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Alt 09.12.2016, 09:22   #1
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Josefa ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Beauharnais-"Partei"?

Hallo,

vielleicht kann mir jemand von euch weiterhelfen. Mich interessieren die Vorgänge am napoleonischen Kaiserhof, insbesondere die Rolle der Beauharnais und überhaupt die Verhältnisse in Napoleons "Patchwork"-Familie, vor allem, soweit sie Auswirkungen auf Napoleons Politik hatten.
Insbesondere würde ich gern wissen, ob man innerhalb des Kaiserhofs eine Art "Beauharnais-Partei" identifizieren kann und wie die bekannteren Gefolgsleute Napoleons zu diesem angeheirateten Zweig der Familie standen.

Ziemlich fest im "Beauharnais-Camp" gestanden haben dürften vermutlich
- Joséphines direkte Verwandte, die Taschers (die ich allerdings fast nur als Adjutanten Eugènes gefunden habe. Und eine Stéphanie Tascher darf irgendwann einen deutschen Prinzen heiraten, meine ich mich zu erinnern). Spielte dieser Zweig der Familie in der Politik eine größere Rolle?
- Joséphines angeheiratete Verwandtschaft, insbesondere Lavalette als Ehemann von Emilie de Beauharnais. Francois de Beauharnais war meines Wissens ursprünglich emigriert, kam zurück, wurde Gesandter in Spanien und fiel wohl ziemlich schnell unter etwas dubiosen Umständen (?) in Ungnade
- die Caulaincourts
- Bessières (?) Zumindest war er wohl ein enger Freund Eugènes. Auf einigen Webseiten habe ich außerdem Andeutungen gefunden, er habe sich nach der Auflösung von Napoleons erster Ehe vom Hof distanziert (oder sei distanziert worden), aber ich weiß nicht, auf welchen Quellen diese Angabe fußt
- außerhalb Frankreichs die badische und die bayerische Fürstenfamilie (zumindest manche der Familienmitglieder)?

Wie standen andere hohe Würdenträger, Marschälle und Politiker zu den Beauharnais und zur Frage der Scheidung? (Duroc würde mich besonders interessieren.) Ich habe den Eindruck gewonnen, Talleyrand habe schon recht früh aus Gründen der Staatsraison auf eine Scheidung von Joséphine gedrängt, ist das richtig?

Waren die Bonapartes und Murats alle gleichermaßen gegen die Beauharnais eingestellt, wie man meist liest, oder gab es Unterschiede? Hortense und Caroline scheinen ja bei aller angeblichen Feindseligkeit lange Zeit regelmäßigen Briefkontakt gehabt zu haben, auch nach Murats "Verrat" 1814 (?).

Und vor allem: gibt es Bücher zur Rolle der Beauharnais am Kaiserhof, oder zum napoleonischen Hofleben generell? Vielleicht eins, in dem die Quellen vor allem der "Klatschtanten" (Entschuldigung, despektierlicher Ausdruck, ich weiß) Rémusat, Abrantes, Constant etc. ein bisschen in ihrer Wertigkeit eingeschätzt werden? Ich fühle mich als Laie von der schieren Menge an Memoiren und Biographien förmlich wie erschlagen.

Vielen Dank im voraus für jede Hilfe!
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Alt 11.02.2017, 18:34   #2
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Josefa ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Ein Buch und seine Folgen?

(Ich setze meine zweite Frage wohl besser in denselben Thread, um nicht das Forum mit meinen Spezialfragen zu überziehen, die wahrscheinlich für die meisten Leute nicht besonders von Interesse sind. Außerdem hängen die Themen zusammen.)


Eine Frage zu einem etwas eigenartigen Briefwechsel zwischen Napoleon und seinem Stiefsohn Eugène Beauharnais:

Napoleon schreibt von Paris aus am 22.11.1809, bald nach dem Ende des Feldzugs gegen Österreich, an Eugène einen Brief, der sich für mich naiven Leser harmlos genug anhört: Erhalte soeben Ihren Brief, schön, dass Sie wieder in Mailand sind. Dann: »Sie haben ein Buch über Ihren Feldzug herausgegeben, bitte schicken Sie mir eins.« Es folgen Klagen über die Finanzlage und die Engländer und noch einiges andere.


Interessant ist erst Eugènes Reaktion. Er antwortet am 27.11.1809, und sein ganzer Brief ist eine einzige Verteidigungsrede: Er habe weder ein Buch geschrieben noch eins schreiben lassen, das Buch stamme von einem in Mailand ansässigen Franzosen und sei voller Unrichtigkeiten und »Unannehmlichkeiten«, Eugène habe es daher noch während des Feldzugs von Wien aus konfiszieren lassen und deswegen auch nach Paris geschrieben, wohin etliche Exemplare geschickt worden seien, die er leider nicht mehr habe aufhalten können. Das alles sei wirklich völlig ohne seine Mitwirkung geschehen und der Kaiser möge ihm doch bitte glauben, dass er so etwas nie tun und sich nie irgendwie in den Vordergrund spielen würde.


Konkret geht es wohl um die »Histoire de la campagne de S.A.I. le prince Eugène-Napoleon …« des Abbé Aimé Guillon.
https://books.google.de/books?id=5aN...page&q&f=false


Was mich interessieren würde: ist Eugènes Reaktion auf diese scheinbar harmlose Anfrage Napoleons überzogen, oder hatte er gute Gründe dafür? War Napoleon tatsächlich so eifersüchtig auf Ehrungen, die andere Leute als er erhielten, und gibt es dafür Beispiele?

Man muss ja dazu sagen, dass das offenbar anstößige Buch, um das es geht, zu einem Zeitpunkt entstand, als Eugène offiziell der Erbe der Königskrone von Italien war, und dass er tatsächlich 1809 einen in Summe erfolgreichen Feldzug an der Spitze der italienischen Armee hinter sich hatte. Wenn seine Untertanen sich um »ihren« Vizekönig scharten und ihn feierten, sollte das nicht im Interesse Napoleons sein und die Position der Franzosen in Italien stärken (selbst wenn dabei nicht Napoleon im Mittelpunkt stand)? Hatte Napoleon zu große Angst, Eugène könnte sich eine eigene Hausmacht schaffen? Oder gibt es da eine andere Vorgeschichte, die ich nicht kenne?
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Alt 12.02.2017, 14:39   #3
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Hallo Josefa,

ich finde, Du hast sehr schøne Spezialfragen!

Zitat:
Josefa Beitrag anzeigen
Was mich interessieren würde: ist Eugènes Reaktion auf diese scheinbar harmlose Anfrage Napoleons überzogen, oder hatte er gute Gründe dafür? War Napoleon tatsächlich so eifersüchtig auf Ehrungen, die andere Leute als er erhielten, und gibt es dafür Beispiele?
Hierzu fällt mir ein, dass im Grunde genommen Napoleon von Anfang an an seiner Legende, seinem Mythos selbst gebastelt hat. Dazu gehörte auch, dass
es natürlich keiner besser wusste und konnte als er selbst - und wenn etwas schief ging, lag es an allem möglichen, aber nicht an ihm.

Beispiele gibt's da genug. Am ehesten vergleichbar vielleicht mit Davout bei Jena und Auerstedt - dass hier sein Marschall eigentlich den größeren Sieg eingefahren hatte, wurde en detail möglichst nicht an die große Glocke gehängt*, ähnlich erging es Desaix bei Marengo (der allerdings auch fiel in dieser Schlacht), und das setzt sich in einem fort.

Das berühmteste "Negativbeispiel" ist Grouchy bei Waterloo - obwohl es (weitgehend) nicht stimmt, hört/liest man auch heute noch oft genug von seiner Fehlleistung, die den Sieg der Franzosen vermasselt habe.

Also, wer etwas auf seine Kariere hielt, musste nicht nur fähig sein, sondern es sich auch nicht mit dem Kaiser verscherzen. Dazu gehörte auch eine gehörige Portion Speichelleckerei. Es gab nur wenige, die ihm offen ihre Meinung sagen konnten, ohne dass das zu negativen Konsequenzen führte.

Aufmüpfigkeit und Selbstdarstellung konnte dazu führen, kalt gestellt zu werden - das hat z.B. ein Bernadotte erfahren müssen.

Um zu Eugène zurückzukommen, m.E. hielt Napoleon sehr viel von ihm - da ich das Buch nicht kenne, weiss ich nicht, ob es ihm geschadet hätte oder nicht.

*gleichwohl wurde er als "Duc d'Auerstedt" ausgezeichnet

Gruss, muheijo
__________________
"Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind, aber zu feige, es zu sagen." (Napoléon I.)
muheijo ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 12.02.2017, 16:32   #4
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Josefa ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Zitat:
muheijo Beitrag anzeigen
ich finde, Du hast sehr schøne Spezialfragen!
Okay, da bin ich erleichtert . Ich hatte schon Angst, ich gehe euch mit meinen seltsamen Fragen auf die Nerven.

Zitat:
muheijo Beitrag anzeigen
[...] und wenn etwas schief ging, lag es an allem möglichen, aber nicht an ihm.
Ach ja, ich erinnere mich. An Aspern-Essling war nur das Donauhochwasser schuld, und Russland wäre ein total erfolgreicher Feldzug gewesen, wenn's nicht völlig unerwartet zu schneien angefangen hätte.

Ich vermute, diese Selbst-Heroisierung war für Napoleon notwendig, weil er nur darauf seinen Machtanspruch gründen konnte? Er war den Monarchen ja nicht "eben-bürtig", in Sachen Abstammung.

Trotzdem kommt es mir etwas kurzsichtig vor. Vor ihm selbst hatte man als Gegner sicher Respekt, wenn nicht nackte Angst. Aber seinen "Satellitenkönigen" (auch seinen Brüdern) hat er doch auf diese Art das Wasser abgegraben. Wie sollten die sich den Respekt ihrer Untertanen sichern, wenn ihre Leistungen nicht mal erwähnt werden durften?

Zitat:
muheijo Beitrag anzeigen
Um zu Eugène zurückzukommen, m.E. hielt Napoleon sehr viel von ihm - da ich das Buch nicht kenne, weiss ich nicht, ob es ihm geschadet hätte oder nicht.
Was das eingezogene Buch angeht: Mein Französisch ist jetzt nicht so prickelnd, und ich habe nur den Anfang zu überfliegen versucht. Scheint mir eine ziemliche Lobhudelei zu sein, wie sie aber, meinem Eindruck nach, für die Zeit und gegenüber einem (zukünftigen) Souverän nicht unüblich war.
Falls Napoleon aber tatsächlich derart eifersüchtig darüber wachte, allen Glorienschein für sich allein zu haben, hätte es Eugène mit Sicherheit in Schwierigkeiten gebracht. Darin wird Eugène quasi gleichberechtigt neben Napoleon gestellt: ein Feldherr, der die Armee von Deutschland führt (Nap.) und einer, der die Armee von Italien führt (Eug.). Und es ist gespickt mit Begriffen wie »notre jeune héros«, »notre prince« etc., also »unser« Fürst - im Gegensatz zu dem anderen Helden und Fürsten, dem der Franzosen (eben Napoleon). Da wollte der Verfasser, nehme ich an, den Wunsch der Italiener nach Unabhängigkeit von Frankreich ansprechen.

Mir ist nur die Reaktion Eugènes extrem aufgefallen. Er reagiert auf einen einzigen, beiläufigen Satz in einem längeren Brief Napoleons, und zwar fast schon panisch. Sein Antwort- und Entschuldigungsbrief ist fast eine ganze (Buch-)Seite lang. Gerade wenn Napoleon Eugène eigentlich schätzte, und das sagen fast alle Autoren, finde ich diese Angst, die Eugène offenbar vor seinem Stiefvater hatte, schon seltsam.
(Napoleon kommt übrigens später auf dieses Buch offenbar nicht mehr zurück – allerdings hatte er dann auch wichtigere Dinge im Kopf. Die Trennung von Joséphine stand an.)

Mir fallen noch einige Szenen ein, bei denen Eugène ähnlich heftig reagiert. Einmal 1806, gleich nach seiner Zwangsverheiratung mit der bayerischen Prinzessin Auguste, als er nach Mailand zurückkehrt. Zu Ehren des neuen Vizekönig-Paars wird in der Scala ein Stück aufgeführt, in dem man Eugène und Auguste gebührend in den Himmel lobt. Am Ende des Stücks kommen die Götter vom Olymp, angeführt von Iupiter (der symbolisch für Napoleon steht?), um sich vor dem Paar zu verneigen. - In der Königsloge springt Eugène auf und lässt sofort den Vorhang schließen.

Dann eine kurze Erwähnung bei Meneval (glaube ich), über Napoleons letzte Italien-Reise Ende 1807. Dabei verkündet er dem Parlament offiziell, dass er Eugène adoptiert und zu seinem Nachfolger bestimmt hat. Die Versammlung applaudiert, aber Eugène steht stocksteif und rührt sich nicht, bis Napoleon zu ihm sagt: He, ich glaube, die meinen Sie. Stehen Sie mal auf und verbeugen Sie sich.

Und 1814, als Napoleon die schwangere Auguste auffordert, nach Paris zu kommen, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen, verstehen Auguste und Eugène das sofort als einen Versuch Napoleons, Auguste als Geisel zu benutzen (gegen Eugène und/oder gegen Max Joseph, der inzwischen auf Seiten der Alliierten steht).


Ich bin ja kein Psychologe. Aber nach einer gesunden (Stief-/Adoptiv-)Vater-Sohn-Beziehung schaut das für mich irgendwie nicht aus.
Was auch interessant ist, denn Hortense Beauharnais konnte sich wohl gelegentlich sehr viel erlauben.
Josefa ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.04.2017, 10:39   #5
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Josefa ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Der Vollständigkeit halber noch ein Anekdötchen zum Verhältnis Eugène Beauharnais – Napoleon, diesmal aus der Endphase des Empire. Betrifft das blutige Gefecht von Malo-Jaroslavetz, das vom 4.Korps der napoleonischen Armee (im wesentlichen die Armee von Italien) am 24.10.1812 unter Eugènes Kommando geschlagen wurde. Über die Bedeutung dieses Gefechts gehen die Meinungen heute wohl sehr auseinander, aber die Franzosen waren zumindest der Meinung, sie hätten einen tollen Sieg errungen. Und der englische General Sir Robert Wilson (derselbe, der ein paar Jahre später Lavalette hilft, aus Frankreich zu flüchten), der als Berater auf russischer Seite steht, lobt die italienische Armee über den grünen Klee.


Dazu erzählt Hortense Beauharnais in ihren Memoiren folgende Geschichte: Berichte von diesem Gefecht gingen natürlich auch nach Italien. (Anm.: Eugènes eigene Briefe sind, soweit sie vorliegen, eher bescheiden, aber seine Adjutanten dürften in ihren Berichten weniger zurückhaltend gewesen sein.) Eine ausgesprochen glorifizierende Beschreibung des Gefechts, in der Eugène entsprechend herausgestellt wird, landet demnach »bei der Familie« des Vizekönigs. Unterdessen reißt der Kontakt zwischen Paris und der Armee in Russland mehr und mehr ab. Da die Meldungen aus Russland immer spärlicher werden, fragen die französischen Zeitungsredaktionen in Mailand an, ob man dort etwas Neues weiß. Der Sekretär Eugènes, völlig unschuldig, nichts Böses ahnend, schickt prompt den Gefechtsbericht zu Malo-Jaroslavetz nach Frankreich, wo er in einer Zeitung abgedruckt wird – sehr zur Begeisterung von Alt-Kaiserin Josephine, die immer schon vermutet hatte, dass ihr Sohn ein Held ist, und sehr zur Verärgerung von Napoleon, der das Ganze als Versuch Eugènes wertet, sich in den Vordergrund zu spielen, ihm diesen Zeitungsbericht schwer verübelt und ihn in den weiteren Armee-Bulletins nach Möglichkeit übergeht. Als Napoleon im Dezember 1812 nach Paris zurückkehrt, wird denn auch vor allem Marschall Michel Ney für seine Tapferkeit gerühmt. Hortense erkundigt sich bei Caulaincourt nach Eugène und wird dringend ermahnt, den Namen ihres Bruders nicht zu oft zu erwähnen; Eugène habe zwar sicher nicht weniger geleistet, aber der offizielle Held des Rückzugs sei nun einmal Ney.


(Anm.: Ein leises Echo dieser Geschichte findet sich vielleicht bei Caulaincourts Beschreibung der Szene, als Napoleon die Armee in Russland verlässt, einen Befehlshaber für die Armee ernennen muss und sich für Joachim Murat, den König von Neapel, entscheidet. Caulaincourt unterstellt Napoleon an dieser Stelle, bei der Entscheidung hätten wohl Vorbehalte gegenüber Eugène eine Rolle gespielt, dem er keine Gelegenheit mehr geben wollte, sich in den Augen der Armee auszuzeichnen.)


So weit also Hortense. Nun bin ich ja gerne etwas naiv. Aber dass dieser Zeitungsbericht tatsächlich quasi „versehentlich“ in einem französischen Blatt erschienen sein soll, kommt selbst mir ein bisschen verdächtig vor. Klingt für mich eher nach etwas, das eine umtriebige Damenrunde aus Ehefrau, Mutter und Schwester ausgeheckt haben könnte, um die eigene Familie ins Rampenlicht zu rücken und gewisse Ansprüche (Vizekönigin Auguste hatte ihre Hoffnungen auf Italien noch lange nicht begraben) in Erinnerung zu rufen.


Womöglich war Napoleons Argwohn nicht einmal ganz unbegründet.
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Alt 21.04.2017, 22:59   #6
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Zitat:
Josefa
- außerhalb Frankreichs die badische und die bayerische Fürstenfamilie (zumindest manche der Familienmitglieder)?
Am badischen Hof war man von der Hochzeit zwischen Kur-/Erbprinz Karl und einer standesgemäß unvorteilhaften Stephanie de Beauharnais 'not amused'. War es doch mit dem bitteren Trunk verbunden, die Verlobung zwischen Karl und der bayerischen Prinzessin Auguste unter napoleonischen Druck lösen zu müssen. Die Badener versuchten die Ehe zu verhindern, indem man auf den hohen Standesunterschied einer Stephanie und dem Zähringerspross Karl (mit herzoglichen Stammbaum bis zurück ins Mittelalter) verwies. Napoleon versüßte den Deal durch zweierlei:

- er adoptierte Stephanie, wodurch diese kaiserliche Prinzessin wurde
- Vorderösterreich wurde Teil Badens

Ersteres war dann auch ein Problem. Stephanie sah sich selbst weiter über den Frauen am badischen Hof stehen. Schließlich war sie ja aus kaiserlichem Hause. Die Badener sahen sie jedoch nur als Tochter eines Marquis mit wenig hoftauglicher Erziehung. Da Stephanie - nach den Gemälden und Büsten zu urteilen - eine Schönheit war, hatte sie männliche Bewunderer am badischen Hofe. Aber das waren eher Männer mit geringem Einfluss. Von einer Beauharnais-Partei im Baden kann man da nicht sprechen.
__________________
Glücklich ist, wer in langweiligen Zeiten lebt.
flavius-sterius ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.04.2017, 07:33   #7
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Josefa ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Eh bien, je l'adopte ...

Ich muss gestehen, ich habe Stephanie Beauharnais bei meiner Lektüre bisher weitgehend ausgeklammert. (Bei dem Thema langt man früher oder später offenbar immer bei Kaspar Hauser an, und da will ich wirklich nicht hin.) Zumal mich eher Josephine, Eugène und deren Entourage interessieren. Insofern weiß ich da tatsächlich nicht allzu viel.
Mir ging es eigentlich auch weniger um Stephanies Stellung am badischen Hof (dass die schwierig war, glaube ich gern!), sondern eher um die Frage, inwieweit der badische Hof ein Interesse daran hatte, die Stellung der Beauharnais im Empire zu stärken.

Dass man (wobei »man« wohl in erster Linie Markgräfin Amalie und deren Anhang bedeutet?) in Karlsruhe von der aufgezwungenen Hochzeit wenig begeistert war, wusste ich. Was mich allerdings wundert: sobald Karl einmal mit Stephanie verheiratet war, hing der Fortbestand der alten Zähringer-Linie doch einzig und allein von ihr ab: Karl war der einzige Sohn des verstorbenen Erbprinzen Karl Ludwig; ansonsten gab es noch zwei Onkel, jüngere Söhne von Großherzog Karl Friedrich: Friedrich, wegen geistiger Beeinträchtigung (?) von der Thronfolge ausgeschlossen, und Ludwig, den späteren Großherzog, offenbar berüchtigt für sein Lotterleben und in jedem Fall unwillig, eine standesgemäße Ehe zu schließen. Ergo: ohne legitimen Nachwuchs aus dieser Ehe – »Mesalliance« hin oder her – zwischen Zähringer und Beauharnais würde die Familie aussterben (was dann ja letztlich auch passierte). War das nicht ein gewichtiges Argument, das für Stephanie sprach, sobald die Ehe einmal geschlossen war und man nicht mehr zurück konnte?
Und da die badische Fürstenfamilie nun einmal nur über die »Beauharnais-Schiene« mit Napoleon verwandt war – musste man da nicht befürchten, dass durch die Trennung von Josephine und den damit verbundenen Bedeutungsverlust der Beauharnais auch die eigene Stellung geschwächt würde? In Bayern scheint man das durchaus so empfunden zu haben.

Zitat:
flavius-sterius Beitrag anzeigen
War es doch mit dem bitteren Trunk verbunden, die Verlobung zwischen Karl und der bayerischen Prinzessin Auguste unter napoleonischen Druck lösen zu müssen.
Eigentlich war diese Verlobung zwischen Karl und Auguste aber nie wirklich zustande gekommen, oder? Die beiden jungen Leute (und noch viel mehr deren Mütter bzw. Stiefmütter) hatten sich wohl privat ein Eheversprechen gegeben. Dieser Verlobung hatte aber Karl Friedrich nie seine Zustimmung erteilt – bereits mit Hinblick auf die Wünsche Napoleons. Bayern, Baden und Frankreich eiern dann ein Jahr lang um dieses leidige Thema herum (die Bayern möchten Auguste möglichst schnell verheiraten oder wenigstens öffentlich verloben, um sie »vom Heiratsmarkt« weg zu bekommen und vor Napoleons Zugriff in Sicherheit zu bringen), bis Napoleon am Ende dem bayerischen Kurfürsten Max Joseph quasi das Messer auf die Brust setzt.
Diese »Auflösung« der bayerischen Verlobung kam also wohl weder für Karl Friedrich noch für den angehenden Bräutigam Karl wirklich überraschend.

Zitat:
flavius-sterius Beitrag anzeigen
Die Badener sahen sie jedoch nur als Tochter eines Marquis mit wenig hoftauglicher Erziehung.
Sogar nur Tochter eines »Comte«, eigentlich (um mal den Korinthenkacker zu spielen ^_^). Francois Beauharnais, der Botschafter in Spanien, war meines Wissens Marquis. Claude Beauharnais, Stephanies Vater, hatte wohl den Rang eines Grafen und war Senator, und das scheint auch schon alles gewesen zu sein, was er war. Er wird später allerdings Ehrenkavalier bei Kaiserin Marie-Louise – was wohl auch eine Geste Napoleons gewesen sein dürfte, um zu demonstrieren, dass er die Beauharnais nicht fallen lassen will. (Kann man aus der Tatsache, dass er das nicht wollte, schließen, dass es in Paris eine noch immer einflussreiche »Beauharnais-Partei« gegeben haben muss?)

P.S.: Was die "hoftaugliche Erziehung" angeht: war Stephanie nicht auch bei Madame Campan? "Hoftauglicher" als die ehemalige Kammerfrau von Marie Antoinette geht doch eigentlich kaum? Ich denke, es war rein die Frage der Herkunft, die da eine Rolle spielte; die Beauharnais gehörten nicht zu den alten Fürstenfamilien und Nachkommen aus einer solchen Verbindung waren daher, in den Augen der alten Dynastien, nicht thronfolgefähig.

Geändert von Josefa (22.04.2017 um 08:18 Uhr).
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