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Alt 28.02.2010, 16:02   #1
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Snork ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Poincaré besucht Russland im Juli 1914

Hallo,

eine Frage hat sich mir letzte Geschichtsstunde aufgedrängt (auch wenn sie ein wenig trivial erscheinen mag).
Der franz. Staatspräsident begab sich am 20.07.1914 auf eine Reise nach Russland um Gespräche mit Nikolaus II zu führen.
Also kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Mir stellt sich nun die Frage, wie er nach Russland gereist ist.
Aufgrund geographischer Gegebenheiten wird er wohl versucht haben deutsches Einflussgebiet zu meiden, oder?
Der Treffpunkt Sankt Peterburg lässt mich erahnen das er mit dem Schiff über die Nordsee hingekommen sein könnte.
Ein gefährliches unterfangen bei Deutschland Flottenstärke, oder nicht?

Weiss jemand etwas genaures?

Gruss,

Snork
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Zitat:
Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.
Katharina von Siena (*1347 - †1380)
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Alt 28.02.2010, 16:07   #2
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Das war (noch) mitten im Frieden und er wird ganz normal via Schiff durch die Ostsee gefahren sein.
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Alt 28.02.2010, 16:24   #3
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Snork ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Ersteinmal Dank für die schnelle Antwort.

Hast Du zufällig eine Quelle?

Ich meine, dass die Zeichen schon eindeutig auf Krieg standen. Und eine vorzeitige (auch vielleicht verfrühte) Gefangennahme des franz. Staatsoberhauptes hätte Deutschland einen Vorteil verschafft.

Aber vielleicht denke ich auch nur zu hinterlistig.

Gruss,

Snork
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Zitat:
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Alt 28.02.2010, 16:28   #4
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Zitat:

Hast Du zufällig eine Quelle?
Sorry, auf Anhieb nicht. Aber im Juli dachte doch noch niemand ernsthaft an Krieg.
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Alt 28.02.2010, 16:52   #5
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Immerhin war es ein Panzerschiff:
im Juli 1914, als Frankreichs Staatspräsident Poincaré in Petersburg von Bord des Panzerschiffs "France" kletterte
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Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht?

Faust II, Vers 6809 f.
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Alt 28.02.2010, 17:14   #6
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Nach Abschluss der Budgetverhandlungen verlies Poincaré Parisd über den Gare du Nord und ging am 16.7. auf dem Linienschiff FRANCE an Bord.

Das Schiff erreichte am 20.7.1914 Kronstadt, anschließend Verhandlungen in St. Petersburg etc.


Mit dem Schiff verlies er am 23./24.7.1914 wieder Kronstadt.
Auf dem Schiff wurde ihm am 24.7., noch im Finnischen Meerbusen, eine österreichische Note übermittelt.

Am Morgen des 29.7.1914 erreichte das Schiff Dünkirchen.

Quelle: Huddleston, Poincaré - A Biographical Portrait, Boston 1924.

Geändert von silesia (28.02.2010 um 17:28 Uhr).
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Alt 28.02.2010, 17:35   #7
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Snork ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Sehr gut!

Vielen Dank.

Hier noch ein paar Infos zum Schlachtschiff France.

Das Schiff wurde anscheinend auch noch von ihrem Schwesterschiff Jean Bart begleitet.
Und sie schafften es zurück ohne einem deutschen Schiff zu begegnen.

Zitat:
Almost immediately after being commissioned, she, escorted by her sister, Jean Bart, carried the President of the French Republic, Raymond Poincaré, on a state visit to Saint Petersburg, Russia in July 1914.[7] They were returning from Russia when World War I began, but made it to France without encountering German ships.
Quelle: French Battleship France

Ich danke Euch!

Gruss,

Snork
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Zitat:
Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.
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Alt 28.02.2010, 18:06   #8
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Zitat:
Snork Beitrag anzeigen
Sehr gut!

Vielen Dank.

Hier noch ein paar Infos zum Schlachtschiff France.

Das Schiff wurde anscheinend auch noch von ihrem Schwesterschiff Jean Bart begleitet.
Und sie schafften es zurück ohne einem deutschen Schiff zu begegnen.

Quelle: French Battleship France

Ich danke Euch!

Gruss,

Snork
Das Linienschiff France wurde doch erst im August 1914 in Dienst gestellt und diente im Mittelmeer.

Nach Breyer war nur das Schwesterschiff Jean Bart an der Reise nach Petersburg beteiligt.
Nach Preston wird eine Einsatzbereitschafft der France und Paris erst für Oktober 1914 angemerkt.

War man vielleicht ohne offizielle Indienstnahme , so zu sagen als Probefahrt, mit den Schiffen unterwegs? An der deutschen Küste entlang, zu diesem Zeitpunkt, ohne Gefechtsbereit zu sein? Ganz schön mutig.
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Alt 28.02.2010, 18:07   #9
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Vielleicht etwas OT, aber anlässlich Poincares Staatsbesuch wurde erstmals im Zarenreich mit offizieller Genehmigung die Marseillaise gespielt, die neben der Internationale auch als Hymne der Arbeiterbewegung galt.
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Die Verfassung eines Staates sollte so sein, dass sie die Verfassung seiner Bürger nicht ruiniere.
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Alt 28.02.2010, 18:07   #10
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silesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblick
Nebenbei: vor der Mecklenburgischen Küste (auf dem Rückweg nach Dünkirchen) sollen die beiden Schlachtschiffe übrigens einem deutschen Kreuzer begegnet sein, der ordnungsgemäß Salut schoss und wohl zum Kaiser-Wilhelm-Kanal verschwand. Auf dem Rückweg befand man sich auch in schwedischen Gewässern.

Der Rückweg und das Auslaufen aus Kronstadt waren Berlin gemeldet worden.

(Poincaré, The Origins of the War).
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Alt 28.02.2010, 18:16   #11
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Zitat:
Köbis17 Beitrag anzeigen
Das Linienschiff France wurde doch erst im August 1914 in Dienst gestellt und diente im Mittelmeer.
Indienststellung 15.7.1914 gemäß Dumas, The French Dreadnoughts: The 23,500 tons Courbet-Class. (Warship IX - 1985).

Es war die erste Dienst-Fahrt.
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Alt 28.02.2010, 18:52   #12
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Zitat:
silesia Beitrag anzeigen
Nebenbei: vor der Mecklenburgischen Küste (auf dem Rückweg nach Dünkirchen) sollen die beiden Schlachtschiffe übrigens einem deutschen Kreuzer begegnet sein, der ordnungsgemäß Salut schoss und wohl zum Kaiser-Wilhelm-Kanal verschwand.
Es war der kleine Kreuzer Magdeburg, der zu diesen Zeitpunkt (27.07.1914)zur Sicherung der Kieler Bucht abgestellt war und den französischen Linienschiffen France und Jean Bart östlich von Fehmarn begegnete.
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Alt 28.02.2010, 19:26   #13
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Poincare hat bei diesem Anlass den Russen einen sehr ähnlichen "Blanko-Scheck" ausgestellt, wie die Deutschen den Österreich-Ungarn.

Die Sowjet-Regierung hat 1919 im Vorfeld der Versailler-Verhandlungen etliches an "Entente-Geheimpapieren" veröffentlicht, darunter auch dies.
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Alt 28.02.2010, 19:45   #14
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Snork ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Wow, jetzt sprudelt es ja nur so hervor.

Das mit dem Blanko Scheck sehe ich ähnlich.
Zitat:
Über den Inhalt ihrer Gespräche mit der russischen Regierung ist wenig bekannt. Zur Zurückhaltung im beginnenden österreichisch-serbischen Konflikt scheinen sie dem Zaren und seinen Ministern nicht geraten zu haben, denn aus dem anschließend veröffentlichten Kommuniqué geht hervor, dass sie ihren Gastgebern gegenüber Frankreichs Bündnistreue beschworen. Anschließend zeigten die Russen ihre Gewissheit über „die volle Entschlossenheit der französischen Regierung“, mit ihnen gemeinsam zu handeln
Quelle: Julikrise Wikipedia

Kennst du eine Quelle die die Entente Papiere online hat?

Gruss,

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Zitat:
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Alt 28.02.2010, 20:17   #15
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Zitat:
Köbis17 Beitrag anzeigen
Es war der kleine Kreuzer Magdeburg, der zu diesen Zeitpunkt (27.07.1914)zur Sicherung der Kieler Bucht abgestellt war und den französischen Linienschiffen France und Jean Bart östlich von Fehmarn begegnete.
Unbemerkt und außer Reich- und Sichtweite kam auch schon 1914 auch kein Schiff durch die Ostsee.
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Alt 28.02.2010, 20:29   #16
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Alt 28.02.2010, 20:51   #17
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Repo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nett
Zitat:
Snork Beitrag anzeigen

Das mit dem Blanko Scheck sehe ich ähnlich.
Quelle: Julikrise Wikipedia

Kennst du eine Quelle die die Entente Papiere online hat?

Gruss,

Snork

Online wäre mir nichts bekannt.
Der Vorgang wird beschrieben in:
Dorst/Wünsche "Der erste Weltkrieg" erschienen im Militärverlag der DDR
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Alt 28.02.2010, 20:58   #18
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Snork ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Leider ist die nächste Bibliothek recht weit weg.

Naja, ihr habt mir auf jeden Fall echt weiter geholfen!

Danke!

Gruss,

Snork
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Zitat:
Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.
Katharina von Siena (*1347 - †1380)
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Alt 01.03.2010, 14:01   #19
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silesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblicksilesia ist ein Lichtblick
Zitat:
Repo Beitrag anzeigen
Poincare hat bei diesem Anlass den Russen einen sehr ähnlichen "Blanko-Scheck" ausgestellt, wie die Deutschen den Österreich-Ungarn.
Die Sowjet-Regierung hat 1919 im Vorfeld der Versailler-Verhandlungen etliches an "Entente-Geheimpapieren" veröffentlicht, darunter auch dies.
Interessant wäre Wortlaut, Kontext, Zielsetzung und Wahrnehmung aus der Quellenlage. Unter Blankoscheck kann man sonst vieles verstehen.

Beachtlich ist dabei der Ablauf: der österreichischen und deutschen Seite war bekannt, dass P. am 23.7. nach 18 Uhr Kronstadt verlassen wird.

Entsprechende Noten wurden nach diesem Zeitpunkt punktuell "gesetzt", damit eine russisch-französische Abstimmung auf Basis des dann möglicherweise bekannten Vorgehens von Österreich-Ungarn ins Blaue hinein erfolgen müssen. Die österreichische Note an Serbien erreichte P. daher auch erst verzögert telegrafisch auf der "France".

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
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Alt 01.03.2010, 15:14   #20
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Repo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nett
Zitat:
silesia Beitrag anzeigen
Interessant wäre Wortlaut, Kontext, Zielsetzung und Wahrnehmung aus der Quellenlage.

Ich bin im Mai eh in Moskau, kann ich mal schnell im Archiv vorbei gehen und Dir eine Kopie mitbringen.
Ich bin auch immer für Primärquellen

Zitat:
Unter Blankoscheck kann man sonst vieles verstehen.
Ein Blanko-Scheck ist kpl. ausgefüllt und rechtsverbindlich unterzeichnet. Das einzige was fehlt ist der Betrag, den kann der Empfänger nach "Gutdünken" eintragen.


Zitat:
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Ich tipp dir den Text aus dem Dorst/Wünsche heute Abend hier rein.
OK?
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