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| | #121 | |||
| Mitglied | Zitat:
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Zitat:
Über die Scheidung zwischen Sachurteil und Werturteil denke ich gern noch weiter nach. Das könnte ich mir sparen, wenn ich das Werturteil ganz vermeiden oder für unzulässig halten wollte. Denn die Crux liegt doch ganz offenbar auch in der Frage, wer denn die "Konventionen und moralischen Maßstäbe" einer Epoche definiert. Hier lautet eine schlichte These: Das ist immer der, der Erfolg hatte bzw. Sieger war - Geschichtsschreiber haben sich zu allen Zeiten gern in dessen Enddarm eingenistet. Ich nehme mal die Kernaussage Rankes über Karl: [1] "Im Laufe der Zeit hat sich aber die Idee moralischer und historischer Größe unwiderruflich an diesen Namen geknüpft" und frage: Worin bestand Karls moralische Größe in Relation zu den moralischen Maßstäben seiner Epoche? [1] Weltgeschichte. 1.-3. Aufl. Leipzig 1884, 5. Th., 2. Abth., S. 106
__________________ Man soll sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben (Giacomo Casanova) | |||
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| | #122 |
| Premiummitglied | Eine Beurteilung des Handlung von "Karl" und den anderen historischen Persönlchkeiten kann doch eigentlich nur vor dem Hintergrund des immanenten Verstehens des damaligen Selbstkonzepts der Akteure, dem Vorhandensein der damaligen Normen, der damaligen subjektiven Deutung der objektiven Machtstrukturen und der subjektiven Interpretation der real vorhanden Konstellationen internationalen Politik. Diese Aspekte bildetetn seinen Horizont, in dem er seine Handlungsalternativen bestimmt hat. Hätte "Karl" Zugang zu den Moralvorstellung von heute gehabt, via Zeitreise, vielleicht wären seine Entscheidungen anders ausgefallen. Dieses wäre m.E. der angemessene erste Schritt einer historischen Rekonstruktion der Persönlichkeiten und genau an diesem Punkt würde ich auch die Kernkompetenz von Historikern verorten. In diesem Sinne besteht ihr Job aus der Leistung einer "historisch orientierten Empathie". Wohlwissen, dass sie als Personen des 21. Jahrhundert dieses lediglich begrenzt leisten können. Zudem sicherlich aufgrund des breiteren Zugangs an Quellen eine "Über-Objektivierung" des subjektiven Handlungsspielraum der damaligen Akteure vornehmen. Vor diesem Hintergrund ist "Bewunderung" vermutlich eine ahistorische Perspektive für derartige historische Personen und stimme der Beurteilung von Dieter #150 tendenziell zu. [OT Anmerkung: Für diesen Beitrag bekomme ich einen Roten, was ok ist. Die Frage, ob ich weiss, was ich schreibe, irritiert mich dennoch. Wenn es etwas gibt, was inhaltlich zu kritisieren wäre, dann dürfte man doch wohl eine inhaltliche Kritik erwarten. Zumal ich mir der Implikationen durchaus bewußt bin, sofern man meine Aussage zu Ende denkt. Bei jschmidt findet sich dementsprechend der wichtige Hinweis auf die Rolle der Deskription bzw Präskription im Verhältnis zur normativen Aussagen. Bei der Frage der Polarisierung zwischen angemessenem Verstehen und angemessener Bewertung einer historischen Persönlichkeit, kann m.E. nur zunächst das Verstehen im Vordergrund stehen und in zweiter Linie ein normatives Urteil. Diesem Vorgehen sind m.E. auch die meisten heutigen Historiker gefolgt, die sich mit den historischen Phänomenen in den letzten hundert Jahren beschäftigt haben. In diesem Sinne möchte ich die Frage des Bewertenden beantworten, dass ich in der Regel durchaus weiss, was ich schreibe.] Geändert von thanepower (24.05.2011 um 13:54 Uhr). |
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| | #123 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2004 Ort: Ostfalen
Beiträge: 6.400
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Waren Herrscher besonders der Antike und des frühen Mittelalters nicht ausreichend skrupellos - wir sprachen darüber bei Chlodwig I. - fanden sie sich beizeiten bestenfalls entthront wieder, meist jedoch ermordet. | |
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| | #124 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 05.2009
Beiträge: 674
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Die christliche Lehre bietet moralische Maßstäbe, die unabhängig vom Zeitgeist Gültigkeit haben. Die Gefahr geht mE zum Einen vom falsch verstandenen Missionsgedanken der Lehre aus. Zum Anderen führt eine Verschmelzung des göttlichen mit dem weltlichen Machtanspruch dazu, dass die Moral (hier ursprüngliche christliche Lehre) an Macht verliert und der weltlichen Macht "angepasst" wird.
__________________ Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Francis Picabia Geändert von Hulda (24.05.2011 um 15:25 Uhr). Grund: Kommafehler | |
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| | #125 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2004 Ort: Ostfalen
Beiträge: 6.400
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Das gilt auch für die Sachsenkriege Karls des Großen, denen ebenfalls tausende Unschuldige zum Opfer fielen und die erklärtermaßen zur "Bekehrung" der heidnischen Sachsen zum Christentum geführt wurden. Und wenn man die entsprechenden Quellen liest, so wird ziemlich eindeutig klar, dass Karl sogar an dieses "Missionswerk" glaubte, es also keineswegs nur ein intsrumentalisierter Vorwand zur Machtausweitung war - jedenfalls nicht primär. Dass im Hinblick auf "gottesfürchtige Kriege" die Muslime den Christen in nichts nachstanden, sei nur der Vollständikeit halber bemerkt. | |
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| | #126 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 05.2009
Beiträge: 674
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__________________ Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Francis Picabia Geändert von Hulda (24.05.2011 um 18:50 Uhr). | |
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| | #127 | ||
| Mitglied | Zitat:
Zitat:
"die Kriege im späten Mittelalter nahmen nur selten das Ausmaß eines Genozid an. Karl der Große [...] führte bald einen dreißig Jahre währenden [Angriffs-]Krieg gegen die Sachsen. Nachdem diese fast ein ganzes fränkisches Heer vernichtet hatten, ließ Karl der Große 4500 Gefangene 'an einem einzigen Tage enthaupten' [...] In der Pose von Israeliten in einem neuen Gelobten Land hatte das Heer Karl des Großen sich anscheinend von den biblischen Massakern an den Amalekitern und Moabitern inspirieren lassen. Dennoch waren im Mittelalter Vertreibungen häufiger als physische Vernichtung. Andere Annalen verzeichneten, daß 'die Franken eine große Zahl von Männern' erschlagen hätten, aber auch, dass sie 'viele Sachsen in Ketten nach Francia zurückbrachten'. Des weiteren wird berichtet, dass im Jahr 795 '7070 [aus Sachsen] weggeführt wurden' und danach noch einmal '1600 führende Männer'. Neun Jahre später ließ Karl der Große 'alle Sachsen, die jenseits der Elbe und in Wihmodia wohnten, [...] zusammen mit ihren Frauen und Kindern nach Francia verbringen'." [2]Genozid? Der Zeitgeist forderte halt seinen Tribut, wie ein anderer Sachverständiger an einem Beispiel verdeutlicht: "Und wenn Stalin beim russischen Volk [...] Methoden angewendet habe, wie sie damals Karl der Große beim deutschen Volk angewendet hätte, so dürfe man mit Rücksicht auf den derzeitigen kulturellen Stand der Russen nicht den Stab darüber brechen."[1] Ben Kiernan: Erde und Blut. Völkermord und Vernichtung von der Antike bis heute. München 2007, S. 94 [2] Die letzte Information präziser ("zehntausend Sachsen mit Weib und Kind") bei Hans K. Schulze: Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen. Sond. Berlin 1994, S. 156
__________________ Man soll sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben (Giacomo Casanova) | ||
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| | #128 |
| Mitglied Registriert seit: 04.2010 Ort: Nähe Wolfenbüttel
Beiträge: 1.409
![]() | KdGnur auf die "Sachsenkriege" zu reduzieren, ist reichlich kurz gesprungen. Da waren ja dann auch noch Bayern, Lombarden, etc. Und will man den fränkischen Zahlen glauben, haben die Franken fast ganz Sachsen entvölkert. Nur , gegen wen führten sie dann danach in Sachsen Krieg? So hoch ist auch die Vermehrungsrate von Sachsen nicht. Und alle Sachsen aus Wigmodien und jenseits der Elbe? Dithmarschen kam erst in der Neuzeit zum HRR. Also die Annalen beschönigen ganz schön. KdG war ein König der Franken, ein bedeutender, aber er handelte als Franke für seine Familie und seine "Freunde", Moral und Glaube kommen da im Tagesgeschäft nicht vor.
__________________ Was ein Mensch denken kann , passiert irgendwann Murphy |
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| | #129 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2004 Ort: Ostfalen
Beiträge: 6.400
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Bedenkt man das alles, dann kann man Herrscher wie Karl, Caesar, Kyros II., Augustus oder Friedrich Barbarossa durchaus zubilligen, dass sie innerhalb der Bedingungen, Begrenzungen und Anforderungen ihrer Zeit Ansehen und Macht der ihnen anvertrauten Staaten steigerten, in der Regel umsichtig und verantwortungsvoll regierten und die Masse der Bevölkerung keinen Verfolgungen aussetzten. Dass sie dennoch Kriege führten und andere Länder und Völker unterwarfen, zählt zu den Erwartungen, denen sich jeder Herrscher beugen musste. | |
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| | #130 |
| Mitglied Registriert seit: 11.2011
Beiträge: 1
![]() | Karl der Große - "Vater Europas"? Inwiefern kann man Karl der Große "Vater Europas" nennen? Also warum wird er oft so genannt? Und inwiefern ist es korrekt zu behaupten, dass aus seinem Reich, die Länder Deutschland, Italien und Frankreich entstanden sind? Würde mich auf schnelle Antwort freuen danke schonmal im vorraus ![]() |
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| | #131 |
| Mitglied Registriert seit: 09.2010 Ort: Schwarzwald
Beiträge: 460
![]() | Vielleicht überlegst du dir erstmal, wann KdG denn lebte und wie Europa vor seiner Machtübernahme aussah. Karl der Grosse Im nächsten Schritt solltest du dir anschauen, wie sich Europa denn so zum Ende seiner Machtzeit, bzw. unter der Regentschaft seiner Nachkommen verändert hatte. Aus diesem Vergleich heraus hast du dann die Antwort. Karl der Große
__________________ Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen. -Georg Orwell- Geändert von KeineAhnung (22.11.2011 um 15:36 Uhr). |
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| | #132 | |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 4.582
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Im Übrigen verweise ich noch darauf, dass derartige Benennungen meist auch PR-Zwecken dienen. Heutzutage geht es u. a. darum, das Reich Karls des Großen zu einem Vorläufer der EU zu stilisieren. | |
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| | #133 |
| Mitglied Registriert seit: 04.2010 Ort: Nähe Wolfenbüttel
Beiträge: 1.409
![]() | hm, zum ersten Teil hast Du links bekommen, aber wenn Du Deinen Lehrer schocken willst: Deutschland, Frankreich und Italien liegen zwar zum Teil auf dem ehemaligen Reichsgebiet KdGs, aber sie sind nicht aus seinem Reich entstanden. Was heute Frankreich ist, war als romanischsprechendes Gebiet schon vorher vorhanden,
__________________ Was ein Mensch denken kann , passiert irgendwann Murphy |
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| | #134 |
| Premiummitglied Registriert seit: 09.2009 Ort: Germania Inferior
Beiträge: 1.190
![]() ![]() | Leg mal die Landkarte des Fränkischen Reiches unter Karl dem Großen neben eine aktuelle politische Landkarte. Dann wirst Du noch je menge anderer Länder als Frankreich, Italien und Deutschland entdecken. Apvar |
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| | #135 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 4.582
![]() ![]() ![]() ![]() | Schon klar, aber es geht darum, welche Länder man zumindest indirekt auf das Reich Karls des Großen zurückführen kann. Frankreich und Deutschland kann man zumindest einigermaßen auf das sich im Zuge des Vertrages von Verdun 843 ( Vertrag von Verdun ? Wikipedia ) herausbildende Westfränkische und Ostfränkische Reich zurückführen. Bei Italien würde ich das verneinen, da zwischen den Franken und der Nationalstaatsbildung im 19. Jhdt. eine viele Jahrhunderte lang währende Phase der völligen politischen Zersplitterung liegt, in der das (ohnehin nur Norditalien umfassende) Königreich Italien praktisch nur auf dem Papier existierte. Bei den anderen auf dem Gebiet des Reiches Karls des Großen liegenden heutigen Staaten ist das noch schwieriger. |
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| | #136 |
| Mitglied Registriert seit: 01.2011
Beiträge: 31
![]() | Danke. Nur wegen dem Ausdruck "ZUNÄCHST erfolglos". Geändert von Heifisch (21.01.2012 um 19:25 Uhr). |
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| | #137 |
| Mitglied Registriert seit: 01.2009
Beiträge: 977
![]() | Mit dieser Titulation kann man freilich nichts anfangen, ich habe schon gehört das Ceaser oder Napoleon Vater Europas sein sollten. Diese Benennungen sind nicht hilfreich weil man Personen die vor Jahrhunderten gelebt haben nicht mit der heutigen Situation vergleichen kann. |
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| | #138 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 26.096
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Nichtsdestotrotz ist die Bezeichnung zeitgenössisch.
__________________ Und darum Kinder eins bedenket: der Trollen respondieret, Zeit verschenket! La uerdad de la estoria a las uezes es dubdosa. 1ª Crón. Gen., c. 571 |
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