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Alt 02.04.2017, 15:37   #1
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Laura123 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Emser Depesche

Hallo zusammen!

Ich verstehe nicht ganz weshalb die von Bismarck veränderte Version so ein Affront war für Frankreich und die preußische Bevölkerung.
Ich stelle fest dass durch den direkteren, knapperen Schreibstil alles offensiver wirkt, aber ist das alles?
Gab es inhaltlich eklatante Verdrehungen/Verfälschungen?

Danke für jede Hilfe!
Laura123 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2017, 16:57   #2
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Reinecke ist einfach richtig nettReinecke ist einfach richtig nettReinecke ist einfach richtig nettReinecke ist einfach richtig nett
Wurde mir i-wann mal mit den Ehrvorstellungen des 19. Jh. erklärt, kann aber nicht (mehr) sagen, wie seriös das war.
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"Humans need fantasy to be human. To be the place where the falling angel meets the rising ape."
Death / Terry Pratchett
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Alt 02.04.2017, 18:10   #3
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Riothamus ist ein sehr geschätzer MenschRiothamus ist ein sehr geschätzer Mensch
Nach dem ursprünglichen Telegramm hatte der Botschafter den König bestürmt, doch die gewünschte Erklärung abzugeben. Bismarcks Version ließ es offizieller erscheinen. Dabei nutzte er aus, dass die Französische Regierung ihrem Parlament zugesagt hatte, ultimativ den Verzicht der Hohenzollern zu fordern. Durch die Verkürzung schien der direkte Bezug dazu geben.

Und er sprach von Forderung. In der Wortwahl der Zeit war das eine für den Frieden zu erfüllende Bedingung. Das ist in etwa so, wie wenn die USA einem anderen Staat ein Ultimatum stellten.

Warum war das so? Bei einer Ablehnung war es peinlich für den Fordernden. Es wäre ehrenrührig gewesen, einen Rückzieher zu machen. Das ist eine ähnliche Denkweise, wie diejenige Erdogans, der durch die Rede vom Völkermord das 'Türkentum' beleidigt sieht. Man sah dem Staat durch die Ablehnung einer solchen Forderung einen realen Schaden zugefügt, wenn es unbeantwortet stehen blieb. Frankreich hätte "als bloßer Hampelmann" dagestanden, oder wie man es heute ausdrücken könnte, sein Standing verloren. Zudem hätte man dem Kaiser und der Regierung ohne Kriegserklärung vorwerfen können, das Parlament belogen zu haben.

Und dann tat ihm die Französische Presse den Gefallen, seine Version noch falsch zu übersetzen. Hier wurde die Forderung wieder abgeschwächt, zu einem einfachen Verlangen, einer Frage. Aber dadurch ergab sich durch die zweite Fehlübersetzung etwas Unverzeihliches. Der König ließ dem Botschafter seine abschlägige Botschaft durch einen Adjutanten überbringen. Der Adjutant wäre ein 'aide de camp'. Es blieb aber 'wörtlich' bei 'adjutant'. Damit war gesagt worden, ein Hauptfeldwebel (oder generell Feldwebel?) habe die Botschaft überbracht, was eine Herabwürdigung des Botschafters war. Und die Beleidigung eines Botschafters...

Und den Dementis des Botschafters wurde kein Glauben geschenkt.

Allerdings war es zuerst Frankreich, dass mit Krieg drohte. Sie hatten also gesagt, dass sie es ernst meinen. Es hätte also auch ohne die Emser Depesche eine Kriegserklärung folgen können. Bismarck hat das sozusagen abgesichert und beschleunigt. Zuvor soll er Moltke gefragt haben, wie schnell dieser den Kriegsausbruch als optimal ansehe. Dieser hatte in etwa geantwortet "Je schneller, desto besser."

Heute erscheinen solche Überlegungen als Blödsinn. Doch muss man sich auch daran erinnern, dass man Wünsche in Fragen kleidete. Dadurch musste keine Seite konkret hinsichtlich der Intensität ihrer Wünsche werden. Und die Herabwürdigung von Menschen als Opfer erlebt ja heute in der Jugendsprache eine Renaissance, wohl mit den dortigen veralteten Ehrvorstellungen aus Russland und der Türkei importiert.

...
/MOD: Tagespolitik entfernt /MOD

Geändert von silesia (02.04.2017 um 20:51 Uhr).
Riothamus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2017, 20:04   #4
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Ugh Valencia sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphäre
"(...) Seine Maj. der König hat es darauf abgelehnt, den Franz. Botschafter nochmals zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, dass S. Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe."

In Bismarcks gekürzter Version kann der Eindruck erweckt werden, dass Wilhelm sich generell weigere, den französischen Botschafter zu treffen. Wenn man einem Botschafter nichts zu sagen hat, hat man dem entsprechenden Land nichts zu sagen. So etwas konnte man als Abbruch der diplomatischen Beziehungen interpretieren.
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Morgenstund hat Gold im Mund. Gold im Mund ist ungesund.


Geändert von Ugh Valencia (02.04.2017 um 20:26 Uhr).
Ugh Valencia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2017, 19:04   #5
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Laura123 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Vielen Dank an alle! Ihr habt mir sehr geholfen :-)
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