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Alt 29.01.2016, 14:18   #1
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Der ostfälische Gau Valothungo

Mich interessiert wie der ostfälische Gau Valothungo (in pagis Valedungon ... Walenhuson) zwischen Wallensen und Hildesheim zu seinem Namen kam. Mit valo = welsch und germanisch tungo = Zunge = engl. tongue = Sprache könnte man Valothungo mit 'der welschsprachige Gau' übersetzen. Zum Vergleich aus den mittelalterlichen schwedischen Texten Eufemiavisorna: af valske tungo ("from the French language").

Wie sind Welschsprachige, also Gallo-Romanen, aber in einer so großen Menge in die Hildesheimer Börde gelangt, dass eine ganzer Gau nach ihnen benannt wurde?

Meinen Erklärungsansatz hatten wir unter
Rechtsrheinische Siedeltätigkeit über 9 hinaus (und Waldgirmes)
angefangen zu diskutieren.

Welche anderen Erklärungsansätze sind denkbar?
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Alt 29.01.2016, 16:26   #2
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Die Frage ist, ob Valo für welsch steht und thungo für tungo, 'Zunge' und ob das morphologisch überhaupt richtig segmentiert ist.
Germanisches und sächsisches -th- setzt sich in der Regel im Deutschen als -d- fort, wohingegen -t- sich im Hochdeutschen als -z- fortsetzt. Das Bsp. tongue - Zunge ist da ganz passend.
Morphologisch richtig segmentiert dürfte es eher Valonthun|go sein, irgendetwas mit den Falen(?) und -go = -gau. Die Dopplung "in pago xyz-go/gowe" ist in mittelalterlichen Quellen häufig.
Bei Walenhusen ist einigermaßen wahrscheinlich, dass es sich um eine im deutschen Sprachraum so typische Ortsnamenbezeichnung Personenname+Ortsnamenendung handelt. Man denke an den Enkel Karls des Großen Wala, Abt von Corbie oder auch den Abt des Klosters Corvey Walo.
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Alt 30.01.2016, 10:03   #3
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Mag sein dass die Wortstämme fal-, val- und wal- hier zufällig zusammenkommen. Ich bin allerdings kein Freund von der Verkettung von Zufällen.

Auf meiner Webseite habe ich auch noch die folgenden Informationen zusammengetragen:

Der Begriff Fale (Falaus) wird zuerst in den ab dem Ende des 8. Jahrhunderts begonnenen Fränkischen Reichsannalen verwendet. Dort wird von Kämpfen mit den Sachsen, den Westfalen (Westfalai) und den Ostfalen (Ostfalai) berichtet (Wikisource: Annales Regni Francorum). Der Begriff Fale gleicht jedoch sehr stark dem Begriff Vale bzw. Wale, mit dem von den Germanen Gallier und Romanen (Welsche) bezeichnet wurden.

Der Begriff Vale findet sich in Ortsnamen wieder, z. B. Waldorf: Im Jahre 1157 wird der Ort als Valendorf erwähnt. Der Siedlungsname bezeugt eine frühe Besiedlung durch sogenannte Walen oder Valen, eine römisch-keltische Mischbevölkerung, die nach dem Ende der römischen Herrschaft zurückgeblieben war und von den Germanen als Wälsche (Fremde) bezeichnet wurde.

Andererseits wurde im frühen Mittelalter auch der Falengau (Ostfalen, Astfalahun) mit Valun bezeichnet: in pagis Valon, Devastacio Hungariorum in Valun. Dies legt die Vermutung nahe, dass im frühen Mittelalter die Schreibweisen Fale und Vale gleichbedeutend verwendet wurden. Beispiel hierfür sind die Orte
  • Valwig: In den ersten Urkunden wird Valwig als „Falavoia“" (866 n. Chr.), „Falaveia“ (893 n. Chr.) und „Valefayer“ (1130 n. Chr.) erwähnt. Man geht allerdings davon aus, dass Valwig schon von Kelten und Römern bewohnt wurde.
  • Fallersleben, dessen Schreibweise zuerst mit Val- und später dann mit Fal- begann: Jahre 942 erwähnt. Die Urkunde erwähnt einen Ort namens Valareslebo - das heutige Fallersleben.
  • Valbert (an der Heidenstraße, s. o.): unter verschiedenen Namen geführt: Wallebrecht, Valbricht, Fahlbrecht, Vallebert und Vahlbert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Valbert ... [1072] als Falebreht.
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Alt 30.01.2016, 11:39   #4
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Zitat:
LEG XVII Beitrag anzeigen
Auf meiner Webseite habe ich auch noch die folgenden Informationen zusammengetragen:

Der Begriff Fale (Falaus) wird zuerst in den ab dem Ende des 8. Jahrhunderts begonnenen Fränkischen Reichsannalen verwendet. Dort wird von Kämpfen mit den Sachsen, den Westfalen (Westfalai) und den Ostfalen (Ostfalai) berichtet (Wikisource: Annales Regni Francorum). Der Begriff Fale gleicht jedoch sehr stark dem Begriff Vale bzw. Wale, mit dem von den Germanen Gallier und Romanen (Welsche) bezeichnet wurden.
Bevor du solche "Expertisen" publizierst und zu fragwürdigen historischen Schlussfolgerungen kommst, solltest du dich vielleicht erst einmal an einer Universität für ein Germanistikstudium einschreiben und dort entsprechende Seminare in Historiolinguistik belegen. Das nur als gut gemeinter Rat.
Zitat:
LEG XVII Beitrag anzeigen
Der Begriff Vale findet sich in Ortsnamen wieder, z. B. Waldorf: Im Jahre 1157 wird der Ort als Valendorf erwähnt. Der Siedlungsname bezeugt eine frühe Besiedlung durch sogenannte Walen oder Valen, eine römisch-keltische Mischbevölkerung, die nach dem Ende der römischen Herrschaft zurückgeblieben war und von den Germanen als Wälsche (Fremde) bezeichnet wurde.
Du kannst doch nicht einfach Fale und welsch gleichsetzen! Die Ost- und Westfalen sind wahrscheinlich bloß die Flachlandbewohner, wenn man sich nicht der älteren Interpretation 'blondhaarig' anschließen möchte.
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Geändert von El Quijote (30.01.2016 um 12:07 Uhr).
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Alt 30.01.2016, 12:10   #5
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Netterweise gibt es das altsächsische Wörterbuch:

'Welsch' wäre 'walh' (gesprochen: 'walch')

Zunge hieß tungo, wie schon von El Quijote dargelegt. 'Thungo' findet sich nicht in der Form, allerdings wird 'githungan', 'gediegen, tüchtig' aufgeführt. Da Regeln für die Verbreitung der Vorsilbe 'gi-' (heute 'ge-') im Niederdeutschen Sprachraum immer noch nicht aufgestellt wurden, braucht es uns nicht weiter zu stören.

'falah' bedeutet danach 'Ebene'.

Eine, wenn man es zusammenführt, gediegene, tüchtige Ebene dürfte eine fruchtbare Ebene sein.

Ausschließen möchte ich auch nicht den Zusammenhang mit 'falu', 'fahl, gelb' wie in 'Vahlefeld'.

Besteht jemand auf der Aussprache mit 'w', gibt es 'wala, wela', 'Heil' und das dazugehörige 'wel', 'wohl, gut, rund'.

Will jemand auf der alten, aber immer wieder aufgegriffenen Annahme von 'Falen' als Personen bestehen, kann er sich auch nicht auf einen oft angenommenen Zusammenhang mit 'wer' stützen: 'Werin' /'waran' hängt eher mit 'wara', 'Schutz', nicht mit 'wer' zusammen. Enthalten ist es in Warendorf. Damit wären wir immerhin bei den altenglischen 'Waernas', den Warnen. Immerhin gehörte ein Teil später zu den Sachsen. Aber auch hier muss man wieder schauen, wie man die Ungleichzeitigkeit zeigt. Sprich: Wann und nach welchem nachweisbaren Wandel wurde 'war' zu 'fal'?

Zu den Warnen später mehr, ich muss unterbrechen

- EDIT: Da ich schon beim Erstellen pausieren musste, überschneidet sich der Post mit dem El Quijotes. Aber er passt immerhin als Erläuterung dazu

Geändert von El Quijote (30.01.2016 um 17:32 Uhr). Grund: Statt zu zitieren habe ich editiert. Originaltext wiederhergestellt.
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Alt 30.01.2016, 17:29   #6
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Zitat:
Riothamus Beitrag anzeigen
Netterweise gibt es das altsächsische Wörterbuch:

'Welsch' wäre 'walh' (gesprochen: 'walch')

Zunge hieß tungo, wie schon von El Quijote dargelegt. 'Thungo' findet sich nicht in der Form, allerdings wird 'githungan', 'gediegen, tüchtig' aufgeführt. Da Regeln für die Verbreitung der Vorsilbe 'gi-' (heute 'ge-') im Niederdeutschen Sprachraum immer noch nicht aufgestellt wurden, braucht es uns nicht weiter zu stören.

'falah' bedeutet danach 'Ebene'.

Eine, wenn man es zusammenführt, gediegene, tüchtige Ebene dürfte eine fruchtbare Ebene sein.
Obwohl diese Herleitung sehr bestechend ist, hat sie wahrscheinlich denselben morphologischen Schönheitsfehler: -go ist ein eigenes Morphem.
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Geändert von El Quijote (30.01.2016 um 17:33 Uhr).
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Alt 30.01.2016, 19:11   #7
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Was aber kein 'muss' ist.

Dennoch ist es hier wahrscheinlicher. Abgesehen von der Tatsache, dass das Anhängen von '-go' eine übliche Ortsnamensbildung ist, müsste der bestimmende Teil eigentlich vorne stehen. Das ist mir in der Eile durchgegangen.

Wie wäre es mit Gelbe-Düne-Gau?

Zu den Warnen:

Diese hatten sich über mehrere Gebiete Norddeutschlands verteilt. Aus der Nachbarschaft der Angeln zogen einige nach Thüringen und andere mit Sachsen und Angeln an den Rhein. Ob ein Teil nach Hessen gelangte ist nicht sicher, wird aber mitunter angeführt. Dadurch hatten schon antike Schriftsteller, z.B. Prokop, den Eindruck, dass sie alles Land bis zur Nordsee besiedelten.

Aber: Die zurückgebliebenen Warnen (und Angeln) im Norden schlossen sich den Dänen an. Die Warnen, die nicht vom Niederrhein nach Britannien gingen, schlossen sich den Franken an. Und das Recht der Angeln und Warnen firmiert auch als 'lex thuringorum'. Das macht das Ganze wieder sehr unsicher. Außerdem ist nicht bekannt, ob sie nördlich (Ludwig Schmidt), südlich oder (süd)östlich (2 Varianten nach Ptolemaios) der Angeln lebten. Theoretisch könnten sie sogar an allen 3 Stellen gleichzeitig zu finden gewesen sein, zumal ein Teil irgendwann nach Pommern oder Schlesien gezogen sein soll.

So klar ist das also auch nicht. Daher bleibe ich bei den Bewohnern der Ebene.
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