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| | #61 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.761
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Ich habe mal eine vorläufige Liste mit Eberorten gemacht: Eberau Eberbach (mehrfach!) Eberdingen Eberdorf (drei Mal, alle drei in Kärnten) Eberfing Eberfingen Ebergassing Ebergersch Ebergötzen Eberhausen Eberholzen Ebering Ebermannsdorf Ebermannsstadt Ebermergen Ebern Ebersberg Eberswalde Ohne, dass dies ausreichen würde, Vennemanns These zu belegen, so ist die regionale Häufung mancher dieser Eber-Orte schon frappierend, aber das kann auch daran liegen, dass hier ein gemeinsames Toponym vorliegt, welches dann in mehreren Orten aufgegangen ist. Eberbach tritt vier mal als Gewässername und sechs Mal als Ortsname auf. Schwerpunkte sind Niederösterreich und Hessen/Baden Würtemberg. Ebenfalls könnte der Ortsname Eberau an der österreichisch-ungarischen Grenze auf einen Zusammenhang mit einem Gewässer hindeuten und im Gebiet Serbien-Montenegro-Kosovo gibt es einen Fluss der Ibar heißt. Viele der weiteren Eber-Orte liegen in Tälern, bei anderen dagegen kann man einen Zusammenhang mit der Tallage oder einem Fließgewässer ausschließen. Bis dato ist das alles nur Statistik und kein Beleg für die Vennemannsche These, aber ich muss zugeben, dass die Liste der Orte, die ohne nähere Untersuchung für Vennemann indizieren könnte, angesichts der Gesamtliste beachtlich ist.
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! |
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| | #62 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
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Spaßeshalber habe ich nach Eberholzen gesucht, weil ich dachte, damit wäre leicht das Gegenteil zu beweisen, es muß ja Orte geben, die auf einen Wald o.ä. hinweisen, in dem Wildschweine gejagt wurden. Zu meiner Überraschung liegt Eberholzen ? Wikipedia am Hambach, nach Maps umgeben von Hügelland, würde also passen, wenn da nicht die erste urkundliche Erwähnung als Eilbereholthusen wäre. Ob das mit dem in Wiki vermuteten Eigennamen stimmt oder ob Eibere in die süddeutsche Eber-Reihe paßt, kann ich nicht beurteilen.
__________________ Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird. | |
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| | #63 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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Dazu ist bei einigen Nennungen wie Eberswalde der Bezug zum Schwein recht eindeutig. Die Bezüge zu Flussläufen sind da nur schwer zu erkennen. | |
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| | #64 |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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| | #65 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
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Laß uns doch die These an einigen Orten durchspielen... Allerdings sollten auch andere Orte der gleichen Gegend untersucht werden, vielleicht stellen wir dann fest, dass jenseits der norddeutschen Tiefebene Orte auch heute noch überwiegend in Tälern liegen und da fliessen ja auch die Bäche und Flüsse.
__________________ Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird. | |
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| | #66 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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Eine Kombination wie Eberbach klingt auch nicht gerade logisch, wenn man "Eber-" als Flußlaufbezeichnung interpretiert. | |
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| | #67 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Österreich
Beiträge: 5.755
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | In meiner Gegend (nördliches Niederösterreich) gibt es einen Ort "Ebersbrunn" (urspr. "Eberichesbrunn"). Da ist "Eber" eindeutig vom Personennamen "Eberich" abgeleitet. |
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| | #68 | |||
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.761
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Mischform. Eigentlich wollte ich mir einen Atlas nehmen, habe dann aber, auch in der Hoffnung dadurch sofort mit ersten Informationen über die Ortsnamenetymologie versorgt zu werden, Wikipedia als Tool verwendet. Genau das war mein Vorschlag: Zitat:
Zitat:
Zitat:
Doch schon. Wenn der Bedeutungsinhalt (signifié; Signifikat) verloren gegangen und nur das Lautbild (signifiant; Signifikant) erhalten ist, dann gibt es eine Motivation, anzuzeigen, worum es sich bei dem/der Eber handelt. Dann kommen solche hybriden Konstrukte wie Eberbach oder Eberau leicht zustande (hier natürlich unter der Voraussetzung, dass Eber wirklich von einem waskonischen ibar herzuleiten ist).
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| | #69 | |
| Mitglied Registriert seit: 01.2011
Beiträge: 2.773
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| | #70 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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| | #71 | ||
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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Zitat:
Dass in Mitteleuropa Ortschaften nach dem Eber, oder nach einem Besitzer/Bewohner, der dieses Tier im Namen trägt (Eberhardt usw.), benannt werden, ist nicht weiter erstaunlich, eine Herleitung von einem Wort völlig anderer Bedeutung, welches in der damaligen Sprache nicht existent war, wirkt arg konstruiert. Und der Zusammenhang Flußlauf - Siedlung, der zu Grunde gelegt wird, ist zu simpel. Wüstensiedlungen gibt es hierzulande nicht, Bergsiedlungen meist nur im Zusammenhang mit (ehemaligen) Burgen, ansonsten siedelt man eben in Tälern und an Flüssen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal. | ||
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| | #72 | |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.761
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
In der Historiolinguistik ist man sich weitgehend einig, dass Toponyme die Tendenz zum Konservativismus haben, wobei man natürlich immer Gegenbeispiele finden kann. Diese Tendenz zum Konservativismus wird von Bossong in einem Beitrag in einer Festschrift für Vennemann quasi zu einem Naturgesetz erhoben. Die grundsätzlich weitgehende Einigkeit darin, dass Toponyme die Tendenz zum Konservativismus haben, macht natürlich die waskonische Hypothese Vennemanns nicht wahrer. Aber sie einigt dahingehend, dass die Onomastiker weitgehend darin übereinstimmen, dass besonders in den Toponymen und Hydronymen ein vorindoeuropäisches Substrat überlebt hat. Nichts anderes postuliert die waskonische Hypothese, nur eben, dass man davon ausgeht, dass dieses vorindoeuropäische Substrat im *Waskonischen als Ur-Baskischem zu suchen ist. Es geht hier also nicht um die Annahme, dass ein Eberbach oder eine Eberau ein unmotiviertes Kompositum aus einem fremden und einem einheimischen Wort ist, sondern um die Annahme, dass hier verschiedene Sprachschichten in den Namen erhalten sind. Nämlich eine waskonische und eine deutsche Sprachschicht. Eben weil das Eber nicht mehr als Name für ein Fließgewässer zu erkennen war, musste ein entsprechendes bedeutungstragendes Morphem (also ein signifié) angehängt werden - wie gesagt, unter der Voraussetzung, dass Vennemanns Hypothese doch stimmt. Nur als Bsp.: In Spanien gab es einen Fluss, den die Iberer und Lusitanier Anas o.ä. nannten. Die Römer übernahmen diesen Namen und der Fluss wurde zum Anas flumen. Heute heißt der Fluß Guadiana. Das vorrömische Anas hat sich erhalten, aber mit einem arabischen Namenselement, nämlich dem vorangestellten Wadi verbunden. Es handelt sich um ein Hybrid. Umgekehrt gibt es z.B. Ortsnamen, die aus dem Arabischen stammen, die aber ein spanisches Suffix haben, etwa Mezquitilla, von Masdjid - Moschee und dem spanischen Diminutivsuffix -illa. Nun könnte man noch fragen, warum die Moschee im Spanischen (oder auch im Deutschen) weiblich ist - im Arabischen ist sie es nicht. Ich würde hier als erstes eine Interferenz mit ecclesia/iglesia/Kirche und synagoga annehmen. Wieder eine Hybridform. Wenn man mal in die La Plata-Region schaut (Grenzgebiet Argentinien, Paraguay, Uruguay, Brasilien), dort gibt es die gauchos. Im Prinzip eine Art argentinischer Cowboys und Outlwas, die ein wenig romantisiert verklärt wurden. Der Begriff gaucho ist aber wiederum ein Hybrid, nämlich aus der Indianersprache Guaraní, die den Begriff gau/wau für 'betrunken' kennt und dem spanischen grammatischen Morphem -cho, welches den Betrunkenen substantiviert. Langer Rede - kurzer Sinn: Wir sollten Hybrid-Bildungen nicht a priori ablehnen, denn sie kommen gar nicht mal so selten vor.
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| | #73 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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Warum sollte im 11. oder 12. Jhd ein Dorf mit einem Wort benannt werden, dass den Bewohnern nichts sagte? Dass sie eine alte Fluß- oder Bergbezeichnung weiterführten, ok, aber Neubenennungen? | |
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| | #74 |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008
Beiträge: 3.780
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Arbeitet Vennemanns Hypothese nur mit Gewässerortsnamen? Für das bergige wasserreiche Mitteleuropa mit seiner aktuell dichten Besiedlung würde mich ein anderes Toponym als Einstieg mehr überzeugen. Gibt es waskonische Bezeichnungen für Flint/andere seltene Steine und kann man die entsprechenden Ortsnamen dann ebenso überprüfen, ob es sich um ein konservatives Toponym handeln könnte. Es gab bestimmt nicht so viele Flintfundstellen in Mitteleuropa wie Tallagen mit Gewässern.
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| | #75 | ||
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.761
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Nein, auch mit anderen. Zitat:
Zitat:
Wie du mitbekommen haben wirst, bin ich kein Anhänger der Vennemannschen Hypothese(n). Eher im Gegenteil. Ich hege also an der Rückführung auf ein waskonisches Etymon dieselben Zweifel wie du. Nichtsdestotrotz muss man auch bei Namen, die erst zu einer bestimmten Zeit beurkundet werden die Möglichkeit im Hinterkopf behalten, dass es sich um mündlich tradierte alte Flurnamen handelt.
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| | #76 | |||
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.761
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
Zitat:
Ob nun Ebermann wirklich von Ebermar kommt? Ist das erschlossen? Dann müssen wir mit Vennemann - hypothetisch - von einer fehlerhaften Erschließung ausgehen. oder ist die Form mit Ebermar belegt? Ebrolvingen und Euergoteshem sind keine Formen, die gegen die Vennemannsche Hypothese sprechen. Es fehlt halt das e zwischen [b] und [r] und die Austauschbarkeit von <u> und <b> ist in lateinischen Texten - in einem solchen dürfte das Euergoteshem wohl belegt sein? - keine Seltenheit. Es sei denn, man wollte den Ortsnamen als "Eures Gottes Heim" lesen. Zitat:
Ebrach dürfte im Übrigen wie Eberbach und Eberau in die Gruppe der Hybride fallen (wenn Eber denn auf ein waskonisches 'Fluss' zurückgeht), -ach ist die Entsprechung von aha, althochdeutsch für 'Wasser'.
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! Geändert von El Quijote (09.05.2012 um 00:44 Uhr). Grund: ein e zuviel - ein wichtiges. | |||
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| | #77 |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
![]() ![]() | Ok, wenn man das schon verfolgen will, sollte man die Liste um Ortschaften wie Ewersbach Eversberg Eversburg Eversen Everode Everswinkel Eversten usw. erweitern. |
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| | #78 | |
| Mitglied Registriert seit: 01.2011
Beiträge: 2.773
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...sind das bei diesen Ortsnamen nicht überwiegend recht unspektakuläre Rinnsale? Ich frage mich, warum die "waskonischen Namen" in diesem Fall - Eber-Orte - auf so unbedeutende Gewässer fallen... Warum sollen sich mutmaßlich waskonische Toponyme und Hydronyme ausgerechnet bei kleinen bzw. unerheblichen Gewässern über Jahrtausende erhalten haben? Wäre nicht wahrscheinlicher, dass die großen europäischen Ströme sehr alte Namen haben müssten? Aber Rhein, Donau/Hister usw. weisen nicht auf waskonische Herkunft hin. Wenn spätere, also nach-waskonische indogerman. Sprecher waskonische Ortsnamen übernommen haben sollen: warum just bei so kleinen Gewässern? Warum nicht bei den weitaus hinderlicheren großen? | |
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| | #79 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2010 Ort: Stadt Lahn
Beiträge: 1.131
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Die Orte sind aber erst im Mittelalter entstanden, müssten also alte Flurnamen übernommen haben. Stellt sich die Frage, ob Flurnamen auch so langlebig sind. In jener Zeit war die Benennung von Dörfern nach Personennamen sehr geläufig, irgendwie abgeleitet von "Heim des xxx" oder ähnlich. Personennamen mit "Eber-" waren auch häufig. Da fällt es sehr schwer an alte Flurnamen zu glauben. | |
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| | #80 |
| Mitglied Registriert seit: 02.2011
Beiträge: 127
![]() | Mit welcher archäologischen Kultur werden denn die Vaskonen in Verbindung gebracht? |
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