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Alt 17.06.2015, 06:36   #21
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Solwac ist ein sehr geschätzer MenschSolwac ist ein sehr geschätzer Mensch
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Köbis17 Beitrag anzeigen
Da stellt sich die Frage nicht des Wollens, sondern des Könnens.
Von was wollte die DDR die Kredite zurückzahlen? Zumindest wurde nach 1989 vom Westen suggeriert, die DDR war Pleite.
Naja, es gibt Pleite und Pleite.

Die DDR hatte wettbewerbsfähige Produkte für den Weltmarkt und damit eine Grundlage für die Bedienung der internationalen Schulden. Wie bei anderen Ländern auch (oft durch Abwertung der Währung), konnte die Binnenwirtschaft ausreichend vom Außenhandel abgegrenzt werden um nach außen bei allen Problemen nicht zahlungsunfähig zu werden.

Allerdings wurde das Exportgeschäft mit sehr viel (zu viel) Aufwand betrieben, d.h. Ressourcen wurden verwendet, die sonst der Gesellschaft zur Verfügung gestanden hätten. Da der Konsum aber nicht eingeschränkt werden sollte (politischer Wille um die Zufriedenheit der Leute nicht weiter sinken zu lassen), führte dies zu ungenügender Investition, Ausbeutung der Umwelt mit großen Schäden und zum steigenden Verschleiß der Infrastruktur.

Der Milliardenkredit hat diese strukturellen Probleme nicht können, aber auch nicht sollen. Er diente zur Überbrückung eines Liquiditätsengpasses, da die geringeren (subventionierten) Öllieferungen der UdSSR ab 1982 empfindliche Auswirkungen auf die Petrochemie und die Exportgeschäfte in den Westen hatte.
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Alt 17.06.2015, 07:53   #22
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silesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblick
Zitat:
Solwac Beitrag anzeigen
.Der Milliardenkredit ... diente zur Überbrückung eines Liquiditätsengpasses, da die geringeren (subventionierten) Öllieferungen der UdSSR ab 1982 empfindliche Auswirkungen auf die Petrochemie und die Exportgeschäfte in den Westen hatte.
Das wird in Teilen der Literatur (je nach "Ausrichtung", siehe zB Uni Bremen) so geschildert, aber auch konträr.

Tatsächlich stiegen die Exporte der DDR von 1979 bis 1985 von 12 auf 24 Mrd. Valutamark, (etwa 1:4 zum US-$).

Der Ölpreisrückgang 1981:83 kostete die DDR bei einem Export von umgerechnet rd. 10 Mio. Barrel bei einem Preisverfall von 10 US$ rd. 100 Mio, entsprechend 400 Mio. VM. Das waren etwa 2 % der DDR-Exporte, wenn man die Wirkungen auf die Zahlungsbilanz messen will, also vernachlässigbar unter dem Kriterium "Krisentreiber".

Weit problematischer war dagegen die westliche Rezession zu Beginn der 1980, da "gegen den Trend" diese NSW-Exportsteigerungen erwirtschaftet werden müssten (und sich gegenläufig NSW-Importe auch wegen der Rezession, aber auch wegen Aufwertung der Valutamark seit 1974 verbilligten).

Kausalitäten zum Öl/DDR sind da mE im Hinblick auf Handels- und Zahlungsbilanz schwer zu stricken.
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Alt 17.06.2015, 09:22   #23
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Zitat:
silesia Beitrag anzeigen
Der Ölpreisrückgang 1981:83 kostete die DDR bei einem Export von umgerechnet rd. 10 Mio. Barrel bei einem Preisverfall von 10 US$ rd. 100 Mio, entsprechend 400 Mio. VM. Das waren etwa 2 % der DDR-Exporte, wenn man die Wirkungen auf die Zahlungsbilanz messen will, also vernachlässigbar unter dem Kriterium "Krisentreiber".
Äh, die DDR verkaufte doch kein Rohöl.
Aus der Sowjetunion wurden nur 17 statt 19 Mio. Tonnen Rohöl weniger zu Vorzugspreisen geliefert (entspricht gut 12 Mio Barrel). Und diese Vorzugspreise lagen für kurze Zeit sogar über dem Weltmarktpreis (der Vorzugspreis wurde aus dem Durchschnitt des Weltmarktpreises über fünf, später drei Jahre gebildet) als der Rohölpreis drei Jahre nach dem zweiten Ölpreisschock stark sank.

Die DDR baute so von 1975 bis 1983 12 Mrd. Transferrubel an Schulden auf.

Ich weiß nicht, welche Erlöse die Kombinate in Schwedt und Leuna im Westen erzielen konnten, aber wenn eine Mrd. DM ausreichend zur Liquiditätsverbesserung waren (inkl. der psychologischen Komponente), dann zeigt dies doch den Schlag, den die DDR durch Ölpreis und Veränderungen im RGW-Ölhandel erlitten hat.
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Alt 17.06.2015, 10:35   #24
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Zitat:
Solwac Beitrag anzeigen
Äh, die DDR verkaufte doch kein Rohöl. [1]
...

Die DDR baute so von 1975 bis 1983 12 Mrd. Transferrubel an Schulden auf.[2]
1. Deshalb schrieb ich "umgerechnet" 10 Mio. Barrel, und das war auf den devisenrelevanten NSW-Export bezogen. Nur dieser ist relevant für die Kapitalverkehrsbetrachtungen bzw. Segmente der DDR-Zahlungsbilanz mit NSW-Bezug. Das "umgerechnet" bezog sich auf die NSW-Exporte der DDR an Mineralölprodukten, die in der Handelsbilanz unter Posten wie Kraftstoffe und anderen Raffinerie-Mineralölprodukten der Weiterverarbeitung verschleiert wurden. Unmittelbar und mittelbar (über Produkte der Weiterverarbeitung) exportierte die DDR Mineralöl, und beschaffte sich hierdurch harte Devisen und deckte hierdurch NSW-Importe.

2. Importen aus dem RGW, Transferrubelbilanzen bzw. Segmenten der Zahlungsbilanz mit RGW-Außenhandel haben vernachlässigbare Auswirkungen auf Devisenprobleme der DDR im NSW-Bereich. Im Prinzip war es hierfür egal, wie der XTR-Saldo steht, oder wie die RGW-Handelsbilanzergebnisse aussehen. Das hatte nur Bedeutung, soweit das auf die NSW-Handelsbilanzen durchgeschlagen ist, und dieser Durchgriff ist an den NSW-Handelsbilanzen bzw. Kapitalverkehrsströmen direkt ablesbar.

XTR-Schulden spielen also hier keine Rolle.

Schließlich sind industrielle Auswirkungen der verminderten Rohölimporte aus der SU auf die NSW-Exporte (für die NSW-relevanten Teile der Zahlungsbilanz) nicht zu sehen. Vielmehr - siehe oben - steigerte die DDR die NSW-Exporte kontinuierlich (natürlich zu nicht die Herstellungskosten deckenden Preisen, aber das ist ein Frage des Aufwandes und letztlich eines "Konsumverzichts" im Inland. Kreditierungen sollte dieses abschwächen, bzw. die Inlandsversorgung durch NSW-Importe verbessern).
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Alt 17.06.2015, 10:50   #25
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Solwac ist ein sehr geschätzer MenschSolwac ist ein sehr geschätzer Mensch
Die Importe aus der Sowjetunion hatten insofern eine direkte Auswirkung auf die Devisenwirtschaft, wie die geforderten Gegenleistungen qualitativ zunahmen. Die geforderte Qualität auf Weltmarktniveau verringerte den Spielraum der DDR für eigene Exporte gegen Devisen. Dies betraf zuerst "nur" Industrieprodukte, später Ausrüstungsgegenstände und (ab 1984) auch Lebensmittel.

Die Beschaffung von Devisen war natürlich bilanziell davon unabhängig, das stimmt.
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Alt 17.06.2015, 13:28   #26
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Ralf.M ist ein sehr geschätzer MenschRalf.M ist ein sehr geschätzer Mensch
Wenn ich dazu etwas bemerken darf.

Eine Begründung oder Begründungen warum man Kredit (e) benötigt, daran mangelt es meistens nicht. Auch nicht in der heutigen Zeit wie wir erleben.

Interessanter sind ja bei Krediten die Besicherung und die Tilgung incl. Zinsen (Zeit, Höhe).

Begründungen wurden uns damals genannt. Diese sind fast Deckungsgleich mit dem was hier im Moment diskutiert wird.

Allerdings, nichts haben wir zur Besicherung gehört. Es gab da wohl wilde Spekulationen die keiner bestätigte. Eine nenne ich mal, Gemäldegalerie (oder Teile) Dresden.

Und auch nichts haben wir zur Tilgung incl. Zinsen gehört.
Es wird ja wohl einen Tilgungsplan gegeben haben.
Vielleicht hat der sogar funktioniert.
Merkwürdig war aber, in der Folgezeit hat sich die Versorgungslage (Investitionsgüter und Konsumgüter) immer mehr zuspitzte, verschlechtert.

Es gibt tausende Beispiele dazu.
Hier mal ein recht simples Beispiel.
Im Moment ist Erdbeerenzeit.
Die DDR hat große Erdbeerenfelder und gute Erträge, brauchte also keine Importe, auch nicht von ihren Brüdern (von denen kam sowieso nichts).
Der Handel (HO und Konsum) handelte dies, hatte es aber nie in ausreichenden Mengen, war in der Saison Bück- und Mangelware bzw. Beziehungsware (Beziehungsware = kennen des Verkäufer oder des Verkaufsstellenleiter). Es gab das System der Selbstpflücker, wer es nutzte oder nutzen konnte hatte was.
Von Spargel will ich erst gar nicht schreiben. Suppenspargel war das ganz große Los. Dieser Suppenspargel war zur Saison wie ein Weihnachtsgeschenk.
Will auch nichts zu Edelfleisch und Edelgemüse sowie Edelkonserven und Bezugsscheine für Familien wo eine Jugendweihe angestanden hat schreiben.

Bitte nicht übel nehmen. Ich könnte auch andere Beispiele nennen, Beispiele die sicher nicht ganz so simpel sind.
__________________
Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben“.
Theodor Fontane 1819 - 1898

Geändert von Ralf.M (17.06.2015 um 13:43 Uhr).
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