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Alt 12.08.2012, 22:25   #161
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Robert Guiskard befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Und noch zwei Links:

historische "Wikingerschwerter" waren leicht und führig:

What Did Historical Swords Weigh?

und sie waren möglichst multifunktional, die Einteilung als Hiebschwerter ist eine Erfindung der Jetzt-Zeit:

The Myth of Thrusting Vs. Cutting Swords
Robert Guiskard ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2012, 00:49   #162
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dekumatland ist einfach richtig nettdekumatland ist einfach richtig nettdekumatland ist einfach richtig nett
Der Faden hat ja, ausgehend von der Diskussion der Bewaffnung und des Waffengebrauchs, einiges erbracht an diskutierenswürdigen Überlegungen

Was mich wundert: die Wikinger auf ihren Beutezügen sollen nur im Fall von wehrunfähigen Opfern erfolgreich gewesen sein - dem steht die Tatsache gegenüber, dass wikingischen Aufgeboten gelegentlich hohe Tribute gezahlt wurden. Aus der Sicht der (spät)karolingischen Zeitgenossen waren die Nordmänner offenbar keine leichten Gegner (und das, obwohl sie Waffen höherer Qualität importieren oder erbeuten mussten)

(nebenbei: dass man Schwachstellen des Gegners sucht, und wenn man sie findet, dann auch nutzt - das gilt wohl immer und überall, d.h. es kann den Wikingern nicht negativ angelastet werden)

Resultieren die Erfolge der Wikinger des 8.-10. Jh. nur und einzig daraus, dass ihre Gegner geschwächt bzw. zerstritten waren? Wenn ja, dann hätte es für ein ungeschwächtes spätkarolingisches Aufgebot kein allzu großes Problem gewesen sein dürfen, die ungebetenen Gäste aus dem Norden drastisch abzuweisen - das aber scheint nicht eben oft der Fall gewesen zu sein.

Zu den Details der Bewaffnung und möglichen Kampfweise fand ich das bisher gesagte hier insgesamt sehr interessant: es zeichnet ein recht grausames Bild der Kampfweisen im frühen Mittelalter! Das deckt sich mit den Beschreibungen zur agonalen Haltung des Kriegers in merowinigscher Zeit in Scheibelreiters lesenswerter "barbarischer Gesellschaft".
dekumatland ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2012, 02:39   #163
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Zitat:
dekumatland Beitrag anzeigen
Resultieren die Erfolge der Wikinger des 8.-10. Jh. nur und einzig daraus, dass ihre Gegner geschwächt bzw. zerstritten waren? Wenn ja, dann hätte es für ein ungeschwächtes spätkarolingisches Aufgebot kein allzu großes Problem gewesen sein dürfen, die ungebetenen Gäste aus dem Norden drastisch abzuweisen - das aber scheint nicht eben oft der Fall gewesen zu sein.
Ich sehe den Grund in einer Kombination von innerer Schwäche (in dem Sinn, dass es den Königen immer schwerer fiel, ihre widerspenstigen Vasallen zusammenzutrommeln) der Frankenreiche und der hohen Mobilität der Wikinger, indem sie nicht nur die Meere, sondern auch die Flüsse befuhren. Ein ungeschwächtes spätkarolingisches Aufgebot bringt auch nichts, wenn die Eindringlinge schon wieder weg waren, wenn es endlich zusammengerufen und im Krisengebiet eingetroffen war. Karl der Große und Ludwig der Fromme hatten es verabsäumt, sich rechtzeitig größere eigene Flotten zuzulegen, und ihre Nachfolger hatten wohl gar nicht mehr die Mittel zum Bau und Unterhalt großer Flotten.
Dass Karl der Dicke nicht gerade angriffsfreudig war, darf man auch nicht vergessen. Zweimal bekam er große Wikingerheere zu fassen - und beide Male zog er es vor, mit ihnen einen Vertrag zu schließen.
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Alt 16.08.2012, 04:31   #164
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Es gab ja auch ganz verschiedene Phasen der skandinavischen Expansion.

Die organisierten Angriffe dänischer Berufskrieger unter Königen wie Sven Gabelbart oder Knut dem Großen hatten ja beispielsweise eine ganz andere Form und Qualität als die direkt nach dem Tod Karls des Großen einsetzenden unorganisierten Plünderungszüge einzelner Adeliger.

Eine Armee wie das Große Heer hatte eine ganz andere Schlagkraft als der übliche saisonale Beutezug einer Schar Norweger von Irland nach Wales.

Die Besetzung der Normandie hatte eine ganz andere Form und Auswirkung, als die heillose Anarchie in der Zeit der Besetzung der Bretagne.

Zitat:
Resultieren die Erfolge der Wikinger des 8.-10. Jh. nur und einzig daraus, dass ihre Gegner geschwächt bzw. zerstritten waren?
Von daher kann man hier meiner Ansicht nach keine Aussagen über "die" "Wikinger" treffen. Man müsste sehr klar nach Zeit, Ort und beteiligten Parteien sowie deren Zielsetzung unterscheiden. All diese Faktoren unterschieden sich erheblich.

Die Erfolge völlig unterschiedlicher skandinavischer Angriffe in dieser Zeit hatten ebenso völlig unterschiedliche Gründe.

Zitat:
Ich sehe den Grund in einer Kombination von innerer Schwäche (in dem Sinn, dass es den Königen immer schwerer fiel, ihre widerspenstigen Vasallen zusammenzutrommeln) der Frankenreiche und der hohen Mobilität der Wikinger
Meiner Ansicht nach kommt da noch eine zunehmende ökonomische Schwäche insbesondere der Frankenreiche hinzu. Es fehlten aus dieser resultierend schlicht und einfach die Mittel zum Unterhalt ausreichend großer Streitkräfte. Demgegenüber nahm der Gegner aufgrund seiner Einnahmen aus den Plünderungen, Eroberungen, Danegeldzahlungen usw immer mehr an Stärke zu.

Im angelsächsischen Bereich hatten nur die Danegelder selbst schon sehr negative ökonomische Folgen, insbesondere zur Zeit von Sven Gabelbart. Ohne diese Schwächung und umgekehrt zugleich die Stärkung der Dänischen Könige wären die Eroberungen Knuts des Großen gar nicht möglich gewesen.

Geändert von Robert Guiskard (16.08.2012 um 04:33 Uhr).
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Alt 16.08.2012, 12:03   #165
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Sascha wird schon bald berühmt werden
Zitat:
Ravenik Beitrag anzeigen
Karl der Große und Ludwig der Fromme hatten es verabsäumt, sich rechtzeitig größere eigene Flotten zuzulegen, und ihre Nachfolger hatten wohl gar nicht mehr die Mittel zum Bau und Unterhalt großer Flotten.
Dass Karl der Dicke nicht gerade angriffsfreudig war, darf man auch nicht vergessen. Zweimal bekam er große Wikingerheere zu fassen - und beide Male zog er es vor, mit ihnen einen Vertrag zu schließen.
Warum auch eine Flotte?

Ich habe den Verdacht die Herrscher haben die Überfälle billigend in Kauf genommen und sich mehr auf Bürgerkrieg und Gebietsgewinne konzentriert.
Die Wikinger waren so schnell weg, wie Sie gekommen sind und keine echte Gefahr, während der Nachbar einem den Thron strittig gemacht hat.
Für beide Fronten hätte das Geld nicht gereicht. Die These ist natürlich ziemlich verheerend gegen die Zivilbevölkerung.
Sascha ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2012, 16:45   #166
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Zitat:
Robert Guiskard Beitrag anzeigen
Die organisierten Angriffe dänischer Berufskrieger unter Königen wie Sven Gabelbart oder Knut dem Großen hatten ja beispielsweise eine ganz andere Form und Qualität als die direkt nach dem Tod Karls des Großen einsetzenden unorganisierten Plünderungszüge einzelner Adeliger.
Wobei es nicht erst mit dem Tod Karls des Großen losging: Z. B. plünderte bereits 810 eine große Flotte Friesland.

Zitat:
Sascha Beitrag anzeigen
Ich habe den Verdacht die Herrscher haben die Überfälle billigend in Kauf genommen und sich mehr auf Bürgerkrieg und Gebietsgewinne konzentriert.
Die Wikinger waren so schnell weg, wie Sie gekommen sind und keine echte Gefahr, während der Nachbar einem den Thron strittig gemacht hat.
Für beide Fronten hätte das Geld nicht gereicht. Die These ist natürlich ziemlich verheerend gegen die Zivilbevölkerung.
"Billigend in Kauf genommen" wohl kaum, immerhin hatten die Wikingerüberfälle auch für die Herrscher, insbesondere Karl den Dicken, schlimme Folgen in Form von Ansehensverlust und somit weiterer Schwächung ihrer Autorität, dazu noch die wirtschaftlichen Auswirkungen für die betroffenen Gebiete, die indirekt somit auch die Finanzkraft der Herrscher schwächten. Es war auch nicht so, dass die Herrscher den Überfällen der Wikinger nur tatenlos zugesehen hätten, dann und wann traten sie ihnen durchaus entgegen, z. B. schlugen der ostfränkische König Ludwig III. der Jüngere 880 und der westfränkische König Ludwig III. 881 die Wikinger, ebenso 891 der ostfränkische König Arnulf von Kärnten. Wirklich viel bewirkt haben diese Siege freilich offenkundig nicht. Auch Karl der Dicke ging grundsätzlich gegen die Invasoren vor, bloß zog er es dann vor, mit ihnen zu verhandeln, statt sie anzugreifen.
Ich würde also nicht sagen, dass die damaligen Herrscher die Wikingereinfälle nicht als echte Gefahr, die ihr Handeln erfordert hätte, gesehen hätten. Die Antwort sehe ich eher in Deinem vorletzten Satz: Die Frankenkönige hatten einfach zu viel, worum sie sich kümmern mussten oder wollten, daher konnten sie alles nur halb machen, wozu dann noch kam, dass die Wikinger aufgrund ihrer hohen Mobilität nur schwer zu fassen waren, weswegen es oft sinnlos erschienen sein mag, ihnen überhaupt entgegenzuziehen.
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Alt 16.08.2012, 21:39   #167
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Ravenik:

Zitat:
Wobei es nicht erst mit dem Tod Karls des Großen losging: Z. B. plünderte bereits 810 eine große Flotte Friesland.
Schon 799 erfolgte der erste Angriff auf Friesland.

Als Ergänzung dazu: vor der sogenannten "Wikingerzeit" war fast der gesamte Handel zwischen Skandinavien und dem Rest Europas in friesischder Hand und Friesland die Drehscheibe für den Handel mit nordischen Erzeugnissen. Friesland war vor der Wikingerzeit wirtschaftlich sehr bedeutsam, und diese Angriffe auf Friesland beendeten die Stellung der friesischen Händler im Norden, und stärkten Skandinavien und insbesondere Dänemark ökonomisch. Es gab gerade im 8 Jahrhundert eine Zeit lang ein großes Wirtschaftswachstum, dass aber dann im frühen 9 Jahrhundert wieder einbrach. Hier stellt sich die Frage nach Henne und Ei.

Die dänischen Könige bzw Adeligen konnten ihre Ausgaben nicht mehr aus den Steuern und Abgaben im Land finanzieren, andererseits diese Steuern und Abgaen aber auch nicht erhöhen. Von daher hatte speziell der Angriff auf Friesland auch zu einem erheblichen Anteil ökonomische Gründe.
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