalen die Führung im Parlament. Da diese die Revolution vor dem Hintergrund der Französischen Revolution am liebsten schnell beendet sähen, können sie nur schwer als ein „Kopf der Revolution“ gesehen werden.
Ein passendes Zitat aus der Literatur:
„Die Fürsten opferten den Liberalen einen kleinen Teil ihrer Macht, die Liberalen opferten den Fürsten im Gegenzug die Revolution“
5. Fazit: Die Revolution von 1848 war zum scheitern verurteilt, da:
1. Die Französische Revolution immer noch als Negatives Beispiel präsent war und die Revolutionären Erneuerungen somit blockierte
2. Die Bürgerlichen eine Revolution fürchteten und
3. Die anderen Richtungen (Demokraten, Sozialisten....) noch nicht gefestigt genug waren, um in der Bevölkerung genügend Rückhalt zu haben, eine solche Umwälzung durch zu ziehen

Nachdem ich in den letzten Tagen einige Stunden in diesem Forum verbracht hab hoffe ich auf konstruktive Kritik, auch wo und wie ich die gröbsten Löcher noch flicken kann (die sind sicherlich reichlich vorhanden)
Wo sind inhaltliche Fehler, wo sind gedankliche Fehler, wo sind analytische Fehler, wo sind Lücken, die auf jeden Fall gefüllt werden müssen?? (aber bitte beachten, dass ich nur 10 Minuten insgesamt zur Präsentation habe, ich kann also nicht jede Kleinigkeit benennen)
Vielen Dank
Beat
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