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| | #81 | ||
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2004 Ort: Ostfalen
Beiträge: 7.474
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Man muss aber hinzufügen, dass anders als beispielsweise im christlichen Spanien kaum gewaltsame Bekehrungen erfolgten und die ohnehin brüchige byzantinische Herrschaft in Vorderasien und Nordafrika von den betroffenen Völkern und Stämmen vielfach abgelehnt wurde, da byzantinische Steuereintreiber die Bevölkerung oft aufs Blut auspressten. Somit wurden die Araber sogar zuweilen als Befreier vom byzantinischen Joch begrüßt, denn die Kopfsteuer (Dschizya), die die nichtmuslimischen Schutzbefohlenen (Dhimmi)zu entrichten hatten, war niedriger als die vormaligen byzantinischen Steuerleistungen. Zudem besaß der Islam für viele eine große Anziehungskraft, ganz abgesehen davon, dass eine Konversion auch von allen Einschränkungen des Dhimmi befreite und ein problemloser Aufstieg innerhalb der staatlichen Hierarchie möglich war. Das sind die Gründe, die zu einer erstaunlich raschen Islamisierung der vormals christlich-byzantinischen Gebiete in Vorderasien und Nordafrika und auch zu einem Sprachwechsel führten. So gaben die Ägypter ihre uralte Sprache auf, sodass etwa 200 Jahre nach der Eroberung nur noch ein ganz kleiner Teil die ägyptische Sprache bewahrt hatte - die Kopten - , während die große Mehrheit zum Arabischen übergegangen war. Das lag sicher daran, dass Arabisch die Sprache der Sieger war und bald auch die Sprache der staatlichen Verwaltung bzw. Administration. Dass dieses Szenarium nicht in allen von den Muslimen eroberten Gebieten Gültigkeit hatte, zeigt u.a. Persien, wo der überwiegende Teil der Bevölkerung bei der persischen Sprache blieb, ganz abgesehen davon, dass sich dort die schiitische Form des Islam gegenüber der sunnitischen durchsetzte. Zitat:
Das halte ich in der Tat für zu gewagt. Immerhin liegen zwischen der Expansion des Islam in Vorderasien und dem Ersten Kreuzzug rund 450 Jahre, sodass Ursache und Wirkung weit auseinanderklaffen. Ausgelöst wurde die Kreuzzugsbewegung erst, als die Päpste den Zugang zu den Heiligen Stätten in Jerusalem und Palästina gefährdet sahen und der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos mehrere Hilfegesuche an das christliche Europa richtete, da er sein Reich von den türkischen Seldschuken aufs stärkste bedroht sah. Geändert von Dieter (12.08.2011 um 13:23 Uhr). | ||
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| | #82 | |
| Mitglied Registriert seit: 10.2011
Beiträge: 168
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Naja, eher durchgesetzt wurde. Ab etwa 1500 stellten die turkmenischstämmig - schiitischen Safawiden, die neue Herrscherdynastie Persiens, die Bevölkerung vor die Wahl, die Konfession zu wechseln, oder aber auszuwandern (bestenfalls). So wurde die Schia in relativ kurzer Zeit mit Gewalt durchgesetzt, verbliebene sunnitische Gruppen wie die Kurden zwangsumgesiedelt. Somit bildet Persien das extreme Gegenteil zu Ägypten, wo die fatimidischen Machthaber den Vorrang der Schia durchgesetzt hatten, bevor die kurdischen Ayyubiden unter Saladin die Sunna zwangsdurchsetzten. | |
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| | #83 | |
| Mitglied Registriert seit: 06.2004
Beiträge: 80
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| | #84 | |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.817
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Urban II. hat unter Gregor VII. Karriere gemacht. Allerdings geht dies in die falsche Richtung. Bis Urban II. seine Verwandten zum Kreuzzug aufrufen konnte - es gibt einen Grund, warum er das in Südfrankreich tat, er kam selbst aus der Gegend und hatte seine Verbindungen dort - musste die Kirche erst eine lange Genese durchmachen, um von der pazifistischen Religion über den ciceronisch durch Augustinus verchristlichten gerechten Krieg hin zu einer bewaffneten Pilgerfahrt zu kommen. Gerade im 10. und 11. Jahrhundert gab es einige einschneidende Ereignisse, die diese Wandlung möglich machten, wie die Gottesfriedensbewegung auf der einen Seite, aber auch das Ausgreifen christlich-normannischer Herrscharen auf Spanien und Italien, wo sie zu Lehnsmännern des Papstes wurden.
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! | |
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| | #85 | |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Österreich
Beiträge: 5.757
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Die Kreuzzugsbewegung kam also nicht aus dem Nichts, die Idee eines religiös verbrämten Feldzugs gegen die Moslems entstand schon Jahrzehnte vorher. | |
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| | #86 | |||
| Mitglied Registriert seit: 06.2006
Beiträge: 1.401
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Zitat:
Zitat:
__________________ "...aber ich begehre noch lange nicht Eure Gebeine als heilige Reliquie zu küssen." (Joinville zu dem im Staube sitzenden König) | |||
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| | #87 |
| Mitglied Registriert seit: 10.2011
Beiträge: 168
![]() | Inwiefern waren den Kreuzfahrern die inneren Streitigkeiten der islamischen Reiche bekannt? Bereits bei einem Blick auf die Landkarte hätten sie sich denken müssen, dass ein Angriff auf Jerusalem, noch dazu auf dem Landweg, eine Wahnsinnstat gewesen sein muss. |
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| | #88 | ||
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2008 Ort: bei München
Beiträge: 492
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Zitat:
, waren damals nich so genau. Trotzdem waren zumindest die benachbarten verschiedenen Erdteile halbwegs bekannt, so dass man sich über die enormen Entfernungen schon seine Gedanken machen konnte.Außerdem, wo Gott selbst ein gewisses Opfer verlangt, da wird man kaum vor ein paar Widrigkeiten zurückschrecken wollen... Viele Grüße Bernd
__________________ Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare. | ||
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| | #89 |
| Mitglied Registriert seit: 01.2009
Beiträge: 1.180
![]() | Für viele zweit- oder drittgeborenen Söhne war es doch die einzige Möglichkeit an Land und damit an ein Lebenseinkommen zu gelangen. Da stören auch einige Probleme bei der Reise nicht. |
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| | #90 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.817
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Ja, das stand mal als Motiv für die Kreuzfahrer im Raum, ist aber inzwischen ad acta gelegt. Bei der Überprüfung, wer als Kreuzfahrer in den Orient zog, hielt die These nicht stand.
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| | #91 | |
| Premiummitglied Registriert seit: 12.2004 Ort: Ostfalen
Beiträge: 7.474
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Immerhin erreichten die Kreuzfahrer kurzfristig ihr Ziel, die Muslime aus Jerusalem zu vertreiben und die Stätten der Christenheit zu besetzen. Allerdings waren das bekanntlich nur vorübergehende Erfolge, denn auf Dauer ließ sich der schmale Landstrich an der Ostküste des Mittelmeers gegenüber den angrenzenden islamischen Herrschaften militärisch nicht halten. Man muss sich wundern, dass die Kreuzfahrerstaaten - bei schrumpfender Tendenz - überhaupt rund 200 Jahre überdauerten. | |
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| | #92 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Österreich
Beiträge: 5.757
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Allerdings weniger vom militärischen Aspekt als mehr von der Versorgungslage her. Dass die Eroberung Syriens und Palästinas möglich war, hatte im späten 10. Jhdt. der byzantinische Kaiser Johannes Tzimiskes gezeigt, der Syrien eroberte und bis kurz vor Jerusalem kam. (Allerdings umfasste zu seiner Zeit das byzantinische Reich noch Kleinasien, das zu Beginn des Ersten Kreuzzuges fast vollständig in islamischer Hand war, sodass die Kreuzfahrer dort schon zu kämpfen hatten.) Dennoch, militärisch wurden die Kreuzfahrer am Ersten Kreuzzug mit ihren Gegnern recht gut fertig, ihr Hauptproblem war die Versorgung mit Lebensmitteln und sonstigem Nötigen. Auf die jahrelange Versorgung eines für die damaligen europäischen Verhältnisse ziemlich großen Heeres war man nicht adäquat vorbereitet. |
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