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Alt 17.02.2013, 11:39   #1
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geschichte2013 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Entstehung der Sowjetunion - Befreiung von Not und Unterdrückung?

Hallo,
ich muss ein Referat über die Entstehung der Sowjetunion halten. Das Referat beinhaltet eine Leitfrage, die folgendermaßen lautet: Die Entstehung der Sowjetunion - die Befreiung des russischen Volkes von Not und Unterdrückung ?
Kann mir einer helfen bei der Beantwortung der Frage ? Oder ein paar nützliche Links schicken , mit denen ich mir die Antwort selbst erarbeiten kann ?

Vielen Dank
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Alt 17.02.2013, 14:03   #2
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Hi,

am besten überlegst du dir mal, aus welchem Anspruch heraus die SU gegründet worden ist.
Wenn du das gemacht hast, recherchierst du zu folgenden Themen:
- Kollektivierung
- Kolchose
- Sowjose
- Kulaken
- Menschewiki
- Machno-Bewegung
- Holodomor
- NKWD
- GULAG
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Alt 20.02.2013, 12:35   #3
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steffen04 ist ein sehr geschätzer Menschsteffen04 ist ein sehr geschätzer Mensch
Es gibt ein Spiegel Special Geschichte 4/2007: Experiment Kommunismus -Die russische Revolution und ihre Erben.

Dab geht es immer wieder auch um die Bewertung der Revolution / Kommunismus / Sowjetunion. Etwa in der "Bilanz" von Alexander Solschenizyn oder einem Streitgespräch zwischen den Historikern Buldakow und Gorinow.

Müsste für ein Referat dicke reichen.

Ansonsten: Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 - 1924. Der Titel nimmt ein Stück weit die Antwort auf deine Leitfrage vorweg.
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Alt 20.02.2013, 14:21   #4
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Zitat:
geschichte2013 Beitrag anzeigen
Die Entstehung der Sowjetunion - die Befreiung des russischen Volkes von Not und Unterdrückung ?
Die Formulierung des Themas ist ähnlich wie die beim DDR-Thema m.E. mehr als unglücklich gewählt und es ergeben sich für mich gewisse Parallelen.

Es hätte völlig ausgereicht, nach den Ursachen, dem Anspruch der Akteure, dem Verlauf und seinen Konsequenzen zu fragen. Damit hätte man sich mit dieser neutraleren Vorgehensweise bereits ein "analytisches" Konzept füür die Analyse geschaffen.

Da nach der Entstehung der Sowjetunion primär gefragt wird, sind eine Reihe von bereits gefallenen Begriffen m.E. nicht zielführend. Sie verweisen auf Perioden, die nach der zweiten Revolution, der "Stalinistischen Revolution von oben" ca. 1928, liegen.

Es wurde bereits auf Figes verwiesen und vor diesem Hintergrund sind die Veränderungen für die Masse der sowjetischen Bevölkerung von 1921 bis 1928 in einer Reihe von Aspekten als Verbesserung gegenüber dem Zarenreich anzusehen.

Für die ländliche Bevölkerung bedeutete es begrenzten Reichtum aufgrund der Landnahme und aufgrund der Möglichkeit den Überschuss zu handeln und für die städtische Bevölkerung ebenfalls eine Verbesserung der Lebensverhältnisse, da sich die Arbeits- und Einkommensverhältnisse verbesserten.

Es ist jedoch auch anzumerken, dass während der Phase des Kriegs-Kommunismus (bis 1921) die Bolschewiken primär um ihr politisches Überleben gekämpft haben. Diese Bedrohung ergab sich sehr unmittelbar auch durch die erfolgreichen (in Petrograd: vgl. Rabinowitsch) und die nicht erfolgreichen wie im Fall von Lenin.

The Bolsheviks in Power: The First Year of Soviet Rule in Petrograd - Alexander Rabinowitch - Google Books

Zusätzlich wurde der Bürgerkrieg in den grossen Städten, wie beispielsweise in Petrograd (vgl. Rabinowitch) durch die revolutionäre Bevölkerung auch als "konterrevolutionäre Bedrohung" wahrgenommen, verstärkt auch durch eine beginnende, gleichgeschaltete Presse. Und verstärkte die teils bereits als paranoid anmutenden Formen der Aktionen und Reaktionen der beteiligten Bürgerkriegsparteien.

Russischer Bürgerkrieg ? Wikipedia

Allied intervention in the Russian Civil War - Wikipedia, the free encyclopedia

Kriegskommunismus ? Wikipedia

Dabei haben sich die politischen und ökonomischen Mittel zur Durchsetzung der politischen Ziele zwischen "Roten" und "Weißen" nicht wesentlich unterschieden (vgl. z.B. Nove).

An Economic History of the U.s.s.r. - Alec Nove - Google Books

Neue Ökonomische Politik ? Wikipedia

Vor diesem Hintergrund und auch als Ergebnis dieser Anfangsphase ist auch die relativ liberale Phase der RR im Zuge des NEP bis 1928 auch immer ein repressives System der Herrschaft gewesen, das sich seiner Schwäche im Bereich der politischen Legitimation seiner Herrschaft durchaus bewußt war, wie Suny es im folgenden Reader darstellt.

Beyond Totalitarianism: Stalinism and Nazism Compared - Michael Geyer, Sheila Fitzpatrick - Google Books

In diesem Sinne war die Entstehung der Sowjetunion 1917 im Rahmen der RR eine einschneidende Veränderung für Russland. Diese Veränderungen werden als sozialer Modernisierungsprozeß begriffen.

Allerdings bedeutete dieser Prozess der Modernisierung nach 1928, im Rahmen der sehr brachialen Vorgehensweise bei der Industrialisierung von Stalin, für Millionen von Russen auch Elend, Hunger, Vertreibung, Verfolgung und Tod (vgl. Holodomor).

Diese Entwicklung zur Industrialisierung ist jedoch auch in dem Kontext der zunehmenden Militarisierung der Sowjetunion zu sehen. Eingebettet ist diese Tendenz in die Formulierung und die Umsetzung des ersten Fünfjahresplanes.
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Geändert von thanepower (20.02.2013 um 14:40 Uhr).
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Alt 20.02.2013, 16:17   #5
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Zitat:
thanepower Beitrag anzeigen
Die Formulierung des Themas ist ähnlich wie die beim DDR-Thema m.E. mehr als unglücklich gewählt und es ergeben sich für mich gewisse Parallelen.
Das möchte ich vollinhaltlich unterschreiben.

Zur Fragestellung: Die Sowjetunion hat nicht das Zarenreich abgelöst. Der Oktoberrevolution ging von 1905 bis in den WWI hinein die Duma-Monarchie voraus. In den Kriegsjahren wurde Zar und Autokratie weitgehend entmachtet. Im September 1917 hat Kerenski Russland zur Republik erklärt.

Die Sowjets haben also nicht ein zerfallendes mittelalterliches Regime
beseitigt, sondern ein junges republikanisches Experiment. Von einer wie auch immer definierten Befreiung kann also keine Rede sein. Von wem auch? Von der Duma? Den Menschewiki? Kerenski?

Figes, nach meiner Erinnerung aber auch Davies, kritisieren immer wieder die auf die Fragestellung "Zar oder Woschd" verkürzte westliche Sichtweise. In Montefiors "Der Junge Stalin" werden die Ereignisse des Oktobers 1917 auch sehr schön beschrieben

Auch wenn der Pauker von Geschichte1913 nicht über den Dualismus Zarentum-Sowjetmacht hinausgedacht hat, könnte der Junge sich in seinem Referat davon freischwimmen.
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Alt 21.02.2013, 13:13   #6
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Dackelhasser befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Erst mal ist die Überschrift meines Erachtens nicht so schlecht gewählt. Zwar gab es natürlich vor der Bolschewistischen Revolution eine bürgerliche, aber das russische Volk litt natürlich Not. Das lag zum einem am 1. Weltkrieg aber vor allem an den rückständigen Verhältnissen in weiten Teilen des Landes. Da gab es Grund genug, die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse radikal zu verändern. Deshalb wohl hat die sozialistische Fraktion im Bürgerkrieg gegen zahlreiche Widerstände der "Weißen" und ausländischer Interventionen die Oberhand gewonnen.
Dass aus dieser Revolution später eine brutale Diktatur werden sollte, war anfangs sicher nicht absehbar.
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Alt 21.02.2013, 15:04   #7
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Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
Von einer wie auch immer definierten Befreiung kann also keine Rede sein. Von wem auch? Von der Duma? Den Menschewiki? Kerenski?
Nach eigenem Verständnis war der Kommunismus, dessen Vorstufe der in der Sowjetunion aufgebaute Sozialismus darstellen sollte, die Befreiung des Menschen von der Ausbeutung durch den Menschen.
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Die anständigen Menschen arbeiten um des Ruhmes und des Geldes willen. Die unanständigen wollen die Welt verändern und die Menschen erlösen.
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Alt 21.02.2013, 15:53   #8
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Treibsand hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
Zitat:
Rurik Beitrag anzeigen
Nach eigenem Verständnis war der Kommunismus, dessen Vorstufe der in der Sowjetunion aufgebaute Sozialismus darstellen sollte, die Befreiung des Menschen von der Ausbeutung durch den Menschen.
Diese mMn auf einen Aspekt, nämlich die Anhäufung von Werten in privatem Besitz
von Einzelpersonen ( damals als Kapitalisten, Kulaken, Adlige personifiziert ) abstellende
Aussage wurde sogar in den meisten Fällen
der nachfolgenden Kaderparteidiktaturen erfüllt .
( Ich sehe da zB. Ceaucescu als Ausnahme )
Letzendlich waren die Aspekte der Selbstversorgung ( Wandlitz,Datschen,
Jagdsitze, Autos,Urlaube) der Funktionärscliquen doch wirklich
marginal.
Da gibt es in vielen Strukturen ( Konzerne,Regierungen) wesentlich
hochwertigere Einrichtungen.....

Die Ausbeutung fand jedoch weiter statt, auch wenn das geleugnet
wird.
Die Abgeltung der Arbeitsleistung im "sozialistischen Staat" war, wenn man
mal die Grundversorgung weglässt, vielen "kapitalistisch"
verfassten Wirtschaften unterlegen, was Kaufkraft und Konsum-Möglichkeiten betrifft.

Nicht zuletzt trug auch dieser Widerspruch zum Abkippen des
"sozialistischen Lagers" ab den 80èrn bei.
Treibsand ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.02.2013, 16:10   #9
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Zitat:
Treibsand Beitrag anzeigen
Nicht zuletzt trug auch dieser Widerspruch zum Abkippen des "sozialistischen Lagers" ab den 80èrn bei.
Mal dahingestellt, ob dieser Widerspruch tatsächlich in einer Kausalkette zum "Abkippen" des Sozialistischen Wirtschaftsraumes gesehen werden kann, oder das Abkippen etwas einfacher in den ökonomischen und politischen Umständen unmittelbar zu suchen ist:

Der Beitrag von treibsand weist interessanterweise auf einen weiteren (verdeckten) Widerspruch hin, indem einer "Ausbeuterschicht" verneint wird bzw. als vernachlässigbar dargestellt wird, andererseits aber weiter von einer vor sich gehenden Ausbeutung die Rede ist. Nur ein scheinbarer Widerspruch?

Der Zusammenhang zwischen Staatsterror bzw. staatlicher Unterdrückung und Verfolgung auf der einen Seite und - platt gesagt: - Unproduktivitäten oder ökonomischen Nachteilen auf der anderen Seite (was man als Auflösung dieses zweiten Widerspruchs interpretieren könnte) ist Gegenstand diverser empirischer Untersuchungen in der Wirtschaftshistorie.

Hier mal ein Beispiel:
White, Socialist Economic Development and State Terrorism in the Soviet Union, Positionspapier und empirische Analysen 2011:
http://polisci.indiana.edu/undergrad...eses/White.pdf
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In der Theorie sind Theorie und Praxis das Gleiche. In der Praxis sind sie es nicht (Yogi Berra). Der Unterschied ist Unsicherheit (Stephen Ross).

Geändert von silesia (21.02.2013 um 20:12 Uhr).
silesia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2013, 19:10   #10
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geschichte2013 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
ich bin euch echt dankbar, dass ihr zu meinem Thema so viel schreibt, doch um ehrlich zu sein, versteh ich nicht so viel von dem, was ihr da schreibt... ich geh in die 8.Klasse da kenn ich einige dieser ganzen Begriffe gar nicht.
Vieleicht könnt ihr es mir einbisschen leichter erklären ? - Das wäre super nett !

PS: Das Thema und die Leitfrage hab ich selbst nicht gewählt, beides wurde mir von meinem Lehrer vorgegeben.
geschichte2013 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2013, 19:24   #11
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Hi,

hast du die Begriffe, die ich dir zu recherchieren aufgetragen habe recherchiert?
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Alt 25.02.2013, 08:45   #12
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Zitat:
geschichte2013 Beitrag anzeigen
ich bin euch echt dankbar, dass ihr zu meinem Thema so viel schreibt, doch um ehrlich zu sein, versteh ich nicht so viel von dem, was ihr da schreibt... ich geh in die 8.Klasse da kenn ich einige dieser ganzen Begriffe gar nicht.
Vieleicht könnt ihr es mir einbisschen leichter erklären ? - Das wäre super nett !

Entstehung der Sowjetunion in der achten Klasse? Respekt und Verwunderung. Da solltet ihr eigentlich noch mit dem Übergang vom Mittelalter in die Moderne beschäftigt sein, oder?
steffen04 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.02.2013, 08:59   #13
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
Entstehung der Sowjetunion in der achten Klasse? Respekt und Verwunderung.
Wenn Du es sagst, dann will ich bekennen, dass es mich auch ein wenig verwundert hat.

Wenn man dieses Thema bearbeitet, dann sollte man doch die Beiträge in Wiki verstehen, auf die auch verwiesen wurde. Und sollte in der Lage sein, wenigstens Fragen zu dem Thema zu formulieren. Auch in der "achten" Klasse.

Zumal wenn folgendes als Absicht formuliert wird:
Zitat:
geschichte2013 Beitrag anzeigen
Oder ein paar nützliche Links schicken , mit denen ich mir die Antwort selbst erarbeiten kann ?
Und keine Antwort, auf die Nachfrage von ElQ, ist auch eine Antwort.

Was natürlich noch nicht die Frage nach der realen Motivation für den Thread beantwortet. Es werden noch Wetten angenommen.
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Geändert von thanepower (25.02.2013 um 09:01 Uhr).
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Alt 25.02.2013, 15:46   #14
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Mithridates wird schon bald berühmt werden
Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen

Die Sowjets haben also nicht ein zerfallendes mittelalterliches Regime
beseitigt, sondern ein junges republikanisches Experiment. Von einer wie auch immer definierten Befreiung kann also keine Rede sein. Von wem auch? Von der Duma? Den Menschewiki? Kerenski?
Es ist ja nicht gerade so, dass es ein Putch war, die Oktoberrevolution war eben eine Revolution gegen eine handslungsunfähige Regierung, die den 1. Weltkrieg nicht beenden konnte und die großen Probleme des Landes nicht angepackt hatte, es ist wie in der Französischen Revolution, die auch in verschiedenen Phasen immer radikaler wurde, es verwundert einen überhaupt nicht, dass Kerenski scheitern musste, er war viel zu unentschlossen um den gewaltigen Druck standzuhalten, allein die Tatsache, dass er nicht gegen Zar Nikolaus II. vorging sorgte für Verstimmung, schließlich hatte man ihn Monate zuvor gestürzt und das ganz bestimmt nicht damit er ein ruhiges und friedliches Leben mit seiner Familie führte auch das heizte die Stimmung auf, als der Zar ins Exil wollte bzw. als auch Kerenski das organisieren wollte hatte eben auch auch das Vereinigte Königreich sehr verstimmt darauf reagiert, nicht ohne Grund, viele wollten ihn verurteilt sehen, wie es auch einst Louis XVI erwischt hat.
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Alt 25.02.2013, 16:00   #15
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Zitat:
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Die Entstehung der Sowjetunion - die Befreiung des russischen Volkes von Not und Unterdrückung ?
Eine weitere Antwort in kurzen Zusammenfassungen.

1. Es gibt eine relativ lange Tradition in Russland, als Folge der Französischen Revolution, sich mit der Veränderung der Gesellschaft zu beschäftigen. Diese wurden systematisch erfolgreich durch das Zarentum unterdrückt. Aus dieser zaristischen Periode der Unterdrückung stammen wesentliche Elemente des späteren stalinistischen Repressionsapparates.

2. Es gibt viele Tradition, auch marxistische und die Bolschewiken waren nur eine Gruppe, die revolutionäre Gedanken formulierten. Am wichtigsten waren die Sozialrevolutionäre.

Sozialrevolutionäre ? Wikipedia

3. Die Revolution des Februar 1917 konnte stattfinden, weil das zaristische Regime keine ausreichende Unterstützung mehr in der Bevölkerung und teilweise nicht mehr unter den Eliten fand, bis weit in das Offiziers-Korps hinein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Februarrevolution_1917

4. Die Revolution des Februar 1917 war auch erfolgreich, weil das zaristische Regime durch den WW1 geschwächt war und der Repressionsapparat nicht mehr funktionsfähig war. Unter normalen Voraussetzungen hätte sie die Revolution erfolgreich unterdrücken können.

5. Die Motive der "einfachenTeilnehmer" für die Oktober Revolution waren primär der Wunsch, den Krieg zu beenden. Da sich die Bolschewiken deutlich hinter dieses Ziel gestellt haben, konnten sie am deutlichsten von dieser Haltung profitieren. Erst sekundär folgten andere Ziele.

6. Die Regierung des Februar 1917 war einerseits fortschrittlich, dennoch verfolgte sie ähnliche Kriegsziele wie das zaristische Regime. Das kostete ihr viele Sympathien gerade bei den Soldaten (vgl. 5) und erklärt auch, warum die Bolschewiki letztlich in den großen Städten (Petrograd etc.) erfolgreich waren.

7. In diesem Sinne war die Entstehung der Sowjetunion zwischen Februar 1917 und Oktober 1917 auch eine schwierige politische Gratwanderung, sowohl für die Duma als auch die Sowjets (Dualismus) und stand auch immer unter der Drohung eines Militärputsches (Kornilow-Affäre) einerseits und andererseits dem Verlust der Kontrolle der politischen Macht an die anarchistischen Tendenzen innerhalb der Armee bzw. aus bestimmten Bezirken Petrograds und der Übernahme der Macht durch die Sowjets (wenngleich diese derartiges nicht beabsichtigten).

8. Da mit der Oktober-Revolution eine teils unkontrollierte Landnahme durch die Bauern einherging, die später durch die Bolschewiki legalisiert wurden, verbesserte sie die Grundlage des Lebens gerade der ländlichen Bevölkerung bis ca. 1928.

9. Im Rahmen von NEP förderte die Landnahme den regionale bzw. auch überregionale Handel und somit auch die Ausbildung eines gewissen Wohlstands der ländlichen Bevölkerung und stellte im Gegenzug die ausreichende Versorgung der großen Städte sicher.

10. Bis ca. 1926 konnte in etwa das Vorkriegsnivau bei wichtigen volkswirtschaftlichen Kennzahlen für Russland wieder erreicht werden. Auch, indem sie auf eine konsequente Förderung der Infrastruktur Wert legten und so die Integration der Wirtschaftsstandorte inklusive der Bergbauzentren etc. förderten und die Erholung so begünstigten.

http://books.google.de/books?id=96V_...ed=0CDUQ6AEwAA

Die Schattenseiten des politischen Systems seit 1918 werden beispielsweise bei Applebaum beschrieben:

Gulag: A History of the Soviet Camps - Anne Applebaum - Google Books
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Geändert von thanepower (25.02.2013 um 16:33 Uhr).
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Alt 25.02.2013, 19:44   #16
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Zitat:
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Es ist ja nicht gerade so, dass es ein Putch war, die Oktoberrevolution war eben eine Revolution gegen eine handslungsunfähige Regierung, die den 1. Weltkrieg nicht beenden konnte und die großen Probleme des Landes nicht angepackt hatte,
Diese Einschätzung ist m.E. absolut richtig. Es werden die gravierenden unterschiedlichen Sichtweisen unterschätzt und die Nichtbereitschaft der "Kadetten" sich an der Regierungsbildung zu beteiligen.

Gleichzeitig und das ist extrem wichtig für den Sommer 1917 deutete sich ein Militärputsch durch Kornilow ab, der auf der einen Seite die "duale Gewalt" beenden wollte, im Inneren, und durch eine Revitalisierung des Patriotismus im Äußeren den Krieg gegen das Deutsche Reich zu gewinnen. Unter drakonischer Wiederherstellung der Militärgerichtsbarkeit zur Unterdrückung von Meutereien. Dabei übersah er jedoch die völlige Kriegsmüdigkeit der Russen.

Eine sehr gute Darstellung, inklusive der relevanten Dokumente (Briefe von Kornilow etc.) findet sich bei Kowalski.

The Russian Revolution: 1917-1921 - Ronald Kowalski - Google Books

In diesem Sinne war es lediglich eine Frage der Macht, ob sich die Regierung der Februar-Revolution einer Militärdiktatur ergibt, die von einzelnen Regierungsmitglieder durchaus gewünscht war, oder eine weitere Radikalisierung erfolgte und diese Kreise dann die politische Macht an sich reißen.

Zumindest die Arbeiten von Rabinowitch deuten an, dass es einen deutlichen Druck von der Straße gab, radikalere Schritte zu unternehmen. Auf dieser "Welle" erfolgte dann die "Oktober-Revolution" und die Geburt der Sowjetunion.

http://books.google.de/books?id=rhzQ...ociety&f=false

Noch eine Anmerkung zur hohen Bedeutung der Kriegsmüdigkeit: Die Kriegsmüdigkeit saß nach dem WW1 so tief, dass nach Beendigung der äußeren Bedrohung durch den Bürgerkrieg, es zu gravierenden Konflikten zwischen den Bolschewiken und der Armee kam. Mit der Beendigung des Bürgerkrieg brach die Moral der Roten Armee teilweise zusammen und es erfolgte eine relativ schnelle Demobilisierung der umfangreichen RA (vgl. M. v. Hagen: Soldiers in the Proletarian Dictatorship. From Defending the Revolution to Building Socialism, S. 156ff, in:

http://books.google.de/books?id=yy1W...%20nep&f=false
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Geändert von thanepower (25.02.2013 um 19:54 Uhr).
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Alt 26.02.2013, 06:53   #17
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Zitat:
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Es ist ja nicht gerade so, dass es ein Putch war, die Oktoberrevolution war eben eine Revolution gegen eine handslungsunfähige Regierung, .
Da gehen die Meinungen auseinander:

"Die Große Sozialistische Oktoberrevolution, ...., war in Wirklichkeit ein militärischer Putsch - kaum wahrgenommen vom Gros der Einwohner Petrograds, durchgezogen von kaum mehr als ein paar tausend Aufständischen."

Orlando Figes, hier aus Spiegel Special - Experiment Kommunismus
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Alt 26.02.2013, 08:31   #18
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Zitat:
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...Da mit der Oktober-Revolution eine teils unkontrollierte Landnahme durch die Bauern einherging, die später durch die Bolschewiki legalisiert wurden, verbesserte sie die Grundlage des Lebens gerade der ländlichen Bevölkerung bis ca. 1928.
...Im Rahmen von NEP förderte die Landnahme den regionale bzw. auch überregionale Handel und somit auch die Ausbildung eines gewissen Wohlstands der ländlichen Bevölkerung und stellte im Gegenzug die ausreichende Versorgung der großen Städte sicher.
...Bis ca. 1926 konnte in etwa das Vorkriegsnivau bei wichtigen volkswirtschaftlichen Kennzahlen für Russland wieder erreicht werden. Auch, indem sie auf eine konsequente Förderung der Infrastruktur Wert legten und so die Integration der Wirtschaftsstandorte inklusive der Bergbauzentren etc. förderten und die Erholung so begünstigten.
Es wäre interessant, diese - sehr stark in der Literatur vertretene Meinung, Harrison, Wheatcraft, Allen etc. - zu diskutieren. Die Protagonisten der empirischen Forschung zur Ökonomie der Sowjetunion vor 1941 stehen wohl überwiegend auf dem Standpunkt, dass sich das wirtschaftliche Niveau bis 1928 der Vorkriegszeit angenähert habe oder es ungefähr erreicht habe.

Dazu einige Gedanken (dabei wird regelmäßig und zutreffend in der Diskussion der Gebiets- und Bevölkerungsverlust "eingerechnet"):

- zum einen ist die These nicht überraschend, da mindestens 80% der Wirtschaftskraft der SU in den frühen Jahren auf dem Agrarsektor beruhte. Hier gab es zwar auch Zerstörungen, Bevölkerungsverluste, Ernteverluste etc., aber die Strukturänderung zu kleineren Einheiten kompensierte evt. Ausrüstungsverluste. Der hohe Agraranteil müsste demnach bei halbwegs eintretender "Ruhe"/Normalisierung relativ schnell (gegenüber investitionsintensiven Sektoren) eine Erholung aufgewiesen haben, über deren systemischen Anteil man nun streiten kann.

- andererseits gibt es in den Analysen des Agrarsektors Widerspruch. Nachgewiesen und wohl von Harrison etc. akzeptiert sind Produktivitätsverluste 1925/28 gegenüber 1913 von rund 10%. Diese Verluste werden breit anerkannt auch für die Jahre 1925/26 mit sehr gutem Erntewetter, mit deutlichen Unterschreitungen des Jahresdurchschnitts 1909/13 in den Hektarerträgen. Durchschnittlich 10% bewirken hier aber Ernteverluste in der Größenordnung von 7 bis 10 Mio. Tonnen, sind also keine Kleinigkeiten.

- Fakt ist auch, dass die NEP 1928 zu solchen Problemen geführt haben soll, die in die Kollektivierung mündeten. Entweder sind diese Probleme "vorgeschoben", oder sie waren real in der Versorgung vorhanden, und es wäre nach den Ursachen zu forschen.

- weiter gibt es eine breite Diskussion über das statistische Datenmaterial. Die Protagonisten in der Forschung versuchen hier, über "adjustments", Plausibilisierungen und Kalibrierung des Datenmaterials voranzukommen. Diese Ansätze finde ich nicht überzeugend. Gearbeitet wird mit der Datenzuverlässigkeit im Vergleich etwa zu Kranken- und Bevölkerungsstatistiken, Mortalitätsraten, Seuchenwellen etc. Die Validität wird dann, ggf. mit Kalibrierung, auf die makroökonomische Datenbasis übertragen. Ich habe da große Zweifel, ob dieses Vorgehen berechtigt ist, bzw. ob der Vergleich solcher Statistiken "fraud and error" zuverlässig ausgleichen kann, aus zwei Gründen

-- Bewertungsprobleme und Rechnungsgrundlagen (methodisches Umfeld)
-- Probleme der Erfassung bei den Mengenstatistiken (dort also, wo Bewertungen nicht erforderlich sind, sondern vereinfacht das statistische Material auf messen, wiegen, zählen, etc. beruht - Erfassung von reinen Mengengerüsten)

Das Preisproblem liegt - glaube ich - auf der Hand und muss nicht weiter begründet werden. Das Mengenproblem stellt auf Erfassungsfehler, Qualitätsunterschiede, Schwund, Bestandsaufbau etc. ab. Ein einfaches Beispiel: werden 100.000 Tonnen Weizen - korrektes Messen unterstellt - auf dem Halm, nach der Ernte, in der Distribution etc. gemessen? Wieviel "versickerte", wieviel Verluste entstanden, was verschwand in den Lager- und Transportstrecken zwischen Soll und Ist. Plausibilisierungen mit dem Verbrauch gelangen oder scheiterten bislang nur punktuell.

"It is as if we tried to measure how much a caterpillar grows when it turns into a butterfly" (Nutter)

Die Datenbasis zur SU, ihre "Kalibirierung" und ihre Auswertung sind heute noch so umstritten wie zur Zeit des Kalten Krieges (Carol Leonard, in seiner aktuellen Studie zu dem russischen Agrarsektor).
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In der Theorie sind Theorie und Praxis das Gleiche. In der Praxis sind sie es nicht (Yogi Berra). Der Unterschied ist Unsicherheit (Stephen Ross).

Geändert von silesia (26.02.2013 um 14:12 Uhr).
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Alt 26.02.2013, 11:38   #19
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Mithridates Beitrag anzeigen
die Oktoberrevolution war eben eine Revolution gegen eine handlungsunfähige Regierung
Um die Probleme des Sommers 1917 nochmal zu illustrieren ein paar weitergehende Hinweise. Durch den Konflikt im "bürgerlichen" Lager ist ein Machtvakuum eingetreten, dass am deutlichsten an einer "Botschaft" von Kerensky an Russalnd deutlich wird. Am 27. 08.1917 gibt er bekannt, dass General Kornilow ihn am 26.08.1917 aufgefordert hat, die Macht der provisorischen Regierung an Kornilow, als Oberkommandierenden der Streitkräfte zu übergeben (Dokument in Daniels, S. 57). das wäre ein Militärputsch gewesen und eine anschließende Errichtung einer Militär-Diktatur. Kerensky hat Kornilow daraufhin für abgesetzt erklärt. Und ein Teil der Truppen von Kornilow, die bereits den Marschbefehl nach Petrograd hatten, meuterten und lösten sich auf. Andere Teile wurden durch einen Streik der Eisenbahner-Gewerkschaft an einem Transpaort per Bahn gehindert.

Vor diesem Hintergrund ist m.E. völlig unklar, was passiert wäre, wenn die "Oktober Revolution" nicht stattgefunden hätte und welche Rolle die "Konstituante" hätte spielen können, unter diesen unklaren politischen Bedingungen der "dualen Macht". Die politischen Gegensätze haben sich insgesamt in den Städten und auf dem Lande eher zugespitzt, da die rückständigen feudalen Strukturen Ruslands und Verhältnisse einem deutlichen, teils revolutionären, sozialen Wandel unterlagen. Und auch an diesem Punkt, neben der Kriegszielfrage, hat die provisorische Regierung keine praktikable Lösungen angeboten, die den Erwartungen der landlosen Bauern entsprach. Sie hatte lediglich Absichtserklärungen formuliert.

The Russian Revolution - Robert Vincent Daniels - Google Books

In seiner Erwiderung wirft Kornilow der Mehrheit der Bolschewiken in den Sowjets !!! (interessante Wahrnehmung!, die inhaltlich nicht korrekt war) und der provisorischen Regierung unter Kerensky Hochverrat vor, indem er sie der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Generalstab beschuldigt.

Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
"Die Große Sozialistische Oktoberrevolution, ...., war in Wirklichkeit ein militärischer Putsch - kaum wahrgenommen vom Gros der Einwohner Petrograds, durchgezogen von kaum mehr als ein paar tausend Aufständischen."
Die Revolution in Russland fand in Petrograd bestenfalls seinen symbolischen Ausdruck. Relevanter waren die revolutionären Veränderungen auf dem Land. In gewisser Weise war die ländliche Bevölkerung die eigentliche revolutionäre Kraft (vgl. z.B. Daniels, The Social Revolution S.60-91 in siehe oben).

Das führt nebenbei bei Bukharin zu einer deutlichen Anpassung der marxschen These vom revolutionären Proletariat als zentralem historischen Subjekt zu einer Anpassung, indem er die Bauernschaft als gleichwertiges historisches Subjekt einführt. Und natürlich die von Lenin sehr weit vorangetriebene "kreative" Erweiterung des historischen Materialismus noch deutlich vorantreibt bzw. sehr deutlich modifiziert (vgl. z.B. Cohen dazu)

http://books.google.de/books?id=BUg-...kharin&f=false
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When the facts change, I change my mind. What do you do, sir? J.M. Keynes

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Alt 26.02.2013, 17:11   #20
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Mithridates wird schon bald berühmt werden
Zitat:
steffen04 Beitrag anzeigen
Da gehen die Meinungen auseinander:

"Die Große Sozialistische Oktoberrevolution, ...., war in Wirklichkeit ein militärischer Putsch - kaum wahrgenommen vom Gros der Einwohner Petrograds, durchgezogen von kaum mehr als ein paar tausend Aufständischen."

Orlando Figes, hier aus Spiegel Special - Experiment Kommunismus
Das ist ganz schön weit hergeholt, man könnte ja genauso sagen, die Französische Revolution war keine Revolution, sie fand ja im Großen und Ganzen nur in Paris statt und die Menschen, in dem Fall in der Vendée, wurden quasi Opfer eines revolutionären Exports, ist dennoch Blödsinn, es ist zwangsläufig nicht so, dass hinter einer Revolution ein ganzes Volk stehen muss, dass ist sowieso nie der Fall, falls es aber einem Teil des Volkes gelingt, ein bestehenden Apparat zu stürzen, also es tatsächlich schaffen ein System umzuschmeißen ist es eben eine Revolution, dafür ist es gar nicht nötig, dass im ganzen Land alle hinter einer bestimmten Meinung stehen, deshalb ist es auch völlig normal, dass sich die Kraft einer solchen Bewegung in den Machtzentralen eines Landes konzentrieren, ob es nun Paris ist oder eben ein symbolischer Sturz in Petrograd oder auch in der Iranischen Revolution in Tehran, darüber hinaus will ich da noch ein mal auf Thanepower verweisen, der ja bereits ansprach, dass viele Menschen sich selbst Land nahmen und sich versorgten und die Sowjets es lediglich später legalisierten, es kann also gar nicht sein, dass eine kleine Clique sich an die Macht putscht und das Volk völlig überrascht war, die Republik in Russland scheiterte auch daran, weil sie die interessen der Ärmsten nicht durchsetzen konnte, es auch gar nicht wollen, waren es doch erst die Sowjets, die die Versorgung der Städte wieder aufstellen konnten mit der Revolution endete ja auch die Herrschaft der Großgrundbesitzer, zwar war die Leibeigenschaft offiziell 1861 abgeschafft, dies aber nur auf dem Papier, de facto blieben viele Menschen in den Händen von Großgrundbesitzern und mussten sich selbst bis 1917 freikaufen, dass konnten die meisten nicht eine Oktoberrevolution kommt nicht vom Himmel, es ist zwar richtig es war eine Republik die stürzte, doch es sollte klar sein, dass diese unglaublich rückständigen Strukturen die Ketten und der Schatten des Zaren dennoch auf Russland lagen, ich will gar nicht erst auf die Fehler in der Sowjetunion eingehen, die sind weitläufig bekannt, aber es ist nicht in Ordnung die Berechtigung der Revolution zu entziehen, Gründe gab es genug. Nur weil auf dem Papier Repbulik steht muss sie ja nicht zwangsläufig das Beste auf Erden sein, auch hier der Verweis nach Frankreich, die erste Phase führte nicht zu den Dingen, die die Menschen wollten, wir reden hier schon von einer wesentlich demokratischeren Regierungsform als zu Zeiten des Ancien Régime, doch hier kommts zur Situation wie man sie auch in Ägypten heute sieht, eine Fassadenänderung ist noch lange kein Bruch der o.g Machtzentren oder der Strukturen, die Mächtigen des Ancien Régime sind immer noch da oder wie in Ägypten die Militärs, die Interessen werden nicht umgesetzt so kommt es zur Sternstunde der Constituante, die anfing die Sturkturen zu brechen und im Endeffekt ebnete sie auch den Weg für den Flügel bzw. Club der Jakobiener, die die Revolution zu der Revolution machen, die wir kennen mit der Hinrichtung des Louis usw. ich wüsste nicht warum man, analytisch betrachtet all diese Dinge in Russland in Frage stellen sollte, zu mal es doch viele Parallelen zu Frankreich hat.

Geändert von Mithridates (26.02.2013 um 17:17 Uhr).
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Stichworte
befreiung, entstehung, not, sowjetunion, unterdrückung

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