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| | #1 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2008 Ort: Teutschland
Beiträge: 817
![]() ![]() ![]() | Mannus-Stämme - Kontinuität und Wandel Der ein oder andere kennt vielleicht diese kleine Ursprungssage über die Germanen, die Tacitus in seiner Schrift "Germania" überliefert hat. Für alle anderen hier noch mal das ganze Geschichtchen: Zitat:
Naja, zumindest wird die Geschichte durch die auf das mittelalterliche Skandinavien zentrierten Forschungen nicht so sehr beachtet. Zum Glück ist mir nun ein Buch in die Hände gefallen, das nicht Rudolf Simeks Feder entsprungen ist. Interessanterweise wird diese Sage noch im frühen Mittelalter rezepiert. In der sogenannten "fränkischen Völkertafel" aus dem siebten oder achten Jahrhundert findet sich erstaunlicherweise gleicher Abstammungsmythos. Dort werden sogar die Namen der Brüder genannt: Istio, Erminus und Ingno. Da aber die Franken kein isländischer Stamm sind ist das irgendwie in jüngeren Publikationen in Vergessenheit geraten. ![]() Entweder handelt es sich über frühkarolingische Tacitus-Rezeption oder um die Beständigkeit eines germanischen Mythos.
__________________ "Je mehr Bücher man liest, desto dümmer wird man" Mao Zedong | |
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| | #2 | |
| Ehemaliges Mitglied Registriert seit: 10.2007
Beiträge: 8.885
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
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| | #3 |
| Mitglied Registriert seit: 06.2007
Beiträge: 550
![]() | Da Tacitus die Namen bestimmt nicht von alten Isländern hatte sondern, wenn er wirklich aus der Belgica stammte, vielleicht eher von Rhein-Weser Germanen -aus denen sich später u.a. Franken entwickelten - ist ein weiterleben dieser Tradition bei den Franken nicht ganz unwahrscheinlich... über diesen Weg konnte man biblische Geschichte mit einheimischer in übereinstimmung bringen... das kennt man ja von den alten Iren, Walisern, Skandinaviern ganz ähnlich... |
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| | #4 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Zitat:
Tuisto ist ja ein Zwitterwesen...ich setze ihn also in die Nähe des eddisch überlieferten Ymir. Ich gucke mal morgen in der Departmentbibliothek, ob ich dazu einen Artikel finde. Achja, danke für deinen Simek-Seitenhieb, sehe ich genauso! ![]()
__________________ Waar het vaderland bebouwd werd Door den Saksischen Germaan, Daar werd onze stam geboren, Daar is Gelderland ontstaan | |
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| | #5 |
| Mitglied Registriert seit: 06.2007
Beiträge: 550
![]() | Hirmin/Irmin wird auch zu altnordisch Jörmunr gestellt, einem Odinsnamen... aber ich bin kein Indogermanist und weiss nicht wie sicher das ist. Tuisto ist zu Ymir bestimmt eine Parallelle... allerdings ist er laut Tacitus im Gegensatz zu diesem ein "Erdgeborener Gott" celebrant carminibus antiquis (quod unum apud illos memoriae et annalium genus est ) Tuisconem deum Terra editum et filium Mannum originem gentis conditorisque Geändert von Haerangil (23.02.2009 um 23:01 Uhr). |
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| | #6 |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Was meint denn Jötmunr? Nicht zufällig der "Hohe"? Könnte ja entstanden sein, als Bereiche von *Tiwaz auf Wodan-Odin übergingen.
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| | #7 |
| Mitglied Registriert seit: 06.2007
Beiträge: 550
![]() | oder die drei Brüder waren bei den Südgermanen Hirmin (Wodan), "Iswe" (Tyr?) und Ing (Freyr)- die Götterstammbäume sind bei den Indogermanen nicht so streng... Ich sehe immernoch nicht ,daß unbedingt *Tiwaz zu irgendeiner Zeit der "Hochgott" gewesen sein muss... verschiedene Stämme, verschiedene Kultgemeinschaften, verschiedene Götterhierarchien. |
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| | #8 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Zitat:
__________________ Waar het vaderland bebouwd werd Door den Saksischen Germaan, Daar werd onze stam geboren, Daar is Gelderland ontstaan | |
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| | #9 |
| Mitglied Registriert seit: 06.2007
Beiträge: 550
![]() | der Abschnitt über den Semnonenhain ist sehr schwierig zu deuten... ein allbeherrschender Gott dem alles unterworfen ist, zu dessen Ehre sich die Dedikanten in Fesseln legen... damit kann ein Wodan gemeint sein, aber auch eben der jeweilige Gott der als der Vater des Semnonenstammes galt und den sie vielleicht "henotheistisch" über alle anderen stellten. Ich sehe so noch nicht ,daß mehr oder weniger für *Tiwaz spricht. |
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| | #10 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Zitat:
Die von Tacitus beschriebenen Praktiken im Hain fand ich schon immer sehr bizarr. Ich frage mich, woraus sie entstanden.
__________________ Waar het vaderland bebouwd werd Door den Saksischen Germaan, Daar werd onze stam geboren, Daar is Gelderland ontstaan | |
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| | #11 |
| Mitglied Registriert seit: 06.2007
Beiträge: 550
![]() | hmm... da müsste man mal in der Ethologie schaun ob es da ähnliches gibt. Fesseln zu tragen vor dem Angesicht der Götter... soetwas gibt es z.B. in Initiationsritualen... |
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| | #12 | ||
| Mitglied Registriert seit: 10.2008 Ort: Teutschland
Beiträge: 817
![]() ![]() ![]() | Ich möchte an der Stelle darauf hinweisen, dass es zahlreiche von Germanisten in der Neuzeit rekonstruierte Formen gibt. Diese sollten mit einem Sternchen versehen werden: *Ingwaz Auch über germanistische Theorien über hermionische Dialekte usw möchte ich an der Stelle nicht reden. Es interessiert mich nicht. Mir geht's allein um den Abstammugsmythos, denn eine andere Bedeutung ist nicht überliefert. Zitat:
Es bestimmt zumindest insoweit Entwarnung, dass die Begriffe Hermionen, Ingävonen und Istävonen in anderen antiken Schrift vorkommen. Auch andere Werke des Tacitus, Plinius der Ältere... Sprich der Autor der "Fränkischen Völkertafel" kann auch aus anderen Schriftquellen als der Germania geschöpft haben. Die Frage ist nur, ob wir es hier mit einem spätantik-frühmittelalterlichen Etymologen zu tun haben der "Istio", "Erminus" und "Ingno" sich einfach als rekonstruierte Namen ausdachte oder ob hier tatsächlich auf mindestens 600 Jahre alte mündliche Überlieferung zurückgreift. Die Ähnlichkeit mit Ingwe Freyr und den von ihn abstammenden Ynglingen ist mir auch schon aufgefallen. Allerdings machte mich bisher die Überlieferungslücke von über 1000 Jahre doch stutzig, trotz der hier wirklich einleuchtennden Eytmologie. Mit der fränkischen Völkertafel ist die Lücke ja gar nicht mehr so gravierend. Die Bezeichnung irmindeot kommt im althochdeutschen Hildebrandlied vor. Entweder bedeutet das schlicht "hoher Gott" oder ist ein Eigenname. Die Anrufung kann sowohl christlich als auch heidnisch sein oder beides. (Der Vergleich mit der althochdeutschen Wort frô, dass sowohl Herr als auch Gott heißen kann, liegt natürlich nahe.) Selbst wenn irminsûl nur hohe Säule bedeutet, so steht das ja nicht im Widerspurch zu Widukind von Corveis Aussage, die Sachsen würden den Mars unter den Namen Hermes verehren. Hermes soll dann auch der sächsische Name sein und Mars die lateinische "Übersetzung". Die Frage nach den Hochgöttern stellt sich meiner Ansicht nach nicht. Eine Abstammung einzelner Völker von Göttern oder Heroen findet sich auch im mediterranen Raum. Von Perseus stammen Perser, von Dardanos Dardaner, von Romulus Römer usw Auch für die griechische "Stämme" wie die Ionier existieren solche Mythen. Die Konsequenz daraus ist aber keineswegs eine Unterscheidung unterschiedlicher "Hochgötter". Da bleibt es doch bei Zeus/Jupiter. Ob eine grundsätzliche Unterscheidung von Heroen/Halbgötter und Götter notwendig oder erfolgversprechend ist, möchte ich bezweifeln. Gerade die von Tacitus erwähnten und von ihm als Dioskuren interpretierte Alken zeigen doch, dass der Übergang zwischen Heroen und Götter bei Germanen wie Römern fließend ist. Zitat:
Die Sache mit dem Suebenhain gehört auf jeden Fall mit in der Bereich der Abstammungsmythen, sollen doch alle Sueben von dieser "allherrschenden Gottheit" regnator omnium deus. Die Bedeutung scheint der von althochdeutsch irmindeot zu gleichen. Ob es sich um einen Beiamen eines bekannten Gottes handelt, ist ungewiss. Ich möchte aber eher in Richtung Mars tendieren, denn ihn und nicht Merkur nennt auch Widukind Jahrhunderte später in seiner Sachsengeschichte.
__________________ "Je mehr Bücher man liest, desto dümmer wird man" Mao Zedong Geändert von Maglor (24.02.2009 um 18:09 Uhr). | ||
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| | #13 | ||
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Zitat:
![]() Zitat:
__________________ Waar het vaderland bebouwd werd Door den Saksischen Germaan, Daar werd onze stam geboren, Daar is Gelderland ontstaan Geändert von Skald (24.02.2009 um 18:18 Uhr). | ||
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| | #14 |
| Mitglied Registriert seit: 10.2008 Ort: Teutschland
Beiträge: 817
![]() ![]() ![]() | Eine besondere Stellung von Wodan bei den Merowingern kann ich aber nicht erkennen. Gregor von Tours legt Chlodwig z.B. die Worte in den Mund, Mars und Merkur hätten die "Welt erschaffen". Diese Theorie einer Art Ablösung eines ursprünglichen *tiwaz-Kultes durch einen agressiven Wodan-Kult der Merowinger scheint (außerhalb isländischer Sagenkreise) weder Hand noch Fuss zu haben. Angeblich stammen die Merowinger ja von einer Art im Meer lebenden Minotaurus ab. Dies kann die christlich-lateinische Dämonisierung eines gehörnten Gottes sein. Genau so gut kann hier der Vergleich mit dem griechischen Mythos um Zeus und Europa gezogen. Dieser sogenannte Quinotaurus lässt sich aber nicht weiter identifizieren, kann aber im Zusammenhang mit dem Fund eines Stierkopfes im Childerichgrab stehen.
__________________ "Je mehr Bücher man liest, desto dümmer wird man" Mao Zedong Geändert von Maglor (24.02.2009 um 18:37 Uhr). |
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| | #15 |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Was Gregors von Tours schreibt, könnte doch eine germanische Interpretation sein, insofern wird Wodan hier wieder mit Mercur gleichgestellt. Wer Mars ist, weiß ich nicht. Auf den skandinavischen Drei-Götter Brakteaten tritt Wodan-Odin mit Attributen des Mars auf. Hmmm... Diese Stierköpfe sind sehr spannend. Gab es nicht auch einen Frankenkönig, der sich auf einen Wagen mit Ochsengespann herumfahren hat lassen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wodan bei den Franken keine Rolle gespielt hat. Einige Wissenschaflter bringen z.B. die Pferdeopfer beim Childerichgrab mit Wodan in Verbindung.
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| | #16 |
| Mitglied Registriert seit: 12.2007 Ort: Düsseldorf
Beiträge: 635
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| | #17 | |
| Moderator Registriert seit: 01.2005 Ort: 09399 Niederwürschnitz (Sachsen/Erzgebirge/Schönburgische Lande)
Beiträge: 8.391
![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
Odin/Wodan = Merkur = Hermes T(e)iwaz/Tyr/Ziu = Mars = Ares Thor/Donar = Jupiter = Zeus Vgl. dazu Interpretatio Romana ? Wikipedia und - wenn Wikipedia nicht ausreichend erscheint - Iconologia sacra: Mythos, Bildkunst ... - Google Buchsuche
__________________ Das schlägt dem Faß die Krone ins Gesicht! | |
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| | #18 | |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Zitat:
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| | #19 |
| Mitglied Registriert seit: 06.2007
Beiträge: 550
![]() | Ich hab´den Tacitus vor mir liegen, er erwähnt Merkur, Herkules und Mars... WELCHE germanischen Götter er damit nu genau MEINT ist an dieser Stelle gerade garnicht klar! |
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| | #20 |
| Mitglied Registriert seit: 02.2008 Ort: Hammaburg
Beiträge: 199
![]() | Ist es auch nicht...zu keiner Zeit SAGT Tacitus, dass der Mercur Wodan sei. Aber anhand der Aufgabenbereiche, die Mercur z.B. inne hat, liegt hier eine Identifikation mit Wodan ziemlich nahe. Bei Herkules und Mars finde ich es schwerer.
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| germanen, germanische mythologie, tacitus, völkertafel |
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