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Alt 25.10.2006, 17:09   #1
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Jelazâr ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Der Balkan als zentrales Problem im 19. Jahrhundert

Hallo,
ich war mir nicht ganz sicher, wo ich diese Frage einordnen kann. Aber ich hoffe, hier bin ich nicht ganz verkehrt.

Mit welchen Beispielen würdet ihr ner Balkan als zentrales Problem im 19. Jahrhundert darstellen? Das jedenfalls verlangt eine Klausuraufgabe von mir.

Reicht es beispielsweise aus, hier den Krimkrieg anzuführen oder sollte ich da auch "gleich noch" bis zum 1. WK ausholen? Die Klausur sieht 15 Punkte von 60 vor.
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Alt 25.10.2006, 19:18   #2
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Protagoras ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Ich würde auf jeden Fall den Zerfall des Osmanischen Reiches in Teilstaaten am Balkan und die Rivalität zischen Österreich-Ungarn und Russland mithinein nehmen. Der Krimkrieg war nur ein Aspekt davon.

Zitat:
Die Klausur sieht 15 Punkte von 60 vor.
Was bedeutet das genau?
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Alt 25.10.2006, 19:29   #3
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Jelazâr ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Auf diese Frage gibt es 15 Punkte von 60, also immerhin 1/4.
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Alt 25.10.2006, 19:54   #4
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Papa_Leo ist ein sehr geschätzer MenschPapa_Leo ist ein sehr geschätzer Mensch
Auch ich bin der Ansicht, dass der Krimkrieg hier nicht ausreicht. Allerdings sehe ich EINEN Faktor für die österreichisch-russische Rivalität gerade im Ergebnis des Krimkriegs. Immerhin waren Österreich und Russland Angehörige der "Heiligen Allianz" und der Pentarchie des "Systems Metternich", durch das man eigentlich nach dem Wiener Kongress Konflikte und Kriege vermeiden sollte.
Allerdings: Russland wurde von England und Frankreich und der osmanischen Armee unter Omar Pascha noch während des Kriegs gezwungen, Gebiete zu räumen, die es dem osmanischen Reich mit Gewalt abgenommen hatte (Donaufürstentümer). Und Österreich besetzte dann diese Gebiete (und war fast der lachende Dritte). Ich denke, das kam in Russland nicht so gut an und ist eine der ersten großen Unstimmigkeiten zwischen diesen Staaten. Obwohl Österreich nicht in den Krieg selbst eingriff, stationierte es doch 300 000 Mann an der russischen Grenze und zwang Russland so, sicherheitshalber starke Truppenkontingente an dieser Grenze zu belassen - die man anderswo auch gut hätte gebrauchen können.

Die generelle Lage, wonach Österreich nach der Niederlage im Krieg gegen Preußen und der ital. Unabhängigkeit nur eine Expansionsrichtung bleibt (Balkan) und RUssland mit seinem Wunsch nach einem eisfreien Hafen ebenfalls in diese Richtung will, sollte ebenfalls erwähnt werden.

Genau, wie das Stichwort "Panslawismus", was es heißt - und wo das Problem für z.B. Österreich war.

Auch die Balkankriege (1. und 2.) können als Beispiel dienen.

Geändert von Papa_Leo (25.10.2006 um 19:56 Uhr).
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Alt 26.10.2006, 14:52   #5
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Ich füge zu Papa_Leos Punkten noch Jahreszahlen, die mir auf die Schnelle einfallen, vor und nach dem Krimkrieg bei (+Anmerkungen):

1815: der Wiener Kongress (wohl auf Betreiben Österreichs) ignoriert im wesentlichen die Souveränitätsbemühungen Serbiens, das sich dennoch über die nächsten 2 Jahrzehnte vom osman. Reich unabhänig macht:

1817 gibt das osman. Reich dem Fürstentum Serbien
das Statut eines "tributpflichgtigen Vasallen" (Serbien ist also keine reichseigene Provinz der Pforte mehr), 1830 wird das FM autonom und seit 1878 ein unabhängiges Königreich (recte 1882, internat. anerkannt)

1822 (find ich recht bedeutsam): Fürstenkongress von Verona: außer GB verurteilen alle Signatarmächte den griech. Aufstand gg. die osman. Oberherrschaft!
-
Der Startschuss der nationalen Erhebungen am Balkan ist trotzdem getan und die Kugel rollt ab nun unaufhaltsam ...Die "national-romantische Intelligenz" Europas ist entgegen ihren neoabsolutistischen Fürsten natürlich begeistert über den griech. Befreiungskampf, im griech. Aufstand entwickelt sich aber nicht nur der "edle Funken des Nationalismus", sondern zunehmend ein barbarisches Schlachtfest -es dauert von 1821 bis 1830- unter Nachbarn und sogar Verwandten - denn vor allem geht die "edle Sache" der Griechen auf Kosten der albanischen Bevölkerung und noch stärker auf Kosten der autochtonen illyrisch-walachischen (moslemischen!) Minderheiten (den Namen der nordgriech. Vlachen , sorry, hab ich grad vergessen)
- Grillparzer hat die ab nun zunehmend auch innerhalb der Grenzen Österreich-Ungarns entzündeten Nationalismen nachbetrachtet ganz gut mit dieser Abfolge gegeißelt: "Humanität - Nationalität - Bestialität" ... - und dabei meinte er den deutschen bzw. italienischen Nationalismus, wohlgemerkt! Die Wortwahl der allfälligen magyarischen, panslawistischen oder späteren italienischen Nationalisten hatte er in seiner höchsten Aggression nicht mehr erlebt (besser: erleben müssen) ...

1848/49 Niederschlagung der Revolution in Ungarn.
-Hier verpatzt der frischgekrönte Kaiser Franz-Joseph I eigentlich alle Jahrzehnte der folgenden unglücklichen Dualismus-Situation mit der unagr. Reichshälfte, indem er zuerst Ungarns Eigenständigkeit niederschlagen ließ und dann über Jahrzehnte, um Ausgleich mit Ungarn bemüht, diesem, etwa doppelt so großem Land eine derart freie Hand innerhalb seiner Reichshälfte gewährte, für die man sich im Westen der Monarchie oder in Deutschland, ganz zu schweigen in England, den USA usw. geradezu schämte: Fazit war, dass die -für jene Zeit fast grotesk zu nennende Unterdrückung der Rumänen Siebenbürgens die rumänische Nation und den Staat Rumänien "gründete":
Detail 1: 1861 Gründung des souveränen FM Rumänien (und 1919 erhält Rumänien den größten Anteil aus der ungarischen Landmasse)

Detail 2: Kroatien, Provinz der ungar. Reichshälfte versucht sich durch das militär. Eingreifen 1849 seines Bans Jelasic vom "Mutterland Ungarn" zu emanzipieren. Gerade für Kroatiens Stellung bis zum Bürgerkrieg und der Sezession von (Ex-)Jugoslawien zeichnet sich also schon im 19. Jh Kroatiens signifikante Sonderstellung ab: es konnte niemandem vertrauen.
Der Ausgleich Österreichs mit Ungarn 1867 machte Kroatien mit Slawonien nämlich zum Eigentum Ungarns (und die Ungarn hatten natürlich die Niederschlagung ihres freiheitskampfes anno 1849 durch den Ban der Kroaten und durch kroatische truppen (Militärgrenzer) nicht vergessen ...)

1853-56 Krimkrieg (wichtig: Österreich peilt bereits Mandat auf Bosnien an! - ich finde den Krimkrieg allerdings keineswegs als "den wichtigsten" Krieg bzgl. Deiner gesamtbalkanischen Fragestellung, aber natürlich war er eine Stufe. Vornehmlich wurde Russland gedemütigt, es fühlte sich von Österreich verraten und im Stich gelassen (ausgebliebene Waffenhilfe ÖUs im Krimkrieg als Gegengefälligkeit für die Niederschlagung des ungar. Aufstandes 1849 durch russ.Truppen!) - und Frankreich und GB beherrschten fast uneingeschränkt Handel und Wandel im östl. Mittelmeer)

Viel bedeutender für die eruptive Änderung der Situation am Balkan war Russlands "Revanche", der russ-türk- Krieg von 1877/78!
- Schlagworte: Entstehung des unabhängigen Bulgarien; Vorfriede von San Stefano (Bulgarien wird russischerseits etwas überproportinioniert, was die Missgunst aller vorhandenen und frischen souveränen Staaten erregt und Bulgarien schlussendlich via beide Balkankrieg in die Arme der Achsenmächte treibt und zuletzt bei den revisionistischen Verlierer des 1. WK einreiht)

[U]1878, am Berliner Kongreß,[U]
- wird ÖU insofern entschädigt, als dass Österreich das Schutzmandat über die beiden osman. Provinzen Bosnien und Herzegowina erhält. Sollte so aussehen: BiH wird österr.-ungar. Protektorat, bleibt aber noch offiziell osman. Provinz (merkwürdig, aber war nun mal so) Die Besatzung wird allerdings fatal für die Donaumonarchie, da man sich überraschend einer über 100.000 Mann starken "Armee" einheimischer irrugelärer und verbünd. regulärer osman. Truppen gegenüber sieht. Der "gemütliche Marsch" an die serb. Grenze (Serbien hatte natürlich allregensten Anteil an Armierung und Soldatenkontigenten dieser bosnischen "Verteidiger") wird zu einem Blutbad (allerdings kleineren Ausmaßes.

Zu Bosnien zw. 1878 und 1914 eine Anmerkung, die mir in diesem Forum nun wichtig geworden erscheint: Die königl. serbische sowie nachfolgend SHS-, KR - & (sozialistische) Tito-jugoslawische Geschichtsschreibung, die auf Basis (einer keineswegs ungerechtfertigten) Selbstständigkeits-Agitation fußte und in dieser Tendenz für den Schulunterreicht einzementiert wurde, hat nachfolgend bis zur
Annexionskrise 1908 (s.d.)
das Bild Österreich-Ungarns leider nicht nur undifferziert, sondern verfälschend als "Kolonialmacht im Stile der überseeischen Kolonialismen" im Geschichtsverständnis zurückbleiben lassen. Und die Situation nach dem blutigen zerfall Jugoslawiens wird das möglicherweise noch verschlimmern.
Im Falle der ungarischen (restauriert feudalen und rigoros magyarisierenden) Reichshälfte bestand ein "Kolonialismusvorwurf (also der negativen Ausprägung)" nicht ganz zu Unrecht, im Falle der österr. "Kolonisierung" im Sinne von Infrastruktur, Schul- und Hochschul-Bildung*, Verwaltung, Bauten u.v.v.m. aber eine Trauerstück der Geschichtsverfälschung!
*1878 wurde in BiH noch ein Analphabetismusanteil von über 75% festgestellt!
Zur Verteidigung der serb. Agitation contra ÖU ist allerdings festzuhalten, dass das eigentlich souveräne (!)Serbien wirtschaftlich VÖLLIG abhängig von der Donaumarchie war und entsprechend "kolonisatorisch" behandlet, will sagen, in Anbhängigkeit behandelt und mitunter geradezu gegängelt worden war ;-)

Damit mir im letzten Absatz keine Tendenziosität vorgeworfen wird, dies schreibt Dunja Melcic:
http://www.oeko-net.de/Kommune/kommune11-99/zzdunja.htm

Nach 1908 kommen dann noch die beiden Revisionen bzw. Klarstellungen des Krieges von 1878, den sich die neuen Nachbarn nun selbstständig (ohne namhafte Mithilfe der Großmächte) ausfechten:
1. und 2. Balkankrieg. Sehr wichtig noch zu diesen, ein bzw. 2 Jahre vor Ausbruch des 1. WKs statfindenden Waffengängen ist, dass die serb. Armee sozusagen kriegerisch "voll im Saft Stand", will sagen, kriegsgeübt war und daher gar nicht allzu überraschend den ersten Angriff der - 1. chaotisch geführten und 2. kriegsunerprobten- Truppen Österreich-Ungarns erfolgreich abwehrte.

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Eine ganz gute Zusammenfassung für den Fragenden vom histor. Inst. der Uni Aachen:
http://www.histinst.rwth-aachen.de/d...?documentId=74
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Alt 26.10.2006, 15:46   #6
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... allerdings hab ich bzgl. der ersten sich befreienden Balkannation, also zu jener der Serben, den Anfang vergessen:

1804-13 erster Aufstand der Serben gegen die Osmanen unter Karadjordje
(schlägt zuletzt fehl und Karadjordje geht ins Petersburger Exil)

1815 (also zeitgleich zum Beginn d. Wiener Kongresses) der zweite Aufstand unter Obrenovic
(dessen Erfolg führt dann zu 1817, s.o.)

Etwas ungerecht wirkt die, in serb. Zeitberichten und in Geschichtsbüchern wiedergegebene, "Enttäuschung der Serben über die Nicht-Hilfe Österreichs" (von welchem die Serben eine Erneuerung der zuletzt im 18. Jh. zwei mal missglückten österr. Befreiungskriegen gg. die Osmanen erhoffte) bei diesen zwei Aufständen.
Da übersah man anscheinend gerne, dass Österreich in diesen Jahrzehnten fast ununterbrochen gegen Frankreich und Napoleon um seine eigene, größere Existenz und um seinen Zusammenhalt kämpfte.

Die dann nach dem Wr. kongress von Italien ausgehenden nationalistischen Sprengsätze waren zudem sehr leicht auf die Situation zw. links- (österreichischen) und rechts- (also unabhängigen) -danubischen Serben umlegbar.
Wichtig zu bemerken ist dazu, dass jene "Enttäuschung über Österreich" dem jungen serbischen Fürstentum bzw. Königreich das selbstgewählte Recht erlaubte, in Batschka, Smyrnien und Banat mit ihrer panserbischen Unionsagitation anzusetzen. Bosnien und Herzegowina wurde von Anfang an als selbstverständlicher künftiger Landesteil eines KR Großserbien betrachtet.

Sehr lesenswerte Zeitberichte geben da für die österr. Serben eine Situation wieder, die die jugoslaw. Geschichtsschreibung (bis heute) gelöscht zu haben scheint: die Serben der österr. Militärgrenze mögen vielleicht Probleme mit ihren unmittelbaren slaw. bzw. ungar. Nachbarn gehabt haben, aus dem Staatsverband Österreichs wollten sie allerdings zu allergrößtem Teil auf keinen Fall ausscheiden- und das noch in den 80er und 90er-Jahren des 19. Jhs.
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Alt 26.10.2006, 16:21   #7
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Repo ist ein LichtblickRepo ist ein LichtblickRepo ist ein LichtblickRepo ist ein LichtblickRepo ist ein Lichtblick
Zitat:
ning Beitrag anzeigen
... Sehr lesenswerte Zeitberichte geben da für die österr. Serben eine Situation wieder, die die jugoslaw. Geschichtsschreibung (bis heute) gelöscht zu haben scheint: die Serben der österr. Militärgrenze mögen vielleicht Probleme mit ihren unmittelbaren slaw. bzw. ungar. Nachbarn gehabt haben, aus dem Staatsverband Österreichs wollten sie allerdings zu allergrößtem Teil auf keinen Fall ausscheiden- und das noch in den 80er und 90er-Jahren des 19. Jhs.
Es gibt Dinge die mich wundern.

Einerseits ist der "Nationalstaat" als Irrweg mittlerweile Allgemeingut.
Andererseits die Einschätzung ÖU´s als "Völkergefängnis" ebenfalls.
Dass passt doch irgendiwe nicht zusammen.

Anders gesprochen, es gibt Sachen, die "weiß man eben" ohne sich kritisch Gedanken zu machen.

Meint
Rückschlag-Repo
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Alt 26.10.2006, 17:36   #8
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Zitat:
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Es gibt Dinge die mich wundern.

Einerseits ist der "Nationalstaat" als Irrweg mittlerweile Allgemeingut.
Andererseits die Einschätzung ÖU´s als "Völkergefängnis" ebenfalls.
Dass passt doch irgendiwe nicht zusammen.

Anders gesprochen, es gibt Sachen, die "weiß man eben" ohne sich kritisch Gedanken zu machen.

Meint
Rückschlag-Repo
Also das kann ich aus nings Beitrag nicht herauslesen, im Gegenteil dies ist einer der wenigen Beiträge die Habsburgs und Österreichs Ehre im Angesicht der Geschichte verteidigen!
Hoch Habsburg!
Einen Sinn würde dein Post nur machen wenn du Nationalstaat und Nationalitätenstaat verwechselt hättest. Und für einen entschiedenen Verteidiger des Nationalstaates hätte ich dich nie gehalten.
AndreasKlammer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2006, 18:55   #9
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Zitat:
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Es gibt Dinge die mich wundern.

Einerseits ist der "Nationalstaat" als Irrweg mittlerweile Allgemeingut.
Andererseits die Einschätzung ÖU´s als "Völkergefängnis" ebenfalls.
Dass passt doch irgendiwe nicht zusammen.

Anders gesprochen, es gibt Sachen, die "weiß man eben" ohne sich kritisch Gedanken zu machen.

Meint
Rückschlag-Repo
Lieber Rückschlag-Repo, a bisserl weniger kryptisch wär ma recht:
Irrweg und Falschbezeichnung sind völlig klar. Deine Unklarheit ist mir aber unklar: weshalb sollen eine Fehlentwicklung und eine (bei einem, so weit ich weiß, römischen Nationalistenkongress verlautbarte) Lüge nicht oder eigentlich überhaupt zusammenpassen?

Welche Gedankenkreise Du da ziehst, vielleicht kannst mir die noch ein bissl genauer erläutern?

-

Ich dachte -bei meinem Kostrukt / zur Erläuterung- wieder einmal an eines meiner Steckenpferde der ÖU-Geschichte, die man eigentlich als Ö-Geschichte und U-Geschichte (definitiv verschiedentlich!) betrachten muss: Entstehung und Situation -gesellschaftlich, rechtlich und sehr adäquat auf die soziohistorische Herkunft eingehend- der Bewohner der Militärgrenze, der "Grenzer", "Confins" oder wie auch immer man sie nennen möge.

Ich habe hier mal einige Zeit ausgesetzt, weil ich geradezu schockiert war, was ein (gewiss unschuldiges) junges Mitglied hier für historische Brutalverdrehungen - wie er schrieb, von Vätern und Großvätern (etc.) überliefert - über die österr. "Untertanen an der Grenze zu den Osmanen" im GF verfasst hat.
Ich weiß nicht mehr, wo das war, jedenfalls wurden die Flüchtlinge und Vertriebenen der blutigen Aufstände am osman. Balkan, die ab 1490 bis 1780 (+) eine neue Heimat jenseits von Drau, Save, Donau fanden, nicht zu -wie die seriöse Geschichtsforschung weiß- zuverlässigen Verteidigern und vor allem FREIEN, also von mittelbarer und alteingesesser Feudalherrschaft verschonten "Selbstständigen mit bewaffneter Präsenzpflicht", und auch nicht zu verantwortungsvollen Hütern des "Cordon sanitaire" etc. sondern, fei wiedergegeben, "zu ausgebeutetem Kanonenfutter Österreich-Ungarns mit tausenden alleinerziehenden Müttern" ...

So kann man Geschichte also heute noch verdrehen. Den Confinis war sehr wohl bewusst, welche neugewonnene Heimat, welche Rechte, welche Sicherheit und welche Entwicklungsmöglichkeit sie verteidigen wollten! Und welche Opfer sie dafür leider bringen mussten. Und wem sie trotz allem und zueinem großen Teil sogar noch bis 1914/18 dankbar waren: ihrem Kaiser!
Denn dem alleine waren sie für ihr freies Lehen zu Dienst verpflichtet. Was leider 1867 beim "Ausgleich" m. E. verständlich für ihre Augen "schmählich verraten" wurde und Wasser auf die Nationalistenmühlen des souveränen Serbien war.
Jedenfalls bis 1867 waren die Grenzer die unabhängigsten und in ihrer althergebrachten Lebensweise am wenigsten bevormundeten "Untertanen" der Monarchie. Sie schufen sich selbst und dem Habsburger-Staat einen über 100-jährigen Frieden an dieser Grenze,- eine Situation, die südlich der Donau keine Geschichte hatte.
(An Gitzi kriag I då!)
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Geändert von ning (26.10.2006 um 19:17 Uhr).
ning ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2006, 20:39   #10
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Jelazâr ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Dankie für eure Infos!
Die Klausur hat sich erledigt, bin ganz gut zu Rande gekommen. Nur wars zeitlich sehr eng - ich wusste mehr als ich verwerten konnte. Aber ich denke, es wird reichen.
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Alt 27.10.2006, 07:56   #11
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Zitat:
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Lieber Rüc
Welche Gedankenkreise Du da ziehst, vielleicht kannst mir die noch ein bissl genauer erläutern?

(An Gitzi kriag I då!)
Meine Gedankenkreise?
Ein Staatenbund, wie das ein friedlich weiterentwickeltes ÖU hätte durchaus sein können, hätte das "Pulverfass" Balkan für immer entschärfen können.

Mein Beitrag war als Bestätigung Deines gedacht, und meine Verwunderung galt, dass selbst heute noch dies überhaupt diskutiert werden muss.

Alle Klarheiten beseitigt?

Grüße Repo
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