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Alt 17.07.2015, 22:56   #61
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Zitat:
Gangflow Beitrag anzeigen
Ob man nun Staatsreligion sagt oder staatlich kontrollierte Religion?
Staatlich kontrolliert ist bald eine Religion, z. B. wenn kontrolliert wird, was in ihren Gebetshäusern gelehrt wird. Das macht sie noch nicht zur Staatsreligion.

Zitat:
Gangflow Beitrag anzeigen
Und in der Zeit von 250-260 und darüber hinaus hat man sicher nicht wegen 3 bis 4 Christen eine Verfolgung vom Zaun gebrochen.
Gerade gegen eine noch überschaubare Minderheit "lohnt" es sich, eine Verfolgung anzuzetteln, weil man sie zum Feindbild stempeln kann, ohne zu gravierende demographische und in weiterer Folge wirtschaftliche (sowie gegebenenfalls politische und militärische, falls sich die Verfolgten wehren) Verwerfungen zu riskieren. (Allerdings gibt es in der Geschichte bekanntlich auch Beispiele, bei denen das ignoriert wurde.)

Zitat:
Chan Beitrag anzeigen
Eine andere Methode besteht darin, eine Geburtenrate zugrunde zu legen (40 Prozent pro Dekade), dann eine hypothetische Zahl von Christen um das Jahr 40 als Ausgangspunkt zu nehmen und den Zuwachs (bei 40 Prozent pro Dekade) bis in das 4. Jahrhundert zu berechnen. Bei 1000 Christen um das Jahr 40 kommt man dann auf 6,3 Mio im Jahr 300 (siehe angehängte Tabelle), was 10,5 Prozent entspricht.
Zum einen vermehrten sich Christen nicht nur durch Geburten, sondern auch durch Konversionen, zum anderen werden sie ebenso wie andere Menschen von Problemen wie Säuglings- und Kindersterblichkeit, Krankheiten etc. betroffen gewesen sein. Dass es bereits im frühen Christentum auch extrem sexualfeindliche Strömungen gab, hat Gangflow schon angemerkt. Obendrein gibt es kaum gesicherte Zahlen, wie viele Christen eigentlich den Verfolgungen zum Opfer fielen (und sich gegebenenfalls nicht mehr vermehren konnten). Ein einfaches rechnerisches Modell zur Berechnung des christlichen Bevölkerungsanteils ist daher vor allem eines: einfach.

Zitat:
Chan Beitrag anzeigen
Anzumerken ist noch, dass die Geburtenrate bei Christen die Raten aller anderen Religionsgruppen, auch der Mysterienkulte, erheblich überstieg. Grund: das strenge Empfängnisverhütungsverbot bei Christen im Unterschied zu den Polytheisten, die, falls zu den Armen gehörend (90 Prozent der Population), regulär Kondome aus Ziegenblasen verwendeten und im Falle einer Schwangerschaft meistens abtrieben.
Die Kondome aus Ziegenblasen (meist: Fischblasen) sind ein neuzeitlicher Mythos. Tatsächlich waren die gebräuchlichen antiken Verhütungsmethoden recht untauglich (ein neben einem römischen Bordell, ich glaube in Britannien, gefundenes Säuglings-Massengrab spricht eine recht deutliche Sprache). Zu Abtreibungen gibt es doch überhaupt keine Zahlen, an die man anknüpfen könnte. Außerdem: Wenn die "Armen" regulär verhüteten und "meistens" abtrieben, hätten sie dann nicht binnen weniger Generationen beinahe aussterben müssen? Dann hätte die Reichsbevölkerung rapide schrumpfen und um 300 fast nur noch aus Christen bestehen müssen.

Zitat:
Chan Beitrag anzeigen
Es wird auch vermutet, dass die Verehrung des Getreidegottes Dagon in Palästina eine Variante der Kybele-Verehrung ist (per Geschlechtsumwandlung) und die Mitra-Mütze des Dagon ebenfalls Modell für die spätere Bischofsmütze war (siehe Bild mit gelbem Hintergrund).
Dagon ist bereits für eine Zeit belegt, als Kybele noch eine phrygische Regionalgöttin war.
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Alt 10.08.2015, 14:23   #62
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Zitat:
Chan
Es wird auch vermutet, dass die Verehrung des Getreidegottes Dagon in Palästina eine Variante der Kybele-Verehrung ist (per Geschlechtsumwandlung) und die Mitra-Mütze des Dagon ebenfalls Modell für die spätere Bischofsmütze war (siehe Bild mit gelbem Hintergrund).
Dagon ist bereits für eine Zeit belegt, als Kybele noch eine phrygische Regionalgöttin war.
Der Hintergrund von Chans Vermutung sind Spekulationen in der Literatur,

1. die Phillister hätten eine eine Erdmuttergüttin Kybele bzw. den hittitischen Vorläufer* Kubaba (die Ähnlichkeit der Namen und die Herleitung von Kybele aus Kubaba wird auch komplett bestritten) mitgebracht,

2. hätten diese Muttergöttin dann "vor Ort" mit dem westsemitischen Getreidegott Dagon/Dagan identifiziert,

3. und das Geschlecht auf die Erdmuttergöttin umgewandelt.

(These von Itamar Singer 1992)

4. Von dort werden wieder Parallelen zur griechischen Gaia gezogen.

Es ist wie immer: aus dem überschaubaren Fundus früher religiöser Vorstellungen, fokussiert auf den Fundus von Natur und Umwelt der Menschen, soweit für ihre Existenzbedingungen "interessant", werden wegen bestehender oder vermuteter Ähnlichkeiten dann Rückschlüsse auf "Übernahmen" und "Kopien" gezogen.

Vielleicht zitiert er mal, woher er das übernommen hat. Dann kann man sich damit detaillierter beschäftigen.

Mit dem Thema hier hat das allerdings wenig bis nichts zu tun.

* außerdem: hethitisch tegan (Erde), semitisch Dagan (Erde), indoeuropäisch d(h)eg(h)om =Erde - Collins: The Hittites and their World, sowie
http://indo-european.info/dictionary...rd/ine/dheghom

Geändert von silesia (10.08.2015 um 14:41 Uhr).
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