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Alt 16.07.2017, 00:38   #1
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balkanese befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Christliche Konfessionen im Wettstreit um Fortschritt und Fortschrittsfeindlichkeit

Zitat:
Tintagel Beitrag anzeigen
..Hingegen gibt es verschiedene wissenschaftsfördernde Aspekte des Christentums....
Das hat mich schon immer beeindruckt, bereits AD 2000 hat der Papst die Theorien Giordano Brunos voll akzeptiert.
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Alt 16.07.2017, 15:51   #2
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Zitat:
balkanese Beitrag anzeigen
Das hat mich schon immer beeindruckt, bereits AD 2000 hat der Papst die Theorien Giordano Brunos voll akzeptiert.
Wo hast Du diesen beeindruckenden Unsinn her?

Aus katholischer Sicht wurde Giordano Bruno nicht wegen naturwissenschaftlicher, sondern wegen theologischer Thesen als Häretiker verurteilt:

Zitat:
Bruno was not condemned for his defence of the Copernican system of astronomy, nor for his doctrine of the plurality of inhabited worlds, but for his theological errors, among which were the following: that Christ was not God but merely an unusually skillful magician, that the Holy Ghost is the soul of the world, that the Devil will be saved, etc.
https://en.wikisource.org/wiki/Catho...Giordano_Bruno

Was ich aus dem Jahr 2000 gefunden habe ist die Stellungnahme des Kardinalstaatssekretärs Sodano ("Nummer Zwei im Vatikan"):

MESSAGGIO DEL SEGRETARIO DI STATO, CARD. ANGELO SODANO, AL CONVEGNO SU GIORDANO BRUNO (NAPOLI, 17-18 FEBBRAIO)

Sodano äußert tiefes Bedauern über die Umstände des Prozesses und die gewaltsame Hinrichtung, von einer Akzeptanz der Thesen findet sich hier aber nichts. Im Gegenteil: Der Weg seines Denkens habe zu Entscheidungen geführt, die in entscheidenden Punkten "unvereinbar mit der christlichen Lehre" seien. ("... su alcuni punti decisivi, incompatibili con la dottrina cristiana.")
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"Nun ja! denkt sich der Jägersmann. Jetzt zieh' ich meine Handschuh an!" (W. Busch)

Geändert von Sepiola (16.07.2017 um 15:57 Uhr).
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Alt 17.07.2017, 02:28   #3
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balkanese befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
die Unvereinbarkeit mit christlicher Lehre bestand darin dass ein unendlich großes Universum keinen Platz für den "Himmel" ließ.
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Alt 17.07.2017, 07:11   #4
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Zitat:
balkanese Beitrag anzeigen
die Unvereinbarkeit mit christlicher Lehre bestand darin dass ein unendlich großes Universum keinen Platz für den "Himmel" ließ.
Mittlerweile ist die katholische Kirche aber ein gutes Stück weiter: Papst Franziskus: Kein Konflikt zwischen Evolution und Schöpfung - SPIEGEL ONLINE

Urknall und Evolution sind kein Problem mehr.

Ich hab die Erklärung von Franziskus, dass der Urknall bibelkonform sei, 2014 in den USA gehört/gelesen. Wurde da prominent behandelt - Abendnachrichten, erste Seiten. Es war ziemlich bizarr, als Protestant auf der rückständigen Seite zu stehen. Selbst die US-Lutheraner bemühen sich, die Bibel wörtlich zu nehmen und der Papst glaubt an Darwin und Einstein...
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Alt 17.07.2017, 11:30   #5
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Tintagel zeigte ein beschämendes Verhalten in der Vergangenheit
Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
Urknall und Evolution sind kein Problem mehr.
Mit der Urknalltheorie hatte die katholische Kirche von Anfang an nicht das geringste Problem. Im Gegenteil: sie passte ausgezeichnet zum theologischen Schöpfungsgedanken und machte eher atheistisch gesinnte Theoretiker nervös. Der Schöpfer der Urknalltheorie war übrigens der katholische Priester Georges Lemaitre, der die Einsteinschen Feldgeichungen (unabhängig von Friedmann) in Abstimmung auf die Expansion des Universums löste und als Ergebnis einen zeitlichen Anfang des Universums erhielt.

Und auch der Evolutionstheorie stand die katholische Kirche ab initio relativ gelassen und jedenfalls neutral gegenüber.
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Alt 17.07.2017, 12:14   #6
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Zoki55 ist ein sehr geschätzer MenschZoki55 ist ein sehr geschätzer Mensch
Einstein dachte das die Urknalltheorie eine Verschwörung der Kirche ist, um wieder den Schöpfer ins Spiel zu bringen. Hat später Meinung geändert.

Die größten Gegner der Urknalltheorie waren Atheisten wie Fred Hoyle (der big bang als Satire entwickelte).

Geändert von Zoki55 (17.07.2017 um 12:19 Uhr).
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Alt 17.07.2017, 16:04   #7
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Zitat:
balkanese Beitrag anzeigen
die Unvereinbarkeit mit christlicher Lehre bestand darin dass ein unendlich großes Universum keinen Platz für den "Himmel" ließ.
Und wo hast Du das nun wieder her?

Die Idee eines unendlichen Universums war weder neu noch stellte sie ein theologisches Problem dar:

Zitat:
Sepiola Beitrag anzeigen
Sehr viel interessanter ist Nikolaus Cusanus, "De docta ignorantia" ("Von der belehrten Unwissenheit").

Auch Cusanus geht es selbstverständlich um theologische Aussagen, und genaugenommen vertritt er auch kein heliozentrisches Weltbild: Das Weltall sei unbegrenzt und könne kein Zentrum haben:

"Non habet igitur mundus circumferentiam. Nam si centrum haberet, haberet et circumferentiam, et sic intra se haberet suum initium et finem, et esset ad aliquid aliud ipse mundus terminatus, et extra mundum esset aliud et locus; quae omnia veritate carent."
"Also hat die Welt keine Peripherie. Denn wenn sie ein Zentrum hätte, hätte sie auch eine Peripherie, und so hätte sie in sich ihren Anfang und ihr Ende, und die Welt wäre zu irgendetwas anderem hin begrenzt, und außerhalb der Welt wäre 'Anderes' und 'Ort'; dies alles entbehrt der Wahrheit."
(Übersetzung von mir, lateinischer Text und andere Übersetzungen siehe Cusanus-Portal)
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Alt 17.07.2017, 18:57   #8
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Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
Es war ziemlich bizarr, als Protestant auf der rückständigen Seite zu stehen.
Die Reformation wurde ja nicht aufgrund einer etwaigen Rückständigkeit der Kirche ausgelöst sondern dadurch, dass sich in der katholischen Kirche Praktiken etabliert hatten, die mit der biblischen Lehre nach Auffassung der Reformatoren verschiedener Coleur nicht mehr in Einklang zu bringen waren. Ich habe dagegen schon eine Homosexuellenhochzeit in einer presbyterianischen Kirche gesehen, die in ihren Ursprüngen - John Knox hat sich nicht umsonst den Spitznamen Killjoy eingehandelt - absolut lustfeindlich aufgestellt war.
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Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh.

Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket!
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Alt 17.07.2017, 19:44   #9
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Zitat:
balkanese Beitrag anzeigen
die Unvereinbarkeit mit christlicher Lehre bestand darin dass ein unendlich großes Universum keinen Platz für den "Himmel" ließ.
So wie ich es verstehe vertrat Giordano Bruno die Ansicht, dass sich Gott in der unendlichen Welt veräußert habe und nun in allem Seienden zu finden sei, und nicht in einem gestaltendem Willen. Das ist die Häresie.
(Bin mir aber nicht ganz sicher, ob das so korrekt ist und dankbar für Richtigstellungen.)
Die These Brunos, dass Sterne Sonnen seien, so wie unsere Sonne, wurde von Angelo Secchi von der Vatikanischen Sternwarte bewießen.
hatl ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.07.2017, 20:09   #10
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steffen04 ist ein sehr geschätzer Menschsteffen04 ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Ich habe dagegen schon eine Homosexuellenhochzeit in einer presbyterianischen Kirche gesehen, die in ihren Ursprüngen - John Knox hat sich nicht umsonst den Spitznamen Killjoy eingehandelt - absolut lustfeindlich aufgestellt war.
In Hochzeiten geht es um vieles, aber nie um Lust. Für die Lust braucht du keinen Pfarrer.
steffen04 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.07.2017, 20:43   #11
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Riothamus ist ein sehr geschätzer MenschRiothamus ist ein sehr geschätzer Mensch
Bezüglich Brunos gab es lange Streit um die Aufhebung des Urteils des weltlichen Gerichts. Der Vatikan sah lange die Zuständigkeit bei Italien. Das kirchliche Gericht stellte fest, dass er kein Ketzer war, sondern gar kein Christ, weshalb er aus Orden und Kirche ausgestoßen würde. Es bat auch die weltliche Gerichtsbarkeit, auf Strafen an Leib und Leben zu verzichten. Ob dies in dieser Form damals üblich war, ist eine andere Frage...

Dass weltliche Urteil wurde 2000 vom Papst zum Unrecht erklärt, womit er die Problematik der Zuständigkeit umging. Das Urteil des Geistlichen Gerichts besteht weiterhin.

@ hatl: Ja, er war Pantheist, was ein weiterer Widerspruch zur katholischen Kirche ist.
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Ceterum censeo emendationem diabolicam esse expellendam.

Geändert von Riothamus (17.07.2017 um 20:45 Uhr).
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Alt 17.07.2017, 21:44   #12
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Zitat:
Sepiola Beitrag anzeigen
Sehr viel interessanter ist Nikolaus Cusanus
der war aber kein Naturwissenschaftler sondern Karrierkleriker und Philosoph.
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Alt 17.07.2017, 22:23   #13
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der war aber kein Naturwissenschaftler sondern Karrierkleriker und Philosoph.
Giordano Bruno war ebenfalls Philosoph, kein Naturwissenschaftler.

Im übrigen siehe obigen Beitrag.
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Alt 17.07.2017, 23:08   #14
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Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
In Hochzeiten geht es um vieles, aber nie um Lust. Für die Lust braucht du keinen Pfarrer.
Wenn du ganz auf sola scriptura setzt und unterstellst, dass Onan für das Verschütten des Samens anstatt mit seiner Schwägerin die Kinder seines verstorbenen Bruders zu zeugen, vom Blitz erschlagen wurde oder dass Levitikus 20,13 die Todesstrafe für zwei Mäner fordert, die miteinander schlafen, wie Mann und Frau, dann kannst du als Priester keine zwei Männer verheiraten. Es sei denn, du unterstellst, dass dein heiliger Text fehlerhaft ist, was gewissermaßen aber deinen Glauben in Frage stellt. Bei Onan kann man sich ja noch herausreden, dass er Gott nicht gehorcht habe und dass sein Verhalten für andere Menschen nicht im exemplarischen Sinne relevant sei. Bei der Levitikusstelle wird es hingegen schwieriger...
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