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Alt 21.11.2008, 09:45   #1
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Die Revolution 1848/49 - verlorene Fakten

Die deutsche Revolution der Jahre 1848/1849 ist in den letzten 160 Jahren vielfach beschrieben und in Anspruch genommen worden.

Aber trotzdem sind viele Fakten aus jener Zeit zu meiner großen Verwunderung relativ unbekannt.

Behauptet wird, dass die Revolution fehlgeschlagen wäre.
Das stimmt aber nur zum Teil.
Ohne jetzt auf die Wirkung in der deutschen Verfassungsgeschichte einzugehen. Die ja zweifellos da ist.

Besonders die Landbevölkerung (aber auch in manchen Städten) litt sehr unter den Feudallasten, die wurden durch die Revolution abgeschafft. Dauernd und endgültig.

Manche "Standesherren" haben noch ein halbes Jahrhundert prozessiert, vergeblich.

Für die von Feudallasten bedrängte Landbevölkerung war die Revolution im vollen Umfang erfolgreich.

Die Landbevölkerung ist dann auch nach Erfüllung ihrer Forderungen als revolutionäres Potential ab Sommer 1848 ausgeschieden.
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Alt 21.11.2008, 10:26   #2
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Besonders die Landbevölkerung (aber auch in manchen Städten) litt sehr unter den Feudallasten, die wurden durch die Revolution abgeschafft. Dauernd und endgültig.
Die Bauernbefreiung fand ich in vielen Fürstentümern des Deutschen Bundes schon vor 1848 statt. (Auf dem Gebiet der napoleonischen Modellstaaten wurde sie in Folge der Restauration wieder eingeführt!)
1818 Bayern
1819 Würtemberg und Baden
1820 Hessen-Darmstadt
1823 Braunschweig
1831 Hessen-Kassel und Königreich Sachsen
Preußen hinkte natürlich hinterher, genoss es noch weit weniger napoleonische Einflüsse. Aber auch dort begann man früh mit den Bauernbefreiungen, sie wurden aber erst 1850 abgeschlossen. Die Leibeigenen der preußischen Staatsdomänen wurden bereits 1799 "befreit"!
Wo jetzt das große Verdienst der 1848er sein soll, erkenne ich nicht.

De facto änderte die Bauernbefreiung wenig an der finanziellen Belastung der Landbvevölkerung. Statt des Zehnten zahlten die Bauern nun Ablösesummen.
An jenen Krediten, die die Entschädigung der Grundherrn finanzierte, zahlten einige Bauern noch im frühen 20. Jahrhundert!

Ein schöner, fast zeitgenössischer Artikel zum Thema aus Pierers Universal-Lexikon: Ablösung der Grundlasten u. Dienste - Zeno.org
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Alt 21.11.2008, 13:29   #3
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Zitat:
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Die Bauernbefreiung fand ich in vielen Fürstentümern des Deutschen Bundes schon vor 1848 statt. Die Leibeigenen der preußischen Staatsdomänen wurden bereits 1799 "befreit"!
Wo jetzt das große Verdienst der 1848er sein soll, erkenne ich nicht.

De facto änderte die Bauernbefreiung wenig an der finanziellen Belastung der Landbvevölkerung. Statt des Zehnten zahlten die Bauern nun Ablösesummen.
An jenen Krediten, die die Entschädigung der Grundherrn finanzierte, zahlten einige Bauern noch im frühen 20. Jahrhundert!
Es geht keineswegs um die Leibeigenschaft.
Die Ablösung der Feudallasten kostete schon Geld, das ist bekannt. Aber die Bauern griffen dankbar zu.
In Württemberg sah man höheren Ortes milde lächelnd zu, als die gräflich Stauffenbergische Scheune in Geislingen bei Balingen abgefackelt wurde.
Leiden konnte man sich sowieso nicht. In Stgt. und in Zeil usw.

Das Langenburgische "Rentamt" wurde unter Hochrufen auf den Großherzog angezündet.

Ich werde Dir mal heute Abend eine Auflistung der Lasten durchgeben, jetzt fehlt mir die Zeit.

Mag sein, dass Du dies nicht erkennen kannst, Anno `48 erkannten sie es gut.


Isny, ehem. freie Reichsstadt, bekam die Familie Quadt 1802 für verlorene linksrheinische Gebiete. 1848 ging das Oberhaupt der Familie stiften, haben die Isnyer mit dem Sohn sich verglichen, Papa kam dann zurück und hat bis in die 1890er Jahre prozessiert, vergeblich.

Nur ein paar Beispiele.
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Geändert von Repo (21.11.2008 um 13:35 Uhr).
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Alt 22.11.2008, 09:55   #4
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Zitat:
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Es geht keineswegs um die Leibeigenschaft.
Die Ablösung der Feudallasten kostete schon Geld, das ist bekannt. Aber die Bauern griffen dankbar zu.
In Württemberg sah man höheren Ortes milde lächelnd zu, als die gräflich Stauffenbergische Scheune in Geislingen bei Balingen abgefackelt wurde.
Leiden konnte man sich sowieso nicht. In Stgt. und in Zeil usw.

Das Langenburgische "Rentamt" wurde unter Hochrufen auf den Großherzog angezündet.

Ich werde Dir mal heute Abend eine Auflistung der Lasten durchgeben, jetzt fehlt mir die Zeit.

Mag sein, dass Du dies nicht erkennen kannst, Anno `48 erkannten sie es gut.


Isny, ehem. freie Reichsstadt, bekam die Familie Quadt 1802 für verlorene linksrheinische Gebiete. 1848 ging das Oberhaupt der Familie stiften, haben die Isnyer mit dem Sohn sich verglichen, Papa kam dann zurück und hat bis in die 1890er Jahre prozessiert, vergeblich.

Nur ein paar Beispiele.

In Württemberg war sich Regierung und 2. Kammer seit den 1830er Jahren über die Ablösung der Feudallasten einig.
Die Verabschiedung der Gesetzesvorschläge hat jedoch über ein Jahrzehnt die 1. Kammer, die Vertretung des Adels, verhindert.
Einer der größten Grundherren war die Hofkammer, die aber deutlich weniger an Feudallasten beanspruchte wie die "Standesgenossen".
Im Südwesten hätte keiner behaupten können, dass seine Bauern mit ihm nach Stuttgart ziehen würden, die Revolution verjagen. Wie dies Flo´s Ur-Urgroßvater zusammen mit Bismarck vorhatte.
(Auch ein Fakt der noch keinen Niederschlag in der Geschichtsschreibung fand. Der konterrevolutionäre Anschlag auf Berlin von Flo´s Ur-Urgroßvater)
Die im Sommer 1848 erzwungenen Regelungen stellten die Standesherren deutlich schlechter als sie mit den Gesetzentwürfen gefahren wären.

Die Ereignisse im Frühjahr 1848 auf dem "flachen Land" waren auch deutlich gewalttätiger als in den Städten.
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Alt 22.11.2008, 10:21   #5
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Ein weiterer Punkt, der eigentlich viel größere Aufmerksamkeit verdient:

Am 11. Mai 1849 beginnend meuterte das badische Militär ausgehend von Rastatt. Es meuterte auch und insbesondere das Unteroffizierskorps.

Der wesentliche Unterschied zu allen anderen Aufständen im deutschen Bund.

Das badische Militär hielt sich dann in den Kämpfen mit den Interventionstruppen, die mit rund 60.000 Mann fast 5mal so stark waren, recht respektabel.

Eine Soldaten-Meuterei bei der das Unteroffizierskorps federführend beteiligt ist, stellt aber eine absolute Seltenheit dar, und ist der Aufmerksamkeit wert. (1918 zB meuterten die Mannschaften und 1944 die Offiziere)

Dahinter steckt eine Geschichte, wie sie für die süddeutschen Duodez-Fürstentümer des 18. Jahrhunderts typisch war, und die der badische Großherzog meinte ins 19. Jahrhundert tragen zu müssen.
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Alt 22.11.2008, 11:21   #6
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Die 1848-Revolution in den deutschsprachigen Gebieten scheint ein bunter Flickenteppich zu sein.
Ich wüßte gern mehr über die Intentionen der unteren Schichten und den Zeitgeist.
Dass letztendlich das gehobene Bürgertum durch 1848 an Einfluss gewann gegenüber Adel und Kirche kann man doch als Ergebnis festhalten, oder?
Inwieweit war 1848 eine Besitzstands-Schichten-Revolution oder wurde die Zielrichtung in den deutschen Gebieten vom Nationalgedanken überlagert?
Profitierten die unteren Schichten, das Proletariat überhaupt von 1848? Verbesserte sich die wirtschaftliche Situation von Bauern, (Heim)Arbeitern, Tagelöhnern oder geschah das erst später im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit und der Sozialreformen unter Bismarck. Oder waren diese vielleicht doch noch vom 1848-Zeitgeist, Marx und den Ereignissen im Nachhall beeinflußt?
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Zeitzeuge des Wembley-Tors, was nach dem 27.06.10 aus dem kommunikativen Gedächtnis verschwinden und vergessen wird.
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Alt 22.11.2008, 14:00   #7
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Die 1848-Revolution in den deutschsprachigen Gebieten scheint ein bunter Flickenteppich zu sein.
Ich wüßte gern mehr über die Intentionen der unteren Schichten und den Zeitgeist.
Dass letztendlich das gehobene Bürgertum durch 1848 an Einfluss gewann gegenüber Adel und Kirche kann man doch als Ergebnis festhalten, oder?
Inwieweit war 1848 eine Besitzstands-Schichten-Revolution oder wurde die Zielrichtung in den deutschen Gebieten vom Nationalgedanken überlagert?
Profitierten die unteren Schichten, das Proletariat überhaupt von 1848? Verbesserte sich die wirtschaftliche Situation von Bauern, (Heim)Arbeitern, Tagelöhnern oder geschah das erst später im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit und der Sozialreformen unter Bismarck. Oder waren diese vielleicht doch noch vom 1848-Zeitgeist, Marx und den Ereignissen im Nachhall beeinflußt?

Heute beansprucht fast jede Gruppierung die 48er für sich. Und pickt sich das passende heraus. Ich denke das tut der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht gut.
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Alt 23.11.2008, 09:40   #8
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Die 1848-Revolution in den deutschsprachigen Gebieten scheint ein bunter Flickenteppich zu sein.
Ich wüßte gern mehr über die Intentionen der unteren Schichten und den Zeitgeist.
Dass letztendlich das gehobene Bürgertum durch 1848 an Einfluss gewann gegenüber Adel und Kirche kann man doch als Ergebnis festhalten, oder?
Inwieweit war 1848 eine Besitzstands-Schichten-Revolution oder wurde die Zielrichtung in den deutschen Gebieten vom Nationalgedanken überlagert?
Profitierten die unteren Schichten, das Proletariat überhaupt von 1848? Verbesserte sich die wirtschaftliche Situation von Bauern, (Heim)Arbeitern, Tagelöhnern oder geschah das erst später im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit und der Sozialreformen unter Bismarck. Oder waren diese vielleicht doch noch vom 1848-Zeitgeist, Marx und den Ereignissen im Nachhall beeinflußt?

Es sind "Bundesweit" so zwischen 100 und 200 bedeutendere Ereignisse die die "Revolution" ausmachen, mit unterschiedlichstem Hintergrund.
Da ist es wirklich schwer den Überblick zu behalten.
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Alt 23.11.2008, 10:38   #9
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Es sind "Bundesweit" so zwischen 100 und 200 bedeutendere Ereignisse die die "Revolution" ausmachen, mit unterschiedlichstem Hintergrund.
Da ist es wirklich schwer den Überblick zu behalten.
Da hast du bestimmt recht, deshalb suche ich ja nach dem verbindenden Element und vermute das in der allgemeinen Stimmung, dem Zeitgeist.
Die französische Revolution war bekannt, auch die Auswüchse, es gab kleinere Aufstände davor, z.B. die Weber. Die Menschen hatten die Erfahrung gemacht, das man sich gegen ungerecht empfundene Umstände durchaus wehren kann, auch wenn der Erfolg oft mager war.

Für die leibeigenen Bauern hast du bereits über die Erfolge der 1848-Revolution berichtet, bei denen eine Hungersnot durch Mißernten wahrscheinlich "das Fass zum Überlaufen" brachte.

Ich bin mir daher nicht sicher, ob das Prädikat 1848- gescheiterte Revolution- den Tatsachen gerecht wird.
Manche Veränderungen setzen sich nur langsam und modifiziert durch, dafür aber nachhaltiger.

Welche Revolution war denn nachhaltig erfolgreich?
Die französische R., die Oktoberrevolution, die 68er - Bewegung????
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Alt 23.11.2008, 11:50   #10
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Für die leibeigenen Bauern hast du bereits über die Erfolge der 1848-Revolution berichtet, bei denen eine Hungersnot durch Mißernten wahrscheinlich "das Fass zum Überlaufen" brachte.
Von Leibeigenen zu sprechen triff´s da längst nicht mehr.
Die 1818er württ. Verfassung galt ja auch für die Neuerwerbungen.
Der Adel zog uralte Feudalrechte aus dem Portefeuille, die teilweise ein Jahrhundert und mehr nicht mehr in Anspruch genommen wurden.
Dann kamen natürlich als Auslöser die Missernten zuletzt 1846/47, als tatsächlich nochmal der Hunger durch Deutschland geisterte.

Aber wie gesagt, in Württemberg gab es schon über 1 Jahrzehnt Gesetzentwürfe, vom Landtag und Regierung abgesegnet, nur die 1. Kammer, die Vertretung des Adels, stellte sich Quer, verhinderte die in Kraftsetzung.
Und gleichzeitig zog der König auf seinen Ländereien fast keine Feudalrechte. Hatten die Bauern das Beispiel gleich vor Ort.

Wobei das im badischen Odenwald ähnlich war, als das Leinigensche Rentamt (Finanzamt) bei Mosbach gestürmt wurde, geschah dies unter Hochrufen auf den Großherzog.
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Alt 23.11.2008, 11:59   #11
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Da hast du bestimmt recht, deshalb suche ich ja nach dem verbindenden Element und vermute das in der allgemeinen Stimmung, dem Zeitgeist.
Die französische Revolution war bekannt, auch die Auswüchse, es gab kleinere Aufstände davor, z.B. die Weber. Die Menschen hatten die Erfahrung gemacht, das man sich gegen ungerecht empfundene Umstände durchaus wehren kann, auch wenn der Erfolg oft mager war.

Ich bin mir daher nicht sicher, ob das Prädikat 1848- gescheiterte Revolution- den Tatsachen gerecht wird.
Manche Veränderungen setzen sich nur langsam und modifiziert durch, dafür aber nachhaltiger.

Welche Revolution war denn nachhaltig erfolgreich?
Die französische R., die Oktoberrevolution, die 68er - Bewegung????

Das Bildungsbürgertum, die Liberalen, sahen die Revolution durchaus auch nicht als gescheitert. Man findet etliche im 1871er Reichstag wieder.

Wer voll reingehauen wurde, waren die Demokraten. Eingesperrt, Vermögen kpl. entzogen, zur Auswanderung gezwungen. Volles übles Programm.

Für die Arbeiterschaft gilt dasselbe, verkauft...
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Alt 24.11.2008, 10:11   #12
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Eine Soldaten-Meuterei bei der das Unteroffizierskorps federführend beteiligt ist, stellt aber eine absolute Seltenheit dar, ...
Ini Deutschland - oder allgemein?
Mir sind eben nicht viele Meutereien überhaupt präsent, ich habe da noch nie über einen solchen Trend nachgedacht.
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Alt 24.11.2008, 10:27   #13
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Ini Deutschland - oder allgemein?
Mir sind eben nicht viele Meutereien überhaupt präsent, ich habe da noch nie über einen solchen Trend nachgedacht.
Fällt mir so eben kurz ein:
Als die Württemberger nach Böhmen marschierten, um bei Leuthen massakriert zu werden, haben sie auch gemeutert, aber die Mannschaften.

Als beim Kapp-Putsch die Seeoffiziere meuterten, haben die Deckoffiziere sie vor größeren Dummheiten bewahrt.

Mir ist aus dem Handgelenk im Moment keine Unteroffiziers-Meuterei bekannt, Offiziere und Mannschaften dagegen schon, siehe oben.
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Alt 25.11.2008, 08:45   #14
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Ein weiterer fast vergessener Fakt:
Die Turner

Dass "Turnvater Jahn" im Paulskirchen-Parlament sass, unterstelle ich mal als bekannt.
Im April 1848 gründete sich der DTB in Hanau.
Umgehend gab es Differenzen zwischen "Liberalen" und "Demokraten"
so dass im Juli sich, ebenfalls in Hanau, der demokratische Turnerbund gründete.
Wie überall 1848/49, die Liberalen hatten keineswegs alle Forderungen durchgebracht, arrangierten sich aber, und sahen die Revolution weder als gescheitert noch als vergeblich.

Die Demokraten wurden eingesperrt, zur Auswanderung gezwungen, das kpl. Vermögen beschlagnahmt.
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Alt 25.11.2008, 14:55   #15
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Eine der bekanntesten Geschichten der 48/49er Ereignisse ist die über Kinkel/Schurz.

Carl Schurz gelang es durch einen Entwässerungsgraben aus den Kasematten der Festung Rastatt zu entkommen.
Sein ehem. Prof. Kinkel, verwundet bei den Kämpfen an der Murg, wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt, die er in Spandau verbüsste.

Schurz, unter falschem Namen einreisend, gelang mit Hilfe eines Gefängniswärters die Befreiung.
Die Beteiligung des Gefängniswärters ist zumindest ein Hinweis, wie groß der Rückhalt der Revolution in der Bevölkerung tatsächlich war.
Zumindest kenne ich keine ähnliche in Bezug auf Brandenburg 1965 oder Plötzenseee 1943.

OT: Vielleicht interessieren tolldreiste Geschichten mehr als historische Fakten
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Alt 25.11.2008, 15:02   #16
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Noch ein Histörchen:

Der "bedeudentste Arbeiterdichter des 19. Jahrhunderts" Georg Herwegh (Arbeitsmann aufgewacht..) und Gottlieb Rau, der vom Zwetschgenfeldzug, waren Schulkameraden in den 1820er Jahren an der Lateinschule in der mir am Rande bekannten schwäbischen Kleinstadt Balingen.

Rau stammt aus dem nahegelegenen Dörfchen Dürrwangen, die Familie von Herweghs Mutter kommt aus Balingen.
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Alt 25.11.2008, 15:09   #17
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Wieder weg von den Histörchen, zurück zu den Fakten:
Das Schicksal Rau´s nach der Revolution ist übrigens typisch für den Umgang mit Demokraten und Republikanern.

Vor der Revolution für damalige Verhältnisse reich, (selbst erworben!) nahmen sie ihm alles.
Dann begnadigt zur Auswanderung.
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Alt 25.11.2008, 15:17   #18
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OT: Vielleicht interessieren tolldreiste Geschichten mehr als historische Fakten
Sie interessieren auf jeden Fall (ohne die Fakten abwerten zu wollen ...).

Und da ich Dich nicht mehr bewerten kann, und es hier wohl auch keine große Diskussion geben wird: Bitte weitermachen!
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Alt 25.11.2008, 15:25   #19
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Sie interessieren auf jeden Fall (ohne die Fakten abwerten zu wollen ...).

Und da ich Dich nicht mehr bewerten kann, und es hier wohl auch keine große Diskussion geben wird: Bitte weitermachen!

OK
Noch ein kleines Histörchen:
Der Bundespräsident Heinemann, den Älteren hier noch ein Begriff. Er hatte als CDU-Minister in einer Adenauer-Regierung aus Protest gegen die Wiederbewaffnung sein Amt niedergelegt, und war aus der CDU ausgetreten. Präsident wurde er als SPD-Mitglied.
Abseits aller politischen Einstellung und Haltung:
Solche Männer braucht das Land!

Nun, einer seiner Vorfahren fiel bei der Verteidigung von Rastatt im Juli 1849!
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Alt 25.11.2008, 16:34   #20
unvergessen
 
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Nun, einer seiner Vorfahren fiel bei der Verteidigung von Rastatt im Juli 1849!
Im Laufe unserer Zusammenarbeit berichtete Heinemann viel aus seiner Familiengeschichte; insbesondere konnte er fesselnd über die Revolutionsjahre 1848/49 erzählen. Zwei Brüder seines Urgroßvaters, Carl und Friedrich Walter, hatten in Baden mitgekämpft. Carl Walter starb nach schwerer Verwundung in der Nähe von Rastatt; seinem Bruder gelang die Flucht in die USA als Mitstreiter von Carl Schurz, der in den USA zum Senator und Innenminister aufstieg. Geradezu fasziniert war Heinemann von dem Rechtsanwalt Friedrich Hecker, dem Führer des badischen Aufstandes 1848, dem noch rechtzeitig die Flucht in die USA gelang, wo er als Oberst der Unionstruppen im Sezessionskrieg für die Abschaffung der Sklaverei kämpfte. Das berühmte Hecker-Lied habe ich von Gustav Heinemann gelernt. Er beklagte, daß in mehreren Staaten der USA den deutschen Revolutionären von 1848/49 Denkmäler errichtet wurden, während sie in Deutschland bis vor wenigen Jahren nahezu vergessen waren. Wie sehr demokratisch-freiheitliches Denken die mütterliche Familie Heinemanns prägte, ist auch daran zu erkennen, daß seine Mutter, die keine Brüder hatte, ihrem Erstgeborenen neben dem Vornamen Gustav ihren Familiennamen Walter gab, der also nicht als zweiter Vorname gesehen werden darf.
Erinnerungen an Gustav W. Heinemann : Vortrag einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Bundesarchivs am 25. Februar 1999 im Schlo Rastatt anllich der Erffnung der Ausstellung "Gustav Heinemann und Raststatt" und der Prsentation d
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Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht?

Faust II, Vers 6809 f.
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