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| | #1 | ||
| Mitglied Registriert seit: 07.2012
Beiträge: 158
![]() | Rückständigkeit Skandinaviens im Früh- und Hochmittelalter Rückständigkeit Skandinaviens im Früh- und Hochmittelalter fingalo hat in einem anderen Thread folgendes geschrieben: Zitat:
Was allerdings nicht unbedingt an einer allgemeinen Rückständigkeit sondern auch höchst einfach am Gelände liegen kann. Die Pferdezucht war in Norwegen Anforderungs- und Geländebedingt nicht auf die für Panzerreiter notwendigen Pferde hin ausgelegt. Darüber hinaus waren Panzerreiter in Norwegen in weiten Teilen des Landes militärisch kaum einsetzbar, aufgrund des Geländes. Zitat:
Das finde ich einen hochinteressanten Aspekt. War Skandinavien so massiv rückständig? In welchen Bereichen und warum? Was ist hier überhaupt unter Rückständig zu verstehen? Mode? Gesellschaftsstrukturen? Sozialkultur? Kunst? Technologie? Kriegsweise? Und dann wäre noch die Frage nach dem Unterschied zwischen spätem Frühmittelalter und frühem Hochmittelalter bzw Hochmittelalter zu stellen. Gerade zur klassischen „Wikingerzeit“, als der Silberhandel im Osten noch florierte und die Minen in den islamischen Gebieten noch nicht erschöpft waren, und die erfolgreichen Beutezüge Reichtum nach Hause brachten, reichten die kulturellen und technologischen Verbindungen der Skandinavier doch recht weit. Gab es hier einen Verfall ins Hochmittelalter hinein? Dann sind noch die Unterschiede zwischen den skandinavischen Gebieten zu bedenken. Aber um nur mal ein einziges Beispiel heraus zu greifen: die Normannen in der Kolonie in Grönland trugen bis in die letzten Jahrzehnte ihrer Kolonie hinein die jeweils aktuelle Mode auf dem Kontinent, selbst dann noch, als diese klimatisch gar nicht nach Grönland passte (Gugelhauben). Selbst in einer so abgelegenen Kolonie waren die Menschen zumindest modisch nicht rückständig. | ||
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| | #2 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2012
Beiträge: 158
![]() | Meiner Meinung nach war Skandinavien zumindest im Frühmittelalter in den meisten Bereichen nicht rückständig im Vergleich zum Kontinent. Im Hochmittelalter muß man meiner Ansicht nach zudem stark nach den verschiedenen Ländern differenzieren. Meiner Ansicht nach stagnierte Skandinavien teilweise im Hochmittelalter, während Kontinentaleuropa vorbei zog bzw Skandinavien abhängte. Das ist aber ein anderes Bild als das, welches die Aussage von fingalo erzeugt, dass Skandinavien immer 500 Jahre hinterher hinkte. Selbst noch mal 500 Jahre zeitlich gesehen nach hinten, in der Vendelzeit beispielsweise war Skandinavien eben nicht so isoliert wie man es sich gemeinhin vorstellt. Es gab weitreichende Kontakte zwischen den Angelsächsischen Gebieten, Friesland, Skandinavien usw Handel, Technologieaustausch. Woran also macht sich diese Rückständigkeit fest? Zu welchen Zeitpunkten trat sie wo auf? In welchen Bereichen war sie vorhanden, in welchen nicht? Und vor allem warum? |
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| | #3 | |
| Mitglied Registriert seit: 01.2011
Beiträge: 2.813
![]() ![]() ![]() | Zitat:
zum Frühmittelalter: der altenglische Beowulf erzählt seinen altenglischen Zuhörern wohl eher nicht von hoffnungslos rückständigen Helden... hatten sich nicht vorläufer der Dänen in Britannien erfolgreich angesiedelt im 7.-8. Jh.? der Vergleich britannischer und südskandinavischer Grabfunde zeigt da einige Ähnlichkeiten (Sutton Hoo) ...der Schiffsbau im 8.-11. Jh... ![]() ![]() ![]() | |
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| | #4 |
| Gesperrt Registriert seit: 06.2012 Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 157
![]() | Auch ich stimme meinen beiden Vorrednern zu. Rückständigkeit ist nicht (oder zumindest nur schlecht) objektivierbar. Zum Beispiel in puncto politische Systeme muss man den ersten isländischen Siedlern in Bezug auf "demokratisches" Denken und Handeln gegenüber dem Rest Europas ganz klar eine Vorrangstellung einräumen, zumindest wenn man zu Grunde legt, dass egalitäre Gesellschaftsordnungen einen Fortschritt zu Autoritären darstellen. Auch der Zeitraum von 500 Jahren! ist wohl mehr als übertrieben und resultiert m.E.n. daraus dass der gute fingalo zu eitel ist eine in Rage gemachte und nicht quellengestützte Aussage zu revidieren. Nur mal so als kleiner Vergleich; 500 Jahre würde die Koexistenz von postindustriellen Informationsgesellschaften zu hochmittelalterlichen Feudalstrukturen bedeuten. Das soll kein konkreter Vergleich sein, sondern nur mal darauf hinweisen mit was für Zahlen hier jongliert wird ohne Rücksicht auf Gesellschaftsdynamiken und ihre Zeiträume. |
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| | #5 |
| Mitglied Registriert seit: 09.2011
Beiträge: 162
![]() | Die Städtegründungen in Irland, Wexford, Waterford und Dublin, alle von Wikingern gegründet, deuten auch nicht gerade auf eine Gesellschaft hin, die dem Rest Europas 500 Jahre hinterhertrottelte. |
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| | #6 |
| Premiummitglied Registriert seit: 09.2009 Ort: Germania Inferior
Beiträge: 1.492
![]() ![]() | Wer hat den Chroniken im Mittelalter geführt? Mönche, also Leute welche den Antichrist beweisen wollten und auch Skandinavien nur aus 2. oder 3. Hand kannten. Was aus deren Sicht neben der Religion für die Rückständigkeit bestimmt sprach war die Tatsache das die Wikinger zum Beispiel die Kunstgegenstände, welche sie erbeutet hatten, zu Hacksilber verarbeitet hatten. Die Kunstgegenstände (z.B. die verschiedenen Tierstile) welche in Skandinavien geschaffen wurden sind kaum nach West und Mitteleuropa gekommen. Zum anderen spricht gegen die These alleine die Tatsache, das die Wikinger sich auch sehr schnell neuen Gegebenheiten angepasst haben. Bestes Beispiel ist die Normandie. Hier haben sich die Wikinger sehr schnell angepasst und haben viel gelernt. Zum Beispiel im Kriegshandwerk oder auch im Bau. Das bei den Schwerter die besten aus dem Rheinland gekommen sein sollen wird wohl mehrere Gründe gehabt haben. Zum einen Know-how. Und das wurde durch die Gilden wohl auch geschützt, so das nicht jeder an das Wissen zur Herstellung guter Schwerter kam. Und man muss auch die notwendigen Rohstoffe haben. Wo kam eigentlich das Erz in Skandinavien her und wie war die Qualität? Waren die Erzvorkommen in Kiruna schon bekannt? Weis da jemand was drüber? Apvar |
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