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| | #21 | ||
| Premiummitglied Registriert seit: 02.2006 Ort: Badischer Bodensee
Beiträge: 637
![]() ![]() | Zitat:
Heute werden seine Arbeiten sehr differenziert gesehen. The archaeology of V. Gordon Childe ... - Google Bücher Der Begriff "Revolution", der für Childe als bekennenden Marxisten natürlich der passende Begriff für einen plötzlichen Umsturz war, wird heute vorsichtiger gehandhabt. Tatsächlich war der Vorgang wohl auch eher evolutionär. Den Verlauf der Entwicklung bis in die 90-er Jahre kann man, mit vielen Literatur-Nachweisen für die Jahrzehnte, sehr gut verfolgen in dem Aufsatz von David Harris -Transitions to Agriculture in Prehistory, Antiquity, December 1994 Zitat:
Dass es einer der wichtigsten Um brüche in der Geschichte der Menschheit war, damit hast du sicher recht.
__________________ A room without books is like a life without meaning. | ||
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| | #22 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2004 Ort: Ostfalen
Beiträge: 7.458
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Gegenwärtig überwiegt die Vorstellung, dass der Einfluss kolonisierender Bauern aus Vorderasien in Griechenland und Thessalien sehr groß ist, was die frühneolithische Sesklo-Kultur gut zeigt. Ab dort scheint sich dieser direkte Einfluss Richtung Mitteleuropa kontinuierlich abzuschwächen oder gar aufzulösen. Geändert von Dieter (28.06.2011 um 18:58 Uhr). | |
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| | #23 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 02.2006 Ort: Badischer Bodensee
Beiträge: 637
![]() ![]() | Zitat:
Ich beziehe mich in meiner Fragestellung zum Thread und in meinen Ausführungen nicht auf die sicher an vielen Stellen der Erde vorgekommene Weitergabe der Kenntnisse früher Ackerbauer an weniger entwickelte Gesellschaften. Es geht mir um die Entwicklung von Jäger/Sammlern einer geographisch und sozial abgegrenzten Gesellschaft durch die Domestizierung von zunächst gesammelten, später kultivierten Wildpflanzen hin zu Ackerbauern, eine Entwicklung, die unabhängig voneinander in allen Kontinenten außer Europa erfolgt ist. Es geht mir um den Auslöser und die Dauer dieser Entwicklung an den jeweiligen geographischen Orten. Dass und wie sich von diesen Brennpunkten der Entwicklung der Ackerbau weiter verbreitet hat, ist eine andere, sicher ebenfalls sehr interessante Problemstellung.
__________________ A room without books is like a life without meaning. Geändert von kwschaefer (28.06.2011 um 19:26 Uhr). | |
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| | #24 |
| Mitglied Registriert seit: 04.2010 Ort: Nähe Wolfenbüttel
Beiträge: 1.807
![]() | Sicher, das dies nicht auch , unabhängig von anderen, in Europa passiert ist? Domestizierung von Roggen , Buchweizen? und Hafer.
__________________ Was ein Mensch denken kann , passiert irgendwann Murphy |
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| | #25 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
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Nur Haselnüsse, Bucheckern, Beeren, Wildäpfel sowie einige Gemüseurformen und evtl. Mohn waren in Mitteleuropa vorhanden und könnten theoretisch für erste Anbauversuche genutzt worden sein. Bei der Haselnuß z.B. kann ich mir das gut vorstellen, evtl. auch beim Holunder.
__________________ Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird. | |
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| | #26 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 02.2006 Ort: Badischer Bodensee
Beiträge: 637
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Bei Roggen ist es meiner Kenntnis nach so, dass es domestizierten Roggen schon in Abu Hureira in Nord-Syrien gegeben haben soll, kultiviert ab 11.050 BP. Dies ist aber nicht unbestritten. An Fundstellen der PPNB-Kultur (Pre-PotteryNeolithicB) - etwa 8.700 BP - ebenfalls im "Fruchtbaren Halbmond" ist domestizierter Roggen nachgewiesen, allerdings nicht in größeren Mengen. Dann taucht er wieder im bronzezeitlichen, Ackerbau treibenden Europa auf. Man nimmt wohl an, dass er als kleinere Beimengung zu Weizen dorthin gelangt ist, vielleicht verborgen durch 'Vavilovian mimicry',ein von Alexander Wawilow beschriebenes Mimikri, das der Mensch herausgezüchtet hat. Im Klima Europas entwickelte sich diese Beimengung so gut, dass sie später getrennt angebaut wurde. Jedenfalls aber ist Roggen nicht durch eine Wildbeuter-Gesellschaft in Europa domestiziert worden.
__________________ A room without books is like a life without meaning. | |
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| | #27 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
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Einen Trend zum gärtnerischen Eingriff entwickelt der erfolgreiche Sammler fast automatisch, von deswegen ist es nicht überraschend, dass die Domestizierung an verschiedenen, voneinander unabhängigen Orten stattgefunden hat. Irgendwo habe ich gelesen, dass es im nahen Osten/Nordafrika abhängig von den Eiszeiten ein Versteppungszeitfenster gab, dass das Wachstum der Gräser förderte. Da die Menschen schon vorher Grassamen sammelten und zu Mehl verarbeiteten, älteste Mahlsteinfunde sind ca 20000 Jahre alt, aus meiner Erinnerung. Mehr Gras in jenem Zeitfenster, bedeutet mehr Nahrung und mehr Menschen. Als die Grassteppen zurückgingen, führte dieser Zwang zur stärkeren Förderung der geschätzten Gräser. Der Mensch hängt an seinen Lieblingsspeisen. ![]()
__________________ Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird. | |
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| | #28 | |
| Mitglied Registriert seit: 06.2011 Ort: Meistens unterhalb der Baumgrenze
Beiträge: 294
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Das Wissen der Menschen über die Natur muss hoch genug gewesen sein, dass sie wussten wo und wie sie eingreifen mussten, z.B. durch Brandrodung, dass Lichtungen für die gewünschte Kraut und Strauchschicht entstehen konnte. | |
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| | #29 | |||
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
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Das Wissen über die Natur und die Pflanzenkenntnisse schätze ich auch sehr hoch ein. Wenn man auf die Haselnüsse als Wintervorrat angewiesen ist, erkennt man einen Haselsämling sofort und hält ihm die Pflanzenkonkurrenz vom Leib. Zitat:
Überhaupt habe ich Verständnisprobleme bei den tropischen Nutzpflanzen. Kann es sein, dass man die austronesischen Inseln als erstes Domestizierungsgebiet von wichtigen Nutzpflanzen ansieht, weil sie aktuell eifrig erforscht werden und sich dort Wildformen wegen der abgeschiedenen Lage gehalten haben. Es irritiert mich, dass im klimatisch ähnlichen Indien und Afrika nur die Standardpalette domestiziert worden sein soll. Zitat:
Einige tropische Pflanzen sind sich recht ähnlich und stellen die gleichen Standortansprüche, wie die Gurken- Kalebassen- Kürbisgruppe, die ähnlich genutzt werden aber in 3 getrennten Zentren domestiziert wurden. Gedanklich suche ich dazu Parallelen bei den Tieren. Bei den Hunden hatten wir das mal diskutiert.
__________________ Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird. | |||
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| | #30 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 02.2006 Ort: Badischer Bodensee
Beiträge: 637
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Was Indien angeht so habe ich auch in indischen Arbeiten außer den in der Karte genannten Beispielen nur Indische Jujube als in indien domestizierte Art gefunden. sicher kein Grundnahrungsmittel.
__________________ A room without books is like a life without meaning. | |
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| | #31 |
| Mitglied Registriert seit: 10.2008 Ort: Teutschland
Beiträge: 817
![]() ![]() ![]() | Ich möchte an der Stelle auf das Archäophyten-Problem oder besser ausgedrückt Hemerochorie hinweisen. Es gibt augenscheinliche Wildformen, die eigentlich verwilderte Nutzpflanzen sind. In Europa ist die Sache aufgrund von Pollenanalysen teilweise geklärt. Viele heutige Wildpflanzen gaben erst mit den jungsteinzeitlichen Bauern oder erst mit den Römern nach Mitteleuropa und verwilderten dort. Die Wildpflanzen sind von den Kulturpflanzen phänotypisch zum Teil sehr stark verschieden. Gerade bei der der Verbreitung von Wildformen heutiger Kulturpflanzen auf Inseln aller tropischen Meere, gemeint ist die wilde Yams-Wurzel, ist mit Archäophyten zu rechnen. Nur weil hier und dort heutzutage dies oder jenes wild wächst, heißt das noch lange nicht, dass das schon immer so war. Mit der Domestizierung von Pflanzen und deren Ausbreitung hat der Mensch auch die wilde Flora für immer verändert.
__________________ "Je mehr Bücher man liest, desto dümmer wird man" Mao Zedong Geändert von Maglor (30.06.2011 um 21:43 Uhr). |
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| | #32 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2006
Beiträge: 736
![]() | Interessant ist ja nicht nur die Genese der Gräser-Nutzpflanzen = Getreidearten. Wie und wann gelangten wir in Mitteleuropa an Bohnen / Erbsen / Linsen ? Auch ausgelesen aus Wildformen ? Diese Pflanzen sind aufgrund von Proteingehalt und guter Lagerbarkeit doch sehr lukrativ für eine Ackerbaugesellschaft , stelle ich mir vor . Vielleicht sogar einfacher zu kultivieren und sogar noch Stickstoffproduzenten. Gut - hierzulande war es nicht so einfach wie in Nordamerika , wo man ja Mais , Bohne und Kürbis zusammen anbaute - geniales Konzept , falls es tatsächlich so war ![]() Ausserdem war ja Flachs wohl sehr früh in Kultur wegen seiner Bedeutung als Faserlieferant = Leinenherstellung . Was war mit Hanf , der ja hierzulande problemlos gedeiht und ebenfalls Fasern liefert ? |
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| | #33 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2005 Ort: kurz vorm Nordpol/ Schläfrig-Holzbein
Beiträge: 8.490
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Warum 'falls'? Der gemeinsame Anbau von Mais, Bohnen und Kürbis ist in zb Nord- und Mesoamerika üblich gewesen; in Nordamerika sind diese drei Arten auch als die „drei Schwestern“ bekannt. Näheres zb hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Three_Sisters_(agriculture) Auszug: Der Artikel beschreibt, daß bei einer Anbautechnik flache Hügel von ca. 30 cm Höhe und 50 cm Breite errichtet werden. Mehrere Maiskörner werden in der Mitte der Hügel zusammen gesetzt. Teilweise wurde im nordwestlichen Kulturareal als Düngung verrotteter Fisch dazugegeben. Wenn der Mais ca 15 cm hoch steht, kommen Bohnen und Kürbis dazu. Die drei Arten profitieren von diesem Anbau. Die Bohnen können am Mais hochranken und liefern Stickstoff für den Boden, den die anderen Pflanzen nutzen. Der Kürbis breitet sich am Boden aus und hält das Sonnenlicht ab, wodurch Unkraut verhindert wird. Die Kürbisblätter bilden eine Laubdecke, die das Mikroklima beeinflußt, da sie die Feuchtigkeit im Boden hält und Ungeziefer fernhalten. Weiteres ist auch unter dem Stichwort „Milpa“ zu finden: Milpa - Wikipedia, the free encyclopedia
__________________ ... wie man revoluzzt und dabei noch Lampen putzt Und in diesem Thread schreibe ich auch | |
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| | #34 | |||
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
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Zitat:
Das kann man mit den amerikanischen Bohnen genauso machen. Zitat:
__________________ Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird. | |||
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| | #35 | ||
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2005 Ort: kurz vorm Nordpol/ Schläfrig-Holzbein
Beiträge: 8.490
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Zitat:
__________________ ... wie man revoluzzt und dabei noch Lampen putzt Und in diesem Thread schreibe ich auch | ||
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| | #36 | |
| Ehemaliges Mitglied Registriert seit: 10.2007
Beiträge: 8.883
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| | #37 |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2005 Ort: kurz vorm Nordpol/ Schläfrig-Holzbein
Beiträge: 8.490
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Ja. (Blöde 10-Zeichen-Regel)
__________________ ... wie man revoluzzt und dabei noch Lampen putzt Und in diesem Thread schreibe ich auch |
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| | #38 | |
| Mitglied Registriert seit: 07.2006
Beiträge: 736
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MW beginnt bereits nach der Ausreifung der Maiskolben sehr rasch die Verwesung des Maiswurzelstocks . Reifer Mais auf dem Feld scheint daher sehr windanfällig . Omas Bohnenpflanzungs - System mit an den Spitzen gebundenen , schräg gegenüber gestellten Stangen funktionierte auch gut ![]() Übrigens zog Oma unten an den Stangen Gurken und in der Mitte Möhren ( richtig fette Dinger )Auch so ne Art 3 Schwestern .... Wissen wir was über Gewinnung/ Nutzung von Ölen nördlich der Alpen und konnte das zeitlich bestimmt werden ? Leinöl ? Mohnöl ? Gar Rapsöl ? Die Geschichtsschreibung vermittelt ja den Eindruck , als ob erstmals mit den Römern und deren Oliven-Öl -Konsum , der vollständig importiert wurde, das Öl nördlich der Alpen bekannt wurde . | |
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| | #39 | |
| Ehemaliges Mitglied Registriert seit: 10.2007
Beiträge: 8.883
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| | #40 |
| Mitglied Registriert seit: 05.2011 Ort: Kreuzberg
Beiträge: 197
![]() | Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass es viele verschiedene Arten von Yams gibt. Botanisch heißen die Pflanzen Dioscorea, und davon gibt es schwerpunktmäßig in den Tropen mehrere essbare Arten. Dazu noch viele nichtessbare, die aber teilweise medizinisch genutzt wurden/werden. |
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