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Alt 08.12.2016, 13:27   #1
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Aspern 1809 - Napoleons erste verlorene Schlacht

Die Aussage eines Users, Erzherzog Karl hätte bei Aspern gar nicht gesiegt, lies mich hellhörig werden: Gemeinhin gilt diese Schlacht als Napoleons erste Niederlage.

Angesichts des Ergebnisses - Napoleon kann den Donauübergang seiner Truppen nicht erzwingen, sondern muss vielmehr den Rückzug antreten - ist es m.E. abenteuerlich, zu einem anderen Ergebnis zu kommen.

Oder ist es anders gemeint - sprich: Erzherzog Karl hatte keinen Anteil daran?
Auch das stimmt nach meinem Kenntnisstand nicht.

Gibt es denn neuere Erkenntnisse zu dieser Schlacht?

Gruss, muheijo
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"Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind, aber zu feige, es zu sagen." (Napoléon I.)
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Alt 08.12.2016, 14:40   #2
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Aspern war zweifellos ein Misserfolg Napoleons, da er sein Operationsziel nicht erreichte. Man kann es daher als taktischen Sieg der Österreicher verbuchen. Den Österreichern gelang es aber nicht, die französischen Truppen zu zerschlagen, oder aus dem Ausgang der Schlacht entscheidende politische Konsequenzen zu ziehen. ME kann man es daher nicht auf eine Stufe stellen mit Siegen Napoleons (wie Austerlitz, Jena/Auerstedt ua), oder späteren Siegen über Napoleon (wie Leipzig oder Waterloo).

Muss man aber auch gar nicht. Schon die Tatsache, dass es Napoleon nicht gelang, die Österreicher zu besiegen bzw seine taktischen Vorstellungen in die Tat umzusetzen, reichte aus, um den Nimbus der Unbesiegbarkeit einen schweren Schlag zu versetzen.

Naja, und Aussagen wie "Erfindung" würde ich mal unter Polemik verbuchen...
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Alt 08.12.2016, 16:46   #3
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balkanese befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Die Schlacht wurde durch die Schläue österreichischer Pioniere entschieden die brennende Flöße und Boote in eine Brücke treiben ließen und dadurch die Franzosen abgeschnitten haben. Chef der Pioniere war ein Major Magdeburg und nach dem ist dann die Pioniertruppenschule benannt worden und dort wurde die Geschichte stolz erzählt.
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Alt 08.12.2016, 16:59   #4
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Unbesiegbar war Napoléon schon ehedem nicht gewesen. Nur lagen die Niederlagen sehr weit zurück und wurden mit Bonaparte nicht mehr in Verbindung gebracht.
https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Caldiero_(1796)
https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Battle_of_Bassano

Ich denke, dass der Ausgang der Schlacht bei Aspern dem Charakter Erzherzog Karls entsprach. Eine Vernichtung der Franzosen war wahrscheinlich nicht drin. Mit der Verteidigung einer Flusslinie war Erzherzog Karl m.W. auch vertraut. Dasselbe hatte er am Rhein im 1. Koalitionskrieg auch schon einmal geleitet.

Die Abwehr des Übergangs und der Entfaltung der franz. Armee unter Napoléon bedeutete einen Sieg.
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Alt 08.12.2016, 17:09   #5
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Von Gill gibt es als eBook ein extrem günstiges 3 bändiges Werk zu "Aspern". Gill hängt wohl mit "Elting" zusammen und insofern kann man dieses umfangreiche Werk (ca. 1300 Seiten) wohl als Referenzwerk ansehen.

https://books.google.de/books?id=9X-...20gill&f=false
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Alt 08.12.2016, 17:17   #6
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Einfach ausgedrückt: Das ging für Napoleon daneben. Da sollte man schon den Österreichern den Sieg gönnen.
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Alt 08.12.2016, 19:57   #7
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Auch frühere Siege von Napoleon sind eher der Dummheit der Gegner als seinem Geschick zu verdanken.

Bei Austerlitz hätten die Österreicher und Russen auf Verstärkung und die Preußen warten müssen.
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Alt 08.12.2016, 20:18   #8
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Zitat:
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Bei Austerlitz hätten die Österreicher und Russen auf Verstärkung und die Preußen warten müssen.
Die Preußen waren 1805 doch gar nicht dabei. Da hätten Österreicher und Russen im Zweifelsfalle echt lange warten müssen.
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Alt 08.12.2016, 21:26   #9
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Zitat:
Reinecke Beitrag anzeigen
Die Preußen waren 1805 doch gar nicht dabei. Da hätten Österreicher und Russen im Zweifelsfalle echt lange warten müssen.
Wenn ich mich recht erinnere schienen aber die Preußen bereit, gegen Napoleon in den Krieg zu ziehen.

Steht auch so in der Wikipedia.
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Alt 08.12.2016, 22:27   #10
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Zitat:
Zoki55 Beitrag anzeigen
Auch frühere Siege von Napoleon sind eher der Dummheit der Gegner als seinem Geschick zu verdanken.
Das ist sicherlich nicht richtig und ich verstehe auch derartige Aussagen absolut nicht. Dass diese Aussage die Schriften zur Entwicklung des strategischen und operativen Denkens auf den Kopf stellt, sei nur am Rande erwähnt.

Wie historisch die wichtige Arbeit von Jomini (The Art of War) und die neuere Systematisierung durch Heuser (The Evolution of Strategy).

Es sei betont, dass Napoleons innovative strategische und operative Agieren in diesen Schriften - und natürlich in vielen anderen - betont wird. Und das diese Einordnung von Napoleon nicht seinen theoretischen Arbeiten zu Verdanken ist, sondern seiner "Feldherrnkunst". Und das stelle ich völlig unpathetisch fest.

Und eine ethische Bewertung von Napoleon ist ein völlig anderes Thema.
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Geändert von thanepower (08.12.2016 um 22:33 Uhr).
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Alt 08.12.2016, 22:31   #11
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Zitat:
Zoki55 Beitrag anzeigen
Wenn ich mich recht erinnere schienen aber die Preußen bereit, gegen Napoleon in den Krieg zu ziehen.

Steht auch so in der Wikipedia.
Kann sein, dass sie es wären, kann sein, dass nicht. Aber das ist eine politische Frage. Die Franzosen hatten schon Wien besetzt. Hätten die Alliierten gewartet, bis sich Fritz Willi zum eingreifen durchgeringt, bevor sie sich Napoleon auf dem Schlachtfeld stellen, hätte der vermutlich ohne Gegenwehr bis Moskau oder zum Ural marschieren können...
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