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| | #1 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.792
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Wer das Schwert nimmt... - ein kryptochristlicher Subtext in der Hervara Saga? Im Zuge Jesu Verhaftung durch die Tempelwache in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag, holt Petrus sein Schwert hervor, um Jesus zu verteidigen und schlägt dem Malchus (Joh. 18, 10) ein Ohr ab, Jesus ermahnt Petrus daraufhin und sagt: Steck dein Schwert wieder ein, denn wer das Schwert nimmt, der wird auch durch das Schwert umkommen. (Mt. 26, 52) (Überlieferung harmonisiert.) In der Hervara Saga wird eine Geschichte erzählt, die auf verschiedene Erzähltraditionen zurückgreift, im Prinzip wird hier eine von den Konflikten der Ost- und Westgoten und Hunnen bis ins hohe skandinavische Mittelalter ein roter Faden gesponnen, wenn man so will über die Völkerwanderungszeit über die Vendelzeit bis in die Wikingerzeit. Verbindendes Element all der Elemente der Erzählung ist das magische Schwert Tyrfing (worin die Terwingen, aus denen später die Visi/Westgoten wurden wiederzuerkennen sind, in der Person Greutung die Greutungen). Die Magie des Schwertes Tyrfing besteht darin, dass es wann immer es gezogen wird, einen Tod verursacht. Es macht seinen Träger im Kampf unbesiegbar, aber wehe man zieht es ohne Tötungsabsicht! Denn wenn man niemanden töten möchte, dann sollte man das Schwert auch nicht ziehen, denn irgendwer stirbt immer, im Zweifel der Besitzer des Schwertes selbst. Irgendwann gerät das Schwert zu Heiðrek, der es von seiner Mutter erbt. Heiðrek, der sich im Rätselwettstreit mit Gestumblindi befindet, bemerkt irgendwann, dass sich unter der Maske des Gestumblindi tatsächlich Oðin steckt und zieht erbost sein Schwert, um nach Oðin zu schlagen. Dieser aber kann sich in einen Falken verwandeln und kommt davon, was gewissermaßen Heiðreks Todesurteil ist. Meine zur Diskussion gestellte Hypothese dürfte an dieser Stelle offensichtlich sein: Haben wir es hier, im Gewand einer heidnischen Sage mit einer kryptochristlichen Botschaft ("wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen") zu tun? Oder ist die Hypothese zu steil?
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! |
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| | #2 |
| Mitglied Registriert seit: 04.2010 Ort: Nähe Wolfenbüttel
Beiträge: 1.806
![]() | Ich würde das als zu weit hergeholt ansehen. Eher ist es so, das er seinen Tod durch den Regelverstoß auf sich zieht. Denn eine Tötungsabsicht gegenüber Odin bestand ja, er wollte den Gegner töten, weil er den Wettstreit nicht gewinnen konnte. Was aber nun gegen die Regeln ist und den Gott beleidigt. Denn einen Geisteswettstreit mit dem Schwert zu beenden, weil man nicht verlieren kann, ist grob unehrenhaft. Da hilft dann auch keine noch so mächtige Waffe
__________________ Was ein Mensch denken kann , passiert irgendwann Murphy |
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| | #3 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.792
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Es ist aber nicht Heiðrek, der den Regelbruch begeht, sondern es sind Gestumblindi und Oðin, welche diesen begehen. Gestumblindi, indem er, um seinen Hals zu retten Oðin in seiner Gestalt ins Rennen schickt, und Oðin, nachdem Heiðrek alle seine Rätsel löst, indem er Heiðrek eine Frage stellt, die eben kein Rätsel ist, sondern eine Wissensfrage, die nur Oðin selbst beantworten kann. Du hast aber in dem Punkt recht, dass Oðin dem Heiðrek den Tod voraussagt, weil dieser mit dem Schwert nach ihm geschlagen habe. Hier ist die Geschichte ein wenig unlogisch, Heiðrek muss sterben, da Tyrfing einen Tod verlangt und es Oðin gelang zu entkommen. Auf der anderen Seite ist die Geschichte so überliefert, als sei der Tod Heiðreks ein Urteil Oðins nach dem Angriff.
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! Geändert von El Quijote (29.06.2012 um 18:25 Uhr). |
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| | #4 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Österreich
Beiträge: 5.755
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Ich glaube auch nicht an einen Zusammenhang, das ist mir zu weit hergeholt. Übrigens ist das Schwert, das, wenn es gezogen wurde, töten muss, topisch: Dieselbe Eigenschaft hat das Schwert Dainsleif von König Högni in der Sage um Hedin und Hild. Hedin entführte Hild in der Abwesenheit ihres Vaters Högni, der sie verfolgte und einholte. Während Hedins Heer lagerte, ging Hild ihrem Vater entgegen und bot ihm in Hedins Namen Frieden und einen Halsring als Versöhnung an, fügte aber hinzu, dass Hedin auch zum Kampf bereit sei. Högni lehnte schroff ab. Beide Seiten stellten ihre Heere auf. Hedin, der friedfertiger war, bot seinem Schwiegervater viel Gold als Buße, um den Kampf zu vermeiden, doch Högni erwiderte, dass es zu spät sei, denn er habe sein Schwert Dainsleif bereits gezogen, und es ließe sich nicht eher wieder in die Scheide stecken, als bis es einen Menschen getötet habe, außerdem seien die Wunden, die es schlage, unheilbar. Ich bezweifle, dass all diese Schwerter auf die eine Stelle bei Matthäus zurückzuführen sind. Eher wird es sich wohl um einen nordischen Topos handeln. Ich frage mich auch, ob ausgerechnet die von Dir zitierte Stelle den Nordmännern in dieser Prägnanz überhaupt vermittelt wurde und zu Bewusstsein gelangte. Eigentlich besagt die Stelle ja nur, dass, wer Gewalt anwendet, durch Gewalt umkommen wird. Zum Vergleich: Im "Heliand" wird die Stelle in ihrer sinngemäßen Bedeutung wiedergegeben. Die Sachsen haben also kapiert, worum es ging. Wieso sollten da die Nordgermanen die Stelle so missverstehen, dass es um das Ziehen des Schwertes aus der Scheide geht? Natürlich kann man es nicht ausschließen, aber mir sind das zu viele Wenns: Die Nordgermanen müssten ausgerechnet das Matthäusevangelium vermittelt bekommen haben, die Stelle missverstehen und dann, dadurch inspiriert, in ihre eigenen Sagen derartige Schwerter einbauen. |
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| | #5 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.792
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Dass es sich um einen Topos der skandinavischen Literatur handelt, halte ich für plausibel. Dáinsleif und Týrfing haben tatsächlich dieselben magischen Eigenschaften. Allerdings bin ich - Hypothese hin oder her - gar nicht von einem Miss- oder Unverständnis des Matthäus-Evangeliums ausgegangen, dass es notwendig gemacht hätte, diesen Satz in eine eigene Geschichte zu kleiden, um den Skandinaviern ihn begreiflich zu machen. Ihn begreiflich zu machen, das halte ich in der Tat für nicht notwendig. Nichtsdestotrotz wird Moral immer wieder in Geschichten gekleidet, ja die meisten Geschichten - selbst wenn dies unbewusst geschieht - haben im Kern eine Moral und sei diese noch so versteckt. Ein Anliegen, welches der Verfasser mit der Geschichte hat. Wenn wir selbst unsere eigenen Erlebnisse für berichtenswert halten, dann sind es ganz häufig Geschichten, die von Verhaltensweisen - positiv oder negativ berichten.
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| | #6 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Österreich
Beiträge: 5.755
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Dass Waffen übernatürliche Eigenschaften zugeschrieben werden, ist natürlich auch nicht auf die nordische Literatur beschränkt, sondern kommt in den Mythologien verschiedener Völker vor. Ich verweise z. B. auf den Speer des Achilleus, mit dem er den Telephos verwundete. Telephos' Wunde konnte nur durch eben diesen Speer wieder geheilt werden, indem mit ihm die Wunde berührt oder von ihm stammender Rost in die Wunde gestreut wurde. |
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