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Alt 17.11.2015, 00:09   #1
Anonym1111
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Befreiungskriege gegen Napoleon

Hallo liebes Geschichtsforum,

mich plagt eine Frage zum oben stehenden Thema, die ich so durch Rechereche nicht beantworten kann.

Folgendes: Napoleon nahm ja große Teile Europas ein und transportierte grundlegende Ideen der Französischen Revolution. Das machte ihn natürlich sehr beliebt bei den unpriviligierten Ständen, die zunächst ja auch neue Rechte erhielten.
Später jedoch wandten sich genau diese Menschen gegen ihn (In den Befreiungskriegen und der Völkerschlacht bei Leipzig 1813), mit dem Ziel "Freiheit und Einheit" zu erlangen.
Da frage ich mich warum? Letztendlich haben sie die Reformen ja ihm zu verdanken und nun fallen sie ihm in den Rücken? Bestand gar nicht die Furcht, dass sie durch die Niederschlagung Napoleons ihre Rechte wieder verlierten, da so zu sagen die Macht de Monarchen wieder restauriert werden konnte?

Wenn inhaltlich irgendwas falsch ist bin ich für Hinweise dankbar!

Ich selbst würde mir das Ganze - kurz gefasst - so beantworten:
Anfangs waren sie überzeugt von Napoleon, da er viele fortschrittllche Rechte einbrachte. Nach und nach jedoch erkannten sie den "Diktator" in ihm, der sie bloß ausgebeutet hat. Zudem wurden sie fremdbeherrscht. Sie wollten die "Freiheit und Einheit" --> Verwirklichung und Umsetzung durch Befreiungskrieg. Die Rechte und Ideen übermittelt durch die Frz. Rev. haben sich in ihren Köpfen verankert, sodass sie diese beibehalten wollten. (Was sich mir allerdings nicht erklärt ist - falls es so stimmen sollte - warum sie ihre Rechte (durch Niederschlagung Napoleons und der davon denkbaren Folge der Einbüßung ihrer zu dem Zeitpunkt neu erlangten Rechte) aufs Spiel gesetzt haben. Haben sie sich inzwischen vielleicht so "stark" und als "Nation" gefühlt?

Freue mich auf Eure antworten und ggf. auf eine spannende Diskussion!
LG
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Alt 17.11.2015, 06:32   #2
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Das ist eine recht komplizierte Gemengelage. Zunächst einmal ist es ja nicht so, dass alle von Napoleon begeistert gewesen wären. Und die Frage ist auch, ob Napoleon wirklich ein Freiheitsbringer war. Letztlich machte er halb Europa zu Vasallenstaaten Frankreichs mit verwandten und verschwägerten Potentaten an ihrer Spitze: Sein Bruder Jerome erhielt das Königreich Westfalen, sein Bruder Joseph das Königrich Spanien, Neapel wurde zunächst von Joseph, später Murat (Napoleons Schwager) regiert, er selbst war König von Italien (Italien und Neapel waren zwei unterschiedliche Königreiche). Die Rheinbundstaaten waren zwar formal unabhängig, letztendlich aber waren auch sie Satelliten Frankreichs und mussten Napoleon Truppen stellen, u.a. auch im unseeligen Russlandfeldzug Napoleons, der für Polen sicher kurzzeitig ein Segen war. Aber auch in Spanien waren Rheinbundtruppen eingesetzt
Und warum führte Napoleon den Russlandfeldzug? Warum den Spanienfeldzug? Um die 1806 in Berlin ausgerufene Kontinentalsperre durchzusetzen, einen gegen das Vereinigte Königreich gerichteten Wirtschaftskrieg, der GB aushungern sollte. Da GB aber seit Trafalgar (1805) die unumstrittene Seeherrschaft hatte (und 1807 durch die Entführung der dänischen Flotte zementierte), kontrollierten die Briten, die ja eigentlich wirtschaftlich ausgeblutet werden sollten, den Handel. In Festlandeuropa blühte der Schmuggel auf und es wurde immer schwieriger an Waren zu kommen, wohingegen England einen Großteil der Handelschiffe aufbrachte und sie zwang, ihre Waren in britischen Häfen zu stapeln (ergo zum Verkauf anzubieten) und britische Waren aufzukaufen, die dann wiederum auf dem europäischen Markt vertrieben werden sollten.
Man kann sich auch mal Spanien anschauen: Einzige Stadt Spaniens, die zwischen 1808 und 1814 nie von den napoleonischen Truppen besetzt werden konnte, war Cádiz. Hier trafen sich die Cortes von Cádiz (Corte = ursprünglich Hof, später Ständeversammlung, nach 1808 ein einigermaßen demokratisch gewähltes Parlament). Unter den Deputierten in Cádiz waren die afranceados (~ 'Franzosenfreunde') recht unbeliebt. Man war bourbonentreu (ein Fehler, wie sich später herausstellte) aber man schuf in Cádiz in den Jahren 1810 - 1812 die im damaligen Europa liberalste Verfassung (außer im Punkt der Religion, denn wer Staatsbürger Spaniens sein wollte, der musste Katholik sein), die mehr als eine Anleihe aus dem Code Napoleon übernahm.
Ich könnte jetzt noch einiges über die Abschaffung und Wiedereinführung dieser Verfassung im liberalen Jahrdritt (Trienio liberal) und die Karlistenkriege bzw. warum die Basken paradoxerweise ihre Freiheit durch die liberale Verfassung bedroht sahen schreiben, aber das führt noch weiter von Napoleon weg.
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Alt 17.11.2015, 08:53   #3
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Es ist eigentlich ziemlich selten anzutreffen, dass Napoléon positiv angesehen wurde. Viele Institutionen in Frankreich, die er abgewandelt beibehielt erhielten kaum noch das Interesse der Bevölkerung. Reichardt berichtet beispielsweise, dass das "Corps Législatif" weder von seinen Mitgliedern geachtet noch von Zuschauern besucht wurde - kein Wunder, beschränkte es sich offenbar auf Lobreden auf die Entscheidungen der Regierung. Ähnlich das Nationalinstitut aus dem Philosophie und Staatskunst verbannt wurden, da dies scheinbar nur noch die Domänen der Regierung waren (und man viell. verhüten wollte, dass jmd. über dieselbe räsonierte). Die Lyzeen wurden zu einer Art Militäranstalten umgeformt mit Einteilung in Kompanieen unter Korporälen und Sergeanten. Bis auf ganz wenige Anstalten wurden lebende fremde Sprachen in den Bildungseinrichtungen völlig vernachlässigt, sondern das Erlernen von kriegswichtigen Handwerken in den Mittelpunkt gestellt. Selbst die ehedem in der Revolution gemeinnützige Pariser Taubstummenanstalt wurde z.T. eher in eine Art Armen- bzw. Arbeitshaus umgewandelt, welches sich offenbar auf Dauer selbst finanzieren sollte, statt die Not mittelloser Bedürftiger zu stillen und diese in die Gesellschaft zu integrieren; nur Privilegierte, Reiche, konnten ihre taubstummen Kinder für viel Geld ähnlicher der ehemaligen Intention der Einrichtung unterrichten lassen. Pressefreiheit in dem Sinne gab es eh nicht mehr und auch die Spielpläne an den Theatern wurden diktiert. Ich würde sogar sagen, dass viele deutsche Staaten, was die Theaterlandschaft anbelangt, weitaus liberaler als Frankreich waren.
Unter den gebildeten Deutschen fällt mir auf Anhieb (aber eher mein Fehler) nur Goethe ein, der Napoléon vergötterte.
Eine antifranzösische Stimmung gab es gewiss auch schon vor 1813 und auch schon vor 1809 (dem Jahr von Schills und des schwarzen Herzogs Zügen durch Dtl.).
Neulich in einer Doku zu Paris und Berlin auf Arte wurde dieses Gemälde "Napoléons Einzug in Berlin" (Charles Meynier, 1809) so interpretiert, dass sich die Berliner wirklich über Napoléon freuten. Napoleons Einzug in Berlin - L'Histoire par l'image - Plein cadre Man muss aber wohl berücksichtigen in welchem Zusammenhang das Bild entstanden ist. Es sollte in den Tuillerienpalast Napoléons (!) kommen. Selbst wenn sich ein paar Berliner gefreut haben sollten, muss man im Falle von Preußen berücksichtigen, dass Königin Luise schon damals die antifranzösische Stimmung schürte und recht beliebt war (auch wenn ihre Verklärung selbstredend mit dem Tod noch größeren Zulauf bekam). Andererseits hatte es ja gerade in Preußen unter Friedrich II. und seinen Nachfolgern schon ehedem Reformen und bspw. das Landrecht gegeben, das 1794 erlassen wurde.
Bessern konnte Napoléon ja theoretisch eh nur, wo er aktiv in die Reformierung bestehender oder Gestaltung neu gegründeter Staaten (wie Ghzm. Berg oder Kgr. Westphalen) eingreifen konnte.
Wenn wir nur mal den Thema der Parlamente betrachten, so ist es gewiss so, dass bspw. die württembergischen Landstände im Zeitalter des Absolutismus (also im 18.Jh.) mehr Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen konnten als die von Napoléon installierten Parlamente.

Wie schon ElQuijote andeutete, werden für die meisten in Deutschland die wirtschaftlichen und militärischen (zahlreiche Aushebungen) Aspekte, die negativ genug waren, die positiven verdunkelt haben, so diese überhaupt wirkten (es gibt auch Beispiele, wo das neue Régime alte Beamte übernahm, die genauso wie ehedem weitermachten).

Allerdings muss man auch beim Thema "Befreiungs"kriege aufpassen. Es war ja nicht so, dass jeder, der Napoléon nicht mochte, deswegen zu den Waffen griff. Das ist vielmehr ein Bild das sehr gern im 19.Jh. in der Historienmalerei und im 20.Jh. in der NS- und DDR-Propaganda suggeriert wird. In Wahrheit zeigen sich auch im wohl führenden antifranz. Staat in Dtl. andere Tendenzen. Es gibt Regionen, die v.a. viel unter Durchzügen napoleonischer Truppen zu leiden hatten, wo die Begeisterung für den Krieg groß war und andere, wo die Landwehrmänner in Scharen einfach wieder nach Hause gingen, da sie sich nicht in den Krieg begeben wollten. Das gleiche "Phänomen" finden wir schon in den 1790ern während des ersten und zweiten Koalitionskrieges. Es hat also nicht viel mit Napoléon an sich zu tun.
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Alt 17.11.2015, 09:03   #4
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Zitat:
Brissotin Beitrag anzeigen
Neulich in einer Doku zu Paris und Berlin auf Arte wurde dieses Gemälde "Napoléons Einzug in Berlin" (Charles Meynier, 1809) so interpretiert, dass sich die Berliner wirklich über Napoléon freuten. Napoleons Einzug in Berlin - L'Histoire par l'image - Plein cadre Man muss aber wohl berücksichtigen in welchem Zusammenhang das Bild entstanden ist. Es sollte in den Tuillerienpalast Napoléons (!) kommen.
Echt jetzt?! Also unabhängig von der tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung: Da hat aber jemand sämtliche Q-Kritik mit Füßen getreten.
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Alt 17.11.2015, 10:03   #5
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Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Echt jetzt?! Also unabhängig von der tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung: Da hat aber jemand sämtliche Q-Kritik mit Füßen getreten.
Ja. Das Bild wurde gezeigt und dann hieß es, man erkenne deutlich, die Berliner jubelten Napoléon zu. Eine andere Quelle - wie ein Augenzeugenbericht - wurde nicht heran gezogen.
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Alt 17.11.2015, 10:08   #6
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Hallo,

kürzlich gelesen, echt gut:

Andreas Platthaus

1813 - Die Völkerschlacht und das Ende der alten Welt



Im Herbst 1813 blickt ganz Europa nach Leipzig - voller Furcht, aber auch voller Hoffnung. An vier Tagen entscheidet sich hier, in der bisher größten Schlacht der Menschheitsgeschichte, das Schicksal des Kontinents: Napoleons Truppen, nach dem gescheiterten Ostfeldzug wiedererstarkt, treffen vor den Toren der Stadt auf die Koalition aus Preußen, Russland, Österreich, England und Schweden. Vom 16. bis zum 19. Oktober dauern die Kämpfe, die als "Völkerschlacht" in die Geschichte eingehen, mit sechshunderttausend Soldaten aus über einem Dutzend Nationen, neunzigtausend Toten und ungezählten zivilen Opfern. Zum 200. Jahrestag der Schlacht, dem Höhepunkt der Befreiungskriege, entwirft Andreas Platthaus ein eindringliches Panorama jener Tage zwischen Verheerung und Freudentaumel, dem Untergang der alten Welt und der Dämmerung einer neuen. Er schildert ihren Verlauf, zeigt, wie Herrscher und Strategen planten und agierten, aber auch, was Soldaten, Bauern und Leipziger Bürger erlebten, erlitten, erhofften. Schlaglichter fallen auf Kriegsgewinnler und politische Visionäre, auf Goethe und seine zwiespältige Bewunderung für Napoleon und auf dessen Glanz und Niedergang. Das atmosphärisch dichte Bild einer Epochenwende - der Geburtsstunde der modernen europäischen Staatenordnung.



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Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.
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Alt 20.11.2015, 00:19   #7
Anonym1111
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So tut mir leid das ich jetzt erst antworte, momentan ist wieder Klausurphase (kein Geschichte).

Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten, habe mich sehr gefreut!

Ich habe nun nochmal ein völlig neues Bild von Napoleon erhalten - jedoch im negativen Sinne. Demnach würde ich mir meine Frage nun anders beantworten. Sicherlich war er in Teilen beliebt bei der Bevölkerung der Vasallenstaaten, da er letztendlich viele moderene Reformen initiert hat (in Frankreich noch mehr), jedoch wandte sich die Sicht auf ihn schnell ins negative. Er profitierte quasi aus den Ideen der Frz. Rev. und übertrug sie im wesentlichen in Teilen auch in abgewandelter Form auf die Vasallenstaaten. Er war jedoch in gewissem Sinne Größenwahnsinnig, sprich erhoffte sich durch die von ihm transportieren Ideen nur die Symphatie der Bevölkerung, die ihm letztenlich mit dazu dienen sollte, seine Eroberungszüge auszuweiten. Hierbei beutete er jedoch viele Menschen aus und zwang sie in den Krieg zu gehen. Somit machte er sich mehr und mehr unbeliebt, die Bevölkerung wollte frei sein. Schließlich enlud sich der Hass der Bevölkerung gegenüber Napolen in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813.

Ich will Napoleon nicht als schlecht darstellen, klar waren das nicht alles Glanztaten, letztendlch jedoch legte er den Grundstein für unsere heutige Lebensweise.

LG
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Alt 20.11.2015, 07:51   #8
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Zitat:
Anonym1111 Beitrag anzeigen
Schließlich enlud sich der Hass der Bevölkerung gegenüber Napolen in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813.
Hm, das finde ich aber auch etwas fragwürdig. Das klingt ja wie ein Volksaufstand gegen Napoléon.
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Alt 20.11.2015, 09:35   #9
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Ich will Napoleon nicht als schlecht darstellen, klar waren das nicht alles Glanztaten, letztendlch jedoch legte er den Grundstein für unsere heutige Lebensweise.
Nein! Napoleon legte nicht den Grundstein für unsere heutige Lebensweise, sondern es war ein sehr komplexer Prozess innerhalb der Gesellschaft der Wirtschaft und auch der Politik, die diese Entwicklung erst ermöglichte.

Diese Periode kann man beispielsweise mit Kosellek als "Sattelzeit" bezeichnen und kennzeichnet eine Periode sehr raschen sozialen Wandels.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sattelzeit

Napoleon hat durch seine Handlungen diese Entwicklung bestenfalls beschleunigt! Nicht mehr und nicht weniger.

Nicht "Männer" machen Geschichte, sondern die "Geschichte" sucht sich Akteure und handelt durch diese Akteure, wenn man es ein wenig metaphysisch ausdrücken möchte.
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Alt 20.11.2015, 11:45   #10
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Zitat:
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Ja. Das Bild wurde gezeigt und dann hieß es, man erkenne deutlich, die Berliner jubelten Napoléon zu. Eine andere Quelle - wie ein Augenzeugenbericht - wurde nicht heran gezogen.
Wenn man der BILD-Zeitung Glauben schenken will, haben die Berliner auch beim Polizeistaatsbesuch von Shah Reza Pahlevi gejubelt, mit Ausnahme von einigen "Revoluzzern, Chaoten und linken Spinnern"
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Alt 22.11.2015, 07:38   #11
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Zitat:
Anonym1111 Beitrag anzeigen
Schließlich enlud sich der Hass der Bevölkerung gegenüber Napolen in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813.
Zitat:
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Hm, das finde ich aber auch etwas fragwürdig. Das klingt ja wie ein Volksaufstand gegen Napoléon.
Ja, hier wære ich auch etwas vorsichtig. Was war bei Leipzig passiert?
Ein paar Sachsen und Wuerttemberger sind zum Feind uebergelaufen.

Den Sachsen kann man es nicht einmal verdenken, immerhin hat deren Land ueberdurchschnittlich gelitten.
Trotzdem ist es mehr als fraglich, ob die gleichen Truppen auch uebergelaufen wæren, wenn die Schlacht besser fuer Napoleon gestanden hætte. Die Offiziere jedenfalls sahen sich nur dem sæchs. Kønig verpflichtet, und handelten erst, nachdem die kryptischen Aussagen des Kønigs ihnen Spielraum fuer eine Interpretation im Sinne von Ueberlaufen zu liess.
Die Bevølkerung von Leipzig hat mit den Geschehnissen nichts zu tun - allerdings haben sie noch ueber viele Jahre unter den Folgen der Schlacht zu leiden gehabt.
Ueberhaupt vermisse ich die breite Unterstuetzung der Bevølkerung in diesen sog. "Befreiungskriegen". Da gab es mal einen Buchverleger, ein paar Intellektuelle, einen schwarzen Major - aber sonst?
Das Beispiel Tirol machte ja eben nicht Schule im ehemaligen Deutschen Reich.
Ohne die negativen Folgen der Kontinentalsperre und die immer neuen Truppenaushebungen wære die sog. Fremdherrschaft wahrscheinlich gar kein Problem gewesen.

Gruss, muheijo
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"Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind, aber zu feige, es zu sagen." (Napoléon I.)
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Alt 18.10.2016, 13:02   #12
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Zitat:
muheijo Beitrag anzeigen
.
1.
Ueberhaupt vermisse ich die breite Unterstuetzung der Bevølkerung in diesen sog. "Befreiungskriegen". Da gab es mal einen Buchverleger, ein paar Intellektuelle, einen schwarzen Major - aber sonst?

2.
Das Beispiel Tirol machte ja eben nicht Schule im ehemaligen Deutschen Reich.
Ohne die negativen Folgen der Kontinentalsperre und die immer neuen Truppenaushebungen wære die sog. Fremdherrschaft wahrscheinlich gar kein Problem gewesen.
1.
Wobei ich diese "Gruppe" von Napoleongegnern interessant inhomogen finde.
Einige von ihnen wollten einfach das Rad der Zeit zurückdrehen und die Herrschaft wie vor den Koalitionskriegen zurückhaben. Denen war Napoleons Kehrtwende mit den Reformen (vgl. mein Beitrag vom 17.11.2015) nicht konservativ genug, bzw. auch wenn es ihnen reichte so stieß man sich schlichtweg an Napoléon als derjenige, der regierte.
Die Intellektuellen waren aber scheinbar nun auch nicht Demokraten in dem Sinne.
Die Gebildeten konnten auch Beamte sein, die von den neuen Machthabern einfach übernommen wurden, obwohl diese Beamten evtl. noch dem alten Herrscherhaus anhingen und Reformen, bzw. in anderen Teilen Frankreichs geltende Normen einfach nicht umsetzten.

2.
Tirol scheint mir eh ein Sonderfall. Sympathisanten gab es wohl 1809 auch andern orten. Ich schrieb auch schon an anderer Stelle von Freiwilligen. Wobei es eigentlich absurd ist, wenn man sich meinetwegen als Sachse den Tirolern anschlösse, da es denen ja vorrangig um "das heilige Land Tirol" ging. Die Tiroler hatten nie die Absicht Deutschland oder auch nur Österreich von Napoléon/den Bayern zu befreien, sondern eben nur ihre Tiroler Heimat. Das würde ich eher unter National-/Lokalpatriotismus weniger unter antinapoleonischer Einstellung einstufen. Genauso verteidigten die Tiroler ihr Land gegen die franz. Republik ein paar Jahre davor oder eben in den Kriegen des 18.Jh. gegen die Bayern. Ebenso kämpften die Bayern ihrerseits gegen eine Unterjochung durch Österreicher in zwei Erbfolgekriegen...

Hat Napoléon seine Fehler in der Behandlung seiner Satellitenstaaten eigentlich einmal eingesehen? Im Falle des Kgr. Hollands hat er es, glaube ich, später einmal reflektierter betrachtet - immerhin.
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