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Alt 02.01.2005, 19:21   #1
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Einführung in die Geschichte des Absolutismus

Eigentlich versteht man unter dem im 19. Jahrhundert geprägten Begriff „Absolutismus“ eine Staatsform, in der die gesamte Herrschaftsgewalt beim Monarchen liegt. Dieser übt die oberste Gerichtsbarkeit aus, während die gesamte Bürokratie und das Heer ihm untergeben sind. Außerdem regiert er unabhängig von den Gesetzen und ohne den Ständen oder einem Parlament. Dem Absolutismus liegt die römische Rechtsformel „princeps legibus solutus“ zugrunde, welche übersetzt „der von den Gesetzen losgelöste Fürst“ bedeutet. Ein weiteres Kennzeichen ist das Gottesgnadentum des Monarchen, als ob dieser von Gott persönlich eingesetzt worden wäre, wodurch er im Gegensatz zu allen anderen Personen sich auf das Recht zum Regieren berufen kann.

Erste absolutistische Herrschaftsformen entstanden bereits im 15. Jahrhundert aufgrund von Staatskrisen und Problemen in der Gesellschaft. Erst das europaweite Problem der Glaubenskriege im 16. und 17. Jahrhundert führte zu einer starken Ausbreitung des Absolutismus, welcher sich zuallererst in Frankreich durchsetzte: herrschte bereits Heinrich IV. absolutistisch, so wurde dies unter seinem Enkel Ludwig XIV., dem der Spruch „Der Staat bin ich“ in den Mund gelegt wurde, aufs Extremste weitergeführt. Im zarten Alter von fünf Jahren wurde er 1643 Nachfolger seines gleichnamigen Vaters und erlebte so den Westfälischen Frieden, der fünf Jahre darauf den Dreißigjährigen Krieg beendete, mit. Doch erst 1661, nach dem Tod seines Ersten Ministers, des Kardinals Mazarin, trat er die eigentliche Herrschaft an und reformierte das ganze Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftswesen; letzteres mithilfe seines Finanzministers Jean-Baptiste Colbert.

In Großbritannien versuchten währenddessen die Könige Karl II. und Jakob II. eine absolutistische Herrschaft aufzubauen. Letzterer machte sich nicht nur die Protestanten seines Landes zu Feinden, indem er als einzigen den Katholiken und den Dissidenten Glaubensfreiheit zugestand, sondern auch die eigenen Anhänger, die er durch brutale Maßnahmen gegen politische Gegner regelrecht schockierte und abschreckte. Als ihm 1688 auch noch ein Sohn geboren wurde, was die katholische Thronfolge gesichert hätte, boten seine Gegner seinem Schwiegersohn Wilhelm von Oranien die Krone an, der mit seiner Frau Maria nach Großbritannien kam und in der unblutigen Glorreichen Revolution neuer König wurde. Wilhelm musste die Bill of Rights unterzeichnen, welche freie Wahlen, regelmäßige Parlamentstagungen, sowie Verbote einer Heeresaufstellung in Friedenszeiten und einer katholischen Thronfolge vorsah.

Ludwig XIV. versuchte in mehreren Kriegen eine französische Hegemonialstellung aufzubauen. Als im Jahre 1700 König Karl II. von Spanien kinderlos verstarb, der Ludwigs Enkel Philipp von Anjou zum Nachfolger erhoben hatte, stellten nicht nur dieser, sondern auch die Habsburger, denen Karl angehört hatte, Ansprüche auf Spanien. Im nun folgenden Spanischen Erbfolgekrieg konnte sich Frankreich letztlich nur wegen des plötzlichen Todes des Habsburger-Kaisers Josephs I. durchsetzen; im Frieden von Utrecht 1713 wurde Philipp neuer König von Spanien, doch wurde eine Vereinigung seines neuen Königreichs mit dem seines Großvaters auf alle Zeit untersagt. Ludwig selber starb nur zwei Jahre später und hinterließ seinem Nachfolger ein Land, verursacht durch die Kriege und Ludwigs aufwändigen Lebensstil, im Bankrott.

Josephs Nachfolger als Kaiser, Karl VI., starb im Jahre 1740; seine Pragmatische Sanktion, durch die er seine älteste Tochter Maria Theresia zur Nachfolgerin bestimmen wollte, hatte er nicht durchsetzen können, so dass der Österreichische Erbfolgekrieg die Folge war. Gleichzeitig musste Maria Theresia in zwei Kriegen Schlesien gegen den König Friedrich II. von Preußen verteidigen, verlor es allerdings letztlich doch noch. Mit diesem begann auch das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus: Friedrich bezeichnete sich selbst als „Ersten Diener des Staates“ und versuchte, für das Wohl seiner Untertanen zu sorgen. Nichtsdestotrotz versuchte auch er sein Territorium auszudehnen und griff indirekt Maria Theresia, die bereits Kriegsvorbereitungen getroffen hatte, in einem Präventivschlag an, indem er 1756 das Kurfürstentum Sachsen besetzte. Obwohl der Siebenjährige Krieg nach der Niederlage bei Kunersdorf 1760 für Friedrich schlecht auszugehen schien, ereignete sich das „Mirakel des Hauses Hohenzollern“, wodurch alle Verbündeten Maria Theresias praktisch ausgeschaltet wurden: die Zarin Elisabeth von Russland verstarb, wodurch ihr Sohn Peter III., ein Bewunderer Friedrichs, neuer herrsche wurde, der sogleich mit Friedrich Frieden schloss. Während Schweden sich ebenso aus dem Krieg zurückzog, zerstritten sich Frankreich und Österreich untereinander. Am 15. Februar 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg geschlossen. Friedrich, der auch „der Grosse“ genannt wurde“, verstarb 1786, sechs Jahre nach Maria Theresia.

Ludwigs Nachfolger hatten es nicht fertig gebracht, die Schulden des Landes verschwinden zu lassen. Die Folge war, dass Ludwig XVI. erstmals seit 1614 die Generalstände einberufen musste, die ihre Forderung nach Wahlen gegenüber Ludwig durchsetzen konnten. Doch verzögerte dies nur den Ausbruch der Französischen Revolution im Jahre 1789, welche dem Absolutismus in Frankreich ein Ende bereitete. Obwohl im Wiener Kongress 1815 die Verhältnisse von vor der Revolution wiederhergestellt wurden, war die Zeit des Absolutismus vorüber, welche endgültig mit der Märzrevolution 1848 zu Ende ging.

E. M. Almedingen, „Die Romanows“ (1991)
Erik Durschmied, „Der Untergang der großen Dynastien“ (2000)
August Fournier, „Napoleon I.“
Walter Henry Nelson, „Die Hohenzollern“ (1998)
Henri Troyat, „Die große Katharina“ (1980)
Brigitte Vacha, „Die Habsburger“ (1992)
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