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Alt 13.07.2017, 15:37   #381
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Ich weiß schon. Es gibt viele unpassende Begriffe, die überaus gebräuchlich sind. Wir wissen z.B. alle, dass das "Heilige Römische Reich deutscher Nation" weder heilig noch römisch und auch nur teilweise deutscher Nation ist. Aber freilich ist das eine Standardbezeichnung. Solange jedem bewusst ist, dass das nicht als Beschreibung mit Wahrheitsanspruch gemeint ist, ist das ja auch nicht weiter schlimm. Bei der "islamischen Kultur" besteht diese Gefahr des deskriptiven Missverständnisses aber durchaus.
Seit dem 8. Jh. bildet sich in Vorderasien eine Kultur heraus, die man mit Recht als die arabisch-islamische bezeichnen kann. Arabisch jedoch nicht in dem Sinn, dass Nichtaraber nicht an zentraler Stelle daran mitgewirkt hätten. Sie und am frühesten die Iraner haben so bedeutende Beiträge geliefert, dass einige wie du meinen, die Araber hätten fast überhaupt keine entscheidende Rolle in der islamischen Kultur gespielt.

Dennoch ist diese auch arabisch, und zwar in dem Sinn, dass die bis dahin sprachlich getrennten Völker sie nun auf der gemeinsamen Basis der arabischen Sprache aufbauen halfen; und auch, weil die Araber überhaupt erst den geografischen Raum schufen, in dem sich eine solche durch inneren Frieden bestimmte Kultur entfalten konnte.

Zweifellos ist das Arabische - einst die Sprache einfacher Beduinen - an seiner Aufgabe gewachsen, sodass eine Sprache universaler Geltung daraus wurde. Dass noch andere an dieser Kultur beteiligt waren - Christen, Juden, Iraner und andere - trifft gleichfalls zu.

Dass der Ausdruck "islamische Kultur" nicht ganz unproblematisch ist, lässt sich bei Wiki nachlesen. Dennoch wollte die Forschung einen übergeordneten Begriff finden und hat sich mehrheitlich für arabische oder islamische Kultur entschieden.

Wenn du eine bessere Bezeichnung hast, dann nur raus damit.

Geändert von Dieter (13.07.2017 um 15:39 Uhr).
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Alt 13.07.2017, 18:52   #382
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Zweifellos ist das Arabische - einst die Sprache einfacher Beduinen - an seiner Aufgabe gewachsen, sodass eine Sprache universaler Geltung daraus wurde.
Ja, auch die Beduinen sprachen Arabisch. Dennoch ist die Äußerung, dass Arabisch eine Sprache von Beduinen gewesen sei, falsch. Das Zentrum der arabischen Halbinsel war ziemlich unbesiedelt, aber die Ränder, also der Ḥiǧāz, der Jemen oder der Oman waren durchaus urbanisierte Zonen und dort lebten eben auch die meisten Araber. Es gab vor einigen Jahrzehnten mal die Theorie, dass die drei monotheistischen Religionen, das Judentum, das Christentum und der Islam in der Wüste entstanden seien; diese Theorie hat sich vor allem populär durchgesetzt, stimmt aber nicht. Alle drei Religionen entstanden in urbanisierten Gegenden. Sie sind geradezu Stadtreligionen (um das mal pointiert als Antithese zur Wüstenherkunft zu formulieren). Die Gleichung Araber = Beduinen geht nicht auf.
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Alt 13.07.2017, 23:31   #383
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...
Zweifellos ist das Arabische - einst die Sprache einfacher Beduinen - an seiner Aufgabe gewachsen, sodass eine Sprache universaler Geltung daraus wurde. Dass noch andere an dieser Kultur beteiligt waren - Christen, Juden, Iraner und andere - trifft gleichfalls zu.

...
Es gab (und gibt) arabischsprachige Christen und Juden. Und Iraner verschiedenster Glauben. Irgendwie werden hier wahllos religiöse und ethnische Zugehörigkeiten durcheinandergeworfen.
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Alt 14.07.2017, 12:37   #384
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Bdaian Beitrag anzeigen
Es gab (und gibt) arabischsprachige Christen und Juden. Und Iraner verschiedenster Glauben. Irgendwie werden hier wahllos religiöse und ethnische Zugehörigkeiten durcheinandergeworfen.
Ich wollte mit dieser Aussage darauf hinweisen, dass der Begriff "arabische Hochkultur" sowohl nichtarabische als auch nichtmuslimische Bevölkerungsgruppen umfasst. Das gilt ebenso für die Bezeichnung "islamische Kultur".

Daran zeigt sich, dass dieser Begriff seine Tücken hat, auch wenn es bis heute keine treffendere Bezeichnung gibt. Bei Wiki las ich dazu:

"Der renommierte Islamhistoriker Marshall Hodgson beschrieb diese Spannung von religiösen versus weltlich-akademischen Gebrauch von Begriffen wie „islamisch“ und „Muslim“ in seinem dreibändigen Werk Das Wagnis des Islam. Er schlug vor, diese Termini lediglich religiösen Phänomenen vorzubehalten, und schlug für die Beschreibung der kulturellen Aspekte der historischen muslimischen Völker den Begriff „Islamicate“ vor. Diese Unterscheidung hat sich jedoch nicht durchgesetzt, daher bleibt eine gewisse Unschärfe beim Gebrauch dieser Begriffe bestehen."
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Alt 15.07.2017, 10:18   #385
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Tintagel zeigte ein beschämendes Verhalten in der Vergangenheit
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thanepower Beitrag anzeigen
Für Deine Behauptungen hast Du bisher keinen Beleg vorgelegt. Da besteht wohl zunächst eine "Bringschuld", die die Behauptungen untermauern.
Eigentlich nicht. Denn wenn etwas in der Forschung weithin anerkannt ist, hat der die Bringschuld, der eine Außenseiterthese vertritt. Da ich dir aber dennoch gerne Belege vorlegen will, habe ich ja nachgefragt, welche konkrete Behauptung dir unplausibel erscheint, aber bisher keine Antwort erhalten.
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Alt 15.07.2017, 10:30   #386
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Zitat:
Dieter Beitrag anzeigen
dass einige wie du meinen, die Araber hätten fast überhaupt keine entscheidende Rolle in der islamischen Kultur gespielt.
Dem meisten, was du hier geschrieben hast, will ich gar nicht widersprechen. Ich will nur darauf hinweisen, dass durch die unglückliche Etikettierung "arabische" bzw. "islamische" Kultur der Eindruck entsteht, als habe hier eine arabische Bevölkerung oder eine islamische Religion gewisse kulturelle Leistungen hervorgebracht, während in Wahrheit ein kulturell vergleichsweise primitiver ethnischer Verband aus der Wüste handstreichartig mit enormer militärischer Effizienz in kürzester Zeit den Mittelmeerraum erobert und sich auf bestehende hoch entwickelte Kulturen draufgesetzt hat. Und dann gab es - vereinfacht gesprochen - eine "Arbeitsteilung": die Araber waren für Militär und Verwaltung zuständig und Angehörige der eroberten Gebiete (die weder Araber noch Musime waren) erbrachten fast alle jener kulturellen Leistungen, die man in erster Linie in Sinn hat, wenn von "arabischer" bzw. "islamischer" Kultur die Rede ist. So war das zumindest während der ersten paar Jahrhunderte. Danach setzte dann langsam eine Amalgamierung ein.
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Alt 15.07.2017, 10:52   #387
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Galeotto Beitrag anzeigen
Dieser Begriff ist zwar gebräuchlich, aber auch irreführend, weil daraus aleitbar wäre, dass die Religion Islam besonders wissenschaftsförderlich sei. Das ist sie aber ebensowenig, wie es das Christentum je war.
Es gibt theologische Gründe im Islam, die der Entwicklung der Wissenschaft hinderlich sind. Hingegen gibt es verschiedene wissenschaftsfördernde Aspekte des Christentums. Das im Einzelnen zu beleuchten, wäre allerdings ein weites Feld. Wenn jemand Interesse hat, gehe ich aber gerne mehr ins Detail.
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Alt 15.07.2017, 23:57   #388
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Wenn jemand Interesse hat, gehe ich aber gerne mehr ins Detail.
Mich würde es interessieren.
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Alt 17.07.2017, 12:37   #389
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Mich würde es interessieren.
Der hinderliche Aspekt der islamischen oder der förderliche Aspekt der christlichen Theologie?
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Alt 17.07.2017, 15:57   #390
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Der hinderliche Aspekt der islamischen oder der förderliche Aspekt der christlichen Theologie?
Am besten beides im direkten Vergleich.
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Alt Gestern, 12:13   #391
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Tintagel Beitrag anzeigen
Es gibt theologische Gründe im Islam, die der Entwicklung der Wissenschaft hinderlich sind. Hingegen gibt es verschiedene wissenschaftsfördernde Aspekte des Christentums. Das im Einzelnen zu beleuchten, wäre allerdings ein weites Feld. Wenn jemand Interesse hat, gehe ich aber gerne mehr ins Detail.
Zitat:
Tintagel Beitrag anzeigen
Der hinderliche Aspekt der islamischen oder der förderliche Aspekt der christlichen Theologie?
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Sepiola Beitrag anzeigen
Am besten beides im direkten Vergleich.
@Tintagel: Kommt da noch was? Oder hat sich jemand zu weit aus dem Fenster gelehnt und ist der Schwerkraft gefolgt??

Sollte nichts mehr kommen, werde ich gerne den Part übernehmen, die arabische bzw. islamische Kultur in den Narrativ der "Globalgeschichte" einzuordnen.

Immerhin hat Dieter mit Hodgson einen Historiker benannt, mit dessen Hilfe - und mit anderen - schon die Richtung benannt werden kann, in der eine angemessene Darstellung vorgenommen werden sollte.
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When the facts change, I change my mind. What do you do, sir? J.M. Keynes

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