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Alt 03.04.2012, 21:38   #41
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Ravenik ist ein LichtblickRavenik ist ein LichtblickRavenik ist ein LichtblickRavenik ist ein LichtblickRavenik ist ein Lichtblick
Die Frage ist aber doch, ob es diese Abkehr vom dynastischen Prinzip auch gegeben hätte, wenn Jesus Kinder gehabt hätte. Auch wenn er sie nicht selbst zu Erben eingesetzt hätte und sie nicht selbst aktiv die Nachfolge beansprucht hätten, hätte es im frühen Christentum doch bestimmt Strömungen gegeben, die ihnen - als Söhnen bzw. Enkeln Gottes! - eine höhere Legitimität zugesprochen hätten als Petrus und sie zu Gallionsfiguren gemacht hätten. Da Jesus aber keine Kinder hatte, stellte sich diese Frage erst gar nicht, sodass er wohl die Notwendigkeit sah, seine Nachfolge selbst anderweitig zu regeln.
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Alt 03.04.2012, 22:02   #42
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Zoki55 wird schon bald berühmt werden
Naja Jakobus wird ja Bischof von Jerusalem, so dass eine gewissen dynastische Dynamik gegeben war im Urchristentum.

Aber sonst kann man nur Ravenik zustimmen, man denke an den Islam und die Trennung zwischen der Shia und der Sunna, die sich Anfänglich um die Nachfolge Mohammeds entwickelte.
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Alt 11.04.2012, 17:07   #43
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Zitat:
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Ich frag mich manchmal, wieso Jesus damals so viel Wind gemacht hat. [...] War er also ein vorbildlicher Jude?
Die zweite Frage lässt sich rein historisch wohl kaum beantworten, was einige der hier mitdiskutierenden Menschen bereits erwähnt hatten. Dafür, wie aber Jesus zu der Bedeutung gelangen konnte, die ihm heute in der christlichen beigemessen wird, kann durchaus auch die Geschichtswissenschaft Hinweise liefern.

63 v. d. Z. richtete der römische Feldherr im nahen Osten nach erfolgreicher Eroberung die Provinzen Syria und Judäa ein. Judäa umfasste wiederum diverse, hauptsächlich von Juden bevölkerte Gebiete, darunter auch das bekannte Samaria, überließ allerdings Teile dieser Region weiterhin regionalen Fürsten, z.B. den Hasmonäern.
37 v. Chr. wurde auf Beschluss des römischen Senats der galiläische Statthalter Herodes König von Judäa (Herodes der Große). Er erweiterte sein Reich um die Gebiete, die Pompeius damals den regionalen Fürsten überlassen hatte es, sein Gebiet zu erweitern. Um das Jahr 20 v. Chr. standen alle Regionen, denen Pompeius damals ihre eigenen Fürsten als Statthalter beließ, unter seiner Herrschaft.
In den Jahren 7-6 v. d. Z. kam es, wie der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet, zu einem Aufstand, den Judas ben Ezechias, führte. Judas war einer von mehreren Volkspredigern, die sich als "Messias" (Erlöser) bzw. römisch "Christus" (der Gesalbte) ausgaben. Ein weiterer bekannter, aber erst um 130 n. d. Z. auftretender Rebell war Simon bar Kochba, der durch seine anfänglichen militärischen Erfolge gegen die römische Besatzung ebenfalls zahlreiche Anhänger finden konnte, die ihn für den ersehnten Erlöser hielten.
Wie viele Autoren und welche nun tatsächlich an den bekannten Endzeitprophezeiungen wie denen des Jesaja geschrieben haben, ist irrelevant für die Feststellung, dass sie alle die Erneuerung der jüdischen Selbstständigkeit und eine - in irgendeiner Form - göttliche, gerechte Herrschaft, voraussagen, die durch einen menschlichen oder göttlichen Boten (meschiya) vorbereitet werden wird. Und ebenjene Prophezeihungen fanden in den Wirren dieser kriegerischen Zeit großen Anklang. Dies trug zu einer religiösen Aufladung der Unzufriedenheit mit der römischen Herrschaft bei, wobei die Juden auch in dieser Hinsicht keineswegs mit einer Stimme sprachen, sondern verschiedenen Lagern angehörten, wobei die Gruppierungen Sadduzäer und Pharisäer hier weniger eine Rolle spielten, da sich deren Unterschied hauptsächlich auf den Umgang mit mündlicher Lehre bezieht - ob Sadduzäer ausschließlich die Priesterschicht stellten, ist umstritten.
26 n. d. Z. kam es zu schweren Unruhen, als Pontius Pilatus Kaiserbilder nach Jerusalem bringen ließ und auch die Hinrichtung von Jesus von Nazareth gehört in diesen Zusammenhang: Die Römer betrachteten ihn als einen von vielen radikalen Unruhestiftern. Die Bibelwissenschaftlerin Ruth Lapide geht davon aus, dass die "Schurken" zwischen denen Jesus gekreuzigt worden sein soll, ebenfalls solche Unruhestifter waren.
Ob Jesus nun tatsächlich ein Rebell war oder nicht, ist Auslegungssache, die ich lieber den Theologen und den Gläubigen überlasse - Fakt ist aber, dass er zunächst sowohl auf die Römer, als auch auf die jüdische Bevölkerung so gewirkt haben muss. Das erklärt auch den sehr geringen Zulauf, den die Frühchristen zunächst hatten und sich damit nicht von anderen jüdischen Splittergruppen unterschieden.

Großen Zulauf erfahren die Frühchristen erst, als Paulus die Missionierung der Nichtjuden einführt. Tatsächlich heißt es im Matthäusevangelium zunächst, die Jünger sollen sich nur um die "Schafe des Hauses Israel" kümmern (Mat 10, 5+6), während es später plötzlich heißt, man solle nun doch die Heiden bekehren (Mat 28,19).
Auch hier möchte ich von weiteren Deutungen absehen, sicher ist aber, dass Paulus Zweiteres wörtlich befolgte. Vereinfacht wird die bereits zu dieser Zeit sehr komplexe jüdische Religion durch diverse Reformen wie z.B. der Abschaffung der Beschneidung und der Kaschrutgesetze. "Für Paulus ist die Torah unter dem Gesichtspunkt der Ethik wichtig, insofern sie das christliche Verhalten reglementiert, aber sie verliert jede Bedeutung als Weg zum Heil." (Daniel Marguerat). Dazu predigt Paulus Jesus zum ersten Mal als "Sohn Gottes" und nicht nur als Erlöser und machte ihn damit zum potentiellen Heiland aller Menschen, die das Heil auch ohne die Konversion zum formalen Judentum mit all seinen Bräuchen und Geboten.

Literatur, die noch weitere, mögliche Erklärungen für die Besonderheit der christlichen Lehre und vor allem für die rasche Sympathie, die Nichtjuden und Nichtchristen aus aller Welt für diese Religion hegten, liefert:

Schröter, Jens: Von Jesus zum Neuen Testament: Studien zur urchristlichen Theologiegeschichte und zur Entstehung des neutestamentlichen Kanons, Tübingen 2008.
Zehren, Erich: Der gehenkte Gott, München 1959.
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